Mehr als Probeläufe: Schulversuche in der Endlosschleife

Rund 4000 Schulversuche gab es laut einer parlamentarischen Anfrage aus dem Jahr 2010 an österreichischen Schulen. Obwohl sie auf eine Dauer von zehn Jahren beschränkt sind, laufen manche von ihnen seit Jahrzehnten erfolgreich, ohne dass eine gesetzliche Basis näher rückt – große Ausnahmen sind Zentralmatura und Neue Mittelschule. Die wichtigsten Schulversuche in Endlosschleife >>>(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Mehrstufenklassen

In Mehrstufenklassen werden Kinder von der Vorschule bis zur vierten Schulstufe in einem Klassenverband unterrichtet. In vielen Bereichen sind die Kinder dabei in zwei Gruppen getrennt. Dafür sind nicht nur zwei Klassenzimmer nötig, sondern auch zwei fixe Lehrer. Seit zwölf Jahren gibt es den Schulversuch der Mehrstufenklassen bereits an Wiener Volksschulen – und die Nachfrage ist so groß, dass der Versuch immer wieder ausgeweitet wird.(c) Clemens Fabry

Volksschule ohne Ziffernoten

„Klassiker“ unter den Schulversuchen sind die alternativen Formen der Leistungsbeurteilung in der Volksschule. Die verbale Beurteilung und andere Formen werden in Wien seit fast 30 Jahren „erprobt“ und äußerst positiv aufgenommen. Dabei gestaltet der Lehrer einen kindgerechten Brief anstatt eines Zeugnisses mit Ziffernnoten. Nur in der vierten Klasse wird ein solches ausgegeben. Als Schulversuch gibt es die Schule ohne Noten mittlerweile aber an mehr als der Hälfte der Volksschulen.(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Fremdsprachenunterricht in der Volksschule

Dieser Schulversuch ist bei Eltern ebenfalls sehr beliebt und schon seit den 1990er-Jahren etabliert. Der Klassenlehrer soll in der Volksschule geeignete Inhalte in einer lebenden Fremdsprache vortragen, maximal eine Unterrichtsstunde pro Tag. In den allermeisten Fällen bedeutet dies Unterricht auf Englisch. Ein Hindernis ist freilich, dass der Lehrer dafür auch qualifiziert sein muss.(c) Clemens Fabry

Die modulare Oberstufe

Die modulare Oberstufe ist das Gegenstück zu den anderen Schulversuchen: Es ist beschlossene Sache, dass sie ins Regelsystem übernommen wird – und zwar bereits, bevor sie flächendeckend erprobt ist. Den Schulversuch, bei dem Sitzenbleiben durch das Wiederholen einzelner Module ersetzt werden kann und das Klassen- durch ein Kurssystem ersetzt werden soll, gibt es seit über zehn Jahren.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Immer, wenn von den Bestimmungen des Schulorganisationsgesetzes abgewichen wird, bedarf es eines Schulversuchs. Egal, ob es um die Erprobung pädagogischer oder organisatorischer Maßnahmen geht, um neue Lehrplaninhalte – oder um neue Schulformen. Deshalb gibt es sogar eine ganze Schule, die als solche eigentlich ein Schulversuch ist:(c) Clemens Fabry

Die Schule für Hochbegabte

An der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien Wieden werden seit 1998 hochbegabte Kinder gefördert. Der Schulversuch führt auch selbst ein ganzes Bündel an Schulversuchen durch. Die Sir-Karl-Popper-Schule experimentiert beispielsweise mit der modularen Oberstufe, sie hat Ethikunterricht im Angebot und die 50-Minuten-Taktung der Unterrichtsstunden aufgehoben.(c) Clemens Fabry

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