Verlorene Generation

21.02.2012 | 18:24 |  OLIVER PINK (Die Presse)

Kann man sich den Respekt vor der Institution Schule mit Strafzahlungen erkaufen?

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Von einer verlorenen Generation ist bereits die Rede. Lehrer, die in den Bildungs-Banlieues der Bundeshauptstadt unterrichten, wissen zu berichten, dass beinahe ganze Klassen das ganze Jahr über einfach keine Hausübungen abliefern. Aber immerhin: Diese Schüler gehen zur Schule.

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10.000 junge Menschen pro Jahr hingegen brechen die Schule ab. 75.000 haben weder Job noch Ausbildung. 40 Prozent davon sind solche mit Migrationshintergrund. Weshalb der ÖVP-Integrationsstaatsekretär einmal mehr nach höheren Strafen für deren Eltern ruft. Wohingegen die SPÖ eher auf „Kuschelpädagogik“ setzt.

Nun ist Rudolf Hundstorfers Modell des „Jugend-Coachings“ ein durchaus gangbarer Weg. Doch wird es höchstwahrscheinlich nicht genügen, dass Lehrer Problemschüler herausfischen und diese dann eingehender Betreuung und Beratung zuführen. Ohne Sanktionen wird es nicht gehen. Die bisherige Pönale von 220 Euro ist anscheinend nicht ausreichend, um Eltern hinreichend für den Schulbesuch ihrer Kinder zu motivieren. Wenn diesen schon nichts an der Ausbildung ihrer Söhne und – vor allem – Töchter liegt, dann muss sich der Staat den Respekt vor der Institution Schule eben mit Strafen erkaufen.

Dass eine höhere Strafzahlung schon alle Probleme löst, ist damit aber auch noch nicht gesagt. Dann sitzen zwar möglicherweise mehr Schüler in der Schule, tun dort aber nichts, außer Zeit abzusitzen.

Die Alternative dazu wäre allerdings, diese „verlorene Generation“ ganz aufzugeben. Eine Alternative, die keine ist.

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)

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11 Kommentare

Kann man sich den Respekt vor der Institution Schule mit Strafzahlungen erkaufen?

ja

sie kennen nur ihre rechte!

das wort "pflichten" ist hingegen in gewissen (linken) kreisen verpönt, darum diese gegenwärtige entwicklung.

ansonsten ist dem inhalt dieses kommentars zu 100% beizupflichten!

Gast: fauler Willi
22.02.2012 18:47
4 0

jeder war seines eigenen Glückes Schmied

erstrebenswerter oder wenigstens ausreichender Lebensstandard durch Erwerbsarbeit auf gutem Arbeitsplatz durch Fleis und gute Ausbildung in Mutter- oder Landessprache.

Solange diese Kausalkette funktionierte, war es allen Innländern wie auch Migranten, allen Eltern wie auch Schülern klar, dass es ohne individuelles Bemühen, beginnend in der Schule kein materiell gesichertes Leben geben kann.

Im ausgeuferten Wohlfahrtsstaat, der diese simple Kausalkette ad absurdum geführt hat, wundern wir uns nun, weshalb plötzlich niemand mehr lernen möchte, nicht in der Schule, nicht die Landessprache etc.

Kürzt man tendenziell die Sozialleistungen und legt das materielle Fortkommen wieder primär in die Hände des einzelnen, dann kann man sich auch das bestrafen sparen.

Wo immer der Staat sich (aus welchen Motiven auch immer) wichtig macht, löst er eine Dynamik aus, deren Folgen er letzten Endes nicht beherrschen kann.

Aus der reinen Begeisterung für das humboldtsche Bildungsideal hat die die Mehrheit der Menschen noch nie gelernt und wird dies auch nie tun. Können Linke das akzeptieren?

Exakt dieser Zustand

wird im Buch von Sarrazin beschrieben.
Ebenfalls Wege, das Problem zu lösen.

Leider darf man darüber ja nicht sprechen.


Gast: Luzifer
22.02.2012 12:06
1 0

Kindererziehung ist nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht!

Die Vernachlässigung des Kindeswohls durch Eltern kann in grassen Fällen sogar zur Kindesabnahme führen. Es kann doch kein Zweifel bestehen, daß das Wohl der Kinder grob vernachlässigt wird, wenn Eltern nicht dafür Sorge tragen, daß ihre Sprösslinge regelmäßig die Schule besuchen und die Hausaufgaben machen. Solchen Eltern, die diese Pflichten verletzen, sollte man eigentlich die Kinder abnehmen. Daher ist die Verhängung von drastischeren Geldstrafen (die im Regelfall ja ohnehin nach Einkommen und Verschuldensgrad bemessen werden) schon aus Gründen der Abschreckung keine schlechte Idee! Denn die Praxis zeigt, daß bisher nur in wenigen Fällen über die ihre Pflichten vernachlässigten Eltern Geldstrafen verhängt wurden...

Unfassbar

Bereits unter Maria Theresia sind wir zur Auffassung gelangt, dass Lernen für unsere Kinder essentiell ist.

Anscheinend hat sich die SPÖ und die Grünen von dieser lebensnotwendigen Tatsache bereits verabschiedet und möchte lieber die lieben Versager und Migranten auch hier durch Steuergelder bezahlen. Ups, natürlich meinte ich fördern.

Kann man sich den Respekt vor der Institution Schule mit Strafzahlungen erkaufen?

Nein, kann man nicht! Dennoch erlaube ich mir folgende Anmerkung:

Als einer der Millionen, die mit ihrem Steuergeld es ermöglichen, dass auch diejenigen, die außer Ziegenhüten (noch) nichts gelernt haben, diese Bildungslücken GRATIS - aber hoffentlich nicht UMSONST oder VERGEBENS - füllen können, kann ich sehr wohl Strafe dafür verlangen, wenn dieser PFLICHT zum Lernen nicht nachgekommen wird. Wenn "Begleitung" und Beratung nichts fruchten, wird vielleicht Bezahlung von Pönale ein wenig Nachhilfe geben.

keine Lösung

Ich weiß leider auch keine gescheite Lösung. Aber zB eine alleinerziehende Mutter, die arbeiten gehen muss, um sich und ihr Kind zu erhalten, zu bestrafen, weil sie nicht vor dem Schultor Wache schieben kann, erscheint mir sinnlos und unmoralisch.

Manche Eltern sind wohl an Bildung desinteressiert, andere selbst hilflos. Wie sollen sie denn ihr Kind zum Schulbesuch zwingen? Ich erspare mir auch nicht den Hinweis, dass sie ebenso bestraft werden, wenn sie dem Kind eine Ohrfeige verpassen, weil es geschwänzt hat.

die verlorene generation

liegt auf den schlachtfeldern des 2. weltkriegs. und davor hat es auch etliche gegeben.

Antworten Gast: Lösung
21.02.2012 21:26
1 2

Re: die verlorene generation

Danke für den Hinweis, dass ist ein ausgezeichnetes Beispiel, dass die Medizin wirkt, denn die Zwischenkriegszeit hat durchaus ein paar interessante wirtschaftliche Parallelen. Es gibt daher keinen Grund auf dieses bewährte Mittel in Zukunft zu verzichten.

Gast: Lösung
21.02.2012 20:12
0 4

Verlorene Generation könnte man als Soldaten in Wirtschaftskriegen verheizen

Man könnte es doch auch so wie in den USA und während der Kreuzzüge machen und die verlorene Generation für unsere Wirtschaftsinteressen in den aufkommenden Ressourcenkonflikten verheizen, denn Tote verbrauchen keine Sozialhilfe und machen keine Aufstände, aber das traut man sich in Österreich nicht laut auszusprechen, obwohl es sich schon viele Denken. Wegen der Automation finden die am Arbeitsmarkt eh keine Jobs mehr und jene die noch Jobs finden erwirtschaften in einer hoch rationalisierten Wirtschaft eh unsere Pensionen. Außerdem könnte man doch für diese die Steuern und die Wochenarbeitszeit raufsetzen und wer ins Ausland geht wird enteignet, was wiederum jede Menge Geld in die Staatskasse spült.

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