Was von den "Energieferien" blieb

31.01.2013 | 18:20 |  von Erich Kocina und Eva Winroither (Die Presse)

Im Jahr 1974 wurden sie eingeführt, um Energie zu sparen. Heute können aber viele mit dem Namen "Energieferien" nichts mehr anfangen. Wird in den Semesterferien tatsächlich weniger Energie verbraucht?

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Die Ölkrise war schuld. Als im Oktober 1973 die arabischen Opec-Staaten den Westen für seine israelfreundliche Haltung bestrafen wollten, drosselten sie ihre Erdöllieferungen um 25Prozent. Mit einem Schlag stieg der Benzinpreis massiv an. Heizöl und Treibstoff wurden knapp – und plötzlich war Energie sparen das Gebot der Stunde. Auf der Autobahn galt deshalb vorübergehend Tempo 100, für etwa fünf Wochen wurde ein autofreier Tag eingeführt – mit einem Pickerl auf der Windschutzscheibe mussten die Lenker bekannt geben, an welchem Wochentag sie das Auto stehen lassen. Nicht zuletzt rief Bundeskanzler Bruno Kreisky sogar dazu auf, die Männer sollten sich bitte doch energiesparend nass rasieren.

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Und schließlich wurden im Februar 1974 die „Energieferien“ eingeführt – um in den Schulen Heizöl zu sparen. Und die gibt es bis heute, auch wenn der Name Energieferien längst durch den Begriff Semesterferien ersetzt wurde. Wird in der Energiewoche, die in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg an diesem Wochenende beginnt, eigentlich noch gespart?


Schulen. In den Semesterferien haben 220.000Schüler in Wien frei und die 670Schulen sind geschlossen. Das hilft nach wie vor beim Sparen. „Am meisten müsste man es beim Strom und bei der Heizung merken“, sagt Michael Minarik, Leiter der Abteilung Energiemanagement der MA34. Die Temperatur wird in städtischen Schulen auf zehn Grad gesenkt, auch der Wasserverbrauch sinkt – die in den Turnsälen eingemieteten Vereine müssen auch pausieren. Auch die Uni Wien fährt in der vorlesungsfreien Zeit die Temperatur in den Hörsälen um einige Grade herunter. Allerdings: Die erste Februarwoche gilt an der Uni nicht als vorlesungsfrei – in den Hörsälen finden Prüfungen statt.

Autoverkehr In Wien ist das Verkehrsaufkommen in den Semesterferien zwar im Frühverkehr und zu den Stoßzeiten geringer. Allerdings verlagert er sich dafür von der Stadt in die Tourismusgebiete. „Ob die Reisewelle das aufhebt, was in den Städten gespart wird, ist schwer einzuschätzen“, sagt Dieter Campregher vom ÖAMTC. In Hinblick auf die Benzinpreise müssen sich Autofahrer nicht ärgern. Zwar tendieren diese dazu, vor den Ferien zu steigen, 2011 lag die Steigerung im Vergleich zur Vorwoche allerdings nur bei 0,9Prozent beim Diesel – von 1,278 auf 1,289 Euro – und 0,2Prozent beim Superbenzin (von 1,312 auf 1,315 Euro). Eingespart wird dafür woanders: bei den Strafen. Zwar werde der Parkraum wie immer kontrolliert, „allerdings wird erfahrungsgemäß weniger gestraft“, sagt Wolfgang Schererbauer, Leiter der Parkaumüberwachung in der Wiener Polizei. „Weil weniger Autos in der Stadt sind.“

Öffentlicher Verkehr.Rund elf Prozent weniger Energie verbrauchen die Wiener Linien in den Semesterferien, so wie in anderen Ferien auch – weil der Schulverkehr wegfällt, werden weniger dichte Intervalle gefahren – auf der U6 im Frühverkehr kommt etwa statt alle drei nur alle dreieinhalb Minuten eine Garnitur. Für einen Betrieb, der etwa die Hälfte der Energie verbraucht, die das Kraftwerk Freudenau erzeugt, kommt in der Ferienzeit jedenfalls schon einiges zusammen.

Strom und Gas.Was in Schulen und Unis eingespart wird, wird dafür anderswo mehr verbraucht – in den Haushalten: „Es verlagert sich“, sagt Ilona Matusch von Wien Energie. Von einer Einsparung zu sprechen, sei also ein Irrtum. Das gilt nicht beim Wasserverbrauch. „Fünf bis zehn Prozent weniger Wasser verbrauchen die Wiener in den Semesterferien im Schnitt“, sagt Franz Weyrer von der MA31. Einerseits, weil viele Städter auf Urlaub fahren, andererseits aber auch, weil Firmen ob der urlaubenden Mitarbeiter weniger produzieren.


Gastronomie. Bei Wiens Gastronomen ändert sich der Energieverbrauch in den Ferien nicht. Zwar sinken die Besucherzahlen – und damit der Umsatz – im Schnitt um ein Drittel, weil viele Wiener auf Urlaub fahren. Allerdings würde sich das Zusperren oder Zurückfahren des Betriebs nicht auszahlen, sagt Wilhelm Turecek, Obmann der Gastronomen in der Wirtschaftskammer. Immerhin: Köche und Servicepersonal werden in den Energieferien häufiger auf Urlaub geschickt.


Fazit. Ja, es wird schon Energie gespart in den „Energieferien“. Allerdings treten viele der Einsparungen auch in allen anderen Ferien auf. Und: Die Energie, die im Alltag eingespart wird, fällt dann oft eben anderswo an. Im Flugzeug in den Süden, beim Stau Richtung Skigebiete und auf der Piste – die Schneekanonen müssen schließlich auch erst einmal zum Laufen gebracht werden. Am Ende wurde also nicht unbedingt viel Energie gespart – dafür wurde der Tourismus massiv gestärkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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23 Kommentare

In Wirklichkeit

sind das jetzt Tourismusferien, eine (pädagogisch sinnvolle, es waren ja gerade Weihnachtsferien) Streichung der Semesterferien würde der Schisportindustrie viel Geld kosten. Und ich glaube nicht, dass der Dienstgeber bereit ist, eine zusätzliche Arbeitswoche zu bezahlen (und alles andere wäre ungerecht, außer für die Phantasten bezüglich der Lehrerarbeitszeit).

weniger Energie

wird nicht verbraucht, aber die lehrpersonen haben 1 Woche bezahlten Urlaub mehr.

Re: weniger Energie

...natürlich verbrauchen auch Lehrer in den Ferien weniger Energie!
Schön, dass die Meisten in diesem Forum sinnerfassend lesen können und immer wissen worum es in einem Artikel geht.

Energiesparen

durch Schulferien und Skifahren auf Pisten, die mit Schneekanon präpariert werden - wo wird da Energie gespart? Und für die Lehrer war und ist das eine zusätzliche Uraubswoche, für viele mit bezahltem Skifahren. Aber wir können uns das ja selbstverlogen leisten.

Re: Für viele mit bezahltem Skifahren

Ja, ob Sie es glauben oder auch nicht, auch Lehrer müssen in Österreich fürs Skifahren zahlen, oder wer, glauben Sie, tut das sonst für sie? (Ich kann Sie beruhigen - selbst gesetzt den Fall, der Lehrer macht in den Semesterferien eine Ausbildung, die ihn dazu berechtigt als Begleitlehrer auf Schulskikurse mitzufahren, muss er das aus der eigenen Tasche berappen.)

Re: Re: Für viele mit bezahltem Skifahren

"macht in den Senesterferien eine Ausbildung, die ihn dazu berechtigt als Begleitlehrer auf Schulskikurse mitzufahren" na, das ist eine schöne Umschreibung des bezahlten Skiurlaubs als eine Ausbildungsreise. Es sind gerade solche Verschönerungen, die die Forderungen Lehrer unglaubwürdig machen, auchwas ihre übrige Arbeitssituation betrifft. Vor allem, wenn diese selbstverständlicherweise mit anderen Berufen verglichen wird.

Re: Re: Re: Für viele mit bezahltem Skifahren

Wenn Se einen Satz von mir zitieren, so tun Sie das bitte vollständig, denn der zweite Tel lautete "muss er das aus der eigenen Tasche berappen" - womit die Aussage komplett gegenteilig zu der ist, die Sie aus meinem Posting herauslesen möchten.

Apropos Engerieferien

kennt noch jemand das jüdische Erlassjahr?

Die christlichen Päpste haben daraus dann eine vermauerte Tür gemacht.

Richtig: ohne industrielle Aktivitaet braucht man keine Energie

Die aermsten der Armen in der Welt wissen das nur zu gut, wenn sie sich ihre Lungen ueber dem mit Ziegendung betriebenen Feuer zugrunderichten. Warum also kein 'Weltenergietag' an dem gefeiert wird, welcher Fortschritt in Gesundheit, Lebenserwartung und Entwicklungsmoeglichkeiten der Mensch dank Verfuegbarkeit massiver Energie moeglich war. Oder eine Stunde in der wir alle Lichter aufdrehen aus Freude ueber unsere Zivilisation !

"Energieferien"

Die sogenannte Erdölkrise ist der Fremdenverkehrswirtschaft zurecht gekommen. Es wurde damals nämlich intensiv überlegt, wie das "Jännerloch" gestopft werden könnte. Die Energiekrise wurde zum willkommenen Argument. Als die "Energieferien" ein Jahr danach eingeführt wurden, war die Erdölkrise vorbei und das Jännerloch ist bis heute gestopft.

energiferien Semesterferien und die Sommerzeit sind sowas von sinnlos und gehören

ABGESCHAFFT !!!!!!!!

Re: energiferien Semesterferien und die Sommerzeit sind sowas von sinnlos und gehören

Was ist bitte mit ihnen. jugendliche brauchen auch erholung!!!!!
de p p

na klar!

Die Schüler müssen sich dringend von den drei Wochen Unterricht seit dem Ende der Weihnachtsferien erholen!!

Wie haben wir das nur überleben können: Von Schulbeginn bis Weihnachten grade mal am 2. November frei, von Weihnachten bis Ostern durchgehender Unterricht, nach Ostern grade die paar Donnerstag-Feiertage und Pfingsten.

Re: na klar!

Die Schüler müssen vielleicht in den Weihnachtsferien Referate vorbereiten, Bücher lesen, für Tests u Schularbeiten lernen, weil dann geht es Schlag auf Schlag u das ist nicht so in den Semesterferien. Da ist normal wirklich Zeit zum Erholen.

Re: Re: na klar!

Wir hatten in jedem einschlägigen Fach 6 Schularbeiten im Jahr und in jeder Unterrichtsstunde gab's selbstverständlich ohne Ankündigung Prüfungen zum bisherigen Stoff...

Aber wir hatten nachher keinen Schock, wenn wir dann im Studium und/oder Beruf wirklich was leisten mussten!

Re: Re: Re: na klar!

Na und? Was ist jetzt anders? Es gibt immer noch 6 Schularbeiten - kommt aber auf Schule, Stufe, Fach an, StundenWH sind immer noch unangekündigt. Außerdem zB mehr Stoff in Geschichte u die Kinder lernen auch Umfang mit PC (Recherchieren, Programme nutzen...) ... Dazu kommen Probleme wie zerrüttete Familien, überlastete Mütter, ... Die Kinder von heute sind nicht immer zu beneiden!

Re: Re: energiferien Semesterferien und die Sommerzeit sind sowas von sinnlos und gehören

Jugendliche vielleicht. Lehrer könnten sich ja zwischenzeitig einmal auf den neuesten Stand bringen. (So wie esbei vielen anderen Berufsgruppen unabdingbar ist)

Re: Re: Re: energiferien Semesterferien und die Sommerzeit sind sowas von sinnlos und gehören

HAHAHA! Sie müssen ein Lehrer sein!

zusätzlich bezahlte Urlaubswoche für Lehrer

könnte ja zumindest vom Lehrkörper als Fortbildungswoche verwendet werden! Sie haben dann eh noch Sommer-, Weihnachts-, Oster-, Pfingstferien, schulautonome Tage, Landesfeiertage... zum Entspannen.

Re: zusätzlich bezahlte Urlaubswoche für Lehrer

Beim Urlaub und Zeitausgleich der ANDEREN lässt sich immer wunderbar sparen ...

Re: zusätzlich bezahlte Urlaubswoche für Lehrer

Und dennoch gibt es in einigen Unterrichtsgegenständen einen chronischen Lehrermangeln. Woran das wohl liegt?

Re: zusätzlich bezahlte Urlaubswoche für Lehrer

da gehts um was total anderes, aber gleich wird gegen lehrer gewettert... manchmal kann man sich echt nur an den kopf greifen

Re: zusätzlich bezahlte Urlaubswoche für Lehrer

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