Kritik an Sprachförderung: Deutsch allein ist zu wenig

10.01.2012 | 11:07 |   (DiePresse.com)

Sprachwissenschaftler kritisieren die Konzentration auf die deutsche Sprache. Außerdem: Das Ziel, bei allen Kinder schon vor Schuleintritt unterrichtssprachliches Deutschniveau zu erreichen, sei nicht erfüllbar.

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Die Regierung feierte die Verlängerung der sprachlichen Frühförderung als Erfolg - nachdem lange nicht klar war, ob und von wem die Sprachförderung finanziert wird, stellt der Bund jährlich fünf Millionen Euro zur Verfügung, die von den Ländern verdoppelt werden sollen. Eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern ("Netzwerk Sprachenrechte") übt in ihrer Stellungnahme allerdings heftige Kritik an dem Gesetzesentwurf.

Hauptproblem: die Konzentration auf die deutsche Sprache. Sprachförderung würde in dem Gesetzesentwurf mit der Förderung von Deutschkenntnissen gleichgesetzt - obwohl es im Bildungsplan für die Kindergärten einen eigenen Punkt zu Zwei- und Mehrsprachigkeit gäbe. Laut Lehrplan für die Volksschule seien alle Sprachen der Kinder in den Unterricht einzubinden, außerdem sei muttersprachlicher Unterricht vorgesehen. "Warum also nicht schon Förderung oder zumindest Einbindung von Familiensprache(n) vor der Schule", fragt das Netzwerk Sprachenrechte.

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"Völlig unrealistische Zielsetzung"

Der Plan von Kurz sieht vor, dass für die Jahre von 2012 bis 2014 jährlich vom Bund fünf Millionen Euro für die Sprachförderung von Kindern vor dem Schuleintritt bereitgestellt werden. Jeder Euro sollte dann von den Ländern verdoppelt werden, damit stünden pro Jahr bis zu zehn Millionen Euro bereit. Damit soll sichergestellt werden, dass Kinder mit den Eintritt in die Volksschule Deutsch als Unterrichtssprache möglichst beherrschen.

Das Netzwerk Sprachenrechte kritisiert das als "völlig unrealistische Zielsetzung": Das Ziel, bei allen Kinder schon vor Schuleintritt unterrichtssprachliches Deutschniveau zu erreichen, sei nicht erfüllbar. Es sei - im Gegenteil - davon auszugehen, dass es die Aufgabe der Volksschule sei, diejenigen Kinder, die in der Familie Dialekt oder eine andere Sprache als Deutsch sprechen, in den ersten Schuljahren an das bildungssprachliche Deutsch heranzuführen.

Der Gesetzesentwurf wecke die Illusion, den "Problemfall" mehrsprachiges Kind mit geringen Deutschkenntnissen "beseitigen" zu können, so das Netzwerk Sprachenrechte. Dabei sei wissenschaftlich erwiesen, dass Sprachförderung (sowohl des Deutschen als auch der Muttersprachen) ein mehrjähriger Prozess sei, der selbst nach der Volksschule nicht bei allen Kindern abgeschlossen sei.

Wie soll Sprache überprüft werden?

Nicht zuletzt kritisieren die Sprachwissenschaftler, dass nicht klar ist, wie der Spracherwerb überprüft werden soll: Normative Konzepte seien im Bereich der Sprachaneignung grundsätzlich ungeeignet, das gelte ganz besonders im Bereich der frühkindlichen Sprachförderung. Überhaupt bezweifle man, inwiefern das Innenministerium die notwendigen Kompetenzen zur Weiterentwicklung von Standards im Sinne von Sprachkompetenzmodellen aufweise. 

(beba)

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49 Kommentare
 
12
Gast: johannisbeere
11.01.2012 17:09
1

Jeder, nur ein ein bisschen

Ahnung von Spachwissenschaft hat, weiß, dass es erwiesen ist, dass ein Kinde zuerst seine Muttersprache beherrschen muss, bevor eine zweite Sprache gelernt werden muss. Die frühzeitige Drängung der Kinder in eine fremde, aber dominante Sprache nützt in nicht, sondern führt im schlimmsten Fall zu Semilingualismus, d.h. keine der Sprachen wird perfektioniert.

Die Förderung der Muttersprache ist also keineswegs überflüssig sondern ein bedeutender Faktor im Erlernen des Deutschen.

Antworten Gast: bärig
11.01.2012 19:02
6

Re: Jeder, nur ein ein bisschen

Es gibt Wissenschafter, die NICHT dieser Meinung sind! Nachzulesen im Internet!

Entlarvend

Zitat:"diejenigen Kinder, die in der Familie Dialekt oder eine andere Sprache als Deutsch sprechen, in den ersten Schuljahren .."

Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob sich jemand in einem österreichsichen Dialekt ausdrückt, oder überhaupt nicht Deutsch kann.

Wenn es nicht so wäre, dann wäre Deutsch auch nicht unsere Muttersprache, denn meine Generation wurde in Dialekt erzogen und erst in der Schule wurde Deutsch in Wort und Schrift erlernt.

Es ist NICHT Aufgabe einer österreichischen Schule, alle Muttersprachen der Schüler anzubieten.

Gast: Linguistik
10.01.2012 20:47
3

Wer kennt sich schon aus, wem könnt' man noch fragen? . . . Fachleute?! Die gibt's doch nimmer.

. . . Fachleute?! Die gibt's doch nimmer.
Deutsch als Wissenschaft ist passé und "der Rest" Welt googlt am Netz.
Was dem Menschen fehlt, ist der Fachmann und das Fachgeschäft und jeder Kultur sein Internet.
Was mich bedenklich stimmt, dass sich von den "Experten" keiner bewusst sein dürfte, dass jedes Kind zwischen 4 und 6 eine Sprache zur Perfektion erlernen könnte.

Die Konzentration auf die Landessprache ist eine logische Folge, da

viele Eltern nicht in der Lage sind dafür zu sorgen, dass ihr hier geborenes Kind Deutsch in einem Ausmaß beherrscht, dass es dem Unterricht folgen kann.

Gast: IchglaubEsnicht
10.01.2012 19:57
5

Ich

kann mal wieder nur den Kopf schütteln! Wir leben nun mal in einem deutschsprachigen Land,außerdem ist die Sprache der Mehrheit zu beherrschen eine Voraussetzung für eine Integration. Die "lieben" Migranten sollen doch die gleichen Chancen haben wie wir,aber ohne die Sprache zu beherrschen ist dies kaum machbar,außer vielleicht am Bau,aber der Unterricht an Universitäten ist in der Regel auf deutsch oder englisch. Eine türkische Schule möchte ich sehen in der auf deutsch unterrichtet wird. Man kann wirklich alles übertreiben.

Gast: Der Herzmayr
10.01.2012 17:15
7

Her mit der Sprachpolizei und drei hopp nehmen

Googeln sie einmal und sie werden bemerken: Die drei Helden sind prononzierte Rote

Gast: Alien (Dauerzensuriert)
10.01.2012 17:14
12

Deutsch alleine ist wirklich zu wenig!

Es gehören noch ordentliche Umgangsformen und eine ordentliche Erziehung dazu. Zumindest wäre beides Wünschenswert. (und zwar nicht nur für Migranten!)

"Sprachwissenschaftler kritisieren die Konzentration auf die deutsche Sprache."

Würde ich auch so sehen. Wenn es in Finnland wäre.

Deutsch allein ist tatsächlich zu wenig

abez zugleich die elementäre Voraussetzung, dass es irgendwann mehr werden kann...
Darum ist es von den Eltern der Migranten kompromislos zu fordern, dass sie ihren Kindern ermöglichen die Sprache des Landes zu lernen, wo sie sich FREIWILIG entschieden haben zu leben.

Welche Experten schon wieder?


Antworten Gast: bärig
10.01.2012 18:51
4

Re: Welche Experten schon wieder?

Experten scheinen Menschen zu sein, die Theorien aufstellen, die in der Praxis nichts taugen!

Gast: Pensador
10.01.2012 14:49
15

Vorbild USA

Würde ein Amerikaner, also Bürger eines jahrhunderte alten Einwanderungslandes, das lesen, käme ihm ein Lachkrampf.
Wer nicht Englisch kann, hat dort nichts zu suchen. Ausnahmen gibts da höchstens für Indianer oder Inuit in Alaska, aber 9 von 10 dieser können natürlich auch Englisch.
Vorübergehend gabs auch in Kalifornien und Florida ein paar Extrawürste auf Spanisch. Damit ists aber längst wieder Schluss. Denn ein Land, in dem die Staatssprache durch zahlenmässig bedeutende Minderheitssprachen untergraben wird, zerfällt nicht nur sprachlich, sondern auch politisch. Dafür gibts auch in Europa genug Beispiele, nicht zuletzt:....Alt-Österreich!
Privat kann aber in USA jeder zuhause oder in Vereinen auch Bantusprachen gebrauchen, wenns ihm gefällt.
Und wenn er die Kosten für die Ausbildung selber trägt
Und wenn jemand auf seinen Laden "Deutsche
Bratwurst" schreibt oder im Italienerviertel von New York "Festa Italiana" gefeiert wird, störts auch keinen.
"Zahlts es euch selber, wenn ihrs wollt!" ist dort die Devise.
Und so hat es auch bei uns zu sein, wenn man mal was Vernünftiges Amerikanisches nachmachen will.

Antworten Gast: Alien (Dauerzensuriert)
10.01.2012 17:18
6

Re: Vorbild USA

Das ist nicht ganz richtig so:
Ich habe einige Zeit in den USA gearbeitet, unter anderem auch in einer Gegend, wo es einen 50% Lateinamerikaneranteil gab. Dort konnten fast ein Drittel der Schulanfänger kein Wort Englisch außer "F..k You". Schüler in diesen Schulen hatten von vorne herein keine Chance, jemals auf eine gute Highschool zu wechseln, weil die ersten zwei Jahre damit verloren gingen, diesen Schülern erst mal Englisch auf einem Level beizubringen, damit der Lehrer unterrichten kann.

Re: Vorbild USA

Waren sie schon laenger in den usa? Ich denke nicht. Aber wenn's einmal hinkommen, dann gehen's in eine "chinatown" oder spazieren sie einige tage durch "san francisco".

Antworten Antworten Gast: gast1984
10.01.2012 16:13
7

Re: Re: Vorbild USA

Wo ist das Problem? Auch in Chinatown oder Frisco kann jeder Englisch und seine Muttersprache!

Antworten Antworten Antworten Gast: gast1987
10.01.2012 18:43
7

Richtig!

Aber der wesentliche Punkt ist, dass es in den USA kein bequemes, großzügiges Sozialsystem gibt. Wer Englisch nicht kann oder lernen will, hat Pech und muss schauen, wo er bleibt. in Österreich unvorstellbar - hier müssen Eltern nicht mal dafür sorgen, dass ihre hier geborenen und aufgewachsenen Kinder bei der Einschulung Deutsch können. Dafür dürfen die Steuerzahler "muttersprachlichen Unterricht" in mind. 20 Sprachen (zB Wien) finanzieren.
Und Integrationsunwilligkeit hat eigentlich auch keine nennenswerten Konsequenzen.

Gast: justerix
10.01.2012 13:50
25

Sprachförderung

Dieses seltsame Netzwerk hat nicht kapiert, dass in Ö. Deutsch Amtssprache ist - mit einigen Ausnahmen für gemischtsprachige Gebiete. Was soll also der Blödsinn?
Diesem Netzwerk gehören die Subventionen entzogen, sofern es welche kriegt.

Englisch ....

.... ist eine viel bessere sprache: in englisch kannst mit ein paar worten mehr sagen als in deutsch in einem ganzen paragraphen.

Bravo!

also ab nach England, Amerika, Australien, oder Neuseeland...
Dies ist ein freies Land. Keiner wird Sie daran hindern.

Re: Englisch ....

Wer so einen Blödsinn behauptet hat noch nie gute deutsche Literatur gelesen und glaubt der "backbag" an schlechtem Englisch den er mit sich herumschleppt sei ein Maßstab.

PS: Sprachen sind ohnehin nur bedingt miteinander vergleichbar. Das Englische hat genauso wie jede andere Sprache Stärken und Schwächen.

Gast: Werbung
10.01.2012 13:36
12

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...

Gast: Die Lösung
10.01.2012 13:34
16

ist

ganz einfach : Vor Schuleintritt werden die Deutschkentnisse der Kinder abgefragt.Ein gutes Abschneiden dabei ist Voraussetzung für den Schuleintritt.Schafft das Kind diese Mindeststandarts nicht gibt es zwei Möglichkeiten: Es wird auf Kosten der Eltern ein Deutschkurs verordnet zweite Möglichkeit bei Einwandererfamilien : Dem Kind wird die Möglichkeit geboten in den Heimatland der Eltern die Schule zu absolvieren wobei hierbei natürlich auch die Eltern in dieses Rückwandern müssten.
Warum zahlt der Staat nicht Deutschsprechenden Einwanderern Unsummen und verlangt nicht TOP Deutschkentnisse VOR der Einwanderung ???? Wie jedes andere Einwanderungsland ( das Ö so gerne sein will ) Hat die ( teure ) Unfähigkeit hierzulande System ???????? Bitte um viele Postings....

Re: ist

Na dann: Ab in Ihr Heimatland...

Re: ist

Sie schreiben als "blinder" ueber farbe. Wenn "top deutschkenntnisse" fuer den aufenthalt in oesterreich voraussetzung waeren, muessten sie auswandern.

Re: Re: ist

Auswandern? Sie mit Ihrer radikalen Kleinschreibung aber auch -:)
Wer selbst im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen.

 
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