Lehrerausbildung in der Hand der Gebrüder Märk

18.03.2012 | 18:37 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Nach der Inauguration von Tilman Märk als Rektor der Universität Innsbruck könnte sein Bruder Elmar schon bald die Führung der Pädagogischen Hochschule Tirol übernehmen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Innsbruck. Familieninterne Gespräche sehen gemeinhin wohl anders aus als jene von Tilman und Elmar Märk. Ersterer übernahm vor nicht einmal zwei Wochen das Amt des Rektors der Uni Innsbruck. Sein Bruder Elmar wird aller Voraussicht nach seinen Job als HTL-Direktor an den Nagel hängen und die Leitung der PH Tirol übernehmen. Eine Konstellation, die vor allem in Sachen neuer Lehrerausbildung schon bald eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Die Idealvorstellung einer solchen: Die gemeinsame Ausbildung aller Lehrer unter einem Dach. Vorstellbar wäre dabei sowohl eine Aufwertung der PH zur Pädagogischen Uni als auch die Einrichtung einer „School of Education“ als eigene Fakultät der Universität. Während Letzteres dem Ziel von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) entspricht, sind die Pädagogischen Unis das Steckenpferd von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Auf eine politische Lösung wollten sich die beiden bislang nicht festlegen. Nur so viel: Regional soll es möglich sein, unterschiedliche Entscheidungen zu treffen.

Für die Gebrüder Märk heißt das, dass die Zukunft der Tiroler Lehrerausbildung schon bald zu einem Gutteil in ihren Händen liegen könnte. Abgewartet werden muss unter anderem noch die Entscheidung des Unterrichtsministeriums. Elmar Märk wurde zwar vom Hochschulrat an erster Stelle dessen Empfehlung gereiht, die Bestellung durch das Ministerium ist aber noch ausständig. Vergangenen Freitag gab es dazu erste Gespräche zwischen Elmar Märk und Ministerin Schmied. Wer die PH Tirol künftig leiten wird, soll spätestens Anfang des Sommers feststehen.

Das Verwandtschaftsverhältnis spielt dabei jedenfalls keine Rolle, heißt es aus dem Ministerium. Basis für die Entscheidung ist lediglich eine Prüfung des Ablaufs des Auswahlverfahrens und die Nachvollziehbarkeit der Begründung. Dass der Rektorsposten an Elmar Märk geht, ist also eher Formsache.

 

Wer wird sich durchsetzen?

Mit seinem Bruder an der Spitze der hiesigen PH steigt für Tilman Märk die Wahrscheinlichkeit, seine Pläne durchsetzen zu können. Bereits in seiner Zeit als interimistischer Rektor der Uni Innsbruck – konkret im vergangenen Oktober – ließ er keinen Zweifel daran, dass er eine „School of Education“ gründen werde und in einem nächsten Schritt eine Zusammenführung von Universität und PH plane. Der bisherige Rektor der PH Innsbruck, Markus Juranek, zeigte sich von dieser Idee wenig begeistert. Kooperationen ja, einer Eingliederung der PH in die Uni stand er jedoch skeptisch gegenüber.

Abzuwarten bleibt, wie Elmar Märk auf die markigen Aussagen seines Bruders („Es hat keinen Sinn, die Lehrerbildung zu zersplittern“) reagieren wird. Allzu einfach scheint er es Tilman aber nicht machen zu wollen. Im Gespräch mit der „Presse“ schickt Elmar Märk voraus: Sein Bruder sei von den bekannten Forderungen „eher wieder abgerückt“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden