Schulschwänzen: Zwei Drittel für härtere Strafen

21.02.2012 | 12:16 |   (DiePresse.com)

Laut einer Umfrage halten 69 Prozent der Befragten härtere Strafen für "zielführend bei der Integration". Sozialpädagogin Kittl-Satran hingegen bezeichnet den Vorschlag Kurz' als "größten Schwachsinn überhaupt".

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich mit seinem neuerlichen Vorstoß, grobe Schulpflichtverletzungen mit 1500 statt bisher 220 Euro Verwaltungsstrafe zu ahnden, harsche Kritik eingehandelt. Am Dienstag untermauerte er seine Forderung, die seiner Einschätzung nach vor allem Migranten betreffen würde, mit einer Gallup-Umfrage im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (November 2011, 500 Befragte). Demnach halten 69 Prozent der Befragten härtere Strafen für "eher zielführend zur Förderung der Integration".

In Wien ist der Anteil der Befragten, die auf härtere Strafen als Mittel zu Integration setzen, mit 74 Prozent sogar noch etwas höher. Ein Viertel der Österreicher hielte härtere Strafen bei Schulpflichtverletzungen indes für "eher weniger zielführend", in Wien sind es 24 Prozent.

Mehr zum Thema:

Tatsächlich ist der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter Schulschwänzern, -verweigerern und -abbrechern auffällig, sagt Helga Kittl-Satran, Grazer Sozialpädagogin und Autorin einer Studie zu Schulabbruch. Allerdings habe das weniger mit der Herkunft der Schüler zu tun, sondern damit, dass diese "in unserer von sozialer Ungleichheit geprägten Gesellschaft oft Ausgrenzung und Benachteiligung erfahren". Sie seien durch die starke Selektionswirkung des Bildungswesens entmutigt, würden kaum Chancen in der Beteiligung an Bildungsprozessen sehen und daher oft frühzeitig das Bildungssystem verlassen.

Expertin: "Größter Schwachsinn überhaupt"

Kittl-Satran warnt davor, das Problem kulturspezifisch zu sehen: Schulabsentismus sei ein Phänomen, das in allen Milieus und familiären Konstellationen zu beobachten sei. Nur seien die Konsequenzen für benachteiligte Jugendliche, die den Anforderungen nicht gewachsen seien oder die sich dem Bildungssystem entziehen, drastischer und könnten innerhalb der Familie nicht ausgeglichen werden.

Die Forderung von Staatssekretär Kurz ist für Kittl-Satran "der größte Schwachsinn überhaupt". Repressive Maßnahmen seien ein Ausdruck von Hilflosigkeit und würden zeigen, dass Schulabsentismus als individuelles Problem gesehen werde und die Institutionen die Verantwortung zu den Schülern und deren Familien abschieben. Dabei könnten die betroffenen Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status schon die 220 Euro nicht bezahlen, betont die Forscherin der Uni Graz. Statt höhere Strafen zu verhängen und damit die Betroffenen zusätzlich zu etikettieren, müssten jene Probleme angeschaut werden, die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche nicht in die Schule gehen.

Ablehnung von vielen Seiten

Ablehnung erfährt der erneute Vorstoß Kurz' sowohl von Grünen und BZÖ als auch von Koalitionspartner SPÖ. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) stellt sich gegen "existenzgefährdende Strafen", zeigt sich aber bezüglich eines Maßnahmenpakets zur weiteren Reduktion von Schulpflichtverletzungsfällen "gesprächsbereit", wie es aus ihrem Büro heißt. Grüne und BZÖ fordern statt Strafen mehr schulische Unterstützung; die FPÖ ist gegen eine einmalige Geldstrafe, aber für eine Streichung der Familienbeihilfe bei wiederholten Schulpflichtverletzungen.

Schulpflichtverletzung
Eltern sind nach dem Schulpflichtgesetz (1985) dazu verpflichtet, "für die Erfüllung der Schulpflicht, insbesondere für den regelmäßigen Schulbesuch und die Einhaltung der Schulordnung durch das Kind, Sorge zu tragen". Erscheint ein Kind lange nicht in der Schule und können weder Schule noch in Folge das Jugendamt zu den Eltern durchdringen, erstattet letzteres Anzeige bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde. Als Folge kann eine Verwaltungsstrafe von bis zu 220 Euro verhängt werden. Laut Unterrichtsministerium laufen derzeit rund 1500 Verfahren Zu tatsächlichen Strafen kommt es aber verhältnismäßig selten.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

15 Kommentare
Gast: meinemeinung_001
22.02.2012 07:22
0

das ist kompletter schwachsinn

der kurz kriegt wohl schon zu lang zu viel in seine bastion - mit voller hose ist leich meckern - ziegen sind auch nicht schlauer und jugend keine auszei chnung - ein bisserl mehr erfahrung hätte sich die vp schon für diesen job überlegen können - da kriegst ja gänsehaut - motto - jene die das chaos haben sollen es auch behalten - was heisst: wenn ich eh schon nicht weiss wie es hinten und vorne zusammen geht und das kind dann auch noch meist wegen notsituationen zu hause bleibt und einmal kein türkisch im deutschunterricht lernt dann bitte den lohn für 1 1/2 monate beim kurz abliefern - das ist einfach "zu kurz gedacht" so macht man aus schwierigen situationen sozialfälle.
zurück auf die schulbank zum nachsitzen herr kurz - die kinder verdienen siviel unverständnis nicht. von so viel brillanz würde ich mir nicht einmal die autoreifen umstecken lassen!
schön anziehen und die haare glätten ist zu wenig
was wird wohl der nächste vorschlag sein?
asylantrag für illegale ameisen?

Beispiel Stellenangebot

Rezeptionist(in)

Ihr Aufgabenbereich:
Check in und Check out unserer Gäste (Familien, Schulen, Seminargäste uvm.)
Anfragenbeantwortung und -buchung per Telefon, Post und Email
Gästebetreuung: Freizeitplanung, Beschwerdemanagement
Rechnungserstellung und Kassaführung
Betreuung des Cafès, Verkauf von Kleinartikeln, Reinigungsarbeiten im Cafébereich
Ablaufkontrolle und Betreuung von Seminaren und Veranstaltungen
Aushilfsweise Mitarbeit in allen anderen Bereichen des Hauses
Anforderungsprofil:
sehr gute MS Office und Englischkenntnisse
gute Rechtschreibung und gepflegte Umgangsformen
abgeschlossene Ausbildung vorzugsweise als Hotel und Gastgewerbeassistent(in) oder vergleichbare Ausbildung
hohe kommunikative und soziale Kompetenz
Wir bieten:
sicherer Arbeitsplatz in einer wachsenden Organisation
umfangreiche Fortbildungsmöglichkeiten und Sozialleistungen
Voll- und Teilzeit möglich

Je nach Qualifikation und Berufserfahrung bieten wir ein KV Mindestgehalt ab € 1.283,- brutto (bei Vollzeit, 40 Stunden/Woche + € 30,- Fremdsprachenzulage bei Erfüllung der Voraussetzungen)

Ergibt €1052,92 NETTO, bei €773,26 Mindestsicherung zahlt sich der Schulbesuch tatsächlich nicht mehr aus!!!!!!!!

Gast: 1. Parteiloser
21.02.2012 13:44
2

Freiwillige Migration in die kommunistischen Zwangsschulen?

Das Nichtbefolgen des kommunistischen Zwanges soll höher bestraft werden?

Die Regierungsversager haben ja erst vor wenigen Jahren das verpfl. Vorschuljahr eingeführt, die Schulpflicht also auf satte 10 Jahre erhöht. Es sind in der Praxis dann 10 Jahre für jeden Ö im staatlichen Bildungssystem zu verbringen. Alle staatlichen Organisationen müssen ja planwirtschaftlich geführt werden, sind also den kommunistischen Systemen, samt den schrecklichen Auswirkungen auf die Gesellschaft, sehr ähnlich.

Diese kommun. Tendenzen werden dann auch noch dadurch perfektioniert, dass soziales Transferleistungen immer mehr als Lebensgrundlage erkannt wurden. Diese Transferleistungen fließen ja auch weitgehend ohne Einfordern der Eigenverantwortung dieser Menschen und auch unabhängig von der Bildung / Ausbildung.

Es hat also für die betroffenen Menschen überhaupt keinen Sinn die Schulpflicht wahrzunehmen. Direkte Strafen sind auch sicher der falsche Weg, es geht ums Einfordern der Eigenverantwortung. Würde man als Transferleistungsbezieher schlecht Überleben können und nicht als cooler Lebenskünstler sein Dasein bestreiten können, dann würde die Motivation zur Bildung / Ausbildung auf jeden Fall erheblich gesteigert werden können. Nur, die Kommunisten in der Regierung (beide Farben), auch die Kommunisten bei der EU, die werden das niemals verstehen. Die leben ja selber gut auf Kosten der anderen Menschen!

Schule nur als Angebot und nicht als Pflicht wäre ein wichtiges Signal!

Gast: estoc
21.02.2012 13:43
3

"würden kaum Chancen ...

... in der Beteiligung an Bildungsprozessen sehen und daher oft frühzeitig das Bildungssystem verlassen."

mei, die armen tschapperln! jetzt ist doch tatsächlich die unterrichtssprache noch immer deutsch, obwohl in manchen wiener bezirken schon 90% der schüler migrationshintergrund haben.

liebe frau kittl-satran, DIESE menschen grenzen sich ganz von selbst aus. wer sich in 3. generation trotz österr. reisepaß noch immer wie ein ausländer gebärdet, wird erfahrungsgemäß auch als solcher behandelt. die welt kann wirklich ungerecht sein, aber mit zusätzlichen fördermillionen wird sicher alles ganz anders werden.

Gast: Eleonora K.
21.02.2012 13:37
2

Kittl-Satran

Die Forscherin hat übersehen, dass ein Großteil der Schulschwänzer unter den Mo sl ems zu finden ist. Und das hat mit sozialer Ungleichheit zu tun? Mich würde interessieren, wieviele Schulschwänzer es unter den Migranten aus dem fernen Osten gibt. Und die sind auch nicht auf Rosen gebettet.
Dieses Wischiwaschi geht einem schon auf die Nerven!

Die selbsterwählte Expertin????

Die selbsterwählte Expertin sollte für den Schwachsinn den sie verzapft eben falls eine Strafe zahlen ,eine symbolische aber nur!Es ist nicht einzusehen das Kindern die Zukunft zerstört wird indem man Schulschwänzen verharmlost!Wer nicht hören will muss fühlen ,das geht bei vielen nur über die Brieftasche!Was durch die ungezügelte Zuwanderung und politische Schnapsideen angerichtet wurde,dafür wird uns heute leider die Rechnung präsentiert!Schickt alle Wirtschaftsflüchtlinge wieder in ihre Heimat zurück,das eingesparte Geld sollte für Bildung verwendet werden ebenso die erhöhten Strafgelder von 1500 Euro !!!!

Brilliante Idee,

auch wenn der Betrag sicher häufig nicht zu exekutieren ist.- Wenn man bedenkt, was diese 'Früchtchen' den Staat später an Mindestsicherung resp. Knastaufenthalt kosten, ist es eh nur ein Tropfen auf den heißen Stein. (Aber es sind ja, in der Diktion einiger, jene, welche später unsere Pensionen bezahlen.-lol!)

Relativierungsweltmeister

Natürlich darf es nicht an der Kultur liegen, sondern darf nur individuell betrachtet werden.

Vor der Bereicherung hatten wir diese Probleme mit 75.000 Schulabbrechern aber nicht.

Gerade diejenigen mit islamischen Migrationshintergrund fällt es leichter die Schule abzubrechen, weil sie in ihrem kulturellen/religiösen Umfeld eine Alternative sehen, abseits der Mehrheitsgesellschaft, im Förderdschungel, ein Auskommen zu erlangen.


Gast: Alles ist ungewiss
21.02.2012 13:02
5

Für die Frau Kittl-Safran ist offenbar

schon die straffreie Gesellschaft angebrochen.
Wir entsorgen mit einem Schlag das Strafrecht, entlassen alle Strafgefangenen und stellen jedem Einzelnen einen Soziolgen zur Seite. Die Gefägnisse werden zu Sozialwohnungen für Migranten. Alles andere ist Schwachsinn!
Hossa, das hat was!

Ich steh einfach auf die Frau Expertin.....

Gast: bergziege
21.02.2012 13:01
4

Spielen wir nur alles hinunter

Klar sind Strafen in Ordnung. Es gibt Schulpflicht. Und die gilt für alle. Auch für Migrantenkinder. Warum klappen diese Sanktionen in Großbritannien? Hat das die Presse nicht vor einigen Monaten berichtet? Soll Österreich ins Chaos gestürzt werden? Bildung ist für einen Staat, der enigermaßen funktionieren sollte, unverzichtbar. Diese Mitleidsmasche gilt nicht.

Gast: Be-obachter
21.02.2012 13:00
4

Wozu Strafen?

Die Strafen werden vielleicht mangels geregelter Beschäftigung eh nicht bezahlt.
Einfach die Kinderbeihilfe streichen!

Das ist wirklich der größte Schwachsinn überhaupt ...

"Statt höhere Strafen zu verhängen und damit die Betroffenen zusätzlich zu etikettieren, müssten jene Probleme angeschaut werden, die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche nicht in die Schule gehen."

NATÜRLICH sind alle anderen schuld, dass die armen Buberln und Mäderln nicht in die Schule gehen können, NIEMALS das Elternhaus oder die Faulheit der Schüler. Die Armen ...

Die Forderung von ............

ist für Kittl-Satran "der größte Schwachsinn überhaupt". Repressive Maßnahmen seien ein Ausdruck von Hilflosigkeit und würden zeigen, dass Schnellfahren als individuelles Problem gesehen werde und die Institutionen die Verantwortung zu den Autofahrern abschieben.
Dabei könnten die betroffenen Autofahrer mit niedrigem sozioökonomischen Status schon die dztigen. Strafen nicht bezahlen, betont die Forscherin der Uni Graz. Statt höhere Strafen zu verhängen und damit die Betroffenen zusätzlich zu etikettieren, müssten jene Probleme angeschaut werden, die dazu führen, dass Autofahrer zu schnell fahren.

Re: Die Forderung von ............

Ein "einkommensloser Schüler" ist aber nicht mit einem Autofahrer zu vergleichen!

Antworten Antworten Gast: Peterl
21.02.2012 13:07
3

Re: Re: Die Forderung von ............

Die Strafe ist aber auch nicht für die Schüler, sondern deren (verantwortungslose) Eltern gedacht.

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden