Konflikte, Mobbing: Wenn die Schule zur Qual wird

26.02.2012 | 18:23 |  ERICH WITZMANN (Die Presse)

Das Fernbleiben vom Unterricht kann auf viele Ursachen zurückgeführt werden. Bildungsforscherin Nairz-Wirth sieht Lehrer und Schulleitungen gefordert. Das Problem kündigt sich durch Warnsignale an.

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Wien. Schulangst, Mobbing, Push-out durch die Lehrperson, sonstige Schwierigkeiten und Konflikte: Das Fernbleiben vom Unterricht kann auf viele Ursachen zurückgeführt werden. „Man spricht über ein Symptom, will dieses bestrafen, schaut sich aber nicht die Ursachen des Phänomens an“, sagt WU-Professorin Erna Nairz-Wirth. Und dann, mit deutlicher Kritik an dem Vorstoß von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der eine Erhöhung der Strafen fordert: „Bestrafen ist das allerletzte Mittel, das kann sich ja kontraproduktiv auf die Lebensumstände auswirken.“ Kontraproduktiv dann, wenn Eltern oder Erziehungsberechtigte, die in finanziell miserablen Verhältnissen leben, die Wut über die Strafe an ihrem Kind auslassen.

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Erna Nairz-Wirth befasst sich derzeit mit der Endredaktion eines Berichtes über das Schulschwänzen. Dabei wurden 101 Einzelfallstudien aus dem Ausland Interviews von österreichischen Schülern gegenübergestellt und schließlich insgesamt 59 Handlungsempfehlungen gegen das Schulschwänzen erstellt. Diese wird die Stadt Wien, die Auftraggeberin der Studie, schon in Kürze erhalten. Gesichert ist, dass sich ein späterer Schulabbruch schon durch vorangegangene Schulabsenzen abzeichnet. „Das hat sich bei 99 Prozent unserer Interviews mit Schulabbrechern ergeben“, sagt Nairz-Wirth.

Das Problem wird schon früh sichtbar, aber es gibt für Österreich kein Datenmaterial über das Schulschwänzen. „Es mangelt an Aufzeichnungen“, so die WU-Professorin. „In welchen Stunden wird geschwänzt, sind es Randstunden oder bestimmte Fächer oder sind es bestimmte Lehrpersonen? Sind es Absenzen von einzelnen Schülern oder von Gruppen?“ Zwar gibt es detaillierte Eintragungen in die Klassenbücher, aber vergleichende Auswertungen einer Schulleitung oder der Schulbehörde liegen bis heute nicht vor.

 

Lehrer muss sofort handeln

Das Problem kündigt sich durch Warnsignale an. Das Schwänzen beginnt meistens unauffällig mit dem stundenweisen Fernbleiben, dann weitet sich dies auf Tage und zuletzt auf längere Zeiträume aus. Die Lehrer bzw. die Schulleitung müssen beim ersten Anzeichen handeln und individuell auf die betroffene Person eingehen. Handelt es sich um eine besondere Müdigkeit, um eine Krankheit, Schulangst, Mobbing, um das Anschließen an eine gleichaltrige (schulschwänzende) Gruppe? Vor allem das Mobbing werde zu wenig berücksichtigt, sagt Nairz-Wirth. Da handelt es sich um das Ausschließen und Bloßstellen durch andere Schüler, manchmal auch um Mobbing der Lehrperson, oft unbewusst verursacht. Der Aufenthalt in der Schule kann zur Qual werden.

Die Schüler leiden unter dem Druck, der durch das Fernbleiben erzeugt wird. „Keiner ist stolz, dass er geschwänzt hat“, sagt die Studienautorin, „im Gegenteil: Es wird als große Belastung empfunden.“ Als Beispiel führt sie das Gespräch mit einer Schülerin an: Die Absenzen fliegen auf, sie wird zur Rede gestellt, das Lügengebäude bricht zusammen – damit aber auch der Stress, den die Schülerin empfunden hat. Nach dem reinigenden Gewitter hat sie erstmals wieder normal durchschlafen können.

Die WU-Professorin sieht zuallererst die Lehrperson und die Schulleitung gefordert. Eine bessere Schulkultur, eine Verhaltensvereinbarung, in der das Schwänzen angesprochen wird, führen zu einer besseren Bindung der Kinder an die Schule. Dort müssen sie sich wohlfühlen, das beginne bei der Gestaltung eines Klassenraumes und ende bei einem attraktiven Unterricht. Lehrer sehen sich oft als reine Pädagogen, die Wissen vermitteln, und nicht als Ansprechpartner für die Schüler auch in deren privaten Belangen. Und nicht zuletzt ist eine Professionalisierung des Verhältnisses von Schule und Elternhaus geboten.

Das Schulschwänzen beginnt in der fünften, sechsten Schulstufe. Und zwar quer durch alle Milieus, besonders aber bei Familien mit niedrigerem Bildungsstand und da bei Kindern mit Migrationshintergrund. Gastkommentar Seite 20

Auf einen Blick

Schulschwänzen. Erna Nairz-Wirth, Leiterin der Abteilung für Bildungswissenschaft an der WU Wien, befasst sich mit dem Problem der Schulabbrecher. Nach einer Studie der Uni Linz über Jugendliche, die weder eine Schule besuchen noch in die Lehre gehen, geht es in dem Bericht der WU-Professorin um (oft dem Abbruch vorangehende) Absenzen vom Unterricht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2012)

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101 Kommentare
 
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Ganztagsschule zwangsweise

- bedeutet dann ganztägiges Mobbing!

Ich frage mich, warum die Linken so intensiv für die erzwungene Ganztagsschule sind. Sicher nicht aus Liebe zu den Schülern!

Gast: Ehemaliger
29.02.2012 18:53
0

Betr.: Schulschwänzer

An den "Frager" betr. 25jährige ÖVP-Herrschaft:

Woher haben Sie die Information über eine 25jährige ÖVP-Herrschaft?

Zur Erinnerung:
1945 - 1966: große Koalition (ÖVP-Kanzler)
1966 - 1970: ÖVP-Alleinregierung (Klaus)
1970 - 1983: SPÖ-Alleinregierung (Kreisky; die ersten eineinhalb Jahre unter Duldung durch die FPÖ !!)
1983 - 1986: SPÖ-FPÖ-Koalition (Sinowatz)
1986 - 2000: große Koalition (Vranitzky, Klima)
2000 - 2006: ÖVP-FPÖ/BZÖ-Koalition (Schüssel, Molterer)
seit 2006: SPÖ-ÖVP-Koalition (Gusenbauer, Faymann).

Eine (durchgehende) 25jährige ÖVP-Herrschaft sehe ich da nirgends. Beherzigen Sie daher einen Rat Kreiskys und lernen Sie Geschichte!

Übrigens: Die sog. "Verhaltensvereinbarungen" waren eine Erfindung unter U-Min. Gehrer (wofür sie allenthalben z. T. massiv gescholten wurde). Mittlerweile gehören diese "Verhaltensvereinbarungen" sogar zum Wortschatz von Fr. U-Min. Schmied (und div. anderer "Unterrichtsexperten").
Wie sich die Zeiten ändern!
Und: Wenn zwei das Gleiche tun ist es (anscheinend) nicht dasselbe. Es kommt (möglicherweise) darauf an, w e r etwas sagt!

Gast: Ludmilla
27.02.2012 22:04
1

!!abgestempelt!! bist schon........

Hast ne andere Meinung wie dein Lehrer. Bist auch abgestempelt. Was ist mit den Lehrern die schwänzen. So Tageweise nicht Anwesend sind.

An der Freizeit kanns ja nicht liegen. Bei 12-14 Wochen im Jahr. Oder macht man das kollegIn Übestunden machen kann für den der nicht da ist.

Der die sich Krank gemeldet hat bekommt dafür bezahlt. der die andere der für den die Unterrichtet auch als Überstunden. Kann mir nicht vorstellen das die umsonst für den oder die Kollegin Unterrichten.

Schon Richtig das Schüler nicht Schwänzen sollten. Aber LehrerIn auch nicht!

Bei meinen Kinder wars so. LehrerIn nicht Anwesend des öfteren. Wenns da waren gabs Tempo Test Prüfungen etc. Weil bei den Ersatz LehrerIn haben die ja das nicht wirklich gelernt.

Die Ludmilla.

Verwendet zwar peinlichst genau das Zicken-I, hat von Rechtschreibung sonst aber keine Ahnung. Ein Klassiker.

Antworten Antworten Gast: Ludmilla
28.02.2012 18:01
1

Re: Die Ludmilla.

tu nicht von der wirklichkeit ablenken.

Re: Re: Die Ludmilla.

Von Ihrer Wirklichkeit? Vernachlässigbar.

und wie wär´s zur abwechslung mit einem argument?


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast21_
03.03.2012 19:58
0

Re: und wie wär´s zur abwechslung mit einem argument?

Wer soll ein Gschreibsl für voll nehmen, das sich durch eine solche Masse an Fehlern auszeichnet und offensichtlich von einer Person ohne Sachkenntnis erstellt wurde.

Gast: Drolm Erhard
27.02.2012 20:09
4

Vorschlag:

Schickt die "Fadisierten" der WU-Professorin Erna Nairz-Wirth.
Sie wird sicher als "Expertin" in der Lage sein, ihnen das Schulschwänzen auszutreiben.
Oder irre ich mich??

Gast: Kindergärtnerin
27.02.2012 19:18
7

Erkenntnis: Schützt Familien. Sie leben Verantwortung !!!!

Kinder brauchen Grenzen - und suchen sie!!
Grenzen geben Sicherheit.
In Sicherheit ist Entfaltung möglich!

Familien bieten Sicherheit,wenn ihnen Sicherheit zugestanden wird.
Pädagogen können schon allein aufgrund der Anzahl an Kindern für die sie die Verantwortung übertragen bekommen nur eingeschränkt die Rahmenbedingungen schaffen, die eine einzelne Persönlichkeit braucht.
Pädagogen bekommen allerdings weiters Auflagen, die ein den Kindern zu Gute kommendes Agieren oder Reagieren mitunter unmöglich machen!

Es ist notwendig, unersetzliche bewährte Strukturen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen.

Therapeuten und pädagogisch Geschulte sind ebensowenig unfehlbar wie Eltern. Die ersten Lebensjahre eines Menschen sind entscheidend!!!
Jedes Mitglied der Gesellschaft wünscht sich Zeit, Raum, Liebe und Respekt,Vertrauen u v m.
Kindern fehlt Erfahrung. DAS unterscheidet sie von Erwachsenen!


Gast: gast21_
27.02.2012 18:46
4

Primäraufgabe

Die "WU Prof." hat ja Ihrem Elfenbeinturm nix als Papierproduktion im Sinn.

Der Lehrer ist kein Sozialarbeiter, seine Hauptaufgabe ist die Vermittlung von Wissen, diese Aufgabe ist anspruchsvoll genug.

Es gibt aktuell wenig bis keine Kapazitäten um sich auch noch um jene zu kümmern die sich aus diversen Gründen "frei nehmen".

Aber wir können diese Kandidaten in Zukunft ja der WU melden - damit dort alle von Kopf bis Fuß durchleutet werden und als Superschüler in den Regelbetrieb zurückkehren können.

Die Schuld des Schwänzens

liegt nicht allein bei den Kindern und Jugendlichen. Sie liegt leider viel zu oft bei den immigrierten Eltern, wie auch bei vielen "bio-österreichischen" Eltern. Sowohl die einen, als auch die anderen müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihr Verhalten oft die Ursache dafür ist, dass die Kinder und Jugendlichen nicht zu einem normal anständigen Lebenswandel erzogen werden. Mit den österreichischen Eltern kann man bestimmt darüber reden. Aber wie sollen speziell die weiblichen Lehrkräfte das bewerkstelligen, wenn sie von den großteils muslimischen Vätern verachtet werden. Hier liegt das Problem, das weder von Wissenschaftler/innen, noch von Herrn Kurz und seinen Theorien gelöst werden kann.

Gast: Dinkolberger
27.02.2012 17:55
1

Und wer bestraft

Lehrer und Mitschüler, die Mobbing begehen? Sorry, aber wer A sagt, muss auch B sagen. Das gilt auch für den VP-Politiker Kurz, selbst wenn ihm die Lehrer dafür das Leben zur Hölle machen werden.

Gast: africano
27.02.2012 16:48
0

Fernbleiben vom Unterricht ,wurde in der Sonnenkönig ZEIT aktuell.

Eines hat die damalige Regierung erreicht ,es gibt über 300.000 Anal aphabeten und "burn out "als drauf Gabe.

Gast: Desire
27.02.2012 16:32
9

Schönreden

"Handelt es sich um eine besondere Müdigkeit, um eine Krankheit, Schulangst, Mobbing, um das Anschließen an eine gleichaltrige (schulschwänzende) Gruppe? "....

Man kann es sich ja schönreden, wenn man möchte und Ausflüchte suchen.

Tatsache ist: Viele gehen einfach deshalb nicht, weil es sie nicht interessiert und die Eltern sich nicht darum scheren....

Gast: Die Text hier, faszinierend teilweise!
27.02.2012 14:37
1

Ein echtes Dankeschön - auch an Pink Floyd und The Wall!

Ich denke dieses Werk braucht bei weitem mehr Ehrung, Weltkulturerbe, auch denkbar das die Gruppe den Friedensnobelpreis für dieses Lebenswerk bekommt, der Film ist einfach nur faszinierend, und deckt einen Zeitraum ab von über 70 Jahre, es dürfte nicht sehr viele Kunstwerke in der Weltgeschichte geschafft haben, derartiges zu erreichen!

Und das Werk ist noch immer Hochaktuell wie man hier sieht - einfach zum Nachdenken!

Re: Ein echtes Dankeschön - auch an Pink Floyd und The Wall!

Wir haben "The Wall" in der Schule angesehen.

Gast: Schwänzen und Schwänzen
27.02.2012 12:57
2

Gleichberechtigung für alle!

Parlamentaria die Sitzungen schwänzen in Österreich und der EU, bitte detto bestrafen, aber nicht mit 700.- Euro sondern mit 700.000.- Euro pro Stunde, damit wäre auch die Schuldenkrise gleich mal gelöst, für Europa!

Antworten Gast: Volksjugendbund
27.02.2012 16:07
0

Das wirds mit der ÖVP nicht geben.


Gast: Frager
27.02.2012 12:25
1

War Schulschwänzen denn bisher nicht strafbar? Wie ist es unter der 25-jährigen ÖVP-Herrschaft damit überhaupt so arg geworden - das ist die Frage! Was soll das Theater also, und wofür wird das Strafgeld verwendet? Für noch so einen wichtigtuerischen Kurzbub oder ein paar PR-Aufträge an seine Haberer? Hat er überhaupt selber die Schule fertiggemacht? Der hängt doch nur in geilen Diskos herum und fahrt in Papas Humer spazieren! Tolles Vorbild für unsere Jugend! Aber gescheit daherreden kann er ...

Re: Schulschwänzen

An den "Frager" betr. 25jährige ÖVP-Herrschaft!
Woher haben Sie die Information über eine 25jährige ÖVP-Herrschaft?

Zur Erinnerung:
1945 - 1966: große Koalition (ÖVP-Kanzler)
1966 - 1970: ÖVP-Alleinregierung (Klaus)
1970 - 1983: SPÖ-Alleinregierung (Kreisky; die ersten eineinhalb Jahre unter Duldung durch die FPÖ !!)
1983 - 1986: SPÖ-FPÖ-Koalition (Sinowatz)
1986 - 2000: große Koalition (Vranitzky, Klima)
2000 - 2006: ÖVP-FPÖ/BZÖ-Koalition (Schüssel, Molterer)
seit 2006: SPÖ-ÖVP-Koalition (Gusenbauer, Faymann).

Eine (durchgehende) 25jährige ÖVP-Herrschaft sehe ich da nirgends. Beherzigen Sie daher einen Rat Kreiskys und lernen Sie Geschichte!

Übrigens: Die sog. "Verhaltensvereinbarungen" waren eine Erfindung unter U-Min. Gehrer (wofür sie allenthalben z. T. massiv gescholten wurde). Mittlerweile gehören diese "Verhaltensvereinbarungen" sogar zum Wortschatz von Fr. U-Min. Schmied (und div. anderer "Unterrichtsexperten").
Wie sich die Zeiten ändern!
Und: Wenn zwei das Gleiche tun ist es (anscheinend) nicht dasselbe. Es kommt (möglicherweise) darauf an, w e r etwas sagt!

Antworten Gast: Quatscher
27.02.2012 16:38
2

Re:

Klingt nach bezahlter Parteihetze

Gast: Verkannter Experte
27.02.2012 11:54
10

Erste Maßnahme für Schwänzer und deren betroffenheitstriefende Beschützer

Die Schwänzer gehören mitsamt ihren empfindungsfehlgeleiteten Beschützern in ein Umerziehungslager, wo sie bei Nahrungsentzug und schwerer körperlicher Arbeit wieder auf den richtigen Weg gebracht werden, der da lautet:

Pünktlichkeit
Verlässlichkeit
Fleiß
Ordnung
Kameradschaft
Durchhaltevermögen
Hilfsbereitschaft
Ehrlichkeit
.........

Antworten Gast: ARBEITSbetriebs-Gründer
27.02.2012 13:12
6

Bin zu 100% bei Ihnen!

... Gehorsam, Vaterlandsliebe und den verpflichtenden Respekt vor Älteren, alles Dinge, die von den Kameraden notwendigenfalls auch verpflichtend durch gemeinsames mutiges Auftreten gegen einen Pflichtverletzer eingefordert werden müssten. Nur so werden wir wieder Europareife erlangen.

Re: Bin zu 100% bei Ihnen!

vaterlandsliebe, auf was hinauf??? verpflichtender Respekt vor aelteren??? nur wenn diese auch Respekt zeigen! Respekt gibt's nicht umsonst! soviel Unfug wie sie hier verzapfen, ehrlich- sie sollten in ein bildungslager

Re: Bin zu 100% bei Ihnen!

außer für die Schnellfahrer! ; )

 
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