Missbrauch: Klosterschüler klagen über Rufschädigung

Die Schüler des Stifts Kremsmünster haben genug: Sie würden laufend auf die teils lange zurückliegenden Missbrauchsfälle angesprochen und empfänden das als ungerechtfertigte Beleidigung.

Missbrauch Klosterschueler klagen ueber
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Missbrauch Klosterschueler klagen ueber
(c) APA/RUBRA (RUBRA)

Schüler aus dem Stift Kremsmünster in Oberösterreich haben eine Stellungnahme verfasst, in der sie ihre Situation nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe in dem Kloster darstellen. Das ständige Aufgreifen der Thematik empfänden sie als Rufschädigung, so der Schul- und die Klassensprecher in dem Schreiben. Viele Menschen würden die vergangenen Dinge auf die Gegenwart beziehen.

Gegen mehrere Patres des Stiftes waren vor rund zwei Jahren Missbrauchs- und Gewaltvorwürfe aufgetaucht. Sie reichen in die 1980er bzw. 1990er Jahre zurück. Abt Ambros Ebhart enthob daraufhin fünf Ordensleute ihrer Ämter. Er entschuldigte sich bei den Opfern, von denen sich 45 bei der Diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt meldeten. Nach dem Austritt eines 77-jährigen Paters, gegen den noch eine Anklageerhebung geprüft wird, waren die Fälle nun erneut Thema in den Medien.

Die Schüler würden nun laufend angesprochen, wer denn von ihnen misshandelt worden sei, heißt es in ihrem Brief. Das führe dazu, dass es ihnen peinlich vorkomme, den Namen der Schule unter Freunden zu erwähnen. "Vor allem die Worte 'Kremsmonster' und 'Horrorkloster' empfinden wir als extreme Beleidigung und nicht der Realität entsprechend." Sie wollen keinesfalls leugnen, dass früher schreckliche Dinge vorgefallen sind, doch ihre Eltern hätten teilweise auch das Gymnasium besucht und ihre Kinder sicher nicht dorthin geschickt, wenn sie ihre Zeit dort nicht positiv erlebt hätten.

Abt: "Brauchen eine Chance"

Auch Abt Ambros Ebhart hat am Mittwoch zur aktuellen Situation Stellung bezogen. "So schlimm manche Vorkommnisse vergangener Zeiten sind und so sehr wir uns diesen auch in nächster Zeit stellen: Wir müssen auch die Chance bekommen, gut weiterzugehen", zitierte ihn Kathpress am Nachmittag.

Manche mediale Bezeichnung könnte den Eindruck erwecken, dass die Erziehungsarbeit im Stift "generell verabscheuungswürdig" sei, so Ebhart. Ohne geschehenes Unrecht zu relativieren, dürfe man nicht außer Acht lassen, dass in Kremsmünster auch Gutes geleistet werde. Er sei beschämt und bestürzt darüber, dass frühere Internatsschüler geschädigt worden sind, erklärte der Abt. "Wir bekennen uns zur Verantwortung und versuchen, möglichst offen mit den Vorwürfen umzugehen."

Laut Stiftssprecher Bernhard Eckerstorfer überlege man derzeit verschiedene Maßnahmen der Aufarbeitung, die über eine geforderte Gedenktafel hinausgehen sollen. Einen eigenen Opferfonds des Klosters werde es aber nicht geben. "Wir arbeiten ja eng mit der unabhängigen Opferschutzkommission zusammen", betonte Eckerstorfer.

(APA)

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