Schmied will Lehrer-Arbeitsplätze neu organisieren

09.01.2013 | 12:26 |   (DiePresse.com)

Unterrichtsministerin Schmied will die Arbeitsplatzsituation verbessern und sich dabei auch von anderen Organisationen wie großen Beratungsunternehmen inspirieren lassen.

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Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will im Zuge von Schulneu- und umbauten an Bundesschulen die oft kritisierte Arbeitsplatzsituation von Lehrern verbessern. "Das ist aber nicht nur eine Frage der Quadratmeter, sondern auch eine Frage der Büroorganisation", betonte die Ministerin. Bei einer Schulbaukonferenz im Mai soll deshalb auch Lehrerarbeits- und Arbeitsplatzorganisation Schwerpunktthema sein.

Nicht jeder braucht Platz im Konferenzzimmer

Es stehe außer Frage, dass Lehrer Arbeitsplätze benötigen, betonte Schmied. Die Frage sei aber, wie man diese organisiere. Man müsse sich ansehen, wo man Konferenzsituationen, Arbeitsplätze oder Raum für Kommunikation etwa für Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche brauche. So gebe es schon jetzt Beispiele wie das Theresianum in Wien, wo es keinen Konferenzraum mehr gibt und Lehrer auch Chemiesaal, Labors oder Bibliothek als Arbeitsplatz nutzen. "Es ist nicht so, dass jeder auf jeden Fall seinen Platz im Konferenzzimmer braucht." Schmied will sich dabei auch von der Arbeitsplatzgestaltung in anderen Organisationen wie großen Beratungsunternehmen inspirieren lassen.

Sieben Großprojekte um 99,5 Mio. Euro

Im Jahr 2013 sind an Bundesschulen sieben Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von 99,5 Mio. Euro geplant, bei der Mehrzahl geht es um Ausbau und Adaptierung bereits bestehender Bauten. Heuer kommen drei AHS in Niederösterreich (BG/BRG Gmünd, BG Krems, BG/BRG St. Pölten), das BG/BRG Wels (Oberösterreich), das BG Seekirchen (Salzburg), die HAK Feldbach (Steiermark) und die HAK/HAS Lustenau (Vorarlberg) zum Zug. Realisiert werden etwa ein Zubau für Nachmittagsbetreuung, thermische Sanierung, barrierefreie Zugänge oder neue Räume für offenes Lernen, schilderte Wolfgang Gleisssner, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft.

Die meisten Mittel sollen in die BHS fließen, da es dort "eine besonders bedrängte Situation an den bestehenden Standorten" gebe, so Schmied. Doch auch in Gymnasialstandorte werde investiert, betonte die Ministerin. Und auch bei den Bundesländern gebe es keine Ungleichbehandlung: "Weil ich schon gehört habe, das eine oder andere Bundesland fühlt sich benachteiligt - Niederösterreich kann es nicht sein", so die Ministerin mit Verweis auf die drei dort für 2013 geplante Großprojekte.

Raum für ganztägige Schulformen

Inhaltlicher Schwerpunkt neben Umbauten für offenes Lernen und bessere Lehrerarbeitsplätze ist auch die Schaffung von Raum für ganztägige Schulformen an den 320 Bundesschulen. Für die rund 6.000 Pflichtschulen sind hingegen die Gemeinden zuständig.

Der Bundesschulentwicklungsplan ist jeweils auf zehn Jahre angelegt. Für die Jahre 2008 bis 2018 stehen insgesamt 1,662 Mrd. Euro zur Verfügung, davon wurden bereits 577,3 Mio. Euro verbaut, aktuell in Bau sind Projekte um 379,85 Mio. Euro.

Welche Projekte realisiert werden, wird dabei laut Schmied "nicht in einem Planungsgremium am Minoritenplatz" entschieden, sondern unter voller Einbindung der Regionen und Bundesländer. Für Planung und Abwicklung ist die BIG in Absprache mit dem Ministerium zuständig. Sie übernimmt die Vorfinanzierung, das Ministerium zahlt die Investition in Form von Mieten zurück. 40 Prozent der BIG-Bauten fallen in den Bildungsbereich.

(APA)

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13 Kommentare

Zeit

nur die Zeit wird knapp Frau Minister - wie wollen sie in den wenigen verbleibenden Monaten noch was bewegen - da gehen sich Gott sei Dank auch keine grossen Fehler mehr aus.

Berichtigung für diesen Artikel

Als Administrator des Theresianums muss ich folgende Berichtigung anbringen: in diesem Artikel steht:
„So gebe es schon jetzt Beispiele wie das Theresianum in Wien, wo es keinen Konferenzraum mehr gibt und Lehrer auch Chemiesaal, Labors und Bibliothek als Arbeitsplatz nutzen. Es ist nicht so, dass jeder auf jeden Fall seinen Platz im Konferenzzimmer braucht.“
Dies ist nicht richtig. Das Theresianum hat sogar drei miteinander verbundene Konferenzzimmer, mit dem für Wiener Schulen ungewöhnlichen Standard, dass jedem Lehrer und jeder Lehrerin ein vollwertiger Arbeitsplatz (Schreibtisch, Regal, versperrbares Kästchen und WLAN) zur Verfügung steht, darüber hinaus Garderobe, Kaffeeküche und Außenterrasse. Auch gibt es Kustodiate und Büros für LehrerInnen mit besonderen Funktionen. Als LehrerInnen im Theresianum schätzen wir uns glücklich, eine solche Ausstattung zur Verfügung haben, umso mehr als das Theresianum eine echte Ganztagsschule ist, in der SchülerInnen und LehrerInnen in einer Rahmenzeit von 8 bis 18 Uhr leben, lernen und arbeiten.

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Nicht jeder braucht Platz im Konferenzzimmer

Wann war diese weltfremde Träumerin das letzte mal in einer Schule, da sie nicht einmal weiss, dass diverse Räumlichkeiten, wie Chemiesaal ec. schon jahrelang als Arbeitsstätten verwendet werden.

Die Blindheit dieser Frau ist himmelschreiend!

Österreichs Lehrpersonen können das Klassenzimmer nicht mehr als Arbeitsplatz erkennen!

Die verantwortliche Ministerin scheint auch der Meinung zu sein, dass die Arbeit der Lehrpersonen außerhalb der Klassenzimmer perfektioniert gehört.

Den Entscheidungsträgern sind die letzten Sicherungen durchgebrannt, der Lehrergewerkschaft schon lange. Das Brutale: Die Lehrpersonen Glauben das inzwischen auch!

gute Idee - aber sehr teuer

also wenn alle lehrer ihre unterlagen in der schule aufbewahren, dann wären da aber sehr viele quadratmeter nötig! ist schade ums geld! ich finde es toll, dass auf einmal so viel geld vorhanden ist - dies sollte aber meiner meinung nach den schülern zu gute kommen: in form von einrichtungsgegenständen, und schulstunden. es wird zwar immer davon geredet, dass lehrer länger in der schule bleiben sollen - aber ACHTUNG, das bedeutet nicht, dass die schüler mehr stunden haben. es bedeutet nur dass die lehrer insgesamt MEHR klassen unterrichten müssen, das heisst die betreuung der einzelnen schüler wird sich deutlich verschlechtern - denn wenn man 300 schüler hat - kann man sich zB 1 tag pro jahr um jeden einzelnen schüler kümmern! lächerlich - unsere schüler bräuchten viel, viel mehr betreuung!

die spö

lässt diese dame schon ziemlich lange werkeln. spricht nicht für diese partei.

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Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Bei 40 Stunden Anwesenheit in der Schule benötigt jeder Lehrer ein Einzelzimmer oder zumindest ein Zimmer zu zweit.

Und nein, dafür kann man nicht das Konferenzzimmer in ein Großraumbüro mit lauter Kojen umwandeln. Es muss auch ein absolut ungestörtes Arbeiten möglich sein, etwa bei der Vorbereitung oder heiklen Korrekturaufgaben, vergleichbar mit dem Studium der Akten bei einem Anwalt. Und es wird auch nötig sein, einen Parteienverkehr einzuführen, denn der Lehrer kann nicht ununterbrochen für Auskünfte zur Verfügung stehen, vergleichbar mit der Arbeit eines Finanzbeamten.

Und nein, dafür kann man auch nicht Klassenräume, die am Nachmittag leer stehen, nutzen. Denn am Lehrerarbeitsplatz befinden sich neben einem PC, einem Telefon und einem Drucker auch eine Menge Aktenordner und Fachbücher.

Und nein, die Fachbücher lassen sich nicht durch eine Wikipädia-Recherche ersetzen.

Das alles wird heutzutage durch ein Arbeitszimmer im Lehrerhaushalt umgesetzt.

Und nein, dieses kann nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Im Grunde genommen sollte die Steuerzahler froh sein, dass ihnen die Lehrer durch das Bereitstellen von Privateigentum eine Menge Geld ersparen. Denn in Österreich gibt es etwa 7.000 Schulen, die alle umgebaut werden müssten, wenn die 40 Stunden Anwesenheit umgesetzt wird. Und rechnet man pro Umbau sehr vorsichtig nur 1 Million Euro, dann wären schon 7 Milliarden Euro fällig. Genausogut könnten es aber 70 Milliarden sein...


Re: Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Einzelzimmer und Drucker bei jedem PC sind zwar ein bissl viel verlangt und auch Finanzbeamte müssen sich konzentrieren können (von mir aus nicht aber die Staatsschulden....). PC und Telefon sind heute auch nicht mehr platzgebunden und s'ist auch langsam Zeit für elektronische Aktenordner. Vielleicht gibt es auch das eine oder andere Fachbuch über e-reader.
Nur: wo nimmt denn die Frau Unterrichtsministerin die leeren Klassenräuzme her, wenn gleichzeitig die Ganztagsschule die berufstätigen Eltern entlasten soll? Sperrt man dann die 1000-2000 Schüler von 13 bis 17 Uhr in den Schulhof oder Turnsaal? Auch das Theresianum wird dann keine leeren Klassenräume mehr haben.

Re: Re: Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Na, dann gehen Sie mal mit den "elektronischen Aktenordnern" in den Unterricht. Würde nur funktionieren, wenn in jedem Klassenraum auch ein betriebsbereiter Beamer steht.

Und was die platzgebundenen PC und Telefon betreffen: ja, wenn mir die Frau Claudia ein Notebook (aber nicht so einen Mist, wie sie vor zwei Jahren vorhatte) und ein Smartphone zur Verfügung stellt und diese Utensielien auch spätestens alle vier Jahre erneuert - warum nicht?

Re: Re: Re: Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Ich denke, Beamer in jedem Klassenzimmer wären mit gemeinsamer Anstrengung Schule, Land, Ministerium zu schaffen. Viele neuen Schulen haben bereits elektronische Tafeln.

Betreffend Notebook und Smartphone: Wenn es die Schule nicht schafft, die Lehrer damit auszustatten, hat wohl jeder Beides im Privatbetrieb. Es gibt dazu auch Firmen mit ziemlich günstigen Lehrerrabatten. Kommt dann nur auf die Absetzbarkeit beim Steuerausgleich an.

Beides zusammen kommt viel billiger als Einzelzimmer mit Privatpapierarchiv und Bibliothek.

Kenne auch schon Schulen mit zentralem Datenarchiv, auf das jeder Lehrer von jedem Klassenzimmer zugreifen kann.

Mit ein wenig Goodwill und viel Kreativität (wer, wenn nicht die LehrerInnen) kanns durchaus mobile Arbeitsplätze geben, wie auch in beeits vielen Bereichen der Privatwirtschaft.

Dann können die Schüler auch nachmittags großteils in den Klassen betreut werden.

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Re: Re: Re: Re: Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Irrtum! Ob ich privat ein Notebook oder Smartphone habe oder nicht, ist irrelevant.

Wenn ich gezwungen werde, 40 Stunden in der Schule zu verbringen, dann werde ich meine privaten Geräte sicher NICHT für meine Arbeit verwenden. Wenn der Arbeitgeber möchte, dass ich diese Geräte einsetze, dann hat er sie zur Verfügung zu stellen!

Und damit ist auch ihr Einwand mit dem Beamer geklärt: wenn ich offiziell kein Notebook habe, dann nützt auch der Beamer im Klassenzimmer nichts.

Die Zeiten von "Goodwill und Kreativität" sind bei Claudias Vorstellungen, was das Lehrerdienstrecht und die Bezahlung betrifft, nämlich vorbei!

Re: Re: Re: Re: Re: Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Absolute Zustimmung. Davon abgesehen, kann mich ja wohl kein Mensch dazu zwingen, meine private Handynummer allen Eltern, Schülern und Kollegen zur Verfügung zu stellen.
Man zeige mir bitte den Finanzbeamten, Bankberater, sonst. Kundenberater, etc, der Tag und Nacht telefonisch für seine Kunden erreichbar ist.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Sehr wohl eine Frage der Quadratmeter

Laut §53 BDG (Meldepflichten) sind Sie verpflichtet, Änderungen der Wohnadresse der Dienststelle bekanntzugeben; es besteht keine gesetzliche Verpflichtung, eine Telefonnummer bekanntzugeben. Wenn Sie der Direktion dennoch eine Telefonnummer bekanntgeben, können Sie darauf bestehen, dass diese aus Datenschutzgründen nicht an Eltern oder Schüler weitergegeben werden darf.

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