Migranten sollen Dialekt-Nachhilfe erhalten

22.01.2013 | 18:12 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Von Migranten wird erwartet, dass sie Dialekte verstehen und sprechen können, deshalb soll auch das in der Schule gelernt werden. Das fordert Österreichs einzige Professorin für Deutsch als Zweitsprache.

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Wien. Den Vorarlberger oder Tiroler Dialekt zu verstehen, fällt häufig sogar den Ostösterreichern schwer. Was für sie eine Herausforderung ist, kann für Migranten, die versuchen, die deutsche Sprache zu erlernen, ein regelrechter Stolperstein werden. In der Diskussion um die Sprachförderung wird dieser Aspekt dennoch zumeist vergessen.

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Dabei sollten die Migranten nicht nur Deutschförderung, sondern auch Dialektförderung erhalten, wünscht sich Österreichs einzige Professorin für Deutsch als Zweitsprache. Denn genauso, wie man ohne gute Deutschkenntnisse nicht vorankommen wird, so wird man es auch ohne Dialekt nicht schaffen. „Es wird erwartet, Dialekt zu sprechen“, sagt İnci Dirim von der Uni Wien.

In weiten Teilen des Landes sind die Migranten außerhalb des Deutschunterrichts weniger mit der Standardsprache als vielmehr mit diversen Dialektformen konfrontiert. Nicht nur ihr Umfeld – also ihre Mitschüler – spricht meist ausschließlich Dialekt. Auch viele Lehrer sprechen im Unterricht überwiegend Umgangssprache.

 

Dialekt akzeptieren und fördern

„Der Dialekt gehört hier einfach dazu“, so Dirim. Ein Umstand, der es für Migranten schwierig macht, die deutsche Sprache schnell und gut zu erlernen. „Der Dialekt spielt beim Erwerb der deutschen Sprache eine große Rolle“, sagt die Expertin.

Als Vorbild könnte die Schweiz dienen. Dort wird Dialekt nicht nur akzeptiert, sondern sogar gezielt gefördert. Migranten lernen in der Schule neben der Standardsprache auch Dialekt. Wie schwierig das sein kann, zeigt der Blick in die Praxis: Nicht nur die Wörter unterscheiden sich zwischen der Standardsprache und dem Dialekt oft stark, sondern auch viele grammatikalische Regeln. Für Verwirrung sorgen etwa die Artikel: Subjekte haben in der Standardsprache häufig andere Artikel als im Dialekt. Für Migranten, die nicht in Österreich aufgewachsen sind, kommt noch eine Erschwernis hinzu: Ihnen fällt es oft schwer, zwischen der Standardsprache und dem Dialekt zu unterscheiden.

 

Personal- und Forschungsmangel

Auch hier können die Lehrer nicht aus der Verantwortung genommen werden: Es komme vor allem auf ihren Umgang mit der Sprache an, sagt Dirim. Soll heißen: Lehrer sollten sowohl die Standardsprache als auch den Dialekt „gezielt einsetzen“. In formellen Situationen soll darauf geachtet werden, „nach der Schrift“ zu sprechen. In informellen und lockeren Situationen sei hingegen der Dialekt angebracht. Migranten müsse ein Gefühl für die Verwendung der Sprache vermittelt werden.

Die von Dirim gewünschte Dialektförderung bleibt wohl noch lange ein frommer Wunsch. Denn derzeit steht selbst für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ nur eine verschwindend kleine Zahl an fachlich qualifizierten Lehrkräften zur Verfügung. Zumeist werden die Deutschförderkurse von Lehrkräften abgehalten, die über keine einschlägige Ausbildung verfügen.

Knapp 50 Experten haben deshalb ein Schreiben aufgesetzt und dieses an das Unterrichts- sowie an das Wissenschaftsministerium und alle ausbildenden Institutionen in diesem Bereich geschickt. Die Experten fordern zusätzliche Professuren im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Vor allem an den Pädagogischen Hochschulen müsse diesem Thema noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Außerdem soll die Forschungsaktivität verstärkt werden. Deutsch als Zweitsprache soll darüber hinaus ein Pflichtfach in der neuen Lehrerausbildung werden. Auch Kindergartenpädagoginnen sollen geschult werden, so die Forderung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2013)

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107 Kommentare
 
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erstsprache

Deutsch muss natürlich erstsprache sein für alle die hier leben wollen! Im 44er gestern um 22:00 kaum ein wort deutsch. Integrationswille sieht anders aus!

wann passiert endlich was ....

hab grad dieses und einige Themen im Anhang gelesen .... viel Blabla ... aber keiner setzt grundlegender an. Aufgrund des hohen Migrantenanteils in Wien wäre es schon lange zweckmäßig 2 verpflichtende Kindergarten- oder Vorschuljahre mit Deutschförderung einzuführen. Da wird niemand noch im Lernfortschritt behindert und Kinder erlernen Sprachen noch leichter. Natürlich muß das kostenlos sein, denn die Gruppe die diese Unterstützung benötigt kann sich nicht für etliche Kinder die Kosten für Kindergarten leisten. In Summe glaube ich, daß dies für Wien ein brauchbarer Weg ist.

mein Kollege aus dem yemen spricht deutsch und hat in Deutschland studiert

trotzdem hat er mit dem Dialekt Probleme. Insofern finde ich die Initiative nicht schlecht.

Re: mein Kollege aus dem yemen spricht deutsch und hat in Deutschland studiert

Ein Brite ist in Texas auch viel ärmer dran als ein Salzburger.

nur ausländer

als thema.. oida losts die menschen in ruhe!!

na kloar, und sonst is olles palletti?

;-)

A so an Blödsinn!

Bi üs in Voradlberg giit's an Hufa Lüt, dia was überhaupt koan Dialekt redand, und dia werand trotzdem alls eher as dischkriminiert: dia ganza Dütscha, wo als Mänätscher odr Barkieper do schaffand, und vor allem dia ganza Gschtopfta vo Breagaz, Dorabira und Fealdkirch. Dia radand scho sit über hundert Johr koan Dialekt meh, sondern Pfänderdütsch, Bödeledütsch odr Ganahl-Dütsch. Und des sind bi üs ou nit dia Dischkriminierta, sondern dia sägand da deppata Dialektschpreacher, wo's lang goht. So isch's und nid andersch.

Re: A so an Blödsinn!

das kann nichtmal ich lesen. als wienerin, welche nach der schrift spricht tue ich mir in linz schon oft schwer alles zu verstehen....

Re: Re: A so an Blödsinn!

Das ist aber ein Armutszeugnis, wenn Sie das nicht lesen können!

irgendwie seltsam, oder doch nicht

kommt in einem artikel der wortteil migr vor, dann erfolgt die veröffentlichung von beiträgen mit verzögerung. meinungsfreiheit in ö. ist nur mehr lächerlich.

Re: irgendwie seltsam, oder doch nicht

... oder verdunstet total im Cyber-Nirwana...

Dialekte ...

In Tirol hat es meine Familie - die Hälfte aus Moskau - gar nicht so leicht mit der Deutschen Sprache ... a klone Gschicht dazua: Ein Familienmitglied Absolventin der Moskauer Universität - Germanistik Linguistik ( Diplom in Wien bestätigt ) musste da sie " nit gschait Daitsch kun " auf Anordnung der Vorgesetzten eine Deutschprüfung ablegen...

Re: Dialekte ...

Ihr möchtet doch hier leben - oder nicht?

Wo ist das Problem?

Tolle Idee...

...aber bitte nicht mit meinem Steuergeld finanzieren!

Mit dem Erlernen eines lokalen Dialektes

erschließt man sich eine mehr oder weniger enge Region. Wenn man vorhat, den Rest seines Lebens in dieser Region zu verbringen, seine Kommunikation auf Bewohner dieser Region zu beschränken und auch keine Informationen aus überregionalen Printmedien und TV-Programmen aufzunehmen, dann genügt das freilich.

Um den gleichen Aufwand könnte man aber auch die Schriftsprache erlernen und damit sowohl in der engeren Lebensumgebung als auch im 100-Millionen-Sprachraum kommunizieren.

Den brauchen die auch!

Rank Country IQ estimate
1 Hong Kong 107
2 South Korea 106
3 Japan 105
4 Republic of China (Taiwan) 104
5 Singapore 103
6 Austria 102
6 Germany 102
6 Italy 102
6 Netherlands 102
10 Sweden 101
10 Switzerland 101
12 Belgium 100
12 China 100
12 New Zealand 100
12 United Kingdom 100
16 Hungary 99
16 Poland 99
16 Spain 99
19 Australia 98
19 Denmark 98
19 France 98
19 Mongolia 98
19 Norway 98
19 United States 98
25 Canada 97
25 Czech Republic 97
25 Finland 97
28 Argentina 96
28 Russia 96
28 Slovakia 96
28 Uruguay 96
32 Portugal 95
32 Slovenia 95
34 Israel 94
34 Romania 94
36 Bulgaria 93
36 Ireland 93
36 Greece 93
39 Malaysia 92
40 Thailand 91
41 Croatia 90
41 Peru 90
41 Turkey 90
4 Colombia 89
44 Indonesia 89
44 Suriname 89
47 Brazil 87
47 Iraq 87
47 Mexico 87
47 Samoa 87
47 Tonga 87
52 Lebanon 86
52 Philippines 86
54 Cuba 85
54 Morocco 85
56 Fiji 84
56 Iran 84
56 Marshall Islands 84
56 Puerto Rico 84
60 Egypt 83
60 Saudi Arabia 83
60 United Arab Emirates 83
61 India 81
62 Ecuador 80
63 Guatemala 79
64 Barbados 78
64 Nepal 78
64 Qatar 78
67 Zambia 77
68 Congo 73
68 Uganda 73
70 Jamaica 72
70 Kenya 72
70 South Africa 72
70 Sudan 72
70 Tanzania 72
75 Ghana 71
76 Nigeria 67
77 Guinea 66
77 Zimbabwe 66
79 Democratic Republic of the Congo 65
80 Sierra Leone 64
81 Ethiopia 63
82 Equatorial Guinea 59

Re: Den brauchen die auch!

woher ist dieses Ranking?

die bei den klassenzimmertüren vorbeigehen

sind dann die gescheitesten, die experten, die schulaufsichtsorgane, direktoren und höheres. ministerinnen kennen schule höchsten aus ihrer eigenen schulzeit, und da sind wahrscheinlich nur die negativen erinnerungen geblieben..
in den klassen würden sie alle wieder kleinlaut.

Re: die bei den klassenzimmertüren vorbeigehen

Nur aus einem Grund - sie verstehen die Migranten-Sprachen nicht.

Ach ja...

...wir sind ja schon froh, wenn die Einwanderer die hochdeutsche Sprache verstehen und sprechen können...

So schlecht ...

..., wie manche hier tun, ist die Idee nicht. Die Schweizer haben mehr sprachliches Selbstbewusstsein -- wir Österreicher richten uns sprachlich nach dem Norden (nördlich des Weißwurstäquators!!!).

Re: So schlecht ...

Mit der Schweiz kann man das nicht vergleichen. In der Schweiz ist Schwyzerdütsch Amtssprache, deshalb muss man diese Variation einfach lernen. Bei uns ist Hochdeutsch Amtssprache.

Sicher schadet es nicht, die Dialekte auch zu können, aber bitte zuerst einmal Hochdeutsch.

Re: So schlecht ...

Der Grund für den überproportionlen Einfussreichtum des deutschen Nordens liegt ist aber gerade der Umstand, dass im politisch zersplitterten Süden jedes Politgebilde sein eigenes Sprachsüpplein kochen will, anstatt im Verbund (viribus unitis) als starker Südblock aufzutreten und den deutschen Kulturraum zu einem sprachlichen Feld ebenbürtiger Gestalter zu machen.

Aber das verhindert halt der Umstand, dass sich Österreich entschlossen hat, Stalin - wie dieser aus splatungsstrategischen Gründen gefordert hat - die Opferrolle zum Preis der nationalen Abgrenzung gegenüber Deutschland abzukaufen. Und in den Fesseln dieses Selbstknebelungsdeals liegt das Land nunmehr gefangen.

Re: So schlecht ...

die schweizer sind dreisprachig, manche können noch mehr. nicht äpfel mit birnen vergleichen

Wo ist das Ein- und Auswandern geblieben?


Durch Migration wird der Migrant zu:

- Emigrant (Emigration)

- Immigrant (Immigration)

Warum stellt die Medlienlandschaft die Wanderbewegung vor das "Ankommen - Einwandern" (Immigration) bzw. "Verlassen - Auswandern"(Emigration)?

Für den Menschen zählen Immigration & Emigration emotional immer mehr als die "Wanderung" (Migration).

Gelernt?

Ich kann mir nicht ganz vorstellen, daß diese Deutsch-Professorin tatsächlich forderte, daß an der Schule geLERNT werden soll. Sie sagte sicher geLEHRT! Und Frau Neuhauser könnte sich ebenfalls um das ERlernen dieser Sprache bemühen ...
Die Forderung an sich entbehrt jedenfalls jeglicher Sinnhaftigkeit!

 
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