Über Lehrer, die eigentlich gar keine Lehrer sind

11.03.2012 | 18:39 |  THERESA AIGNER (Die Presse)

Wer in Österreich als Lehrer angestellt ist, dessen Arbeitsplatz ist nicht automatisch das Klassenzimmer. So mancher arbeitet stattdessen als Pressesprecher oder leitet Forschungsinstitutionen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Offiziell ist er Lehrer an eine Linzer Berufsschule. Sein tatsächlicher Arbeitsalltag sieht aber anders aus: Er schreibt Presseaussendungen für den oberösterreichischen Landesschulrat. Für ihn selbst ist das zwar „die normalste Sache der Welt“ („Ich arbeite für das System Schule und werde von diesem dafür bezahlt“), ganz so einfach ist die Sache aber nicht.

Denn der Pressesprecher des oberösterreichischen Landesschulrats, Karl Steinparz, stellt mit seinem Dienstverhältnis keineswegs einen kuriosen Einzelfall dar, sondern ist nur ein prominentes Beispiel dafür, dass etwas in der heimischen Schulverwaltung „nicht ganz stimmt“. So sieht es jedenfalls Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Er kritisiert den Umstand, dass Bedienstete offiziell zwar als Lehrkräfte geführt werden, in Wirklichkeit aber „für Verwaltungsaufgaben oder parteipolitische Zwecke“ eingesetzt würden. Denn: Diese Lehrer würden in den Klassenzimmern fehlen.

Der Betroffene kann die Kritik nicht nachvollziehen. Immerhin sei er nicht nur für die Pressearbeit zuständig, sondern auch mit Entwicklungsprojekten im Landesschulrat betraut. Das wären Tätigkeiten, die von jemandem übernommen werden sollten, „der sich in der Schule auskennt“. Also von jemandem wie ihm: Immerhin habe er ein Jahr lang politische Bildung an einer Berufsschule unterrichtet. Das Anstellungserfordernis als Berufsschullehrer erfüllt er auch: Der frühere Journalist hat vor seinem Wechsel in das Kabinett von Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer im Jahr 2003 extra eine Lehre gemacht.

 

Die Geschäftsführerin als Lehrerin

Steinparz ist auch nicht der Einzige im oberösterreichischen Landesschulrat, der ein derartiges Dienstverhältnis hat. Auch Landesschulinspektoren und andere Referenten im Büro Enzenhofer sind als Lehrer angestellt, obwohl sie gar nicht unterrichten.

Insgesamt ist dies aber weder ein oberösterreichisches Phänomen noch eines, das nur die Landeslehrer betreffen würde. So ist etwa auch die Geschäftsführerin des Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung, Waltraud Rosner, offiziell Lehrerin an einem Salzburger Gymnasium, also Lehrerin im Bundesdienst.

Sie hat sich ihr kurioses Anstellungsverhältnis dabei genauso wenig ausgesucht wie Steinparz oder andere, die eigentlich Tätigkeiten verrichten, die wenig mit dem Alltag eines Lehrers zu tun haben. Der Fehler ist tief im System verankert. Rechtliche Probleme gibt es dabei nicht: Das Beamtendienstrecht erlaubt eine vorübergehende Zuweisung von Lehrern an eine Dienststelle der Bundes- oder Landesverwaltung.

Auch unter Schulpsychologen oder im Unterrichtsministerium gibt es Mitarbeiter, die als Lehrer an Schulen angestellt werden, die sie zum Teil noch nie von innen gesehen haben. Vonseiten des Ministeriums begegnet man der Kritik mit dem gleichem Argument wie in Oberösterreich: Man brauche Praktiker für Entwicklungsprojekte, außerdem sei die Anzahl der nicht unterrichtenden Lehrer ohnehin sehr gering.

Doch richtet sich die Kritik Walsers weder gegen die Einbeziehung von Praktikern in die Schulentwicklung noch gegen die Arbeit, die im Einzelnen von den Betreffenden geleistet wird. Diese Strukturen würden jedoch dazu führen, „dass nicht mehr nachvollziehbar sei, wie viele der gut 125.000 Lehrer in Österreich tatsächlich in Klassenzimmern sind“. Walser fordert, dass all jene, die Verwaltungsaufgaben übernehmen, künftig als Verwaltungsbedienstete und nicht als Lehrer angestellt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

11 Kommentare
Gast: Ehemaliger
13.03.2012 12:00
1

Lehrer in der Politik

Der ehemalige bgld. SPÖ-Landeshauptmann Theodor Kery wurde, bevor er in die Politik ging, noch schnell zum Bezirksschulinspektor von Mattersburg gemacht. Das Gehalt als Bezirksschulinspektor hat er, obwohl er nie als Bezirksschulinspektor tätig war, "natürlich" weiter bezogen!!

Der Griff der politischen Parteien ins Volksvermögen

"Arbeiten für das System Schule" ist wohl eher eine Verhöhnung des Steuerzahlers. Landesschulratspräsidenten sind politisch besetzte Posten. Steinparz arbeitet für das System Parteienstaat, der sich im Schulwesen breitgemacht hat!!!

Gast: UKW
12.03.2012 09:09
0

Muss man verstehen

Die Betroffenen wollen halt auch in den Genuss einer 13-Stundenwoche bei Vollzeitbezahlung kommen und 4 Monate Urlaub haben, so wie alle anderen. Wenn der Steuerzahler schon sein Geld für eine so große Gruppe beim Fenster rauswirft, kommt es auf ein paar Hundert mehr auch nicht mehr an. Der Staat kann ja unbegrenzt Schulden machen und unsere Kinder (!) können es ja später einmal bezahlen.

Gast: Isidor Glenzer
12.03.2012 08:02
1

Lehrer, die eigentlich gar keine Lehrer sind

Sind jene, die es rechtzeitig geschafft haben, meist mit Parteibuch, den zum großen Teil verhaltensgestörten Eltern und deren Setzlingen zu entfliehen.
Gratulation den Glücklichen!

Gast: LSI
12.03.2012 07:34
5

Man sollte sich auskennen

Die Behauptung Landesschulinspektoren seien als Lehrer angestellt ist zum Großteil falsch. Einzig als kurzzeitige Vertretung für pensionierte oder verstorbene LSI werden Lehrer eingesetzt.
Übrigens - mit der Zuteilujng auf einen Verwaltungsposten gibt es keine Ferien mehr Herr nachdenken!

Antworten Gast: bärig
13.03.2012 17:48
0

Re: Man sollte sich auskennen

Es gibt viele Personen, die als Lehrer zählen, aber schon lange keinen Unterricht mehr halten, aber das große Wort führen (Politiker!), wenn es um das Thema Schule geht!

ohnehin sehr gering?

die anzahl derer die als lehrer angestellt sind muß erklecklich sein, denn sonst kommt man an die absurde statistik 1 Lehrer für 9 schüler nicht heran.

eine anderer frage die sich stellt; sind die verwaltungsjobber deswegen als lehrer angestellt, um die fast 4 monate ferien zu genießen ?

leider kenne ich solche fälle und die zeigen nur wie degeneriert dieses beamten system mittlerweile geworden ist!

Gast: Rechenkünstler
11.03.2012 21:58
0

1+1

Wenn 9 Schüler auf einen Lehrer kommen aber 30 Schüler in einer Klasse sitzen, dann kommen auf einen Lehrer der in der Klasse steht 2,3 Lehrer die nicht in der Klasse stehen. Irgendwo müssen die ja sein.

Re: 1+1

Lieber Rechnkünstler:
1. Schüler haben bis zu 39 Stunden Unterricht - Lehrer normalerweise 20.
2. Es gibt eine Vielzahl von teilbeschäftigten Lehrern - ich bin mir nicht sicher, wie die für die Statistik umgerechnet werden.
3. Es gibt viele Bereiche in den Schulen, die von Lehrern "erledigt" werden: Administration, EDV-Kustodiat, ... auch das zählt zu den Unterrichtsstunden und verändert das Lehrer_Schülerverhältnis.

Gast: Schlafstörung
11.03.2012 21:22
0

Typisch

Da hat eine Verwaltungsbehörde also wieder einmal einen Weg gefunden ihre wahren Mitarbeiterzahlen für die Statistik zu verschönern, nur damit nicht bei ihnen der Sparstift angesetzt wird. So wird der Anschein erweckt er gebe eh genügend Lehrende, obwohl alle Betroffene wissen, dass dem nicht so ist. Am Ende leiden wieder einmal die SchülerInnen.

Gast: 1. Parteiloser
11.03.2012 19:08
5

Dieser Mist muss sofort abgestellt werden!

Die Kinder und Jugendlichen brauchen einfach eine bessere Betreuung. Es kann doch nicht sein, dass es einen Haufen an Anstellungen gibt, welche nicht zum Nutzen der Gesellschaft tätig sind, von der Gesellschaft aber mit Zwangsabgaben bezahlt werden müssen.

Eine kleine Berufsschule mit etwa 30 Lehrpersonen, die meisten in Nebenbeschäftigung, hat in NÖ einen Direktor, welche gar nicht unterrichtet sondern nur repräsentiert. Dazu gibt es dann noch einen Vizedirektor dessen Tätigkeit ein ganze Monat die Lohnverrechnung ist. Das kann es doch nicht sein.

Österreich hat doch, auch außerhalb des Bildungssystem eine Haufen an geschaffenen Posterl- und Amterl, welche zwar Beschäftigungsverhältnisse bieten aber keinen Nutzen für die Gesellschaft haben.

Sie wie die Parteibonzen und Parteibonzerl werken, so kann man Österreich nur abwirtschaften. Jede Gesellschaft lebt am Ende vom Geschaffenen innerhalb der Gesellschaft. Nur das Geschaffene kann dann auch verteilt werden. Massenbeschäftigung ohne etwas zu Schaffen, was nützliches für die Gesellschaft zu schaffen, das kann nur kontraproduktiv sein.

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden