Missbrauch: Klosterschüler klagen über Rufschädigung

21.03.2012 | 14:11 |   (DiePresse.com)

Die Schüler des Stifts Kremsmünster haben genug: Sie würden laufend auf die teils lange zurückliegenden Missbrauchsfälle angesprochen und empfänden das als ungerechtfertigte Beleidigung.

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Schüler aus dem Stift Kremsmünster in Oberösterreich haben eine Stellungnahme verfasst, in der sie ihre Situation nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe in dem Kloster darstellen. Das ständige Aufgreifen der Thematik empfänden sie als Rufschädigung, so der Schul- und die Klassensprecher in dem Schreiben. Viele Menschen würden die vergangenen Dinge auf die Gegenwart beziehen.

Gegen mehrere Patres des Stiftes waren vor rund zwei Jahren Missbrauchs- und Gewaltvorwürfe aufgetaucht. Sie reichen in die 1980er bzw. 1990er Jahre zurück. Abt Ambros Ebhart enthob daraufhin fünf Ordensleute ihrer Ämter. Er entschuldigte sich bei den Opfern, von denen sich 45 bei der Diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt meldeten. Nach dem Austritt eines 77-jährigen Paters, gegen den noch eine Anklageerhebung geprüft wird, waren die Fälle nun erneut Thema in den Medien.

Die Schüler würden nun laufend angesprochen, wer denn von ihnen misshandelt worden sei, heißt es in ihrem Brief. Das führe dazu, dass es ihnen peinlich vorkomme, den Namen der Schule unter Freunden zu erwähnen. "Vor allem die Worte 'Kremsmonster' und 'Horrorkloster' empfinden wir als extreme Beleidigung und nicht der Realität entsprechend." Sie wollen keinesfalls leugnen, dass früher schreckliche Dinge vorgefallen sind, doch ihre Eltern hätten teilweise auch das Gymnasium besucht und ihre Kinder sicher nicht dorthin geschickt, wenn sie ihre Zeit dort nicht positiv erlebt hätten.

Abt: "Brauchen eine Chance"

Auch Abt Ambros Ebhart hat am Mittwoch zur aktuellen Situation Stellung bezogen. "So schlimm manche Vorkommnisse vergangener Zeiten sind und so sehr wir uns diesen auch in nächster Zeit stellen: Wir müssen auch die Chance bekommen, gut weiterzugehen", zitierte ihn Kathpress am Nachmittag.

Manche mediale Bezeichnung könnte den Eindruck erwecken, dass die Erziehungsarbeit im Stift "generell verabscheuungswürdig" sei, so Ebhart. Ohne geschehenes Unrecht zu relativieren, dürfe man nicht außer Acht lassen, dass in Kremsmünster auch Gutes geleistet werde. Er sei beschämt und bestürzt darüber, dass frühere Internatsschüler geschädigt worden sind, erklärte der Abt. "Wir bekennen uns zur Verantwortung und versuchen, möglichst offen mit den Vorwürfen umzugehen."

Laut Stiftssprecher Bernhard Eckerstorfer überlege man derzeit verschiedene Maßnahmen der Aufarbeitung, die über eine geforderte Gedenktafel hinausgehen sollen. Einen eigenen Opferfonds des Klosters werde es aber nicht geben. "Wir arbeiten ja eng mit der unabhängigen Opferschutzkommission zusammen", betonte Eckerstorfer.

(APA)

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15 Kommentare

Kirche wohin gehst du?

Leider kann man bei den derzeitigen missbrauchsfällen nicht mehr von traurigen einzelfällen sprechen. anscheinend wurden vor gar nicht all zu langer zeit in klosterschulen besonders kinder ohne elterlichen rückhalt systematisch gequält und missbraucht. Die institution kirche erscheint mir zum teil als eine art geschützte werkstätte für menschen mit bestimmten neigungen, die auch noch vom staat massiv unterstützt wird! Warum haben so viele menschen weggeschaut? Warum hat keiner der von gott berufenen den mut gehabt für diese kinder und jugendliche zu kämpfen? Warum hat die staatsanwaltschaft oberösterreich klagen zurückgelegt? Warum sind wir soo feige oder doch nur geistig bequem? Die sorgen der derzeitigen schüler sind wohl mehr als lächerlich im gegensatz zu dem was frühere erleiden mussten!!

Antworten Gast: Immberger1
22.03.2012 18:20
5 1

Da gab es eine berühmte U-Richterin

die Helene P-P, die ALLES zurückgelegt hat. Heute ist sie bei den "Kämpferischen Christen". Zufall?

Antworten Antworten Gast: pseudotembo
22.03.2012 21:11
1 2

Re: Da gab es eine berühmte U-Richterin

Die Partei, die du meinst, ist von ihrer Tradition her antiklerikal. Das gilt auch für "P-P". Die hatte damals null Gründe, der RKK einen Gefallen zu tun, denn sie war schon damals bei dieser Partei. Das "kämpferische Christentum" hat die betreffende Partei erst viel später entdeckt, nämlich, als sie merkte, dass man die Serben (aus historischen Gründen türkenfeindlich - wegen einiger Jahrhunderte türkischer Besatzung) für die Polemik gegen die Türken einspannen und bei dieser Gelegenheit auch Stimmen von eingebürgerten Serben einfangen konnte.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gutmer
29.03.2012 09:29
0 0

Teils falsch, teils richtig.

Die FPÖ ist grundsätzlich antiklerikal. Seltsamerweise sind aber die genannten Kämpferischen Christen ebendort zuhause. Bei 99% iedologischer Übereinstimmung kein Wunder.

Kirche wohin gehst du?


Gast: enough is enough
22.03.2012 17:09
9 0

Sorgen um den ruf der schule

Auf Grund der Häufigkeit solcher Missbrauchsfalle innerhalb der katholischen Kirche kann man leider nicht von traurigen Einzelfällen sprechen. Anscheinend ist die Kirche auch eine Art geschützte Werkstätte für Menschen mit bestimmten Neigungen. Dem Treiben dieses Vereins wurde schon viel zu lange ohne rechtlicher Konsequenzen zu geschaut! Deshalb fordere ich von Politikern dass sie unsere Kinder von diesen Personen ausreichend schützen und dass die Justiz endlich durchgreift! Ich werde diesen Verein nicht mehr mit meinem Kirchenbeitrag unterstützen !!! Die Kirche hat in Schulen nichts zu suchen!

Gast: Certha
22.03.2012 16:16
12 0

Man darf also nicht mehr die Wahrheit sagen.

Und mit Wahrheit meine ich das, was das Kloster ja selbst (!) zugegeben hat.

Gast: remt
22.03.2012 16:15
8 1

Wer schweigt,

macht mit. Das gilt auch für Zöglinge in Horrorklöstern.

19 0

@ „Vor allem die Worte 'Kremsmonster' und 'Horrorkloster' empfinden wir als extreme Beleidigung und nicht der Realität entsprechend“






wie war denn die Realität der Opfer…?






Re: @ „Vor allem die Worte 'Kremsmonster' und 'Horrorkloster' empfinden wir als extreme Beleidigung und nicht der Realität entsprechend“


http://www.profil.at/articles/1211/560/322207/missbrauch-horrorkloster-kremsmuenster


Antworten Antworten Gast: _gast_
22.03.2012 08:32
3 0

Re: Re: @ „Vor allem die Worte 'Kremsmonster' und 'Horrorkloster' empfinden wir als extreme Beleidigung und nicht der Realität entsprechend“

wenn da der Horror nicht die Realität war, was dann :o(

19 0

@ Abt: „Brauchen eine Chance“






die gleiche Chance, wie sie die Kinder gehabt haben…?






19 0

@ „Einen eigenen Opferfonds des Klosters werde es aber nicht geben“






so weit geht die „Verantwortung“ dann doch nicht…






Gast: Mensch mit Herz und Verstand
21.03.2012 18:06
28 2

Den heutigen Schülern von Kremsmünster ist es peinlich über den Horror, der in diesem Stift geherrscht hat, angesprochen zu werden.


Leider ist es mit der Peinlichkeit so, dass die denen etwas peinlich ist, meistens nichts dafür können.

Die Frage ist, was ist die Ursache?

• sind es die Opfer, die den mutigen Schritt an die Öffentlichkeit gewagt haben
• sind es ihre ehemaligen Mischüler, die sie jetzt nicht im Stich lassen
• sind es die Medien, die die Verbrechen aufzeigen

Mit Sicherheit nicht!

Die Tatsache, dass die heutigen Schüler angesichts des Leids, das in diesem Stift geschehen ist über „Rufschädigung“ klagen, ist ein schreiendes Indiz, dass auch heute noch einiges im Argen liegt.

Ein Schulbetreiber, der seine Schüler zu derartigen Aussagen instrumentalisiert ist offensichtlich zu keiner Aufarbeitung fähig!



Gast: Johann S
21.03.2012 15:22
6 0

Der

Fluch der bösen Tat.
Leider.

Schlagzeilen Bildung

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