Erdwissenschaften: „Spannender als jeder Krimi“

Geologie ist den meisten ein Begriff, aber was sind Prospektion und Petrologie? Alles Disziplinen, die sich mit der Welt unter unseren Füßen beschäftigen. Einige Studienmöglichkeiten.

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Wer sie richtig zu lesen weiß, dem erzählen Steine und Mineralien die Erdgeschichte bis in die jüngere Vergangenheit. – APA/AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI

„Wer schon als Kind gern Steine gesammelt hat – und sich das bewahrt hat –, für den ist Geologie der ideale Beruf“, weiß Hans Steyrer, Vorsitzender der Curricular-Kommission Geologie des Fachbereichs Geographie und Geologie. An der Uni Salzburg kann man – österreichweit einzigartig – ausschließlich diesen Zweig der Erdwissenschaften studieren. In den ersten sechs Semestern stehen Geoinformatik, numerische Modellierung und Wissen über Hydrogeologie, geophysikalische Methoden und Naturgewalten im Curriculum. Das Ziel: den direkten Einstieg in die berufliche Praxis, etwa in Büros für Erdwissenschaften und technische Geologie, zu ermöglichen. Wer den Master draufsetzt, der spezialisiert sich in den Bereichen Kristallin- und Strukturgeologie, Umwelt- und Hydrogeologie, Technische Geologie oder Fernerkundung/Geoinformatik.

„Der Beruf des Geologen ist erst seit Ende des 19. Jahrhunderts ,auf dem Markt‘“, erläutert Steyrer. Mit der Erkenntnis des Gesetzgebers, dass bestimmte Großprojekte besser von Geologen begleitet werden, stiegen auch die Karrierechancen. Ein Beispiel: Beim Brenner-Basistunnel sind auf österreichischer und italienischer Seite 20 Geologen im Einsatz.

Zeitreise und Rohstoffsuche

„Gesteine und besonders Minerale sind nicht nur ästhetisch schön, sondern enthalten Codes längst vergangener Zeiten. Diese zu entschlüsseln ist spannender als jeder Krimi“, schwärmt Dietmar Klammer, Dekan der Studienrichtung Erdwissenschaften an der Technischen Uni Graz. Es fasziniere Experten wie Laien, „eine Zeitreise in eine Erdenwelt zu unternehmen, wie sie vor Hunderten von Millionen Jahren existiert hat“. Die einzelnen Fachgebiete, die diese Zeitspannen unter die Lupe nehmen, sind Geologie, Petrologie, Paläontologie, Mineralogie sowie Angewandte Erdwissenschaften wie Ingenieurgeologie, Hydrogeochemie und -geologie. Nach dem Bachelorstudium kann man sich im Master in die Spezialdisziplinen Ingenieurgeologie, Hydrogeologie und Hydrogeochemie, Geologie und Petrologie oder Geobiologie und Paläoökologie vertiefen. „Zentrales Thema ist die Prospektion, das Erkunden und Aufsuchen von Rohstoffen und Lagerstätten an der Erdoberfläche und in der Erdkruste.“ Gesteine, Minerale oder Erze seien Rohstoffe, ohne die die heutige Zivilisation nicht möglich wäre. „Das reicht vom Wohnen über moderne Verkehrsmittel bis zu hoch technologisierten Kommunikationsmitteln“, so Klammer.

Mehr Berufung als Beruf scheint die Geologie auch für Christoph Spötl zu sein. Der Professor am Institut für Geologie an der Uni Innsbruck ist davon fasziniert, „dass ein scheinbar stinklangweiliger grauer Stein eine ungemein spannende Geschichte erzählen kann. Dass bei uns früher ein Meer war und der Großglockner Teil des Ozeanbodens. Dass die Alpen ein Teil von Afrika sind.“ Der Beruf biete interessante Perspektiven: „Zunehmende Bedeutung wird die Hydrogeologie erlangen, da die Beschäftigung mit der Ressource Grundwasser auch in Österreich an Relevanz gewinnt.“ Auch die Erforschung von mineralischen Rohstoffen wird seiner Meinung nach wichtiger: „Wir haben uns nicht nur in eine kritische Abhängigkeit von Rohstofflieferanten in politisch instabilen Ländern begeben, es wurde auch die Forschung und universitäre Ausbildung – mit Ausnahme von Erdöl und Erdgas – vernachlässigt, sieht man von der Montanuniversität Leoben ab.“ Dort kann man seinen Bachelor und Master in Angewandter Geowissenschaft machen. Diese Studienrichtung umfasst unter anderem Angewandte Geophysik, Erdölgeologie und Lagerstättenkunde. Verwandte Studienrichtungen sind Petroleum Engineering und Rohstoff-Ingenieurwesen.

Archiv für Klimaentwicklung

„Überall, wo wir uns befinden, sind wir mit Gesteinen konfrontiert. Diese sind Zeugen der Entstehung unseres Planeten. Gesteine können aber auch die jüngste Entwicklung der Erde der letzten Jahrzehnte bis Jahrtausende ,speichern‘ und somit ein wichtiges Archiv, etwa für Klimaentwicklung, bilden“, sagt Bernhard Grasemann, Leiter des Departments für Geodynamik und Sedimentologie an der Uni Wien. Hier kann man neben Innsbruck und Graz ebenfalls Erdwissenschaften studieren. Grasemann ist überzeugt, dass seine Domäne eine zukunftsträchtige ist: „Alle Facetten, die sich mit den Themen Umwelt, Rohstoffversorgung, Energieversorgung, Wasserversorgung oder Straßenbau beschäftigen, werden in Zukunft noch an Aktualität gewinnen.“

INFORMATIONEN

Erd-/Geowissenschaften verwenden Kenntnisse und Methoden der Physik, Mathematik, Chemie und Biologie und umfassen zahlreiche Spezialisierungen. Hauptfächer sind Geografie, Geodäsie, Kartografie und Geoinformatik,Geophysik und Meteorologie, Geologie, Paläontologie, Mineralogie, Petrologie, Hydrologie, Ozeanografie, Glaziologie.

 


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(Print-Ausgabe, 30.04.2016)

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