Wien: Hauptschullehrer wird "Schulschwänz-Beauftragter"

Horst Tschaikner, Mitarbeiter des Wiener Stadtschulrats und ehemaliger Lehrer, wird den neuen Posten übernehmen. Damit soll Jugendlichen die "null Bock auf Schule" haben, unter die Arme gegriffen werden.

Wiener Stadtschulrat stellt SchulschwaenzBeuaftragten
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Wiener Stadtschulrat stellt SchulschwaenzBeuaftragten
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Am Mittwoch wurde der mit Spannung erwartete Wiener "Schulschwänz-Beauftragte" vorgestellt: Horst Tschaikner, der bisher schon Mitarbeiter im Stadtschulrat war und zuvor auch als Lehrer an Haupt- und Berufsschulen unterrichtet hat, wird die Aufgabe übernehmen. Dabei wird seine Arbeit nicht so aussehen, dass er schulschwänzende Jugendliche zurück in die Schule bringt, vielmehr soll er bestehende Hilfsangebote koordinieren und einzelne Schulen im Umgang mit Schwänzern unter die Arme greifen.

"Ich selbst habe niemals die Schule geschwänzt", erklärt Tschaikner bei der Pressekonferenz. Er sieht seine neue Aufgabe als eine "unglaublich Positive". Jugendliche bräuchten Erwachsene, die nicht wegschauen und sie unterstützen, erklärte er seine Motivation. "Jugendliche sollten dazu verführt werden in die Schule zu gehen". Dazu müsse die Schule ein attraktiver Ort für Jugendliche sein, so Tschaikner.

"Kultur des Nicht-Wegschauens" etablieren

Susanne Brandsteidl, amtsführende Präsidentin des Wiener Stadtschulrats betonte bei der Pressekonferenz, dass es darum ginge, "eine Kultur des Nicht-Wegschauens bei Schulschwänzen zu etablieren", deshalb sei eine zentrale Anlaufstelle von Bedeutung. In einem ersten Schritt sei es die Aufgabe des Beauftragten, für eine klare Datenlage zu sorgen, bisher würden konkrete Zahlen zum Schulschwänzen an den Wiener Schulen fehlen. Danach soll ein einheitlicher Maßnahmenkatalog erarbeitet werden. Außerdem will man sich an internationalen Best-Practice-Modellen im Umgang mit Schulschwänzern orientieren. Brandsteidl nannte als großes Vorbild Antwerpen, dort sei der Posten des Schulschwänzbeauftragen bereits etabliert.

Zusätzlich soll Tschaikner für alle Schulpartner eine Anlaufstelle für Information und Beratung sein. Das soll im Rahmen von Rechtsberatung und Vernetzung passieren - eine seine ersten Amtshandlungen soll die Einberufung eines Round-Tables mit allen Schulpartnern sein um Vorstellungen und Maßnahme zu koordinieren. In weiterer Folge will man auch zusätzliche Hilfsangebote für Betroffene entwickeln. Außerdem wird der Schulschwänzbeauftragte über eine Hotline unter der Nummer 01/52525-77111 erreichbar sein.

"Klassische Schwänzer" größte Gruppe

Wo man die größten Probleme mit Schulschwänzern habe, könne aufgrund der fehlenden Daten noch nicht gesagt werden. Brandsteidl hielt jedoch fest, dass es sich keinesfalls "um ein Migrantenproblem" handle, wie in der bisherigen Diskussion immer wieder von Integrationsstaatssekretär Kurz (ÖVP) eingebracht wurde.

Es gebe drei Gruppen um die sich Tschaikner nun verstärkt kümmern soll. Die größte und am schwierigsten zu erreichende Gruppe seien jene, die "einfach null Bock auf Schule haben", also die "klassischen Schulschwänzer", erläuterte Brandsteidl. Dabei handelt es sich größtenteils um Oberstufenschüler. Bei denen sei das Risiko groß, durch unkontrolliertes Schwänzen den Anschluss in der Schule zu verpassen und in weiterer Folge die Schule abzubrechen.

Die anderen beiden Gruppen von Schwänzern wären wesentlich kleiner und "gut zu behandeln". Dabei handelt es sich einerseits um Schulpflichtverltzungen im Pflichtschulbereich und andererseits um Kinder, deren Schulschwänzen auf einer richtigen "Schulangst" bzw. einer "Schulphobie" gründe. Diese würden schon jetzt in einem Hilfsprogramm in Kleingruppen betreut, sodass eine Reintegration in die Schule möglich wird.


 

(thea)

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