87 Prozent der Schüler halten Stoff teilweise für sinnlos

05.02.2013 | 12:37 |   (DiePresse.com)

Die Hälfte der Schüler fühlt sich durch den Schulalltag demotiviert. "Bulimie-Lernen" ist weit verbreitet. Das besagt eine Umfrage unter 4500 Schülern.

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Neun von zehn Schülern halten den Lehrstoff in der Schule teilweise für sinnlos. Auf die Frage, ob sie bei manchem Stoff bereits wüssten, dass sie ihn nie brauchen würden, antworten 87 Prozent von 4500 befragten Oberstufenschülern mit "Ja". Das zeigt eine Umfrage der Bundesschülervertretung (BSV). Für Bundesschulsprecher Felix Wagner von der VP-nahen Schülerunion ist das ein "Warnsignal, das ernst genommen werden muss": "Ein Betrieb, in dem 87 Prozent der Mitarbeiter die Sinnhaftigkeit ihrer Aufgabe nicht gegeben sehen, wird mit 87 Prozent verminderter Qualität produzieren", so Wagner in einer Aussendung.

Auch mit der Motivation in der Schule steht es nicht zum Besten. Weniger als die Hälfte der Schüler (47 Prozent) fühlen sich durch den Schulalltag motiviert, gute Leistungen zu bringen. Ebenfalls knapp weniger als die Hälfte der Schüler empfindet die Schule als gute Vorbereitung auf den weiteren Bildungs- und Lebensweg. Mehr als drei Viertel wünschen sich von der Schule mehr Informationen über die Möglichkeiten nach dem Schulabschluss. Überhaupt nur ein Drittel der befragten Schüler hat den Eindruck, die Lehrerinnen und Lehrer würden sich für ihren weiteren Bildungsweg verantwortlich fühlen.

Zwei Drittel vergessen Stoff bald wieder

Weit verbreitet ist nach wie vor das "Bulimie-Lernen": Kurz vor der Prüfung wird möglichst viel Stoff ins Kurzzeitgedächtnis gepackt, im Anschluss entledigt man sich des als Ballast empfundenen Wissens wieder. So gaben etwa 63 Prozent der Schüler an, den erlernten Stoff kurz nach der Prüfung wieder zu vergessen. "Wenn ich die Sinnhaftigkeit dessen, was ich erlerne, nicht sehe, dann werde ich auch nicht versuchen, den Stoff lange zu behalten", so Wagner.

(APA/Red.)

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72 Kommentare
 
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DER Kern des Problems

Kurz und möglichst unauffällig platziert wird hier ein, ja wahrscheinlich sogar "der" Kern des derzeitigen österr. Schulproblems angerissen.

Wenn man die österr. Schulsituation zB. mit skandinavischen, aber auch anglo-amerikanischen Ländern vergleicht, sieht man erstaunt: der Stoff ist in weiten Bereichen deckungsgleich, die LehrerInnen sind sehr ähnlich ausgebildet usw. - dh. alle Faktoren, die direkt der Schule zuzuordnen sind, liefern kaum Anhaltspunkte für stark differente Ergebnisse.

Bei der Frage, wie wichtig und wie sinnvoll schulische Bildung ist, antworten aber die im Schulbereich immer als Maßstab herangezogenen Finnen zu 90% mit "sehr wichtig für mein späteres Leben" und die österr. Schüler zu 90% mit "völlig unwichtig - brauche ich nie wieder".

Diese Frage - diese Problematik müsste man mit aller Macht angehen und schleunigst versuchen, Lösungen zu finden. Stattdessen wird Schule und werden Lehrer von ewig sparender und ideologisierender Politik und süffisant und dumm kommentierenden Medien mit sinnlosen Fragen von Gesamtschule, NMS, Maturareform bis hin zu neuem Lehrerdienstrecht genüsslich von allen Seiten durch den Kakao gezogen. Dabei sinkt jegliche Reputation, jeglicher Glaube an die Bedeutung von schulischer Bildung - und an unserer Zukunft wird munter unter kräftigem "sich selbst auf die Schulter klopfen" der Zerstörer weiter und weiter gesägt.

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...halten den Lehrstoff ... für sinnlos

Denke, das liegt in erster Linie daran, dass die meisten Lehrer vom wirklichen Leben außerhalb der Schule keine Ahnung haben - und daher ihren Schülern auch nicht vermitteln können, wozu man den Stoff später außerhalb der Schule braucht/brauchen kann.

Abgesehen davon, dass die Lebenserfahrung der Schüler wohl nicht ausreicht, zu beurteilen, welchen Lehrstoff sie später einmal wirklich brauchen werden.

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Wer aus der Schule kommt

Und nicht lesen,rechnen und schreiben kann hat sicher nichts fürs Leben gelernt.
Und für diesen Iststand wird die Schule seit Otto Glöckel reformiert !!!!

Nun gut, das hat schon Aristoteles formuliert!


Österreich ist leider ein Land, dass von der Lehrergewerkschaft vergewaltigt wird und das sogar zum Ärger sehr vieler engagierter Lehrer.

Solange in Österreich das Parlament von Beamten, Gewerkschaftern und Lehrer überbevölkert ist, solange ist das Prinzip der Gewaltenteilung verletzt, gibt es keine funktionierende Demokratie und solange ist der "BeamtenStaat" vor allem für "sich" da!

Analphabeten sind vielleicht die glücklicheren Menschen -

und vor allem wählen sie richtig.

Allemeinbildung vs. praktisches anwendbares Wissen

Wenn der Deutschprofessor der Meinung ist, dass Literaturgeschichte nun mal das Wichtigse im Leben ist, dann muß man eben die Lebensläufe aller Frauen Goethes auswendig lernen. Goethes Werk wurde ja stark beeinflusst von seinen Frauen. Angewandte Mathematik, Physik, Chemie ist in unserer Zeit viel wichtiger als in Biologie zu lernen, wieviele Rippen der Feldhase hat und der Tintenfisch 3 Herzen. Tja, warum hat ein Dieselauto ein Gaspedal, wenn man damit nicht Gas geben kann???

was soll die schule noch alles leisten

jetzt soll sie auch noch das leben meistern lehren.

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Eltern fragten bei einem Abend..

die Lehrerin, wozu man ständig Kopfrechenübungen macht, wenn heute ja doch jedes Kind ein Handy mit Rechner besitzt.
Geschehen in einer Volksschulklasse. Soweit zur Bewertung was ist wichtig oder unwichtig. Menschsein ist für mich heute, im Gegensatz zu meiner einst Jugendlichen Denke, nicht nur ein Sammelsurium von nur absolut Notwendigem. Ein Puzzleteil reicht wahrscheinlich für den Großteil, Hauptsache Bier und Tschick sind ausreichend vorhanden.

3 0

Re: Eltern fragten bei einem Abend..

Und der TV ist eingeschaltet !!!!

Re: Eltern fragten bei einem Abend..

Auch standartisierte Sätze in einer Fremdsprache finden sich im Handy. Wozu also Vokabel lernen?
Behindert nur "freies" Denken- über die nächste geile Party!

Re: Re: Eltern fragten bei einem Abend..

Der Freidenker der Zukunft ist frei vom Denken. So schnell können Wörter ihre Bedeutung ändern.

Re: Eltern fragten bei einem Abend..

Nieder mit der Diktatur des Geistes! "Zurück auf die Bäume!" heisst die Devise.

1 0

Re: Re: Eltern fragten bei einem Abend..

Daran arbeiten die schon min. seit 40 Jahren !!!Das hat sich der Otto Glöckel nicht träumen lassen

Mein Hirn ist keine Computerfestplatte

zum Speichern von Wissen. Mein Hirn und mein Wesen will erfahren und denken! Daten und Fakten (vorbehaltlich beide) sind jederzeit woanders abrufbar, mein Interesse lenkt sich selbst. Das muss auch die Grundvoraussetzung der Kindererziehung / „Schulung“ sein!

Re: Mein Hirn ist keine Computerfestplatte

das problem dabei ist nur, dass sie nie richtig denken werden, wenn ihr gehirn nicht eine solide (leider nur durch büffeln zu erwerbende) basis hat. frei und kreativ denken können sie nur, wenn ihr gehirn nicht ständig mit basis fakten beschäftigt ist, sonder diese so fundiert sind, dass es raum und kapazitäten hat, aufbauend auf diesen fakten weiter zu denken.

Schade, dass

der Artikel jetzt im Nebenprogramm gelandet ist. Er ist höchst brisant. Bulemie – Lernen gegen Langzeitgedächtnis? Das Langzeitgedächtnis ist auch pfutsch, wenn es nicht gebraucht wird. Wir alle haben diese Erfahrung gemacht. Und die Schüler wissen es bereits gefühlsmäßig. Am Ende einer 8 bis 12 jährigen Schulpflicht, weiß ein junger Mensch plötzlich nicht mehr, wohin sein eigentlicher Weg führt. 6 Jahre Grundwissen wären genug – ausreichend um ab dann seinen eigenen Lebensweg zu beschreiten. Dazu bedarf es allerdings etwas Zeit, i n welcher das junge Wesen nicht kanalisiert werden darf, sondern, in der es sich entwickeln kann, ohne wenn und aber. Eine Zeit der Findung, ohne Benotung, ohne vom Stoff zugedröhnt zu werden. Das kann weder die Schule noch der Einstieg in einen Lehrberuf bieten. Es dürften in diesen 2-3 Jahren nur Neigungsgruppen ohne Benotung angeboten werden und mit der Richtungsweisung auf fortführende Bildung - / egal ob Schule, berufsbildendes Handwerk, am besten eine Mischform. Was machen Abgänger mit Reifeprüfung? Sie wissen nicht wohin! Sie haben eigentlich nichts, müssen weiter suchen, was sie vielleicht nicht wollen, niemand konnte sich darüber Klarheit verschaffen. Ja, die Eltern wollen, wünschen, dies und das, die Kinder sollen dem gerecht werden. Es passt so und so nie. Die Kinder sind in einer Schiene gefangen und haben keine Reflektionszeit. Bitte lasst den Kindern mehr Zeit in ihrer Entwicklung, setzt sie nicht unter Druck! Grundschulwissen – Rechnen , Lesen, Schreiben, genügt fürs erste, etwas Sinn für die nähere und weitere Umgebung – Sachkunde – ist genug.
In unserem System steht jeder unter Druck, der halbwegs mitspielt. Wer profitiert davon?

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Wir hatten das schon

Sechs Jahre Grundschule (Gesamtschule) und dann ab auf die Walz um ein Handwerk zu erlernen oder auf den nächsten Bauernhof als Knecht.
Nur einige Vaganten erwarben auf Grund ihrer Fähigkeiten akademische Ausbildungen.
Wo schickt man aber heute die ca 25% hin, die sogar nach neun Pflichtschuljahren nicht lesen, schreiben und rechen können?

lebenswichtig

Quidquid it est, timeo danaos et dona ferentes! Wichtig fürs Leben?? Hauptsache, ich kann das und weiß nicht einmal wie ich ein Bankkonto eröffne...

Re: lebenswichtig

wie eröffnet wird weiß eh die Bank. Wichtig ist nur zu erkennen, daß das jeweils zugefügte Werbegeschenk Mist ist. :)))

Re: Re: lebenswichtig

You Sir just made my day!

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Re: Re: lebenswichtig

airwaves09: Für diese Antwort verdienen sie einen 10-Liter-Kübel grüner Farbe!

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die övp verhindert ja jede sinnvolle reform


Re: die övp verhindert ja jede sinnvolle reform

die Reform der SPÖ ist viel, aber nicht sinnvoll

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Wie viele deser 87 % können ....

... Sinnerfassend lesen?

Re: Wie viele deser 87 % können ....

wie viele können sinnstiftend tippen...?

Re: Re: Wie viele deser 87 % können ....

"sinnstiftend tippen"

Wie viele davon wissen, was eine Stilblüte ist?

 
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Schlagzeilen Bildung

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