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Gesamtschule in ganz Vorarlberg? Mitterlehner offen

Bild: APA/HANS KLAUS TECHT 

Ein Kompromiss könnte Vorarlberg gesamt zur Modellregion machen. Kanzler Faymann freut sich - ein bisschen zu sehr.

 (DiePresse.com)

In der Diskussion um die Modellregionen für die "gemeinsame Schule" könnte es jetzt Bewegung geben. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner zeigte sich im Gespräch mit den "Vorarlberger Nachrichten" flexibel, was die im Koalitionspapier geplante Begrenzung auf 15 Prozent der Schüler pro Bundesland angeht. Ein Kompromiss könnte Vorarlberg gesamt zur Modellregion machen.

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Mitterlehner hat sich am Rande eines Besuchs in Dornbirn dezidiert dafür ausgesprochen, sich in den entsprechenden Gremien für das Vorarlberger Modell der Gemeinsamen Schule einsetzen zu wollen: der Wissenschaftsminister und Landeshauptmann Markus Wallner (beide ÖVP) wollen demnach dafür werben, dass es neben der von SPÖ und ÖVP festgelegten 15-Prozent-Regelung für den Schulversuch einen Zusatz geben soll, der eine Maximalzahl von Schülern vorsieht.

Wenn diese Zahl im Bereich von circa 5000 Schülern liegt, könnte Vorarlberg den per All-Parteien-Beschluss gewünschten Schulversuch in Angriff nehmen. Sicher nicht scheitern würde dies an der SPÖ. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat wiederholt klar gestellt, dass sie sich zwar an das Koalitionspapier halte, aber nichts dagegen hätte, sollte sich noch mehr Spielraum für die von der SPÖ seit Jahrzehnten propagierte gemeinsame Schule ergeben.

Faymann (zu) erfreut

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) ist davon angetan, dass Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) bei den Modellregionen für die "gemeinsame Schule" Flexibilität angedeutet hat. Der SPÖ-Chef will nun einen gemeinsamen Antrag, wonach die Bundesländer künftig selbst darüber entscheiden können, wie groß die Modellregionen sind, erklärte der Kanzler in einer Aussendung.

Dass wirklich alle Bundesländer über die Größe ihrer Modellregionen entscheiden können, geht Mitterlehner wieder zu weit. Er bremst den Tatendrang des Kanzlers: Zur Idee des SPÖ-Chefs, die Länder selbstständig über die Größe der entsprechenden Schulversuche entscheiden zu lassen, heißt es aus dem Büro des Vizekanzlers, dies sei kein Thema.

Wien erhofft sich trotzem Bewegung: "Ganz Wien soll Modellregion für Gesamtschule werden", forderte Bildungslandesrätin Sandra Frauenberger (SPÖ). Auch im rot-grünen Regierungsübereinkommen steht, dass Wien komplett zum Gesamtschulversuch werden soll. "Eine Flexibilisierung der 15-Prozent Grenze würden wir jedenfalls begrüßen", so Frauenberger.

Gang zu VfGH?

Die Grünen hatten sich davor über das Zugeständnis der ÖVP in der Schulfrage erfreut gezeigt. Die positiven Aussagen Mitterlehners zur Modellregion Vorarlberg seien eine "gute Basis für weitere Verhandlungen", meinte Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung. Er tritt dafür ein, nun so rasch wie möglich ernsthafte Verhandlungen über die Bildungsreform aufzunehmen.

Aus Vorarlberg gibt es dagegen auch kritische Stimmen: Wolfgang Türtscher, Obmann der Initiative ProGymnasium in Vorarlberg, hält eine Modellregion im ganzen Bundesland sogar für verfassungswidrig. Für die Schüler Vorarlbergs ergebe sich ein Nachteil gegenüber denen aus den übrigen acht Bundesländern, die weiterhin ein Gymnasium zur Auswahl hätten. Er kenne Familien in Vorarlberg, die den Gang zum Verfassungsgerichtshof planen.

 

(APA/Red. )

 
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30 Kommentare
 
12
JoFa
05.03.2016 20:15
1

Wie kommen die Vorarlberger dazu,

dass sie gegenüber allen anderen Bundesländern so benachteiligt werden?

ChristianSchneider
05.03.2016 19:56
2

Nichts macht einen Sozialisten so glücklich

wie die Vorstellung, dass endlich alle genau so ungebildet sein werden wie er selber.

Pebbel
05.03.2016 19:17
0

Na bravo! Ich bin sehr für die Gesamtschule,


verpflichtend für alle niederen, bildungsfernen Schichten bei nur sehr moderatem Schulgeld. Dadurch entstehen automatisch große, teure Eliteinstitute für obere Schichten wie in Frankreich, den USA etc. Das schafft die notwendige, einigermaßen ausreichend breite Führungselite. Nur so kann sicher gestellt werden, dass mit der Einkommensschere auch die Bildungsschere weiter aufgeht und das ist von Vorteil für die sensible, gut ausgebildete und gut verdienende Führungsschicht, die wir so dringend brauchen.


Ilan Verdi
05.03.2016 18:20
12

Unfassbar!

Was Kurz für diese Parte an Punkten gut macht, ruiniert Mitterlehner im Handumdrehen.

Antworten Seismograph
05.03.2016 18:51
4

Gerade war ich am Überlegen ob man die ÖVP wegen Kurz wieder wählen könnte.

Mitterlehner hat mich wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt.
Beinahe hätte ich vergessen, dass die ÖVP die NMS mitverbrochen hat. Ein deutlicher Rückschritt für Österreichs Bildung.

Antworten Ilan Verdi
05.03.2016 18:25
1

Re: Unfassbar!

Soll natürlich "Partei" heißen!
;-)

Antworten Antworten gauntlet
05.03.2016 18:32
4

Re: Re: Unfassbar!

parte passt auch.

Lexington
05.03.2016 17:56
10

sagenhaft

Der Mitterlehner fällt rascher um, als eine Sturmböe die Häuseltüre zuschlagen kann. Welchen Wählern will dieser Wetterhahn eigentlich imponieren, welche Wählerschicht glaubt er, damit ansprechen zu können? Einen großen Teil seiner Stammwähler wird er jedenfalls damit keine Freude machen. Er darf sich daher nicht wundern, wenn nach der nächsten Wahl wieder ein großes Minus vor dem Ergebnis steht.

tessamonte
05.03.2016 17:43
5

Rate einmal,

was Mitterlehner für diese aalglatte und mehrdeutige Ansage zur Gesamtschule vom "Feinmann" (zurzeit unter gewaltigen Druck...) zu bekommen glaubt?
Christkind kommt bald auf den Politbasar!

Martin_01
05.03.2016 17:38
10

Politik gegen die Menschen. Daher: ÖVP, nein danke!!


Die Menschen wollen keine Gesamtschule und vor allem wollen sie nicht per Gesetz dazu gezwungen werden.

Die ÖVP arbeitet wieder einmal gegen die Menschen, vor allem gegen die sogenannte Mittelschicht bzw. gegen ihre eigene Kernwähler-Klientel.

Das geschieht auch in anderen Bereichen:
1) Abwälzen des Hypodebakels auf die Steuerzahler und die nächste Generation
2) Steuerreform zulasten der Mittelschicht
3) Steuerschlupflöcher für Reiche und internationale Konzerne
4) Lehrerdienstrecht, das sich gegen Fachkompetenz richtet und Engagement bestraft
5) Extreme Dummheit und mangelhafte Fairness rund um die sogenannte Pensionsreform

Genau deshalb hat man jetzt auch den Sepp, der fleißig im braunen Teich fischt. Denn im besagten Teich bekommt man Wählerstimmen unabhängig von der Qualität der politischen Arbeit und kann sich so den Zugang zu Privilegien sichern, ohne jemals für irgendetwas verantwortlich sein zu müssen.

libris
05.03.2016 17:38
13

Weiter geht es mit der

Nivellierung; bis in das Sous- terrain.

Veit1
05.03.2016 17:27
10

Wer gibt Fehler zu?

Wer wird es zugeben, sollte es ein Flop werden, dass es dann ein Flop ist? Niemand! Also: Es wird kein zurück zur Differenzierung in AHS und HS (NMS) mehr auf öffentlicher Ebene geben. Privatschulen sind teuer und nur für die Elite leistbar. Damit hat man das Gegenteil davon erreicht, was das Ziel war, nämlich die soziale Durchmischung.

Antworten hermannkoller
05.03.2016 18:23
2

Re: Wer gibt Fehler zu?

Schön, dass ihr alle so viel Ahnung von Pädagogik habt....

Nelly N.
05.03.2016 17:03
9

Die ÖVP ist einfach unwählbar, trotz Kurz.


Sandwalk
05.03.2016 16:49
14

Da haben die beiden ...

... autistischen Herren aber die Rechnung ohne die Vorarlberger gemacht.

Die werden etwas erleben.

Mr_Incredible
05.03.2016 16:35
12

nur zu Erinnerung: das weltweit teuerste Schulsystem bringt 30 % Versager heraus

die nicht sinnerfassend lesen oder schreiben können - typische Sozialfälle halt. Und mehr will man nicht.
Ferienregelungen aus der Zeit Maria Theresias .... 75 schulfreie Arbeitstage und Volksschulen wo die Kinder um 11.30 daheim sind - oder bitte für die Nachmittagsaufbewahrung (mehr ist es nicht) noch extra zahlen (300 Euro pro Kind) ....

Musik, Sport und Kultur sind natürlich reine Privatsache und die mit Steuergeld gebaute und geheizte Schule steht ab Mittag leer (Ausnahme Ballungszentren ich weiss) ....

Da darf sich einfach nichts ändern. Und es werden trotz Mega-Zuwanderung noch immer jedes Jahr weniger Schüler und sowieso weniger Schüler pro Lehrer. Die Schulen werden älter und die Kosten steigen.

Passt doch eh alles. Die Pensionen sind gesichert. Nur von den jetzigen Schülern werden 30 % keine Abgaben zahlen können.

Gründen wir doch bitte einen Arbeitskreis.

DerFreigeist
05.03.2016 16:20
21

Die Vorarlberger Schwarzen schaden ihrer Partei!!

Die Gesamtschule braucht niemand! Ganz im Gegenteil dieser Inklusionswahn muss endlich gestoppt werden!!
Ab 2017 sollen auch die sonderpädagogischen betreuten Schüler mit allen anderen in einer gemeinsamen Klasse sitzen!! Das ist eine Nivellierung nach unten!!

Antworten tinglfiffi
05.03.2016 18:19
1

Re: Die Vorarlberger Schwarzen schaden ihrer Partei!!

Man muss es positiv sehen. Wenn ein ganzes Bundesland die Gesamtschule probt, hat die anschließende Evaluierung sicher mehr Gewicht. Ohne Prophet zu sein, wird das Ergebnis dieser Evaluierung jenem der NMS sehr ähnlich sein und die Gesamtschule kann zu Grabe getragen werden.

Antworten Antworten Martin_01
05.03.2016 22:27
0

Re: Re: Die Vorarlberger Schwarzen schaden ihrer Partei!!


Evaluierungen und vor allem internationale Erfahrungen gibt es seit Jahrzehnten.

Es geht unserer Politik aber nicht darum, das zu machen, was aufgrund von Evaluierungen das Beste wäre, sondern die Gesamtschule in jedem Fall durchzudrücken.
Denn es gibt ein gigantisches Interesse daran, einen Privatschulmarkt aufzubauen. Das Volk zahlt über Steuern eine schlechte Minimalausbildung für Kinder, die später als Tagelöhner ums Überleben und für den Reichtum anderer schuften dürften, und daneben gibt es eine teure Ausbildung für Kinder, deren Eltern sich 40.000 Euro pro Jahr leisten können.
Geschäft mit Zukunftschancen. Letztlich eine Form von Menschenhandel.
Gesamtschulländer haben eine Jugendarbeitslosigkeit von 35 bis 60 %. Das wiederum hilft, Löhne zu senken, Urlaube zu senken, Krankenstände zu senken und auch Renten zu senken. Man kann ja auch als Krüppel leben.
Die Gesamtschuldebatte ist letztlich ein Kampf um das Geld der Mittelschicht. Denn wo sonst kann man heute noch Geld gewinnbringend anlegen?

Antworten Antworten Durchblickerin60
05.03.2016 19:30
0

Re: Re: Die Vorarlberger Schwarzen schaden ihrer Partei!!

Das, fürchte ich, wird nicht so sein. Ähnl. haben wir bei den Wshlpflichtfächern in den AHS erlebt. Diese sind bei Weitem keine Leistungskurse, aber trotzdem müssen sie ein Erfolg sein. Fazit: Glaub keiner Evaluierung, die du nicht selbst gefälscht hast. ..

Bloody Shark
05.03.2016 15:30
20

Mitterlehner offen

Das heißt wohl: ohne eigene Meinung.
Und situationselastisch im Pas de deux mit Faymann.

kritischeStimme
05.03.2016 15:01
26

...

Tja ohne Rückrat...

leider nicht untypisch für Österreich...

Antworten DerFreigeist
05.03.2016 17:05
7

Re: ...

Der Mitterlehner ist ein biologisches Wunder ...
ich frage mich immer, wie man bei so einem Rückgrat gerade stehen kann!

egoyax
05.03.2016 14:42
35

Selbstbestimmung

Warum wagt man nicht, die Betroffenen, nämlich die Eltern zu befragen ?

Antworten Martin_01
05.03.2016 17:41
10

Re: Selbstbestimmung


Es gibt sehr viele Befragungen. Generell lehnen 90 % die Zwangsgesamtschule ab.

Deshalb soll ja das Mitbestimmungsrecht gestrichen werden.

kkika
05.03.2016 13:38
10

Sehr komische Politik

unserer Schwarzen - da wollens immer, daß die Entscheidung zu den Bundesländern verlagert wird, aber bei einer sogenannten Modellregin bremsens wieder, noch dazu wo es um ein schwarzes Bundesland geht.

 
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