Lehrer strenger auswählen

01.07.2011 | 18:28 |   (Die Presse)

Lehrerausbildung. Es braucht strenge Aufnahmekriterien im Studium, bessere Fachdidaktik und mehr Unterstützung.

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Will man die besten Lehrer, muss man diese auch gezielt anwerben und aussuchen. Lehrer darf nicht derjenige werden, dem nach der Matura keine bessere Alternative einfällt, sondern der, der für den Beruf optimal geeignet ist. Strenge Zugangsvorraussetzungen sind ein Muss. Die österreichische Lösung ist vergleichsweise lasch. Das Konzept zur neuen Lehrerbildung sieht zwar eine sogenannte „Eignungsfeststellung“ vor – eine penible Selektion soll das aber nicht sein. Ob der Ausbildner nach der zweisemestrigen Beobachtungsphase das letzte Wort haben wird, ist noch offen.

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Dass Selektion der Schlüssel zum Erfolg ist, zeigt das finnische Schulsystem. Anspruchsvolle Tests, Einzel- und Gruppengespräche – all das müssen angehende Lehramtsstudenten absolvieren. An der Uni in Helsinki schafft es nur etwa jeder zehnte Bewerber in die Ausbildung. Der Erfolg gibt den Finnen recht. Eines ist klar: Ausgesiebt kann nur dann werden, wenn es genügend qualifizierte Bewerber gibt. Angesichts des drohenden Lehrermangels wird das ohne einen Imagewandel des Lehrberufs und attraktive Einstiegsgehälter wohl kaum möglich sein.

Nach erfolgter Eingangsauslese gilt es, allen Pädagogen – auch jenen in der frühkindlichen Erziehung – die bestmögliche Ausbildung zu gewährleisten. Ob die Lehrer dazu künftig einen Bachelor- oder einen Masterabschluss haben sollen, ist sekundär. Es geht um die inhaltliche Aufwertung. Die neue Lehrerausbildung sieht den ersten wichtigen Schritt vor: das Ende der Trennung von Haupt- und AHS-Lehrern. Rational kann die unterschiedliche Ausbildung der beiden Lehrtypen ohnehin nicht begründet werden. Gliedern soll sich diese in Altersgruppen – Elementar- und Primarbereich sowie Sekundarbereich.

 

Forschung und Fachdidaktik

Das zwingt Unis und Pädagogische Hochschulen (PH) zur Kooperation. In zehn Jahren soll es nur noch Pädagogische Unis geben, so das politische Ziel. Ein Unterfangen, bei dem Vorsicht geboten ist. Denn das Konzept lädt nahezu zu einem Etikettenschwindel ein. Wie Kooperationen genau aussehen sollen, bleibt den Institutionen selbst überlassen, festgelegt sind nur die Eckpunkte.

Idealerweise müsste gesichert sein, dass die Lehrerausbildung auf universitärem Niveau – mit ausreichender Forschungsorientierung – stattfindet. Die Leistung der Institution muss im Zentrum stehen. Werden die Kriterien nicht erreicht, darf weder eine Uni noch eine PH zur Pädagogischen Uni ernannt werden. Auch das Curriculum ist entscheidend. Die immer wieder beteuerte Konzentration auf die Pädagogik darf nicht auf Kosten der Ausbildung in Fach und Fachdidaktik gehen. Immerhin zeigen internationale Studien, wie die Teacher Education and Development Study (TEDS), dass hohe fachliche Kompetenzen unbedingt nötig sind, um fachdidaktische Fähigkeiten zu erweben. Diese wiederum ebnen den Weg für gute Schülerleistungen.

Aber auch bestens geeignete und ausgebildete Lehrer sind zum Scheitern verurteilt, wenn das System die alltägliche Arbeit erschwert. Sie benötigen vielerorts Unterstützung durch Schulpsychologen und Sozialarbeiter. Außerdem braucht es das schon lange angekündigte, leistungsorientierte Besoldungsrecht. Internationale Vorbilder gäbe es genug. In Spanien etwa erhalten Lehrer mehr Gehalt, wenn sie sich außerhalb der Arbeitszeit fortbilden.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2011)

 
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73 Kommentare
 
12
Gast: BVBler
05.10.2012 19:59
0

De fun eruditione

Müssen Kinder schon ab dem Sandkastenalter funktionieren?
Macht es heute noch Spaß in einer Schule zu lernen?
Lernt man in einer Schule seine Perspektiven erkennen?
Wie bewirbt man sich mit seinem Schulabschluss auf eine Stellenanzeige, welche die Verantwortlichen nicht mal selbst übersetzen können??
Ist Talentförderung eine Frage der Finanzierung ....?

Gast: Pädakler
03.07.2011 17:29
1

die besten

solange an den PH der Großteil der Lehrerbildner "parteipolitische Notwendigkeiten" sind, wird es keine Verbesserungen geben. Im übrigen würde das alles viel Geld kosten, wenn man gute Leute haben will, kostet es... das will man aber nicht investieren. sonst bleiben wieder die über, die den richtigen Parteigeruch haben oder Juli und August als Beweggrund fürs Lehrerwerden nennen oder gar, wie mir kürzlich eine sagte... "weil die Mama auch Lehrerin is..."

Gast: Rienzi
03.07.2011 15:18
1

Unfassbar! Skandalös!

Was Bayrhammer, Neuhauser und Schwarz zum Thema des Tages abliefern, hat mit journalistischem Bericht rein überhaupt nichts mehr zu tun. Hier wird nicht nur gewertet, sondern in voll manipulativer Art und Weise Propaganda betrieben, die in der Forderung nach einer verpflichtenden Ganztagsschule (!!) ihren üblen, nach Marxismus riechenden Höhepunkt erreicht! Die gesamten "Thesen zur idealen Schule" sind einer PRESSE zutiefst unwürdig! So macht man keine Reportage! Gelten die einfachsten Grundregeln des Journalismus nun auch für die PRESSE (und das schon auf der Titelseite) nicht mehr?

peter 80
03.07.2011 14:39
0

Pisa ??

Warum sind die Finnen so weit vor uns im Internationalenranking und jetzt die Neuseeländer-Koreaner im lesen elektronischer Medien??Weil sie keine Klassenverbände mit einem Migrationsanteil von 70 % bis 80% haben so wie z.B. in Wiener Schulen!!!!Kinder muß man fördern zu 1000% aber da müßte die Politik mitziehen sonst leiden die Österreichischen Kinder mehr darunter als die Migranten....den wenn in Hauptschulen mehr Türkisch gesprochen wird als Deutsch schafft sich nicht nur Deutschland ab!!!!!In zehn Jahren braucht man keinen Schüler über Peter Rosegger Erzherzog Johann oder von mir aus Helmut Qualtinger fragen!!!!Den letzteren bewusst genannt da ich kein FPÖ'ler bin !!!!!Aber das ist Fakt!!!!

Gast: Ludmilla
03.07.2011 13:03
0

a Jammer das system

Von wo sollns die, den wissen? In der Schule habens das nicht glernt. Viele nur kuschen und Gedicht aufsagen, den Rest des Lebens bleiben die blöd. Entscheidend ist was du aus dir mal machst. Zählen mußt können, rechen und schreiben. Zeig nie das, was du kannst, mach es einfach und sah nie wie du das geschafft hast, ansonsten bist dein leben lang für dei andern ein Doddel. Den trotz guter und Erfolgreicher Leistung, gibt nicht mehr Geld. zum Lehrplan: Ganztägig in allen Schulen, mit Privilegienabschaffung 14 Wochen urlaub etc.

Kerberos
03.07.2011 11:11
1