Kompromiss bei "Schulschwänzen" in Sicht

22.02.2012 | 18:34 |   (Die Presse)

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) wäre mit einer Verdopplung der Höchststrafe für Schulpflichtverletzungen zufrieden. Ursprünglich hatte er eine Erhöhung von momentan 220 auf 1500 Euro gefordert.

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Wien/Pri/Uw/Pö. In der Debatte um schärfere Sanktionen für Schulpflichtverletzungen bahnt sich ein Kompromiss in der Regierung an: Das Angebot der SPÖ – Verdoppelung der Höchststrafe von 220 Euro – ist für Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) „durchaus vorstellbar“, wie er am Mittwoch der „Presse“ sagt. „Damit würden wir zumindest signalisieren, dass ein Verstoß gegen die Schulpflicht kein Kavaliersdelikt ist.“ Ursprünglich hatte er – nach deutschem Vorbild – eine Anhebung auf 1500 Euro gefordert. Zu viel für die SPÖ.

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Kurz beharrt aber auf Begleitmaßnahmen: Die Strafen müssten konsequent exekutiert werden. Eltern, deren Kinder die neunjährige Schulpflicht verletzen, sollten zu Gesprächen verpflichtet werden. Außerdem brauche es statistische Daten und eine Motivforschung.

Eine Einigung mit der SPÖ dürfte demnach nur noch eine Frage der Zeit sein. Denn das Maßnahmenpaket, das Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Mittwoch vorlegte, entspricht in etwa Kurz' Forderungskatalog. Auch eine Valorisierung der Höchststrafe, die seit 1985 unverändert ist, erscheint Schmied als „denkbar“. Das entspräche einer Verdoppelung.

 

Elternsprechtag als „Muss“

Vor allem aber sollen die Verwaltungsbehörden, die für die Strafverfahren zuständig sind, sensibilisiert werden. Derzeit kommt es nämlich eher selten zu Strafen. Warum, erklärt Oliver Birbaumer, Öffentlichkeitsarbeiter bei den Magistratischen Bezirksämtern, so: Es fehle oft eine „Tat“ oder ausreichendes Verschulden. Ein häufiger Grund ist demnach, dass Familien wegziehen und die Abmeldung einfach vergessen. Auch psychische Erkrankungen des Kindes stecken öfter hinter Fehlstunden. Oder Überforderung: „Da geht es um die Alleinerziehende, die sich bemüht, aber hinter ihrem Rücken verlässt der Zwölfjährige die Schule.“

Bei Erstfällen, so Birbaumer, würden, wenn, dann Strafen zwischen 70 und 110 Euro verhängt, regelmäßig werde das Jugendamt beigezogen. Hartnäckige Fälle würden sich „von selbst“ erledigen: „Irgendwann ist die Schulpflicht aus.“

Für den Vorsitzenden des Verbandes der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, Christian Morawek, ist Strafe nur der letzte Schritt: Davor müssten Gespräche von Eltern und Lehrern mit den Schülern stattfinden, eventuell auch mit Schulpsychologen und Jugendwohlfahrt: „Diese Möglichkeiten schöpfen wir nicht genug aus.“

Vor allem müsste früher eingeschritten werden: Lehrer sollten Eltern alarmieren, wenn Schüler nur wenige Male innerhalb eines Monats gefehlt haben – und nicht etwa erst Ende des Semesters. Der Elternvertreter ist auch für den Vorschlag von Schmied offen, dass die beiden Elternsprechtage im Jahr für die Erziehungsberechtigten verpflichtend sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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93 Kommentare
 
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Gast: Musstafa
15.06.2012 21:48
0 0

Ich

MUSS gar nix!

Gast: Leidtragende Knecht
25.02.2012 19:44
0 0

selber noch nicht fertig mit sein Studium

umso länger er Studiert umso mehr koster er dem Steuerzahler. Studiengebühren will man ja nicht einführen. Aber über unsere Kinder verfügen wollen.

Gast: Holzapfel
24.02.2012 11:16
0 1

Ich finde, Kurz hält sich

gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass er ein vorwiegend auf Außenwirkung konzipiertes Alibiressort bekleidet. Die Sanktionen für Schulschwänzer sind vernünftig, aber die Summe erscheint mir zu klein. Das Problem ist ja nicht, dass Lehrer auf Kinder Druck oder Gewalt ausüben sollen. Es ist nur so: Man hat den Lehrern die Möglichkeit zu vernünftigen, kommunizierbaren Sanktionen genommen (das so genannte „Strafen" mit Augenmaß, das neben dem Pflichtbewusstsein auch das Gerechtigkeitsempfinden stärkt). Das Resultat ist, dass Lehrer mit schwacher Autorität (denn die vielen Guten haben es auch so im Griff) persönlich aufsässig werden und sich z. B. mit Prüfungs- und Hausübungslawinen Respekt zu verschaffen versuchen. Auf die Schulpsychologen würde ich nur in Ausnahmefällen zurückgreifen. Jedes Kind testet zunächst einmal ab, was geht. Mit vernünftigen Sanktionen ist mehr zu erreichen als mit dem Psychologengesülze, das nicht nur einem moslemischen Vater ohnehin beim einen Ohr hinein und beim anderen hinausfährt.

Sebastian Kurz

In der Privatwirtschaft würde der soetwas von gemoppt (oder gepoppt) werden....

Re: Sebastian Kurz

mehr Ahnung, als Rudas und Pelinka zusammen

Schwachsinn das ganze!

Der Jungsprunz hat doch keine Ahnung

Gast: Keinart D
23.02.2012 18:28
6 1

Elternsprechtag als „Muss“

Dieser Träumer!

90% der muslimischen Eltern sind NIE gesehen worden und haben auf keine Aufforderung seitens der Schule reagiert.

1 4

Re: Elternsprechtag als „Muss“

ja u das sind natürlich nur die Muslime, oder wie?

Re: Re: Elternsprechtag als „Muss“

es ist sehr stark anzunehmen, dass 90% der muslimischen Eltern Muslime sind!

Gast: Kindergärtnerin
23.02.2012 18:15
2 1

Eine Folge des Sozialismus....

ist, dass das Wort "Pflicht" in den letzten Jahren negativ besetzt ist und den Menschen jede Motivation genommen ist - weil ihnen suggeriert worden ist, dass sie Rechte ohne Ende haben und ihnen Erfolgserlebnisse permanent verwehrt werden .

Solange es so ist, dass Minderjährige bestimmen können, ob ihre Eltern Informationen über sie erhalten,so lange wird Jugendlichen die Möglichkeit genommen,in Ruhe reif werden zu können und deren Eltern die Möglichkeit, ihre Aufgaben (sorgsam) zu erfüllen!

Es ist höchste Zeit, sich zu besinnen, dass gesunde Familien die Grundlage für ein gesundes Land sind. FAMILIEN sind zu fördern und zu unterstützen - weit mehr als manch andere Institutionen!
Mit der Verurteilung Einzelner wird weiter die Ursache verschleiert!

Gast: BraveNewWorld
23.02.2012 11:09
16 0

Bessere Lösungen

Zuerst würde mich stark interessieren, warum der Vorstoß vom Integrations-Staatssekretär kommt und nicht vom Unterrichtsminister?!

Als weitaus wirksamere Maßnahme als Geldstrafen (die im Regelfall das Börserl der Eltern belasten und nicht direkt das der Schüler) wären verpflichtende Sozialdienste am Wochenende. Dat tut den Schwänzern sicher mehr weh...

Re: Bessere Lösungen

warum wird immer der sozialdienst als sanktion bemüht. die leute, die dort arbeiten, bedanken sich ob dieser wertschätzung.

Weil ...

... das ein Problem ist, dass Ausländer überproportional betrifft und folglich eine nachhaltige Integration zumindest erheblich erschwert, nehme ich an.

Re: Weil ...

warum erschwert Schulpflicht die Integration?

Re: Re: Weil ...

nicht die Schulpflicht, sondern das Schwänzen. das fängt ja schon damit an, dass Mütter ihre Volksschulkinder am Vormittag mitnehmen, damit diese Übersetzungsdienste leisten.

Gast: märchentante
23.02.2012 07:38
1 0

schulschwänzen

Was nutzen strengere Gesetze, wenn manche Ärzte zm Beispiel in Wels "gelinkte" bzw. nachträglich erstelllte Atteste für "Auslandsreisen" von Schülern (zur Verlängerung der Ferien) ausstellen und damit die Arbeit und Vorgangsweisen der Schulen untergraben. Auch da müsste angesetzt werden und Einhalt geboten werden, denn es ist leider kein Einzelfall. Jedes Gesetzes, jede Maßnahme ist zahnlos, wenn man es/sie so einfach umgehen kann.

Re: schulschwänzen

wenn man sich schon mal um eine möglicherweise unkorrektes Attest bemüht, ist einem die Schulpflicht immerhin bewußt und sie wird auch ernstgenommen ( wenn auch vielleicht nicht zu 100% eingehalten).

Das sind aber nicht die Familien, an die hier in erster Linie gedacht wird.

Re: schulschwänzen

Bin selbst ursprünglich aus Wels, jetzt aber Wien. es ist defacto so das am Land, sprich außerhalb Wiens jeder seinen Arzt gut kennt, und da ist das kein Problem.

Gast: ExSchüler_id_70_80er
22.02.2012 20:57
11 0

Erziehungssache

Ob Strafen bei allen Bevölkerungsschichten was bringen wird bezweifle ich, ABER die Eltern haben nunmal eine ErziehungsPFLICHT und wenn sie dieser nicht nachkommen gehört eben eine Strafe her die weh tut. Eben beim Verletzen der SchulPFLICHT.
Es kann nicht sein das die Jugend auf der Strecke bleibt wenn sich manche Eltern um nichts scheren, die Lehrer sind ohnehin entrechtet.
Wenn junge Menschen dann ohne Abschluß keine Arbeit finden ist meistens das System schuld. Sicher gehört auch das Schulsystem durchgeackert, bei der Gesamtproblematik spielen mehrere Faktoren mit. Nur bis in Österreich was geschieht...

Nicht umsonst meint man in der BRD das es nicht schlimm ist wenn die Welt untergeht...
denn wir gehen nach Österreich, da passiert ohnehin alles um Jahrzehnte später...

Gast: bärig
22.02.2012 19:09
9 0

Schulschwänzen

Die meisten Schulschwänzer gibt es angeblich an den HS, die vor allem von Schülern mit Migrationshintergrund besucht werden. Vor allem junge Burschen finden es öde, den ganzen Tag von Frauen etwas angeschafft zu bekommen! Da verbringen sie lieber ihre Zeit mit ihresgleichen in den Fußballkäfigen diverser Parks oder in den Internetcaffes der Wohnumgebung!
Es ist schade, dass Fehlstunden nicht in den Zeugnissen der Schüler vermerkt werden!

Re: Schulschwänzen

was für Zeugnisse? ich war der Meinung dass bei einer gewissen Anzahl nicht besuchter Stunden kein Zeugnis ausgestellt wird. liege ich da falsch?

Re: Schulschwänzen

zumindest die unentschuldigten Fehlstunden sollten vermerkt sein, finde ich.

Gast: Hand aufs Herz!
22.02.2012 13:44
3 4

Wer hat nicht?

Wer hier der so großartig Redet gegen Schulschwänzen hat nicht selbst in seiner Jugend das getan, den Geographieunterricht sausen lassen, oder mal den Turnunterricht, also ich kenne keinen der 9 btw. 13 Jahre brav wie ein Engerl war.

Klar um diese Verwaltungsdelikte geht's bei der Diskussion nicht, da geht's schon um ein anderes, da müßte man der Jugend aber auch sagen, das es Wert ist die Schule zu besuchen auch um seine eigenen Ideen und Vorstellungen in Zukunft realisieren zu können, nur wie soll das gehen bei der derzeitigen Jugendarbeitslosigkeit die mit dem Sparpaket sich definitiv verstärken wird, welche Perspektiven hat die Jugend wirklich die es Sinn macht das Handtuch nicht zu werfen.

Da aber sind die Politiker gefordert, als gutes Beispiele voran zu gehen, Korruption ist ganz sicher keines, eher schon, mal auf eine Autobahn zu verzichten für die Jugend, solange Hunde in Wien mehr Fläche haben als Kinder zum spielen ist ohnedies Hopf und Malz verloren!

Re: Wer hat nicht?

Schon wieder einer der alle in die Pflicht nehmen will, außer diejenigen die ursächlich betroffen und verantwortlich sind:

Eltern und Schüler

Re: Wer hat nicht?

bin 17 und habe nie geschwänzt!

Antworten Antworten Gast: Der Notar
23.02.2012 15:57
4 1

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von wassabi auf Seicherl-Tee. Vergiss aber bitte nicht: SchulPFLICHT = UNTERSTUFE, Oberstufe bin ich sowieso dafür, dass die Leute im Seminarsystem unterrichtet werden. Wer glaubt, er kann selbst das Buch lesen, aus dem der Geoprofessor immer so ermüdend vorliest, soll es machen. Und wenn er die Prüfung besteht, dann ist es egal, wie oft er in der Stunde anwesend war.

 
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