Mehr als Probeläufe: Schulversuche in der Endlosschleife

An rund der Hälfte der etwa 5800 Schulen in Österreich laufen laut einem Bericht des Rechnungshofs aus 2015 Schulversuche. Obwohl sie an sich auf eine Dauer von zehn Jahren beschränkt sind, laufen manche von ihnen seit Jahrzehnten.

Mit dem Schulautonomiepaket der Bildungsreform soll das anders werden: Ziel ist es, dass ein Großteil der Schulversuche obsolet.

Die wichtigsten Schulversuche >>>

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Mehrstufenklassen

In Mehrstufenklassen werden Kinder von der Vorschule bis zur vierten Schulstufe in einem Klassenverband unterrichtet. In vielen Bereichen sind die Kinder dabei in zwei Gruppen getrennt.

Die Befürchtung der Lehrer in Wien ist nun, dass das in der Bundeshauptstadt übliche Teamteaching (zwei Lehrer in einer Klasse) vor dem Aus steht. 

(c) Clemens Fabry

Volksschule ohne Ziffernoten

„Klassiker“ unter den Schulversuchen waren bisher die alternativen Formen der Leistungsbeurteilung in der Volksschule. Die verbale Beurteilung und andere Formen werden in Wien seit fast 30 Jahren „erprobt“ und äußerst positiv aufgenommen.

Volksschulen müssen mittlerweile keinen Schulversuch mehr beantragen, wenn sie in den ersten drei Klassen anstelle von Noten eine verbale "Leistungsinformation" ins Zeugnis schreiben wollen.

(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Fremdsprachenunterricht in der Volksschule

Dieser Schulversuch ist bei Eltern ebenfalls sehr beliebt und schon seit den 1990er-Jahren etabliert. Der Klassenlehrer soll in der Volksschule geeignete Inhalte in einer lebenden Fremdsprache vortragen, maximal eine Unterrichtsstunde pro Tag. In den allermeisten Fällen bedeutet dies Unterricht auf Englisch.

(c) Clemens Fabry

Immer, wenn von den Bestimmungen des Schulorganisationsgesetzes abgewichen wird, bedarf es eines Schulversuchs. Egal, ob es um die Erprobung pädagogischer oder organisatorischer Maßnahmen geht, um neue Lehrplaninhalte – oder um neue Schulformen. Deshalb gibt es sogar eine ganze Schule, die als solche eigentlich ein Schulversuch ist:

(c) Clemens Fabry

Die Schule für Hochbegabte

An der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien Wieden werden seit 1998 hochbegabte Kinder gefördert. Der Schulversuch führt auch selbst ein ganzes Bündel an Schulversuchen durch. Die Sir-Karl-Popper-Schule experimentiert beispielsweise mit der modularen Oberstufe, sie hat Ethikunterricht im Angebot und die 50-Minuten-Taktung der Unterrichtsstunden aufgehoben.

(c) Clemens Fabry
Kommentar zu Artikel:

Mehr als Probeläufe: Schulversuche in der Endlosschleife

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.