Schmied: Direktoren sollen über Lehrerarbeitszeit bestimmen

Ministerin Claudia Schmied über die „40-Stunden-Woche“ der Lehrer, mehr Kompetenzen für Schulleiter und den Unwillen zur Zentralmatura.

Schmied Direktoren sollen ueber
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Schmied Direktoren sollen ueber
(c) REUTERS (LISI NIESNER)

Die Presse: Zum Einstieg eine Schätzfrage: Wie viele Stunden arbeitet ein Lehrer durchschnittlich pro Woche?
Claudia Schmied:
Das ist genau der Punkt. Wenn wir über die Arbeitszeit von Lehrern sprechen, sprechen wir immer verkürzt von Unterrichtszeit. Das Bild besteht immer noch: Ein Lehrer, ein Fach, 50 Minuten. Da ist aber noch viel, viel mehr – es gibt Schulentwicklungsprojekte, wir reformieren die Oberstufe, wir führen eine neue Matura ein. Wir müssen also zu einer komplett neuen Arbeitszeitbetrachtung kommen.

Und in dieser neuen Betrachtungsweise: Wie viel arbeiten die Lehrer da Ihrer Ansicht nach pro Woche?
Es lässt sich bei den meisten wohl genauso auf eine 40-Stunden-Woche umrechnen wie bei vielen anderen Arbeitnehmern.

Der Tenor der Lehrerschaft ist ein ganz anderer: Die meisten klagen, sie seien überlastet und die von der Regierung im Zuge des neuen Dienstrechts geforderte Mehrarbeit sei nicht möglich.
Es ist zu früh, um zu sagen, dass irgendetwas nicht möglich ist. Ich glaube durchaus, dass es in manchen Bereichen zur Überforderung der Lehrer kommt. Etwa durch die Erziehungsarbeit, die immer mehr von den Eltern zu den Lehrern verlagert wird. Die Frage des neuen Dienst- und Besoldungsrechts wird sein, wie wir die Arbeitszeit besser verteilen. Und die administrative Belastung zurückdrängen.

Finanzministerin Maria Fekter hat im November vorgeschlagen, junge Lehrer sollten sechs Stunden länger unterrichten und nur vier Stunden davon abgegolten bekommen. Ist dieser Ansatz noch aktuell?
Nein. Wir gehen mit einem modifizierten Modell in die Klausur mit der Gewerkschaft.

Wie soll das neue Arbeitszeitmodell aussehen?
Wir benötigen natürlich weiterhin einen Schlüssel, mithilfe dessen wir berechnen, wie viele Lehrer an einer Schule benötigt werden. Darüber hinaus spreche ich mich für den Einsatz im Klassenzimmer aber für eine Art Bandbreitenmodell aus. Warum soll es nicht an den Schulleitern liegen, den Personaleinsatz im Detail zu planen?

Vereinfacht gesagt: Die Direktoren sollen festlegen, wie viele Stunden ein Lehrer unterrichtet.
Ich denke, das würde die Managementfunktion und Verantwortung des Direktors untermauern. Und gleichzeitig zu noch mehr Motivation bei den Lehrern führen. Für jeden Lehrer könnten dann Einsatzgebiete gefunden werden, in denen er sich wohlfühlt. Es gibt sicher Lehrer, die sich im Teamteaching besonders gut fühlen. Es gibt Lehrer, die sind im Coaching für die Oberstufe besonders gut ausgebildet. Und dann gibt es welche, die gern und gut die Nachmittagsbetreuung übernehmen. Ich möchte eine Mischung: einerseits Klarheit in der Ressourcenzuteilung für den jeweiligen Schulstandort – andererseits den flexiblen Einsatz der Lehrer durch den Direktor. Das gehört mit zu einer effektiven Führung moderner Schulstandorte.

In letzter Konsequenz kann das aber dennoch bedeuten, dass so mancher Lehrer künftig mehr Unterrichtsstunden leisten muss als bisher?
Ich weiß schon, dass Sie das jetzt gern hören würden. Aber ich führe sicher keine Stundendebatte. Das hatten wir bereits. Und die Debatte verlief fruchtlos.
 
Können Sie garantieren, dass junge Lehrer am Monatsende künftig mehr Lohn auf dem Konto haben?
Das ist das erklärte Ziel aller. Ich möchte unsere Modelle jetzt aber zuerst in allen Facetten mit den Sozialpartnern besprechen.

Sie haben angekündigt, bei der Klausur mit der Gewerkschaft abzuklären, „ob es geht oder nicht“. Was soll das heißen? Wenn die Gewerkschaft dagegen ist, gibt es dann kein neues Dienstrecht?
In der Theorie wäre ein modernes Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrer auch ohne die Zustimmung der Gewerkschaft möglich. Ich betone: in der Theorie. Ich gehe nicht davon aus, dass es so weit kommt.

Lässt sich die Reform kostenneutral umsetzen?
Wenn ich überlege, wie viele Lehrer in den kommenden Jahren in Pension gehen, kann ich uns nur zurufen: Jetzt oder nie! Das neue Dienstrecht wird ein Jahrhundertprojekt für die nächste Generation. Und daher bin ich auch froh, dass wir in der Regierung entschlossen sind. Ohne die Finanzministerin hätte ich die Gespräche auch gar nicht gestartet.

Zur Zentralmatura: Sie behaupten, alles sei gut vorbereitet. Viele Lehrer sagen das Gegenteil. Wer spricht die Unwahrheit?
Es sagt niemand bewusst die Unwahrheit. Es gibt einerseits wohl noch Aufholbedarf, was die Kommunikation der Neuerungen betrifft. Und andererseits ein Problem mit der ernsthaften Beschäftigung mit der teilzentralen Reifeprüfung an den Standorten. Die Motivation, sich genau mit der neuen Matura auseinanderzusetzen, ist noch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Woran liegt das?
Die Schule ist noch stark determiniert von Verordnungen und Erlässen. Was da nicht drinsteht, dessen Existenz wird angezweifelt. Dieses Problem haben wir auch bei der neuen, teilzentralen Reifeprüfung: Da gibt es zwar seit dem Jahr 2010 ein Gesetz, aber die Verordnung dazu noch nicht. Diese wird aber in Kürze kommen. Zusätzlich verstärken wir die Fortbildungsmaßnahmen.

Der Druck auf Sie, den Starttermin der Zentralmatura zu verschieben, steigt dennoch.
Wir haben uns ganz bewusst auf das Projekt eingelassen – und alles ist auf Schiene. Mir ist Termintreue wichtig. Sonst ist die Luft draußen.

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