Lehrerdienstrecht: Besoldung hat Vorrang für Gewerkschaft

15.03.2012 | 10:06 |   (DiePresse.com)

Die angekündigten Verhandlungen auf Ministerebene über ein neues Lehrerdienstrecht gehen für Lehrervertreter in die falsche Richtung. Sie sehen ein neues Besoldungsrecht als vorrangig.

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Mit der Ankündigung, dass die drei Ministerinnen Claudia Schmied (Unterricht; SPÖ), Gabriele Heinisch-Hosek (Beamte; SPÖ) und Maria Fekter (Finanzen; ÖVP) in die Verhandlungen mit der Lehrergewerkschaft eintreten, soll das Tempo bei der seit langem angekündigten Dienstrechtsreform erhöht werden. Gegenüber der APA schränken Lehrervertreter ihre Bereitschaft zu einer raschen Lösung allerdings ein. "Wir wollen kein neues Dienstrecht, wir wollen ein neues Besoldungsrecht", betonte Jürgen Rainer (FCG) von den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen.

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"Die Regierung will das Besoldungsrecht nicht ändern, aber die Stundenanzahl erhöhen, so dass sie unterm Strich ein billigeres System schaffen. Da wird es noch viele öffentliche Diskussionen zu diesem Thema geben", stellt Rainer eine rasche Reform des Dienstrechts in Frage. Diese will die Regierung nach wie vor gerne bis zum Sommer abschließen. Rainer fordert dabei ein Gesamtpaket, das Aufschluss über die neuen Aufgaben der Lehrer und die Auswirkungen auf deren Arbeitsplätze gibt. Substanzielle Fragen seien bisher nicht angesprochen worden, obwohl der offizielle Start der Verhandlungen auf Beamtenebene im April des Vorjahres stattgefunden hat.

Rainer: Anfangsgehälter anheben

Für viele vonseiten der Lehrer geforderte Verbesserungen, etwa mehr Unterstützung durch Psychologen oder Sozialarbeiter, brauche es kein neues Dienstrecht. Dasselbe gelte für die vielzitierte "Attraktivierung" des Lehrerberufs angesichts des durch die anstehende Pensionierungswelle steigenden Personalbedarfs. Dafür reiche es, die Anfangsgehälter anzuheben und die Lebensverdienstkurve abzuflachen, betont Rainer.

Auch über die Frage, ob man ein neues Dienstrecht für eine Änderung der Unterrichtsverpflichtung oder Anwesenheitspflicht brauche, könne man streiten, so Rainer. Wobei er für den Fall, dass die Regierung Junglehrer tatsächlich zu mehr Unterricht ohne entsprechenden Lohnausgleich verpflichten will, auf jeden Fall den Streit suchen will. "So wie es sich einige vorstellen, wird das sicher nicht kommen", meinte Rainer in Richtung von Fekter, die vorgeschlagen hat, dass neue Lehrer sechs Stunden länger arbeiten, aber nur vier davon bezahlt bekommen sollen.

Kimberger: Absage an Fekter

Auch der oberste Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger (FCG) erteilt Fekters Idee eine Absage: "Wir wissen aus der Realität, dass die Lehrer teilweise an der Belastungsgrenze sind und teilweise darüber. Man wird sich überlegen müssen, wie viel Qualität man im Schulsystem haben will. Da haben wir nach oben eine Grenze."

Er wünscht sich, dass die Regierung endlich mit mehr "Ernsthaftigkeit" an die Dienstrechtsreform herangehe. Vor Beginn der Verhandlungen müsse sie endlich, wie von der Gewerkschaft seit langem gefordert, Fakten auf den Tisch legen: Darüber, wie viele Lehrer in Pension gehen und wie hoch der Bedarf in den kommenden Jahren sein wird, aber auch wie viel Geld die Regierung in das Bildungssystem zu investieren bereit ist. Außerdem fordert er die Regierung auf, gemeinsam eine Folgestudie der Arbeitszeitstudie aus dem Jahr 2000 in Auftrag zu geben, um eine Datenbasis für die Reform zu bekommen.

(APA)

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7 Kommentare

Die Lehrergewerkschaft ist das degenerierte Musterbeispiel in Österreichs Beamtenstadel!

Die reden allen ernstes davon, noch mehr Geld in Bildung zu stecken und dafür noch weniger unterrichten zu wollen!

Schweden, lieber Kimberger, schafft es mit der gleichen pro Kopf Ausgabe pro Schüler wie Österreich, eine FUNTKIONERENDE GANZTAGSSCHULE zu betreiben, in der die Kinder einen modernen Unterricht erhalten und auch noch verköstigt werden können!

Wenn Ihnen und Ihren Kollegen das noch immer nicht zu denken gibt, dann sollte Österreich daran denken, Lehrer auf ihre geistige Zurechnungsfähigkeit zu untersuchen!

Armes Österreich!

Gast: 2Cent
17.03.2012 06:18
4

Nur zur Erinnerung...

Es wurde verlautet, dass man das Dienst- und Besoldungsrecht reformieren wollte, um den Lehrerberuf attraktiver für die Besten zu machen. Deshalb, so wurde uns mitgeteilt, sollten die Anfangsgehälter höher werden.

Aha.

Vielleicht kommt's mir ja nur so vor, aber +20% Gehalt bei +30% Arbeitszeit will mir nicht so recht attraktiv erscheinen.
Und, bitte, was wäre das denn für eine Gewerkschaft, die einer derartigen Erhöhung der Arbeitszeit zustimmt, ohne gleichzeitig über entsprechende Lohnerhöhungen zu verhandeln? Einer solchen Gewerkschaft würden die Mitglieder davonlaufen, und mit Recht!

Gast: 1. Parteiloser
15.03.2012 15:10
1

Grausige Gewerkschafter, ignorant gegen Mitmenschen und ethisch restlos degeneriert!

Forderungen nach mehr Geld ohne die fehlende Leistung für die Gesellschaft auch nur im Ansatz zu berücksichtigen.

Das Österreichische Bildungssystem hatte doch schon irre Kosten von 16.267 Mio. Euro, 2012 werden es wohl schon über 17.000 Mio. Euro sein. Dazu kommen noch die Kosten für die den Ruhegenusswahnsinn, welche die Bürger zusätzlich mit Zwangsabgaben brennen müssen.

Trotz dieser irren Kosten für die Bildung bekommen die Österreicher aber eine immer schlechtere Leistung. Die Unis kümmern sich kaum noch um die Studierenden, die Grundschulen produzieren Massen an Absolventen, welchen die Fähigkeiten zu den Grundrechtenarten fehlen und auch oft nicht sinnerfassend lesen können. Die Mittelschulen hängen irgendwie dazwischen verursachen aber grundsätzlich die gleichen Probleme für die Gesellschaft.

Auch wenn man es als Beamter, mit viel höheren Durchschnittsentlohnungen als die anderen Österreicher, schwer verstehen kann, diese Milliarden bedeuten schon für jeden Haushalt von etwa 5.000.- Euro und Jahr. Eine Belastung, welche irgendwie durch Zwangsabgaben gedeckt sein muss.

In Österreich haben wir schon 2,7 Mio. steuerpflichtige Menschen, welche mit weniger als 786.- Euro (14/12) pro Monat leben müssen. Was die etwa 400.- Euro p.M. bedeuten, das sollten sich auch degenerierten Gewerkschafter einmal vorstellen, am Besten selber erleben.

Österreich kann sich den Wahnsinn von 124.000 Lehrpersonen mit den geringen Unterrichtszeiten sicher nicht leisten!

Re: Grausige Gewerkschafter, ignorant gegen Mitmenschen und ethisch restlos degeneriert!

Bevor Sie weiter soclhen Schmonzes verbreiten:

Leisten Sie Ihre Steuern einmal selbst in Österreich ab, erst dann haben Sie überhaupt ein Fünkchen moralisches Recht, hier überhaupt eine Meinung abzugeben.

Einen Beweis für den Reifegrad mitzudiskutieren zu dürfen, haben Sie bislang noch nie abgegeben.
Aber auch das wird - wie immer - niemals zu Ihrem Neokortex vordringen.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
18.03.2012 18:00
1

Re: Re: Grausige Gewerkschafter, ignorant gegen Mitmenschen und ethisch restlos degeneriert!

Du ignorierst die Rückmeldungen der Wirtschaft zu den fallenden Fähigkeiten der Absolventen!

Die ignorierst die Rückmeldungen von den Verantwortlichen der nächsten Ausbildungsstufen!

Die ignorierst die Daten der Pisastudie.

Daher kannst Du auch das Totalversagen der verantwortlichen Menschen im Bildungssystem nicht erkennen.

Du kannst auch nicht erkennen, dass der Personalaufwand viel zu hoch ist. 124.000 aktive Lehrpersonen, also 2,2 Lehrpersonen pro Schulklasse, kümmern sich perfekt um das Versagen.

Weil Du aber ein Ignorant bist, so kannst Du auch nicht erkennen, dass Euer kollektives Versagen den Kindern die Zukunft stiehlt.

Menschen, welche selber Schmonzes sind, die sollten die Österreicher damit zufrieden lassen. Entweder ein Anpassung an den Mitmenschen in Österreich oder ab nach Israel.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
15.03.2012 15:53
2

Einige Fakten dazu, welche zeigen, dass die Österreicher das niemals stemmen können!

Wie stark die Kosten für die Bildung schon aus dem Ruder gelaufen sind, das zeigen folgende Entwicklungen ab dem Jahr 2000:

Entwicklung VPI 2000 zu den Bildungskosten:
2000: 100% / 100%
2001: 102,7% / 103,0%
2002: 104,5% / 106,0%
2003: 105,9% / 108,7%
2004: 108,1% / 112,2%
2005: 110,6% / 116,8%
2006: 112,2% / 122,3%
2007: 114,6% / 127,9%
2008: 118,3% / 135,4%
2009: 118,9% / 143,7%
2010: 121,5% / 148,5%
Die stark gestiegen Kosten für die Masse an Ruhegenießern aus diesem Bereich sind da nicht dabei und auch die hohen Zusatzkosten für den verpfl. Kindergarten sollten eigentlich noch dazukommen.

Es war ein schleichender Prozess der Kostenerhöhung und auch ein schleichender Prozess der Leistungsreduzierung im Bildungsbereich. Das Eine ist für die Gesellschaft genauso schlecht wie das Anderen.

Die Österreicher werden niemals die erforderliche Leistung zur Finanzierung erbringen können!

Wenn man die Kosten in % des BIP betrachtet, dann sieht es freundlicher aus. Es ist aber zu bemerken, dass die Kosten für die Bildung als Leistung im Rahmen des BIP gerechnet werden. Das Bild der Kosten in % des BIP ist also stark verfälscht.
2000: 5,25%
2001: 5,26%
2002: 5,27%
2003: 5,29%
2004: 5,24%
2005: 5,22%
2006: 5,17%
2007: 5,11%
2008: 5,25%
2009: 5,73%
2010: 5,68%
Zu bemerken ist noch, dass die 0,4% des BIP satte 1,1 Mrd. Euro betragen!

Die NMS, die Psychologen, der Förderunterricht, etc. werden die Kosten in Zukunft noch wesentlich erhöhen!

Was, die rechnen das ins BIP?

Gibt es irgendwo ein BIP der reinen freien Privatwirtschaft?

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