Österreich soll lernen wie die Finnen

04.11.2011 | 18:37 |  Von unserem Korrespondenten HANNES GAMILLSCHEG (Die Presse)

Hannes Androsch fordert mit seinem Bildungsvolksbegehren eine "Finnlandisierung" des österreichischen Schulsystems. Ein Blick zum PISA-Weltmeister zeigt: Dort werden Schüler und Lehrer gefördert und gefordert.

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Kopenhagen/Helsinki. Eine neunjährige Gesamtschule, Respekt vor den Lehrern, frühes Leseverständnis und individuelle Förderung: Das finnische Erfolgsmodell für die Schulbildung hat viele Bausteine. Gemein ist ihnen das klare Konzept, das alle Schüler einschließen soll. „Wir Finnen sind nur fünf Millionen Menschen und können es uns nicht leisten, sie unterwegs zu verlieren“, sagt der sozialdemokratische Bildungsminister Jukka Gustafsson – und verficht damit die gleiche Ideologie wie seine bürgerlichen Vorgänger, seit das Land 1998 sein Gesamtschulkonzept reformierte.

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Die Erfolge geben dem Modell recht. Seit zehn Jahren liegt Finnland in den PISA-Messungen ganz vorn. Ganz egal, ob es um Lesefähigkeit, Mathematik, Naturwissenschaften oder Problemlösung geht. Die Spitze ist spitze, die Breite ist breit: Dass es bei ihnen exzeptionell wenig schwache Schüler gibt, macht die Finnen besonders stolz. Nur fünf Prozent erwiesen sich als ungeeignet, Probleme zu lösen. Und es gibt zwar die üblichen Unterschiede, dass Mädchen besser lesen und Buben in Mathe bessere Noten bekommen. Aber auch hier gilt: Nirgendwo sonst sind die Geschlechterunterschiede so gering wie in Finnland.

Was macht das Vorbild Finnland aus? Die gute Lernatmosphäre im Klassenzimmer ist einer der Hauptgründe. Es gibt kleine Klassen, die Durchschnittsschülerzahl liegt bei 15 – und motivierte Lehrer. Die finnische Schule hat noch etwas von der Atmosphäre der Landschule der Nachkriegszeit, als mehrere Jahrgänge im selben Raum unterrichtet wurden und der Lehrer eine Respektsperson war.

 

Gute Zusammenarbeit mit Eltern

Es gibt klare Lehrpläne, dank deren der Lehrer weiß, was erwartet wird, und rasches Eingreifen in Zusammenarbeit mit dem Elternhaus, wenn es bei einem Schüler nicht klappt. Mit individueller Nachhilfe während der Schulzeit werden die Nachzügler rasch wieder herangeführt. Auf Leseverständnis wird in den ersten Jahren höchster Wert gelegt, dies erleichtert später auch den Mathe- und naturwissenschaftlichen Unterricht. Die Schüler verstehen ihre Aufgaben. Auch in Finnland spielen die familiären Verhältnisse eine Rolle für den Erfolg. Doch der Einfluss des „sozio-ökonomischen“ Hintergrunds ist dank der egalitären Gesellschaft und der Förderung in den Schulen geringer als irgendwo sonst.

Erst wenn die Schüler 16 sind, trennen sich die Wege für die theoretisch Begabten und die, die eine praktische Ausbildung machen. Doch auch bis dahin gibt es große Unterschiede im Lehrangebot der Schulen, sodass zumindest in den Städten alle eine für sie passende Ausbildungsstätte finden können. Will man Englisch ab der ersten Klasse haben oder Unterricht auf Somalisch? Ballett oder Eishockey? Auf dem Gymnasium wird die Individualisierung noch weiter getrieben. Jeder Schüler muss während der drei bis vier Jahre 175 Kurse absolvieren, die er neben den Pflichtfächern frei gestalten kann. Eine Matura mit vier schriftlichen Examen führt zur Hochschulreife.

 

Lehrer als Prestigeberuf

Lehrer zu sein ist in Finnland ein Prestigeberuf. Nur zehn bis zwanzig Prozent der Bewerber werden zum Studium zugelassen, hohe Noten, eine bestandene Prüfung und ein erfolgreich absolviertes Tauglichkeitsinterview sind Voraussetzung, auch, um Vor- oder Grundschullehrer werden zu können. Die Ausbildung ist akademisch, aber mit langen Praktikumsperioden verbunden. So ist der fertig ausgebildete Lehrer hoch motiviert und respektiert, bei Schülern und Eltern. Wie es die Pädagogikexpertin Inger Enkvist formuliert: „Wer legt sich schon mit einem Weltmeister an?“

Auf einen Blick

Androschs Vorbild ist Finnland. Deshalb fordert er im Zuge des Bildungsvolksbegehrens die „Finnlandisierung“ des heimischen Schulsystems. Die Stärken der PISA-Sieger: eine neunjährige Gesamtschule, ganztägige Betreuung und individuelle Förderung. Besonderer Wert wird auf eine gute Zusammenarbeit von Schule und Eltern gelegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2011)

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2 Kommentare
Gast: krikri
05.11.2011 06:07
0

ja ja ja und tausend mal ja!!!

und anstatt von raunzen, kritisieren, und "eh ois besser wissen", warum nicht HINFAHREN und anschauen! was machen die finnen anders? warum sind sie so erfolgreich? die haben ihr schulsystem damals von der DDR 1:1 übernommen. das österreichische schulsystem, so gut es die alte maria theresia damals gemeint hat, ist nicht mehr zeitgemäß, und dazu alleine die vielen unnötigen posten, verwaltungsebenen, und doppergleisigkeiten, geschweige von der ganzen bürokratie, ist alles einfach nicht mehr zeitgemäß! sofort entschlacken, und schon haben wir ein paar milliarden für bildung, richtige bildung übrig!

nur ignoranten behaupten österreich hätte das beste bildungssystem der welt, und bla bla. das gleiche sagten schon die amerikaner unter bush mit dem "no child left behind" und bla bla. die realität schaut aber ganz anders aus, und weil alles aus dem mund von politikern kommt, alleine DAS sollte die leute schon misstrauisch stimmen, dass solche aussagen einfach eine glatte lüge sind!

solange man fest an ein system hält, dass zurück zu den "beobachtungen" eines gewissen johann ignaz felbiger geht, dessen lehrmethoden und -bücher zu damaligen zeiten bereits anerkannt waren, doch nicht mehr zeitgemäß sind (er entwarf eine neue schulordnung, die so genannte „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt und Trivialschulen in sämtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern“, und diese schulordnung unterzeichnete die Maria Theresia am 6. dezember 1774), dann sind wir erledigt!!!

Alles neu!

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