Umfrage: Hälfte der Lehrer gegen Ganztagsschule

07.11.2011 | 07:08 |   (DiePresse.com)

Besonders jüngere Lehrer lehnen das Konzept ab. Sie wünschen sich mehr Platz und Zeit für die Betreuung der Schüler. Die Lehrergewerkschaft kommt in der Umfrage nicht gut weg.

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Die heimischen Lehrer stehen dem Konzept der Ganztagsschule gespalten gegenüber. Während 45 Prozent eine derartige Form befürworten würden, lehnen dies 50 Prozent ab. Das geht aus einer aktuellen market-Umfrage im Auftrag der Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens hervor. Zu den Hauptforderungen der Lehrer zählen der Wunsch nach mehr Platz, ausreichend Zeit zur Betreuung der Kinder und der "Erwerb von sozialen Kompetenzen". Kritik gibt es an der Lehrer-Gewerkschaft. Volksbegehren-Mitinitiator Bernd Schilcher forderte aus diesem Anlass den Chef der Beamtengewerkschaft, Fritz Neugebauer (ÖVP), zum Rücktritt auf und wird dabei von Grünen-Bildungssprecher Walser unterstützt.

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Gegenüber der Ganztagsschule sind vor allem dienstältere Lehrer offen: Jene mit mehr als 20 Dienstjahren treten zu 48 Prozent für eine Ganztagsschule ein. Demgegenüber lehnen 60 Prozent jener Lehrer, die weniger als 20 Jahre im Dienst stehen, dieses Konzept ab. Für die Umfrage wurden Ende Oktober 499 Lehrer telefonisch befragt.

Gefragt wurden die Lehrer auch danach, welchen Begriff sie bevorzugen würden, sollte es nur mehr eine einzige Schulform für alle 10- bis 14-Jährigen geben. 48 Prozent würden demnach den Begriff "Gemeinsame Schule" bevorzugen. 14 Prozent der Befragten lehnen ein derartiges Konzept komplett ab.

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Mehr Platz für Schüler gewünscht

Der Hauptwunsch der Lehrer ist jener nach ausreichend Platz für Schüler und Lehrer - 98 Prozent halten dies für "sehr wichtig" bzw. "wichtig". Dahinter folgt der Erwerb von sozialer Kompetenz (96 Prozent) sowie "ausreichend Zeit für die Lehrer zur Betreuung der Kinder" (95 Prozent). Ebenfalls weit oben auf der Prioritätenliste: Die Möglichkeit des individuellen Lernens und einer motivierenden Leistungsbeurteilung für jedes Kind (90 Prozent) sowie mehr Unterstützung von Lehrern, Schülern und Eltern durch psychosoziale Dienste (86).

Relativ gering ist der Wunsch der Lehrer nach einem Ende des Durchfallens: Nur für 26 Prozent ist dies "sehr wichtig" bzw. "wichtig". Auch eine längere Anwesenheit der Schüler in der Schule ist kein absoluter Top-Wunsch der Pädagogen: Nur bei 38 Prozent steht dies weit oben auf der Wunschliste.

Lehrer-Gewerkschaft schlecht bewertet

Keine besonders guten Noten bekommt die Lehrer-Gewerkschaft in der Umfrage. Nur acht Prozent sind der Ansicht, diese treibe die Bildungsdebatte "positiv voran", für 18 Prozent blockiert sie "alles". 31 Prozent vergeben hier auf der vierstufigen Skala Note zwei, 35 Prozent Note drei. Auf das Image der Lehrer wirkt sich der Einfluss der Gewerkschaft für 34 Prozent der Befragten eher negativ aus, für 21 Prozent eher positiv. 37 Prozent vergaben hier Note drei auf einer fünfstelligen Skala.

Volksbegehrens-Mitinitiator und VP-Bildungsexperte Bernd Schilcher nahm die Umfrage-Ergebnisse als Anlass, GÖD-Chef Neugebauer zum Rücktritt aufzufordern: "Statt anzutreten für eine neue Amtszeit sollten Sie zurücktreten", erklärte er in einer Stellungnahme in dessen Richtung. Die Umfrage würde deutlich zeigen, "dass eine wachsende Zahl von Lehrern mit der vorherrschenden Reformblockade-Politik von Teilen der Lehrergewerkschaft nicht einverstanden ist".

Walser unterstützt Rücktrittsforderung

Unterstützt wird Schilchers Forderung nach einem Rücktritt von GÖD-Chef Neugebauer auch durch Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. "Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass wir uns weitere fünf Jahre Neugebauer nicht leisten können" kommentiert er die heute, Montag, präsentierten Umfrage Ergebnisse. Die GÖD wäre in Österreich "zum Synonym für Stillstand" geworden. Das müsse aber nicht so sein - in anderen Ländern, etwa in Deutschland, würden die Lehrer-Gewerkschaften konstruktiv zur Weiterentwicklung des Schulsystems beitragen. "Wenn die GÖD jemals ähnlich konstruktiv wirken will, muss sie sich endlich von Stillstandswahrern wie Neugebauer trennen. Denn wir brauchen dringend eine echte Bildungsreform, die auch die Gewerkschaft unterstützt", so der Grüne Bildungssprecher.

Lehrer-Initiative: "Frischer Wind" in der GÖD

Daniel Landau, Mitbegründer der Initiative "Wir LehrerInnen für's Bildungsvolksbegehren" ruft indes zu einem Kurswechsel in der Lehrer-Gewerkschaft auf. „Die LehrerInnen sind längst weiter als ihre gewerkschaftliche Vertretung und schauen offenbar zunehmend über den eigenen Tellerrand", interpretiert er die schlechten Umfrage-Ergebnisse für die Gewerkschaft. Diese seien eine "klare Abmahnung der GÖD und ein deutlicher Aufruf, die Linie grundlegend zu ändern und sich für Diskussionen zu öffnen", mahnt Landau in Richtung Gewerkschaftskongress, der alle fünf Jahre stattfindet und heute, Montag, begonnen hat.

 

(APA/red)

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211 Kommentare
 
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Wo kämen wir da hin,

wenn die Lehrer wirklich 40 Wochenstunden in der Klasse arbeiten müssten!

Antworten Gast: Lehrerln
11.11.2011 14:24
1 0

Das kann ich Ihnen sagen:

Es gäbe unter Garantie praktisch nur noch "Türschwellenpädagogik", da zur Lehrtätigkeit auch Vor- und Nachbereitungen, Eltern- und Behördenkommunikation, Dokumentation etc. dazugehören.
Wenn jetzt die gesamte Arbeitszeit in der Klasse verbracht wird, muss der Rest einfach entfallen. Ob das wünschenswert ist?

Gast: xyztu
09.11.2011 20:04
0 0

chancengleichheit für alle

ist doch das neue "bildungs"dogma des 21.jahrhunderts?
für mich stellt sich dann aber doch die frage, was denn nun eigentlich damit gemeint ist:
1. gleiche bildungsabschlüsse für alle? - bei den nun mal bestehenden begabungsunterschieden kann das nur ein nivellieren der anforderungen nach unten bedeuten - fragt sich nur, wie sich das auf die internationale konkurenzfähigkeit des standortes österreich auswirkt!!!!
2. jeder soll die ihm gegebenen möglichkeiten voll ausschöpfen können? - würde möglichst gezielte förderung der unterschiedlichen begabungsniveaus (und eine stärkere differenzierung nach leistungsgruppen) notwendig machen - der gelernte österreicher ist äußerst skeptisch, ob dies in einer gesamtschule bis 14 jahre (od. nms.....je nach belieben) überhaupt möglich ist

also wer schon einmal

versucht hat etwas WIRKLICH zu lernen, weiß, dass er auch zeit dazu braucht. zeit die man NICHT in einer klasse hockt, sondern sich mit dem stoff selbständig beschäftigt.

wie weit das dann in einer ganztagsschule möglich gemnacht wird oder nicht bleibt ja abzuwarten.....vor allem wenn a priori einmal gilt, dass "die pösen lehrer" eh "nichts hackeln".
somit wird wahrscheinlich ein coaching ausfallen, und den ganzen tag unterrichtet werden.............was zu NICHTS führt, außer dass die lieben kleinen halt den ganzen tag "betreut" sind.........damit BEIDE elternteile voll schöpfen können, und sich damit die löhne weiter verringern lassen können.

hört sich an

das hört sich an, als hätte man in erster Linie rote und grüne Lehrer befragt und alle anderen liegen lassen. Das ist kein repräsentatives Ergebnis - das glauben höchstens Standardleser.

Leider...

...wird sich grundlegend sowieso nichts ändern.

Eine zentralisierte Planungsstelle kann kein einheitlich funktionierendes Schulssystem erfinden. Und wenn dann noch, wie bei uns, ständig (ideologisch bedingt) daran herumgewurschtelt wird, ist sowieso Hopfen und Malz verloren.

Nur radikale Lösungen können Abhilfe schaffen.

Zum Beispiel das sofortige Ende sämtlicher staatlicher Schulpolitik. Und darausfolgend eine vollständige Schulautonomie und schlussendlich die Totalprivatisierung der Bildung (wenns sein muss, dann mit "Bildungschecks" pro Kind).

Dort könnten verschiedene Schultypen lokal entstehen. Sie werden angenommen oder nicht. Wie gut sie funktionieren wird darüber entscheiden, ob das System von anderen übernommen, oder verworfen wird. Evolutionäre, dezentrale Systeme sind zentralistisch geplanten stets überlegen.

Das passt allerdings zugegeben schlecht mit Beamten-Dienstverträgen zusammen.

Antworten Gast: Bester Vorschlag von Ihnen!
07.11.2011 23:20
1 0

Re: Leider...

Vollkommen korrekt! Und vollkommen unmöglich. Leider.

Gast: Ludmilla
07.11.2011 21:36
4 11

die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

40 Stunden Woche und die viele Freizeitin den Schulferien einarbeiten. Schluß mit dem Extrawürsteln der Lehrer. Ein Lehrer der behauptet gerne Lehrer zu sein, soll auch gerne den Ausgleich der Extrawürstel wie die viele Freizeit begleichen. Indem er am Nachmittag die Kinder betreut. Wäre ja sozial Gerecht. Da müßte man einmal die jungen fragen? Warum sie Lehrer geworden sind. Nur wegen der Ferien, die viele Freizeit. Super im Sommer 9 Wochen zuhause sein. Das kann sich Niemand leisten, der nicht grad ein Millionär ist.

Antworten Gast: Gast "hakeln"
10.11.2011 12:05
1 0

Re: die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

Vielleicht könnten Sie sich einmal etwas ausgiebiger mit der deutschen Sprache befassen, damit Sie einmal einen halbwegs "geraden" Satz schreiben lernen.

Antworten Gast: MichaelaK.
09.11.2011 18:23
1 0

Re: die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

Liebe Ludmilla,
Sie sind sehr negativ dem Lehrberuf eingestellt. Sie werden Ihre Gründe haben.
Ich bin Lehrerin und ich bin es nicht wegen der Ferien geworden!
Natürlich sehen Sie nur die Ferien und die freien Nachmittage...ich korregiere an den Nachmittagen Schulübungshefte und Schularbeiten, ich überarbeite die Förderpläne , die ich für jedes Kind meiner Klasse erstelle, einmal in der Woche habe ich eine 3stündige Fortbildung, ich bin oft in der Schule um in der Klasse die Vorbereitungen für die freie Lernarbeit zu treffen,...
ich darf Ihnen sagen, ich komme leicht auf meine 40 Stundenwoche.
Und ich möchte eine Unterrichtsstunde nicht mit einer Bürostunde vergleichen, das ist nicht möglich!
Ich unterrichte da den Lernstoff, in 5 differenzierten Gruppen und dann ist es mir noch wichtig die Sorgen, Launen und Ideen meiner Kinder zu kennen und ihnen, wenn möglich, zu helfen.
Mein Job ist auf eine andere Art eine Herausvorderung als Ihrere Arbeit.
Schade, so eine geringfügige Wertschätzung wie sie meiner Arbeit zukommen lassen, würde ich Ihrer Arbeit nie zuteil werden lassen.

Antworten Antworten Gast: Histi
10.11.2011 11:49
1 0

Re: Re: die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

??
Wenn Sie, wie Sie vorgeben, Lehrerin sind, würde ich an Ihrer Stelle zuallererst an Ihren Deutschkenntnissen arbeiten. Ein Schüler, der eine Arbeit mit dieser Satzstellung und diesen Fehlern ablieferte, könnte mit keiner guten Note rechnen!

Antworten Gast: Denker 10
09.11.2011 17:45
0 0

Re: die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

Sie sind so was von einfältig und bildungsresistent, dass es wirklich schade um die Zeit ist, um sich mit Ihnen auseinander zu setzen!

Antworten Gast: gast21_
09.11.2011 07:04
1 0

Re: die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

Gut das Leute wie Sie kein Lehramt ausüben (dürfen) - es reicht einfach nicht.

Re: die sind dagegen die nichts hakeln wollen, die andern wollens eh.

alle, außer die lehrer, üben ihren beruf aus berufung aus. fast alle. besonders berufen sind politiker, lobbyisten und ähnliches. es gibt dann noch einige, wenn nicht viele, die sind aus berufung nichtstuer, die tun überhaupt nichts, ev. noch in foren ratschläge von sich geben.

"Wir LehrerInnen"

Wer so schreibt, gehört schon mal von vornherein vom Lehrberuf ausgeschlossen. Er ist offenbar nicht in der Lage, österreichische Rechtschreibung zu vermitteln und darüber hinaus ideologisch fanatisiert. Beides hat an Schulen nichts verloren.

Gast: Gast999
07.11.2011 20:56
4 0

Statistik

Bei der angeblich vierstufigen Skala kommt man auf 90 Prozent. Bei der fünfstufigen Skala sehen 21% den Einfluss der Gewerkschaft positiv, 37% immerhin noch befriedigend, die Note gut wird nicht angeführt.Das heißt, dass der weitaus überwiegende Teil der Gewerkschaftsmitglieder zumindest zufrieden mit ihrer Vertretung ist. Und daraus leitet der selbsternannte Bildungsexperte und Profilierungsneurotiker Schilcher ab, dass Neugebauer zurücktreten muss. Wir können nur hoffen und beten, dass die Bildung in Ö. nie in die Fänge solcher Leute gerät.

Gast: Leistungsträgerjugend (LJ)
07.11.2011 20:33
8 1

Wir sind voll für die 24-Stunden-Schule

... damit die Eltern als AMS-TrainerInnen dazuverdienen können. Hauptsache alle sind erfasst und LEISTEN etwas.

499 Lehrer telefonisch befragt

Das sagt wohl alles. Die Befragten wurden sicher sehr sorgfältig ausgewählt - repräsentativ für die Initiative "Wir LehrerInnen für's Bildungsvolksbegehren"

Gast: Kaufmann 1010
07.11.2011 20:05
2 7

Chance nutzen. Das Bildungsvolksbegehren unterschreiben!

Geben wir unserer Zukunft - der Zukunft unserer Kinder und unseres Landes eine Chance.

Wer den Text des Volksbegehrens kennt und auch denken kann, der unterschreibt.

Antworten Gast: Neuqebauer
07.11.2011 20:46
4 1

Re: Chance nutzen. Das Bildungsvolksbegehren unterschreiben!

Ist Ihnen klar was das bedeuten wird.

Zur Umsetzung werden min. um 50% mehr Lehrpersonen benötigt. Zur Finanzierung wird wohl die Mehrwertssteuer auf etwa 30% steigen müssen.

Antworten Antworten Gast: bitte_mit_panik_aufhören
07.11.2011 22:06
2 5

Re: Re: Chance nutzen. Das Bildungsvolksbegehren unterschreiben!

bitte mit der polemischen panikmache aufhören! diese blockierer-parolendrescherei geht mir wirklich schon auf die nerven. was in der mehrzahl der europäischen länder funktioniert, wird wohl auch im kleinen und stinkreichen österreich machbar sein! österreich verschleudert steuergeld mit allen händen für föderalen verwaltungsschwachsinn und überdrehte infrastrukturprojekte, die sich ein paar landesfürsten und die bauindustrie wünschen (koralmtunnel, lobautunnel usw). es ist wahrlich genug geld da, wenn man es nicht für "freunderl" beim fenster rausschmeissen würd'...

Re: Re: Re: Chance nutzen. Das Bildungsvolksbegehren unterschreiben!

"Stinkreiches Österreich" - das kann nur von einem LehrerInnen sein, der unseen Schuldenstand nicht kennt.
Träum weiter!

Re: Re: Re: Chance nutzen. Das Bildungsvolksbegehren unterschreiben!

Da fällt mir nur ein Wort ein: BRAVO!

Gast: Hardliner 1
07.11.2011 19:59
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Logisch

Der Aufschrei der Lehrer ist logisch. Wenn aus einem Halbtagsjob ein Ganztagesjob werden soll, muss man auf die Barrikaden gehen. Verwaiste Tennisplätze, verwaiste Golfanlagen und leere Radwege am Nachmittag - das darf doch nicht sein.

Antworten Gast: gast21_
09.11.2011 07:02
4 1

Re: Logisch

Hardliner = Weichbirne?

Wenn es so locker geht - machen Sie den "Halbtagsjob" doch! Oder reicht der Grips dafür nicht?

Antworten Antworten Gast: NP
10.11.2011 11:54
0 0

Re: Re: Logisch

Bei Ihnen scheint "der Grips" auch nur für Beschimpfungen zu reichen - oder?

 
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