Der Raum als dritter Pädagoge

Raumkonzepte. Mehr als nur ein Speisesaal: Vor allem die Ganztagsschule verlangt nach neuen Räumlichkeiten.

Raum dritter Paedagoge
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Raum dritter Paedagoge

Knapp 700 Millionen Euro investiert die Regierung bis zum Jahr 2013 in Schulbau und Umbauten; neue Raumkonzepte finden derzeit allerdings nur sehr zögerlich Niederschlag – etwa beim neuen Bildungscampus am Wiener Hauptbahnhofgelände. Nach wie vor misst das Standardklassenzimmer in den meisten Schulen neun mal sieben Meter, ein Raum liegt neben dem anderen, dazwischen verlaufen nackte Gänge. Architekten plädieren längst für eine andere Raumgestaltung.

Vor allem die Ganztagsschule verlangt nach neuen Räumlichkeiten. Einfach einen Speisesaal zu installieren, reicht nicht aus, wenn Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen: Die Schule muss als Lebensraum begriffen werden. So ist eine Trennung in Unterrichts- und Freizeiträume nicht sinnvoll; es braucht Räume zum Lernen und Rückzugsnischen, zugleich offene Arbeitsbereiche und großzügige Bewegungsflächen. Die Lehrer wünschen sich laut einer unlängst veröffentlichten Umfrage mehr Flächen für offenen, flexiblen Unterricht. Sogenannte „Lernstraßen“ gibt es derzeit aber nur an jeder fünften Schule.

 

Schule ohne Klassenzimmer

In Skandinavien gilt der Raum als „dritter Pädagoge“ – neben dem Lehrer und den Mitschülern. Der Raum muss das unterstützen, was erreicht werden soll (etwa selbstständiges Lernen). Klassenzimmer im üblichen Sinn kennen viele Schulen dort gar nicht mehr. Einige, wie die Hellerup-Schule in der Nähe von Kopenhagen, kommen überhaupt ohne geschlossene Räume aus; neben offenen Lernzonen gibt es kleine, sechseckige Paravents, die je rund 25 Kinder für kurze Phasen konzentrierten Zuhörens aufnehmen können.

So muss die Schule der Zukunft in Österreich nicht aussehen, aber das Beispiel beweist, dass innovativer Schulbau möglich – und nicht unbedingt teurer ist: So braucht die Hellerup-Schule nur 11 Quadratmeter pro Schüler, in konventionellen Schulen sind es zwischen 20 und 30. Dafür kostet die Innovation in der Planung (häufig gemeinsam mit Pädagogen, Eltern und Schülern) und im Betrieb.

Ein anderer Punkt ist die Zeit: 50 Minuten vergehen schnell, heißt es – außer in der Schule. Nicht wenige Schulen (vor allem im Volksschulbereich) haben das enge Korsett bereits aufgeschnürt und die Klingel verbannt; der rigide Takt entspricht nicht dem Lernrhythmus der Schüler.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2011)

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