Schmied: Direktoren sollen über Lehrerarbeitszeit bestimmen

23.03.2012 | 16:56 |  CHRISTOPH SCHWARZ (DiePresse.com)

Ministerin Claudia Schmied über die „40-Stunden-Woche“ der Lehrer, mehr Kompetenzen für Schulleiter und den Unwillen zur Zentralmatura.

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Die Presse: Zum Einstieg eine Schätzfrage: Wie viele Stunden arbeitet ein Lehrer durchschnittlich pro Woche?
Claudia Schmied:
Das ist genau der Punkt. Wenn wir über die Arbeitszeit von Lehrern sprechen, sprechen wir immer verkürzt von Unterrichtszeit. Das Bild besteht immer noch: Ein Lehrer, ein Fach, 50 Minuten. Da ist aber noch viel, viel mehr – es gibt Schulentwicklungsprojekte, wir reformieren die Oberstufe, wir führen eine neue Matura ein. Wir müssen also zu einer komplett neuen Arbeitszeitbetrachtung kommen.

Und in dieser neuen Betrachtungsweise: Wie viel arbeiten die Lehrer da Ihrer Ansicht nach pro Woche?
Es lässt sich bei den meisten wohl genauso auf eine 40-Stunden-Woche umrechnen wie bei vielen anderen Arbeitnehmern.

Der Tenor der Lehrerschaft ist ein ganz anderer: Die meisten klagen, sie seien überlastet und die von der Regierung im Zuge des neuen Dienstrechts geforderte Mehrarbeit sei nicht möglich.
Es ist zu früh, um zu sagen, dass irgendetwas nicht möglich ist. Ich glaube durchaus, dass es in manchen Bereichen zur Überforderung der Lehrer kommt. Etwa durch die Erziehungsarbeit, die immer mehr von den Eltern zu den Lehrern verlagert wird. Die Frage des neuen Dienst- und Besoldungsrechts wird sein, wie wir die Arbeitszeit besser verteilen. Und die administrative Belastung zurückdrängen.

Finanzministerin Maria Fekter hat im November vorgeschlagen, junge Lehrer sollten sechs Stunden länger unterrichten und nur vier Stunden davon abgegolten bekommen. Ist dieser Ansatz noch aktuell?
Nein. Wir gehen mit einem modifizierten Modell in die Klausur mit der Gewerkschaft.

Wie soll das neue Arbeitszeitmodell aussehen?
Wir benötigen natürlich weiterhin einen Schlüssel, mithilfe dessen wir berechnen, wie viele Lehrer an einer Schule benötigt werden. Darüber hinaus spreche ich mich für den Einsatz im Klassenzimmer aber für eine Art Bandbreitenmodell aus. Warum soll es nicht an den Schulleitern liegen, den Personaleinsatz im Detail zu planen?

Vereinfacht gesagt: Die Direktoren sollen festlegen, wie viele Stunden ein Lehrer unterrichtet.
Ich denke, das würde die Managementfunktion und Verantwortung des Direktors untermauern. Und gleichzeitig zu noch mehr Motivation bei den Lehrern führen. Für jeden Lehrer könnten dann Einsatzgebiete gefunden werden, in denen er sich wohlfühlt. Es gibt sicher Lehrer, die sich im Teamteaching besonders gut fühlen. Es gibt Lehrer, die sind im Coaching für die Oberstufe besonders gut ausgebildet. Und dann gibt es welche, die gern und gut die Nachmittagsbetreuung übernehmen. Ich möchte eine Mischung: einerseits Klarheit in der Ressourcenzuteilung für den jeweiligen Schulstandort – andererseits den flexiblen Einsatz der Lehrer durch den Direktor. Das gehört mit zu einer effektiven Führung moderner Schulstandorte.

In letzter Konsequenz kann das aber dennoch bedeuten, dass so mancher Lehrer künftig mehr Unterrichtsstunden leisten muss als bisher?
Ich weiß schon, dass Sie das jetzt gern hören würden. Aber ich führe sicher keine Stundendebatte. Das hatten wir bereits. Und die Debatte verlief fruchtlos.
 
Können Sie garantieren, dass junge Lehrer am Monatsende künftig mehr Lohn auf dem Konto haben?
Das ist das erklärte Ziel aller. Ich möchte unsere Modelle jetzt aber zuerst in allen Facetten mit den Sozialpartnern besprechen.

Sie haben angekündigt, bei der Klausur mit der Gewerkschaft abzuklären, „ob es geht oder nicht“. Was soll das heißen? Wenn die Gewerkschaft dagegen ist, gibt es dann kein neues Dienstrecht?
In der Theorie wäre ein modernes Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrer auch ohne die Zustimmung der Gewerkschaft möglich. Ich betone: in der Theorie. Ich gehe nicht davon aus, dass es so weit kommt.

Lässt sich die Reform kostenneutral umsetzen?
Wenn ich überlege, wie viele Lehrer in den kommenden Jahren in Pension gehen, kann ich uns nur zurufen: Jetzt oder nie! Das neue Dienstrecht wird ein Jahrhundertprojekt für die nächste Generation. Und daher bin ich auch froh, dass wir in der Regierung entschlossen sind. Ohne die Finanzministerin hätte ich die Gespräche auch gar nicht gestartet.

Zur Zentralmatura: Sie behaupten, alles sei gut vorbereitet. Viele Lehrer sagen das Gegenteil. Wer spricht die Unwahrheit?
Es sagt niemand bewusst die Unwahrheit. Es gibt einerseits wohl noch Aufholbedarf, was die Kommunikation der Neuerungen betrifft. Und andererseits ein Problem mit der ernsthaften Beschäftigung mit der teilzentralen Reifeprüfung an den Standorten. Die Motivation, sich genau mit der neuen Matura auseinanderzusetzen, ist noch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Woran liegt das?
Die Schule ist noch stark determiniert von Verordnungen und Erlässen. Was da nicht drinsteht, dessen Existenz wird angezweifelt. Dieses Problem haben wir auch bei der neuen, teilzentralen Reifeprüfung: Da gibt es zwar seit dem Jahr 2010 ein Gesetz, aber die Verordnung dazu noch nicht. Diese wird aber in Kürze kommen. Zusätzlich verstärken wir die Fortbildungsmaßnahmen.

Der Druck auf Sie, den Starttermin der Zentralmatura zu verschieben, steigt dennoch.
Wir haben uns ganz bewusst auf das Projekt eingelassen – und alles ist auf Schiene. Mir ist Termintreue wichtig. Sonst ist die Luft draußen.

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84 Kommentare
 
12 3
Gast: Education Blackview
25.03.2012 21:02
2 0

Genial!!!!


Ein genialer Vorschlag - ja ein Schachzug gegen die Faulheit und die Unbeweglichkeit der Lehrer und den Beton der Gewerkschaft. So kann man den Neugebauer ausschalten. Schließlich kann der Neugebauer nicht mit unzähligen Direktoren über die Arbeitszeit verhandeln.
Genial!
Und die Schulen werden sich mit der Arbeitszeit der Lehrer konkurrieren!

WIR SIND DAS GYMNASIUM XXX, BEI UNS SIND DIE LEHRER 40 WOCHENSTUNDEN IN DER SCHULE ANWESEND.

Das kommt sicher gut und wird die Lehrer motivieren, noch besser zu werden.

WIR SIND DAS GYMNASIUM XXX UND BEI UNS KÖNNEN IHRE KINDER AUCH IN DEN FERIEN BETREUT WERDEN. SCHICKEN SIE IHRE KINDER ZU UNS, DENN IM GYMNASIUM YYYY GIBT ES KEINE BETREUUNG, DORT WOLLEN DIE LEHRER 9 WOCHEN FERIEN HABEN.

Genial.

Alle Lehrer werden MEHR ARBEITEN WOLLEN. Denn an der Schülerzahl hängt auch der Arbeitsplatz. So wird es dann auch bald eine 24 Stundenbetreuung und gratis Nachhilfeunterricht geben.

WENN IHRE KINDER ZU UNS KOMMEN, DANN ERHALTEN SIE NACHHILFE BIS SIE WIRKLICH
A L L E S VERSTANDEN HABEN. VOKABEL ABPRÜFEN, GEOGRAPHIE LERNEN, BIOLOGIE PAUKEN - ALLES KEIN PROBLEM FÜR UNSERE JUNGEN KOLLEGEN.

Genial, Frau Minister. Alles wird besser werden. Ist diese geniale Idee wirklich von Ihnen?

UND WIE WERDEN SIE AUF DAS KOMMUNALE BURNOUT DER (JUNGEN) KOLLEGEN REAGIEREN?

4 0

ich stelle es mir lustig vor..

wenn der direktor die stundenzahl bestimmen darf. mit dem lehrerkumpel sitzt er dann beim bier und die ungeliebten deppen halten den unterricht. ich glaube, ohne studiert zu haben, kann man solchen unfug nicht erdenken. hoch lebe die bildung und ihre titelsüchtigen! frau schmied, wo haben sie promoviert? in der parteizentrale?

Es lebe die Kommunalkredit und alle..........


Gast: dresareg
25.03.2012 10:59
6 0

Veränderungen

Wenn die Schule schon reformiert wird, dann bitte gleich anständig!
Lehrer werden an den Universitäten und Hochschulen dazu ausgebildet, Kindern etwas beizubringen. Im Berufsalltag müssen sie jedoch noch zahlreiche andere Aufgaben übernehmen (Mediator, Erzieher, Berater in verschiedenen Angelegenheiten, Manager,...), die früher zum Großteil noch Sache der Eltern, Verwandten oder Freunde der Schüler waren. Diese Veränderungen wurden bis jetzt kaum berücksichtigt, weder in der Ausbildung, noch im Dienstrecht, noch in der Schularchitektur.

wochenarbeitszeit

um weiteren schaden für das land und das bildungssystem abzuwenden, bin ich für eine 0-stundenwoche für die ministerin.

Gast: 2Cent
25.03.2012 08:54
4 0

Schon wieder!

Wenn uns nichts mehr einfällt, schieben wir die Verantwortung jemand anderem zu und nennen das Autonomie.

Gast: dirge
25.03.2012 08:35
4 0

die kommunalbildungskatastrophe geht munter weiter

bin gespannt, ob über 2013 hinaus.

Gast: Tornado
24.03.2012 18:33
4 1

weltfremd!

Sg Fr Minister!
In meiner BHS inWien gibt es seit 20 Jahren MEHRERE LehrerInnen, die kommen und gehen wann sie wollen, und noch NIE unterrichtet haben.

Und seit genau dieser Zeit a) weiss das der SSR Wien und b) die Direktion und NIEMAND tut was dagegen.

Ein Direktor kann genau NULL anschaffen, sonst steht sofort der Dienststellenausschuss in seinem Zimmer, der alles verhindert - auch die Karrierer des Direktors.

Aber ohne einen Anruf in der Parteizentrale traut sich ein Wiener Direktor nicht mal alleine aus Klo.

no wos sogst jetzt Chefin?

Antworten Gast: Claudia S.
24.03.2012 20:34
2 0

Re: weltfremd!

Anzeige erstatten.

Gast: Wovon redet sie?
24.03.2012 18:06
6 0

Diese Frau hat absolut keine Ahnung.

Seit über einem Jahrzehnt wird von den Schuldirektoren an den Pflichtschulen jede Arbeitsleistung über die reine Unterrichtszeit hinaus in die Arbeitsverpflichtung eingerechnet. Ganz wie es im Gesetz steh. Und seit vielen Jahrzehnten ist es die ausdrückliche Pflicht aller Direktoren ihre Lehrer genau nach deren Fähigkeiten optimal einzusetzen. Niemand sonst hat das je bestimmt.

Die Zocker wissen alles besser -

und das ohne Ausbildung und Berufserfahrung.

Antworten Gast: Trollblume
25.03.2012 09:02
0 7

Re: Die Zocker wissen alles besser -

Als Managerin hat sie sehr wohl Erfahrung. Und je mehr ihr zuarbeiten abstatt dagegen, desto besser wird die Reform werden. So einfach sehe ich das.

12 0

Ja, wie in der Kommunalkreditbank - keiner kennt sich

aus und alle zahlen drauf.
Schettino Schmied.........

Das halbe Jahr frei ... eben

Privilegien für treue Untertanen und Helfershelfer der Grokonellen!

Klugschei*er in die Schulen!


Gast: Ceterum
24.03.2012 12:19
3 1

Pseudodemokratie

In diesem Land dürfen die Bürger nicht über ihre Angelegenheiten selbst entscheiden, das wäre ja echte Demokratie. Sie werden zu Rate gezogen ("Volksbegehren...!?"), wenn die Politikerinnen und Politiker Angst davor haben, Entscheidungen zu treffen. Dasselbe gilt für Herrn Darabos.

Antworten Gast: Trollblume
25.03.2012 09:03
0 1

Re: Pseudodemokratie

Die Eltern wollen die NMS, ob es uns gefällt oder nicht.

1 0

Re: Re: Pseudodemokratie

Bis sie draufkommen, was da gespielt wird. In der Stmk ist sogar der LSR Präsident enttäuscht über die schlechte Annahme der NMS, denn die Gymnasien boomen wie nie zuvor.

Gast: wireles
24.03.2012 12:18
1 0

die spö arbeitet an der demontage der sozialpartnerschaften und fördert die willkür und günstlingswirtschaft- auch die korruption wird mit solchen supekten vorhaben "wer hat den chef am liebsten" auch gefördert.


Gast: Zeiner
24.03.2012 12:08
9 0

Lehrer Arbeitszeit

Es wird immer nur über die Unterrichtszeit gesprochen. Wer macht Stundenpläne, wer ist für das Lehrpersonal zuständig, wer koordiniert das Hauspersonal, wer administriert die IT-Infrastruktur, auch die Lehrer mit Werteinheiten, die wie Unterrichtsstunden abgegolten werden und damit dem Lehrer in der Klasse fehlen.
Diese Stunden sind könnten in vielen Fällen von Nichtlehrpersonal übernommen werden, so nebenbei wird das auch in anderen EU-Ländern praktiziert.
Lehrer sollten nur den pädagogischen Bereich in der Schule abdecken. Ca. 10% der Lehrerarbeitszeit verschwindet in Verwaltungsaufwand. Warum wird das nicht aufgegriffen. Ihr Zeiner

Re: Lehrer Arbeitszeit

Absolut richtig! Schulleiter und Administratoren in großen Pflichtschulen werden so zu teuren SekretärInnen! Nicht-Lehrern bürokratische und verwaltungstechnische Aufgaben zu übertragen wäre billiger und effektiver, da so die Leitung einer Schule sich mehr um das pädagogische Weiterkommen kümmern könnte.

In Gymnasien längst umgesetzt, warum also nicht auch in großen Volks-, Haupt- bzw. Mittelschulen, etc ??

MfG

12 0

Höhe der Lehrverpflichtung?

Wenn diese Dame im Ministerium wirklich meint, dass Direktoren die Höhe der Lehrverpflichtung nach Gutdünken selber bestimmen, dann ist das an Hirnrissigkeit nicht mehr zu überbieten. Es wird der Willkür, der Freunderlwirtschaft, der Korruption und dem Frust der Lehrer immenser Vorschub geleistet. Wenn diese SPÖ-dominierte Schulpolitik ein Ende hat und diese Ministerin zur Verantwortung gezogen wird (Schuldesaster, Kommunalkredit), gehe ich trotz "alter" Füße nach Mariazell.

Gast: strelizie
24.03.2012 11:55
3 1

Am grünen Tisch

ist die Realität meist weit entfernt. Wer weiß, wie schwierig es ist, Lehrer für "Zusatzaufgaben" zu gewinnen, wird diese nur unterbringen, wenn sie dafür WENIGER im Klassenzimmer stehen müssen.
Ihr Stundenplan ist ihnen heilig - sie wollen genau so wenig nachsitzen wie ihre Schüler und ist es ihnen wichtig, pünktlich aus der Schule zu kommen. Frau Schmid sucht immer Lösungen, die die Verantwortung aus dem Ministerium in die Schulen verlagert. Schon das Ansinnen, nachdem jetzt über Jahre Schulautonomie und Schulen mit Fachschwerpunkten (sprachl. Gymn., naturwissenschaftl. Gymn. wirtschaftl. Gyn.) gepredigt wurden und jetzt bei der Matura auf einmal wieder alle dasselbe können müssen, zeigt, wie schwachsinnig bei uns Bildungspolitik betrieben wird. Dem Konkurs der Kommunalkredit folgt der Konkurs der Bildung auf dem Fuße - in den Fußstapfen der Frau Schmid.

wenn man bedenkt, dass die Schulverwaltung

ungefähr gleich so viel kostet, wie die Lehrer in den Klassen, dann sollte es auch dem Dümmsten einleuchten, dass ZUERST die gscheite Verwaltung reformiert werden muss.

Aber dieser Koloss, wo viele sitzen, die 2 Linke haben, aber das richtige Parteibuch, reformiert sich nicht von selber.
Da gehört einmal geschaut, was man überhaupt nicht braucht.

Warum schaffen es so viel "Gscheite" nicht, Schulmaterialien zur Verfügung zu stellen, die neuesten Erkenntnissen entsprechen?
Warum gibt es Schulen die derart herabgekommen sind, und wo Lehrer nicht einmal einen eigenen Schreibtisch haben.
Von der Computerausrüstung ganz zu schweigen. Da werden ja jede menge Computer weggeschmissen, die wesentlich moderner sind.
Betreibe gehören nicht von einem Wasserkopf umgestaltet, sondern vor Ort kann sinnvoll verändert werden.
Und wo bleiben die Gscheiten, die hinter Schmied stehen, wagt Euch einmal vor den Vorhang und zeigt, was ihr praktisch drauf habt.


Antworten Gast: Trollblume
25.03.2012 09:07
1 1

Re: wenn man bedenkt, dass die Schulverwaltung

ähm. In keiner Schule haben die Lehrer Schreibtische.

Antworten Gast: LSI
24.03.2012 19:40
2 1

Re: wenn man bedenkt, dass die Schulverwaltung

Was verstehen Sie unter Schulverwaltung? Die Kosten für das, was normalerweise darunter verstanden wird, sind ein Bruchteil der SUmmen, die für den Unterricht aufgewendet werden.

 
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