ÖVP: "Debatte um Organisationsform der Neuen Mittelschule beendet"

15.03.2012 | 12:45 |   (DiePresse.com)

Ministerin Schmied hat erneut bekräftigt, dass die Neue Mittelschule lediglich ein Zwischenschritt zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährige sei. Die ÖVP zeigt sich "überrascht".

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Dass die SPÖ die Neue Mittelschule (NMS) lediglich als Zwischenschritt zur lange geforderten gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen versteht, ist bekannt. Dennoch "überrascht" zeigte sich ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon am Donnerstag vom erneuten Appell von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in den "Salzburger Nachrichten" (Donnerstagausgabe) an die AHS, künftig wie NMS auf Zeugnisnoten als Aufnahmekriterium zu verzichten, wodurch die Gymnasien ebenfalls Anspruch auf Zusatzlehrer hätten. Für Amon ist mit dem Ersatz der Hauptschulen durch NMS bei Beibehaltung der AHS "die Debatte über die Organisationsform beendet".

Schmied hatte im "SN"-Gespräch die gemeinsame Schule erneut als "politisches Ziel" bekräftigt. Entsprechend ihrer "angebotsorientierten Schulpolitik" könnten Eltern entscheiden und "je besser sich die NMS entwickeln, desto eher wird die Entscheidung in diese Richtung gehen". Die NMS wird mit Herbst 2012 zur Regelschule und soll bis 2018/19 alle Hauptschulen ersetzen. Davon, "das System für Gymnasien zu ändern", hält Amon getreu der VP-Linie jedoch nichts. "Die AHS sind eine bewährte und erfolgreiche Schulform, die einen klaren Auftrag hat: die Schülerinnen und Schüler in einem achtjährigen Bildungskontinuum auf eine tertiäre Ausbildung vorzubereiten."

Amon warnt vor "Neidkomplex"

Auch vor einem "Neidkomplex um Ressourcen" warnt Amon. Andere Schulformen würden trotz zusätzlicher Mittel für die NMS nicht weniger Ressourcen erhalten. Hintergrund: Das Unterrichtsministerium will für pädagogische Maßnahmen wie Team Teaching in Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache (meist Englisch) pro NMS-Schüler und Jahr 1.000 Euro zur Verfügung stellen. Das werde notwendig, weil im innerlich differenzierten Unterricht dann mehr und weniger begabte Schüler sitzen.

Auf mehr Gegenliebe stößt Schmieds erneuter Vorstoß erwartungsgemäß bei den Grünen. "Wenn auch SchülerInnen ohne AHS-Reife ins Gymnasium dürften, wäre das zumindest ein Schrittchen in die richtige Richtung, nämlich in Richtung gemeinsamer Schule aller 10-14-Jährigen", so Bildungssprecher Harald Walser.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Schlagzeilen Bildung

  • ÖVP: Pro-Gymnasium-Linie „bedauerlich“
    Im Westen des Landes ist man enttäuscht, dass im neuen Parteiprogramm das Gymnasium festgeschrieben wird. „Wir hätten uns mehr erwartet“, heißt es aus Vorarlberg und Tirol.
    Abgesang auf die Akademiker
    Die neuen Technologien steigern die Nachfrage nach gut ausgebildetem Personal nicht – im Gegenteil. Computer übernehmen die qualifizierte Arbeit, vom Arzt bis zum Juristen.
    Heimische Unis in Forschung gut, in Lehre weniger
    Beim EU finanzierten Hochschulranking "U-Multirank" zeigten österreichische Unis in der Forschung auf. Die Lehre bleibt ein Schwachpunkt.
    Inklusion: "Da gibt es Grenzen des Zumutbaren"
    Die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung sei ein gutes Anliegen, sagt der Pädagoge Bernd Ahrbeck – trotzdem sollten Sonderschulen nicht abgeschafft werden.
  • Mathematikmatura – eine Abrechnung
    Die Zentralmatura stellt den Mathematikunterricht völlig auf den Kopf: weg von eingetrichterten Rechentechniken, hin zu mehr Reflexion und Argumentation. Was das bedeutet, zeigt ein Vergleich der Beispiele.
    Liessmann über Bildungsillusionen
    Die Schlagworte Individualisierung und Inklusion haben mittlerweile den Charakter von Glaubenswahrheiten angenommen. Es scheint, als solle das Bildungssystem das schlechte Gewissen der Erwachsenenwelt auffangen.
    Marcel Koller: "Man hat verlernt, Nein zu sagen"
    Warum die fünf Minuten nach dem Tor die schwierigsten sind und achtzig Prozent einfach nicht reichen. ÖFB-Teamchef Marcel Koller über österreichische Eigenheiten und den Wert von Disziplin.
    Eine Verteidigung des Gymnasiums
    Das Gymnasium ist Brennglas kultureller und sozialpolitischer Krisenlagen. Es ist wesentliches Element der kulturellen Identität und gleichzeitig starker Kritik ausgesetzt. Was das Gymnasium kann – und wofür es nichts kann.
  • Polizei soll Schwänzer ansprechen: Was macht ihr hier?
    Polizisten sollen schulpflichtige Jugendliche, die sich während der Schulzeit in Einkaufszentren oder öffentlichen Plätzen tummeln, ansprechen.
    Von Hundeleben, Rehkitzen und Pferdegeduld
    Tierstudien. Die Veterinärmedizinische Uni Wien wird 250 Jahre alt. Seit damals hat sich in der Beziehung Tier-Mensch viel getan. Das zeigt sich auch an der Vielfalt der einschlägigen akademischen Weiterbildungslehrgänge.
    Neue Antworten auf altes Schweigen
    Aufarbeitung. Die WU beschäftigt sich mit der Affäre Borodajkewycz, die Wiener Vorlesungen widmen sich neuer Forschung zum NS-Widerstand.
    Wegweiser für beruflichen Wechsel
    Bildungsberatung. Laut einer Studie des BFI Wien wechseln Österreicher durchschnittlich dreimal ihr Berufsfeld. Von Beratungsangeboten und Ausbildungen für die Berater.
AnmeldenAnmelden