Türkisch als Fremdsprache – warum diese Aufregung?

10.04.2011 | 18:18 |  Von Rudolf de Cillia, Sprachwissenschafter (Die Presse)

Niemand wird dazu gezwungen, Türkisch zu lernen. Für ein Türkisch-Angebot an den AHS gibt es gute Gründe.

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Die Meldung, dass Türkisch als Fremdsprache und Maturafach an österreichischen AHS eingeführt werden soll, hat in den letzten Tagen erstaunliche Aufregung verursacht. Bei der DiePresse.com-Umfrage dazu sprachen sich 72 Prozent dagegen aus. In der Diskussion gewinnt man den Eindruck, es würden plötzlich alle österreichischen SchülerInnen gezwungen, Türkisch zu lernen.

Die Aufregung ist schwer nachzuvollziehen. Betrachten wir die Angelegenheit nüchtern: Türkisch, die zweitgrößte Sprachgruppe in Österreich, wird im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts – so wie 17 andere Sprachen – jetzt schon unterrichtet; Türkisch wird als Fremdsprache an den Hauptschulen jetzt schon angeboten. Türkisch ist im Rahmen eines Schulversuchs an einer AHS in Wien seit 2005 Maturafach. Und jetzt soll es – zu den jetzt schon zwölf Sprachen, die der Lehrplan der AHS als Fremdsprache vorsieht,– als eine weitere Fremdsprache dazukommen. Diejenigen SchülerInnen, die sich freiwillig dafür entscheiden, können dann statt einer dieser Sprachen eben Türkisch als zweite Fremdsprache lernen. Ein Teil davon werden vermutlich SchülerInnen sein, die als Muttersprache Türkisch sprechen. So wie SchülerInnen mit Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS) jetzt schon die Möglichkeit haben, ihre Muttersprache im Fremdsprachenunterricht in der AHS zu lernen. Ein Modell, das in anderen europäischen Ländern durchaus üblich ist, wie etwa in Frankreich, wo Arabisch in dieser Form angeboten wird.

Es gibt gute Gründe für so ein Angebot, sobald ein Lehramtsstudium für Türkisch eingerichtet ist. Und das ist an der Uni Graz ja vorgesehen. So sollte aus sprachenrechtlichen Gründen eigentlich jedem Kind die Möglichkeit gegeben werden, in seiner Familiensprache gut literalisiert zu werden. Man stelle sich vor, die deutschsprachigen Kinder hätten keinen schulischen Unterricht in der deutschen Sprache: Viele würden wohl die Mitvergangenheit der starken Verben nie lernen oder häufig den dritten und vierten Fall verwechseln. Von einer Beherrschung der Rechtschreibung ganz zu schweigen.

Auch die Tatsache, dass eine gut ausgebildete Erstsprache eine wichtige Rolle für das erfolgreiche Erlernen der Zweitsprache bildet, spricht für das Angebot in und eine Wertschätzung der Minderheitensprachen. Denn schließlich gibt es in vielen Institutionen, wie Schulen, Kindergärten, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, und bei der Exekutive einen erheblichen Bedarf an gut qualifizierten zwei- und mehrsprachigen Menschen mit Deutsch-, Türkisch- oder BKS-Kenntnissen.

 

E-Mails an: lehrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2011)

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29 Kommentare
 
12
Gast: Ahmet Büyükyilmaz
16.12.2011 00:43
0

Sprechen dürfen nicht nur die unzivilisierten

Sprache verbindet die Menschen, baut Brücken zwischen den Kulturen auf und zerstört die Grundlagen des Antisemitismus.

Habt bitte keine Angst vor einem Kommunikationsmittel sondern fördert ihn, wenn ihr Euch nicht vom schweigenden Mehrheit befürchten wollt !!

viele Grüße
Ahmet Büyükyilmaz

Gast: Aucklander
13.06.2011 14:24
0

Poor Austria..

I am quiet sorry what´s happening now in Austria in last decades. It used to be so nice and safe country, but now it seems that has started turning into the Turkish Protectorate... Well Austrians you should just say good bye to your nice old country and welcome new bright islamic future, which certainly come from Anatolya and the rest of damned Turkey

Allah bless you

Na sicher!

"...sollte aus sprachenrechtlichen Gründen eigentlich jedem Kind die Möglichkeit gegeben werden, in seiner Familiensprache gut literalisiert zu werden."

So wie den deutschsprachigen Hauptschülern in Wien etwa?!

Diese SprachwissenschftlerIn ist nicht ganz bei Trost.


Wir brauchen nicht mehr Österreicher, die Türkisch sprechen,

sondern mehr Türken, die gewillt sind Deutsch zu sprechen. Es gibt wichtigere lebende Fremsprachen, über deren Vermittlung nachzudenken wäre, z.B. Chinesisch, Arabisch.

Gast: liebstöckl
11.04.2011 19:53
1

Recht auf eigene Muttersprache

Im Prinzip habe ich kein Problem mit Türkisch als zweite lebende Fremdsprache bei der Matura. Die wenigen TürkInnen, die die Matura ablegen, sind nicht das Problem.

Wenn Herr de Cillia allerdings so argumentiert:

"So sollte aus sprachenrechtlichen Gründen eigentlich jedem Kind die Möglichkeit gegeben werden, in seiner Familiensprache gut literalisiert zu werden. Man stelle sich vor, die deutschsprachigen Kinder hätten keinen schulischen Unterricht in der deutschen Sprache: ..."

habe ich allerdings schon ein Problem! Gewiss hat jeder Mensch ein Recht darauf, in seiner eigenen Muttersprache/Familiensprache unterrichtet zu werden - aber nur im Heimatland! Dieses Argument ist außerordentlich absurd.

Warum diese Aufregung?

Weil es hier nicht um irgendeine Fremdsprache geht, sondern um die Muttersprache der Einwanderer, die am schlechtesten integriert sind und überall nur ihr Sonderwünsche durchdrücken wollen.

bitte nicht soviel argumente!

mit solchen erreicht man leider einen ganz beträchtlichen teil der österreicher nicht.

diese wollen
a) wie in der werbung: schlagworte und honig ums maul geschmiert.
und
b) dass künftige generationen auch so unbeleckt bei fremdsprachen sind wie sie selber!

Türkisch ist keine Weltsprache und auch keine in unserer Nachbarschaft!

Wenn in einer Schule eine Fremdsprache gelehrt wird, so soll es eine sein, die möglichst vielen Schülern Nutzen bringt. Das ist bei türkisch aber nicht der Fall. In der Welt spielt türkisch keine Rolle und die Türkei ist auch kein Nachbarland. Daher könnten die Kosten, die dieser Unterricht verursacht mit viel größerem Nutzen für eine Welt- oder auch eine Nachbarschaftssprache eingesetzt werden!

Re: Türkisch ist keine Weltsprache und auch keine in unserer Nachbarschaft!

jedenfalls sprechen weltweit weitaus mehr menschen türkisch als deutsch.

Antworten Antworten Gast: liebstöckl
11.04.2011 19:47
2

Re: Re: Türkisch ist keine Weltsprache und auch keine in unserer Nachbarschaft!

Das ist falsch! Es gibt knapp 78 Millionen Türken, wovon nicht alle Türkisch als Muttersprache haben. Deutsch sprechen etwa 100 Millionen Menschen weltweit.

Antworten Gast: Quoting facts
11.04.2011 11:05
4

Re: Türkisch ist keine Weltsprache und auch keine in unserer Nachbarschaft!

Türkisch ist an 5. Stelle der in der Welt am meisten gesprochenen Sprachen, Sie Unwissender!

Wer selber wenig gebildet ist, will auch verhindern, dass sich andere nicht weiterbilden...

Re: Re: Türkisch ist keine Weltsprache und auch keine in unserer Nachbarschaft!

Wenn man "Weltsprachen" googelt, kommt zuerst Wikipedia und auch sonst noch einiges. Viele Sprachen werden genannt, türkisch ist nie dabei!
Auch bei den 10 oder 12 meistgesprochenen Sprachen kommt türkisch nicht vor!
Es gibt viele Sprachen, deren Kenntnis weitaus nützlicher ist als das Türkische!

Re: Re: Türkisch ist keine Weltsprache und auch keine in unserer Nachbarschaft!

naja

also weder hier
http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Sprache

noch hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen

wird das belegt was sie so behaupten.

Gast: gast 47
11.04.2011 06:00
5

Jetzt schaffen also auch wir uns ab . . .


. . . nur noch konsequenter als die Deutschen.

Preisfrage: wer wird naechster Bundeskanzler? Ich glaube es zu wissen (nein, ich bin nicht happy) - es werden noch Wetten angenommen.

Ja, betrachten wir die Angelegenheit nüchtern:


Jahrzehntelange Förderung und Unterstützung hat zu nichts anderem als zu Ghettobildung und immer stärkerer Anspruchshaltung der Zuwanderer geführt, dazu kommen Kosten für eine ganze Migrationsindustrie.

Ich bin daher für für das amerikanische Modell.
Wer hier einwandern will, hat für sein Fortkommen selbst zu sorgen.
Wer das nicht kann, darf nicht einwandern.

Re: Ja, betrachten wir die Angelegenheit nüchtern:

Gute Idee, wir hätten mit Sicherheit weit weniger Zuwanderer.

Gast: Wiener
10.04.2011 22:00
6

NEIN zu allem was mit Türk- anfängt und irgendwie aufhört mit -ei-en-isch

Jetzt und für alle Zeit.

Re: NEIN zu allem was mit Türk- anfängt und irgendwie aufhört mit -ei-en-isch

... parole des tages aus der vereinszentrale "zum goldenen wienerherz".

Sie sind halt 40 jahre zu spät dran!
man könnte sich direkt hämisch ins fäustchen lachen bei qualifizierten äußerungen wie Ihren.


Re: NEIN zu allem was mit Türk- anfängt und irgendwie aufhört mit -ei-en-isch

da stimme ich ihnen zu: NEIN zu unbegründet hassschürenden TÜRKenfeindEN ... uiii .. auf das wollten sie nicht hinaus? die gebotenen perspektiven nur sehr selektiv und verkürzt wahrzunehmen scheint sich beim mitterechten-was-auch-immer-rand wohl nicht nur auf migrationsspezifische thematiken zu beschränken

#

RUDOLF DE CILLIA (Die Presse) was glauben Sie, was uns Steuerzahler das wiedereinmal kostet?

Wachsen Türkirschlehrer auf den Bäumen und unterrichten diese die unnötigste aller unnötigen Sprachen auch noch für Gottes Lohn?

Statt den Deutschunterricht zu intensivieren, zusätzlich unsere SMS- Jugend in Rhetorik zu schulen, jetzt dies ...

Antworten Gast: Quoting facts
11.04.2011 11:06
3

Re: #

"die unnötigste aller unnötigen Sprachen auch noch für Gottes Lohn?"

Leben Sie auf dem Mond? Türkisch wird weltweit von über 200 Millionen Menschen gesprochen!

Da fantasiert einer ganz gewaltig

60 Mio sprechen Türkisch. Alle etwa 40 Turksprachen zusammen werden von 150 Mio. Menschen gesprochen. Wir zählen aber z.B. auch die romanischen Sprachen (Ital., Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch,...) nicht als 1 Sprache.

Re: Re: #

200 Millionen? Wo haben Sie denn diese Zahl her?

Antworten Antworten Antworten Gast: Quoting facts
11.04.2011 16:19
0

Re: Re: Re: #

Das Türkeitürkische vertritt den fortgeschrittenen Sudwestzweig der türkischen Sprachgruppe aus der Uralaltaischen Sprachgruppe. Die Volker, die diese Sprache sprachen, verbreiteten sich von Mittelasien aus in östlicher und nordöstlicher Richtung aber auch besonders in den Westen.

Türkisch hat im Laufe langer Zeiten verschiedene Sprachen und Dialekte des Mittel Iranischen beeinflußt, den nördlichen Zweig des Persischen geteilt und einige indogermanische Sprachen aus Kaukasien und Anatolien zum Aussterben gebracht.

Mit der Annahme des Islam wurde der Einfluß von Arabisch und Persisch auf die türkische Sprache deutlicher. Ab Ende des 19. Jahrhunderts entstand den die gegenwärtigen türkischen Schriftsprachen wie Türkeitürkisch, Aserbaidschanisch und Kasachisches Türkisch, die alle auf türkischen Dialekten beruhen.

Mehr als 200 Millionen Menschen sprechen Türkisch mit all seinen Variationen. Bedenken Sie auch, dass das Osmanische Reich ein Vielvölkerstaat war, und als Erbe in diesen Völkern die türkische Sprache hinterlassen hat.

Re: Re: Re: Re: #

Ach so. Ja freilich, wenn man so rechnet, dann sind Niederländisch, Luxemburgisch (sowieso), Dänisch, Schwedisch und Norwegisch auch Teile des Deutschen. Und punkto sprachliches "Erbe" des Vielvölkerstaats: Das ist praktisch inexistent.

Gast: 2Cent
10.04.2011 21:21
3

Die Argumentation hinkt.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn jeder in seiner Erstsprache sattelfest wäre. Das wird durch die Einführung von Türkisch als zweite Fremdsprache aber nicht erreicht werden. Die zweite Fremdsprache wird ab der neunten Schulstufe unterrichtet. Das ist ein bisserl spät, um die Erstsprache richtig zu erlernen, nicht wahr?
Da ist der Zug für Deutsch und Englisch (die übliche erste Fremdsprache) längst abgefahren.

 
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