Gegen Schmied: Katholische Eltern erstellen eigene Sexualbroschüre

28.01.2013 | 14:27 |   (DiePresse.com)

Konservative Elternvertreter kritisieren die "Untätigkeit" von Ministerin Schmied. Sie habe die Kritik an der umstrittenen Sexualbroschüre "Ganz schön intim" ignoriert.

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Konservative Elternvertreter haben Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) im Zusammenhang mit der umstrittenen Sexualbroschüre "Ganz schön intim" des Vereins "Selbstlaut" Untätigkeit vorgeworfen. Keine der versprochenen Änderungen sei bisher durchgeführt und "auch sonst jede sachliche Kritik ignoriert" worden, kritisierten eine Initiative betroffener Eltern, der Familienbund Österreich und die Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände (AKV) laut Aussendung am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Sie fordern die Entfernung des Materials von der Ministeriumshomepage und die Ausarbeitung von Alternativen unter Einbindung der Eltern.

Die für Sechs- bis Zwölfjährige konzipierte Broschüre war bei Politikern von ÖVP und FPÖ auf Kritik gestoßen, weil darin deren Meinung nach die "Kernfamilie" infrage gestellt und verschiedenste sexuelle Ausrichtungen dafür als vollkommen gleichwertig dargestellt würden. Schmied hatte die Broschüre verteidigt, jedoch in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage angekündigt, eine umstrittene Passage zur (in Österreich gesetzlich verbotenen) Leihmutterschaft abzuändern. Aus Sicht des AKV ist Schmieds Reaktion allerdings "unbefriedigend", da sie an keine inhaltliche Kurskorrektur denke, sondern "die Broschüre nur auf den Boden der Rechtsstaatlichkeit zurückführen wolle".

"Wissenschaftlich unhaltbar"

"Dies ist eine Broschüre zur Politisierung der Kinder und wissenschaftlich unhaltbar", betonte der von der Initiative mit einem Gutachten zur Broschüre beauftragte Psychiater Christian Spaemann. So sei Intersexualität "extrem überdurchschnittlich hoch vertreten", teilweise überschreite die Broschüre mit Bildern von Strichfiguren beim Geschlechtsakt "wohl sogar die Grenzen des Kinderschutzes". Der hedonistische Zugang zu Sexualität sei zudem zur Grenzziehung gegenüber Erwachsenen und Übergriffen "völlig ungenügend", so Spaemann. Nicht der Realität entsprechend sei zudem, dass die klassische Familie nur als eines von 16 Familienbildern und mit einem ironisierenden Kommentar versehen dargestellt werde.

"Die Schamgrenzen der Kinder werden systematisch ignoriert", bemängelt Familienbund-Bundesgeschäftsführerin Alexandra Lugert. Erik Kroiher, gesellschaftspolitischer Sprecher der AKV, kritisiert die fehlende Einbindung von Sexualität in Partnerschaft. Die Elterninitiative will nun mit Experten, Eltern und zuständigen Vereinen eine alternative Sexualbroschüre erstellen. "Wir erwarten dieselbe Unterstützung wie der Verein Selbstlaut und ebenso das Logo des Ministeriums für unsere Arbeit", so eine Sprecherin der Elterninitiative.

(APA)

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158 Kommentare
 
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Der Inhalt der katholischen Broschüre, kurz zusammengefasst:

Das da unten = pfui.
Verhütung kommt gar nicht vor.
Und die Kinder bringt der Klapperstorch.

Hmmm...

...politisiert dürfen die Kinder nicht werden, aber "religiosiert" schon?
D.h. man darf den Kindern also schon einreden, dass eine Familie, wie in der christlichen Ideologie vorgeschrieben, aus Vater, Mutter und Kindern zu bestehen hat, dass die Eltern verheiratet sein müssen und dass man Sex nur dann hat, wenn man verheiratet ist?
Nichts gegen Religion. Jeder darf seinen Kindern jene Werte beibringen, die er möchte. Es ist auch in Ordnung, wenn die Katholiken eine eigene Broschüre erstellen möchten, die ihre Ansichten besser vertritt.
Aber die lieben Katholiken mögen bitte einsehen, dass in Österreich Staat und Kirche getrennt sind und die Auffassungen des Staats sich mit denen der Kirche nicht decken müssen.

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Re: Hmmm...

Jeder darf seinen Kindern jene Werte beibringen, die er möchte. Es ist auch in Ordnung, wenn die Katholiken eine eigene Broschüre erstellen möchten, die ihre Ansichten besser vertritt. Was soll das aber? Jeder darf - der Staat, die Senferin, aber keiner muss - zumindest derzeit.

Re: Re: Hmmm...

Natürlich muss keiner und das ist auch gut so!

Ich sehe die Aufgabe der Schule ja eher darin, den Kindern sachlich Fakten beizubringen - und zwar nicht wertend, sondern neutral.

Die Verhaltensregeln und die Werte sind meiner Meinung nach die Aufgabe der Eltern. Grundregeln bzw. einen Grundstock an Manieren sollten die Kinder schon mitbringen, wenn sie in die Schule kommen bzw. sollten sie da schon ein Gefühl für richtig und falsch haben (dass man sich nicht immer daran hält und auch Fehler macht, ist eh klar).

Re: Re: Hmmm...


und als nächstes wollen auch konservative muslimische Elternvertreter ihre Sexualbroschüre im Biologieunterricht…???!!!


Re: Re: Re: Hmmm...

In einer muslimischen Schule dürfen sie das.
Sie dürfen die Broschüren auch im Religionsunterricht austeilen und besprechen, ebenso dürfen sie sie in den Moscheen verteilen.

In einer öffentlichen Schule in Österreich gelten jedoch die Regeln und Ansichten des Staates. Man darf also die Broschüren bestenfalls in der Schule auflegen, aber diese Dinge sicher nicht im Biologieunterricht besprechen (höchstens erwähnen, dass unterschiedliche Religionen auch unterschiedliche Auffassungen über Sexualität haben).
Das gilt übrigens auch für die katholische Broschüre und alle anderen mit religiösem Bezug.

Eltern..

haben es in ihrer Hand wenn sie keine sexuell abartigen Jugendlichen mit 16, 17 haben wollen sich gegen den Sexualunterricht für 6, 7, 8, 9jährige zu stellen! Denn haben wir noich zu wenig Perversitäten in unserem Land?600 jugendliche Vergewaltiger von 10 Jährigen bis 21 Jährige Sextäter
www.gegensexuellegewalt.at

Re: Eltern..

warum vermischen sie sexualität mit gewalt. vergewaltigung ist gewalt und sonst nichts. vielleicht hätten die von ihnen angesprochenen jugendlichen einen anderen weg eingeschlagen wenn sie mehr über das thema gewußt hätten.

Re: Re: Eltern..

Das frage ich mich auch!

Gesunde Sexualität hat mit Gewalt und Vergewaltigung rein gar nichts zu tun.
Und pervers ist etwas nur dann, wenn es nicht in gegenseitiger Übereinstimmung geschieht. Alles andere sind Spielarten der Sexualität und die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

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Die Kinderlosen haben noch immer am meisten Ahnung von

Erziehung und Bildung - steht alles im Parteibuch.

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Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Meiner Meinung nach sollte die Schule lediglich Sexualbildung durchführen, aber keine Sexualerziehung, da zweiteres ein ideologisiertes Minenfeld ist, wie ja auch gerade diese Broschüre zeigt.
Mit Sexualbildung meine ich: Vor allem die Funktionalität. Das ist ein Penis, das eine Vagina. So funktioniert Sex. Solche natürlichen Sonderformen (homo-, transgender, bi) gibt es evtl. Diagramm wieviel % der Bevölkerung ungefähr darunter fallen, damit die Kinder selbst beurteilen können was in welcher Größenordnung zutrifft. Weiters noch was absolut nicht erlaubt ist (Pädophilie), als wichtiges Basiswissen.

Diese Schmied-Broschüre trieft hingegen nur so vor Ideologie und ist deswegen vehement abzulehnen. Da wird so getan als wäre Heterosexualität nur eine Variante unter vielen, als wäre das Zeugen von Kindern eine lockere Sache wie eine Verabredung und die klassische Familie etwas was "leider" immer noch als erstrebenswert dargestellt wird. Die Schmied Broschüre ist damit ideologisch genauso verbohrt, wie es eine des katholischen Familienverbandes wäre, nur mit dem Extrem in die jeweilige Gegenrichtung.

Und genau aus diesem Grund sollte man die Sexualerziehung lassen und stattdessen auf Sexualbildung setzen. Einfach zeigen was Sache ist, was verboten ist, was wie häufig vorkommt. Aber ohne Wertung bezüglich gut/schlecht, normal/abnormal, altmodisch usw. denn diese Indoktrinierung steht dem Staat nicht zu.

Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

"....und ist deswegen vehement abzulehnen"

Das ist ein Imperativ!

Und genau gegen diesen Imperativ beginnen sich Menschen zu wehren.

Gegen den Imperativ der Kirche, wie andere zu leben haben, was sie lesen dürfen, wie Schule zu geschehen hat, ja was denn überhaupt natürlich und deshalb erlaubt sein dürfe.

Sie, werter Herr Gerald, lehnen aus gewissen Gründen diese Broschüre vehement ab.

Das ist Ihr gutes Recht.

Es ist aber nicht Ihr Recht vorzuschreiben, dass andere Menschen diese Broschüre abzulehnen haben.

Und genau deshalb bin ich eine Befürworterin der Broschüre.

Mich stört der Imperativ der Kirche, wie "natürliche" Sexualität auszusehen hat und welchen Regeln sie zu gehorchen hat.

_Das_ empfinde _ich_ als ideologisierende Indoktrination.

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Re: Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Wo schreibe ich hier anderen Leuten was vor?

Wohl zuviel in ihrer heißgeliebten Schmiedschen Ideologiebroschüre gelesen, dort wird nämlich quasi vorgeschrieben was gut zu sein hat und was nicht. Und das lehne ich vehement ab.

Re: Re: Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

"und ist vehement abzulehnen"
ist eine Vorschrift.
Wenn Sie schreiben: "Ich lehne es deshalb vehement ab" blieben Sie bei sich und wirkten da nicht so übergriffig und vorschreibend. Also nicht den absoluten Herrschaftsanspruchs über Sexualbroschüren vermittelnd.

Sie wissen also, dass es sich um meine heißgeliebte handelt.
Soso.was wissen Sie noch von mir? :-)

Sie haben die Broschüre definitiv _nicht_ gelesen.
Dort wird nämlich weder_quasi_ noch sonstwie vorgeschrieben was gut zu sein hat und was nicht. Genau das scheit ja einige Menschen besonders zu verstören :-)
Sei es wie es sei. Die Broschüre kommt sowieso zu den Lehrern, sofern sie sich diese Downloaden oder bestellen.

Da nützt die ganze künstliche Aufregung nix.

Lehrer die damit arbeiten wollen, werden es tun oder tun es schon, und zwar _ohne_ die katholische Kirche, oder Sie oder mich, um Erlaubnis zu fragen.


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Re: Re: Re: Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

"Diese Broschüre muss von jedem vehement abgelehnt werden"

Das ist eine Vorschrift.

"ist vehement abzulehnen" ist nur eine allgemeine Stellungnahme meinerseits.
So wie sie aber anscheinend Schwierigkeiten haben die Feinheiten der Semantik zu erkennen, wundert es mich nicht, dass sie die offenkundig wertenden Aussagen in der Broschüre nicht erkennen. Schmieds Broschüre ist um keinen Deut besser wie die des katholischen Verbandes, genauso ideologisch verbohrt und belehrend.

Re: Re: Re: Re: Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Ja sie schreiben semantisch sehr fein.
:-)
Die Feinheiten tropfen Ihnen geradezu aus allen Poren.
:-)

Und wie gesagt: die künstliche Erregung bringt nix mehr.

Diejenigen die weniger verbohrt sind als Sie - werden sie verwenden. :-)
Und diejenigen, die weniger verbohrt sind als ich, werden sie nicht verwenden.

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Und die "feminanzen" werden ohnehin zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Lehrer mit ihren Broschürerln brausen gehen können. Denn die Erziehung findet immer noch durch die Eltern statt, zumindest wenn die sich um ihre Kinder kümmern.
Da kann die Schmied mit ihren ideologietriefenden Pamphlet sich über die Häuser hauen. Wobei ich aber eh bezweifel, dass ein nennenswerter Teil von Lehrern diesen Mist überhaupt verwendet.

Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Da bin ich Ihrer Meinung. Aber das sollte dann selbstverständlich auch für die katholische Broschüre gelten.

Sachliche Aufklärung ohne Wertung/Wertbildung, außer es handelt sich um eine Broschüre, die nur innerhalb der Kirchengemeinde verteilt wird.

Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Indoktrinierung - eine erprobte Methode mit Renaissancepotential. Es gibt halt Menschen, die noch keinen Coach für die Lebensfragen brauchen, die auch den Urlaub ohne Fremdanimation vebringen können, die noch Selbstbestimmung beanspruchen. Bei diesen Postings gehen die Besserwisser um - sie kommen und sie werden bald wieder gehen.

Re: Sexualbildung statt Sexualerziehung!

Danke. Das ist ein excellentes Kommentar.

23 10

Na Hauptsache die Katholiken kennen sich so viel besser aus!

Eine katholische Sexualbroschüre, ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Was soll denn da drinnen stehn? Das es durchaus auch vorkommen kann dass ein Pfarrer ein Kind belästigt oder missbraucht, was man dann am besten totschweigt?

Vielleicht regen sich diese Leute deshalb so auf, weils für die immer noch nichts schlimmeres gibt wie wenn sich das eigene Kind als "abseits der Norm" outet. Also: erst gar nicht auf die Idee kommen lassen?!

Re: Na Hauptsache die Katholiken kennen sich so viel besser aus!


http://www.profil.at/articles/1211/560/322207/missbrauch-horrorkloster-kremsmuenster


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Wenn man sich die Postings der fundamentalistischen Spinner hier durchliest stellt sich mir die Frage: solche Leute wollen über die (Sexual)erziehung unserer Kinder bestimmen ???


Sexualerziehung durch Gerhard Maria Wagner & Co :o)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))


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Meine Meinung zur "Sexualbroschüre" des Vereins Selbstlaut: Sie gehört zur Gänze eingestampft. Begründung: Sexualität gehört zum Beziehungsleben und kann auf Gefühlsebene erst dann thematisiert werden, wenn sie erwacht, was bei jedem Kind bzw. Jugendlichen zu einem bestimmten Zeitpunkt passiert den man nicht erzwingen kann.

Insbesondere darf man nicht frühzeitig "im Voraus" die Gefühlswelt von Kindern mit Sexualität belasten - dies würde eine subtile Form von sexueller Gewalt gegen Kinder darstellen. Die Methoden in der Broschüre des Vereins Selbstlaut können aber aus meiner Sicht eine solche Belastung bewirken.

Die Realität ist, dass ein begrenztes Vertrauensverhältnis zwischen Schüler und Lehrer existiert. Sachliche, wissensorientierte Sexualaufklärung ist völlig unproblematisch und wichtig. Für die Einbeziehung der persönlichen Beziehungswelt und damit zusammenhängende persönliche Sexualität reicht das Vertrauensverhältnis schlicht nicht aus. Kinder interessieren sich nicht dafür mit Lehrern in der Klasse über ihre intime Beziehungswelt und sexuelle Gefühlswelt zu sprechen.

Kinder wissen was Privatsphäre ist und haben einen Anspruch darauf.

Die Broschure stellt m.M.n. eine absolute Respektlosigkeit gegenüber Kindern dar, hat das Potenzial, wegen der vorgeschlagenen Methodik und wegen Gruppenzwang, die Gedankenwelt von sensiblen Kindern hinsichtlich Sexualität zu beeinflussen und zu belasten, was m.M.n als eine subtile Form von sexueller Gewalt betrachtet werden kann. Die Broschüre wurde offenbar nicht von erfahrenen Pädagogen und ohne kompetente psychologische Begleitung erarbeitet.

Jeder Elterninitiative die sich jetzt dafür einsetzt, dass wirklich hochwertige Materialien und Richtlinien zur Sexualaufklärung bereitgestellt werden gebührt Dank.

Nur totalitäre Systeme

müssen schon im Kindesalter mit der Propaganda beginnen.

 
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