Zentralmatura: Mehr Technologie in Mathematik

Mit der neuen Reifeprüfung soll auch mehr Technologie Einzug in den Mathematikunterricht halten, erklärt ein Mathematiker der Uni Linz.

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(c) FABRY Clemens

Mit der Zentralmatura soll mehr Technologie im Mathematikunterricht an den AHS Einzug halten: "Ab 2018 sollen bei uns alle Schüler bei der schriftlichen Mathe-Matura moderne Werkzeuge wie dynamische Geometriesoftware, Computeralgebrasysteme und Tabellenkalkulationen verwenden", erklärt der Mathematiker Markus Hohenwarter von der Uni Linz, der als Mitglied der Steuerungsgruppe an der Vorbereitung der 2014 an den AHS startenden neuen Reifeprüfung beteiligt ist.

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ist der Technologieeinsatz schon jetzt verpflichtend, dementsprechend soll dort auch schon beim ersten Zentralmatura-Durchgang 2015 die Verwendung von Computern und modernen Taschenrechnern erlaubt sein. Für AHS-Lehrer gibt es hingegen derzeit nur eine Empfehlung, solche Technologien zu nutzen. Derzeit setzt laut Hohenwarters Schätzung etwa die Hälfte der AHS-Lehrer Computer und moderne Taschenrechner im Mathe-Unterricht ein, die andere Hälfte nutzt nur klassische wissenschaftliche Taschenrechner. Im vierten Durchgang der Zentralmatura an den AHS 2018 sollen solche modernen Technologien dann allerdings verpflichtend verwendet und die Aufgabenstellung darauf abgestimmt werden.

Verordnung steht noch aus

Ganz fix ist die Sache allerdings noch nicht, wie der Mathematiker einschränkt. "Die Reifeprüfungsverordnung für die Zentralmatura steht noch aus, und solange etwas nicht verordnet ist, weiß man in Österreich nie was passiert." Gleichzeitig ist Hohenwarter optimistisch: "Mein Gefühl ist: Die Lehrer wissen, dass es sinnvoll ist, diese Technologien einzusetzen, weil es ihren Job einfacher macht, weil man etwa ganz neue Visualisierungsmöglichkeiten hat." Jene, die derzeit nur mit klassischen Taschenrechnern arbeiten, sollen durch eine großangelegte Fortbildungsoffensive mit den neuen Technologien vertraut gemacht werden.

Generell habe Österreich gerade im Mathe-Unterricht eine lange Tradition des Technologieeinsatzes, betont Hohenwarter. Schon seit den 1980er Jahren gab es zahlreiche großangelegte Projekte zum Einsatz von Computeralgebrasystemen und Medienvielfalt, darunter die an der Uni Linz entwickelte freie Unterrichtssoftware GeoGebra, die inzwischen in 50 Sprachen in 190 Ländern von Millionen von Lehrern und Schülern eingesetzt werde. Im internationalen Vergleich haben Lehrer laut Hohenwarter außerdem schon jetzt große Freiheit, welche Technologien im Unterricht und auch insbesondere bei Prüfungen eingesetzt werden dürfen. "Während in anderen Ländern oft nur ganz bestimmte - meist veraltete - technologische Werkzeuge eingesetzt werden dürfen, gibt es hier bei uns praktisch keine Einschränkungen."

Schverhalte begreifbar machen

Das große Plus von technologiegestütztem Mathe-Unterricht ist laut Hohenwarter, dass dadurch mathematische Sachverhalte "begreifbar" gemacht werden können. Die Frage, wie groß ein Spiegel sein muss, damit man sich darin ganz sehen kann, lasse sich etwa mit dynamischer Geometriesoftware gut modellieren und experimentell untersuchen.

(APA)

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