Die Hochschülerschaft der Uni Wien (ÖH Wien) und die Grünen protestieren gegen den am Freitag stattfindenden "Wiener Korporationsball" in der Hofburg. Dem Wiener Korporationsring (WKR), der den Ball ausrichtet, würden, so die Kritik, auch Burschenschaften angehören, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem eingestuft würden. Als Beispiel nannte die ÖH etwa die Burschenschaft Olympia.
Die Hochschülerschaft forderte Bundespräsident Heinz Fischer in einem offenen Brief am Dienstag auf, gegen die Veranstaltung am 25. Jänner "Stellung zu beziehen". In Fischers Büro erklärte man, dass man keinen Einfluss auf Veranstaltungen in der Hofburg habe. "Die Hofburg ist riesengroß, das hat mit uns nichts zu tun", verwies eine Sprecherin von Bundespräsident Heinz Fischer auf die entsprechende Veranstalterfirma.
WKR prüft Klage gegen ÖH
Der freitags stattfindende 55. WKR-Ball verstoße "gegen den antifaschistischen Grundkonsens der 2. Republik", erklärte die ÖH. Der WKR-Ballausschuss weist die "ungeheuerlichen und inhaltlich falschen Unterstellungen" der ÖH als "kreditschädigend" zurück und prüft eine Klage gegen die ÖH. Die Aktivitäten des Ballausschusses seien "parteipolitisch ungebunden" und stünden keiner politischen Bewegung nahe. Die Gäste des Balles seien allen drei traditionellen politischen Lagern zuzuordnen. Die Vorwürfe der ÖH seien den Rechtsanwälten zur weiteren Beurteilung übergeben worden. Der Ball findet seit 1987 in der Hofburg statt.
Auch der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser ist "empört" über den Event. Er verwies darauf, dass der WKR voriges Jahr den früheren FP-Bundesrat John Gudenus als Ehrengast hofiert habe. Gudenus stand 2006 wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht. Der Grüne Justizsprecher forderte die Republik auf, gerade im Jubiläumsjahr 2008 ihre "demokratische Verantwortung" wahrzunehmen. "Es kann ja wohl nicht sein, dass im Parlament Schweigeminuten abgehalten werden und in der Hofburg die Rechtsextremisten tanzen", erklärte Steinhauser. (APA)