Unterrichtsbeginn um 9 Uhr: Keine seriösen Studien

12.04.2012 | 15:27 |   (DiePresse.com)

Die Tagesmüdigkeit dürfte weniger von der Aufstehzeit als von der Schlafdauer abhängig sein, heißt es von der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde.

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In der laufenden Diskussion um einen späteren Unterrichtsbeginn in den österreichischen Schulen haben sich am Donnerstag die Österreichischen Kinderärzte zu Wort gemeldet: Aufgrund fehlender seriöser Studien könne aus kinder- und schlafmedizinischer Sicht keine seriöse Empfehlung einer generellen Verschiebung des Unterrichtsbeginns nach hinten gegeben werden, so Reinhold Kerbl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) in Graz.

"Ein späterer Schulbeginn kann seriös nach der derzeitigen Datenlage nicht generell empfohlen werden, denn für eine Empfehlung fehlen umfangreiche, europaweite Studien, vor allem an Kindern im Volksschulalter, die auch kulturelle und sozioökonomische Unterschiede berücksichtigen", so Kerbl in der Mitteilung. Der am LKH Leoben tätige Pädiater steht auch der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung als Präsident vor. Um die Frage für die "beste" Unterrichtsbeginnzeit für österreichische Verhältnisse wissenschaftlich fundiert zu beantworten, seien "umfassende Feldstudien" in Zusammenarbeit mit ausgewählten Schulen und öffentlichen Institutionen durchzuführen, so Kerbl.

Aus Kerbls Sicht gibt es mehrere Ursachen, warum viele Schüler mitunter über Tagesmüdigkeit klagen oder Schwierigkeiten haben, in der Früh aufzustehen: Eine im Jahr 2001 an Wiener Kindern im Alter zwischen 11 und 15 Jahren zur Häufigkeit von Schlafstörungen habe beispielsweise ergeben, dass die Tagesmüdigkeit weniger von der Aufstehzeit als von der davor liegenden Schlafdauer abhänge. Daraus ergebe sich, dass eine frühere Zubettgehzeit den gleichen Effekt wie ein späteres Aufstehen habe. "Außerdem gibt es bei Erwachsenen auch bei Kinder und Jugendlichen 'Lerchen' - also Frühaufsteher - und 'Eulen', Spätaufsteher". Der optimale Zeitpunkt des Unterrichtsbeginn sei "für jedes Kind individuell unterschiedlich", vermutet Kerbl.

In seinem neuen Buch "ich habe es nicht gewusst" hat Autor Andreas Salcher im Hinblick aus die schlechtere Leistungsfähigkeit mancher Schüler zu früher Stunde die Verschiebung des Unterrichtsbeginn an Österreichs Schulen um eine Stunde nach hinten angeregt. Die Meinungen von Eltern, Lehrervertretern, Gesetzgeber, Vertreter aus den Ländern und nicht zuletzt der Verkehrsbetriebe dazu sind gespalten.

(APA)

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14 Kommentare
Gast: Br2012
13.04.2012 13:31
0

früher schlafen gehen

Der eine ist ein Morgenmensch, der andere nicht. Das wird man wohl immer haben. Im Durchschnitt ist ein Arbeitsbeginn um 8 Uhr wohl durchaus realistisch. Die einfache Konsequenz: früher schlafen gehen und weiterhin um 8 Uhr anfangen!

Wenigstens ein Vernünftiger

"...eine frühere Zubettgehzeit hat den gleichen Effekt wie ein späteres Aufstehen..."

Wie man sieht, reicht der normale Hausverstand, um die Salchers und Schilchers ins Leere laufen zu lassen.

Re: Wenigstens ein Vernünftiger

in vielen Familien geht es aber abends chaotisch zu gerade wenn die Eltern wie heutzutage lange arbeiten - da wird sich wohl kaum ein Kind sobald die Eltern nachhause kommen gleich ins Bett schicken lassen - abgesehen davon erschweren es neue Medien den Kindern die diese gern in Anspruch nehmen auch, früh Bettruhe zu finden

Antworten Gast: Br2012
13.04.2012 13:57
0

Re: Wenigstens ein Vernünftiger

Dem muss ich wiedersprechen. Zeitmäßig natürlich richtig aber welcher Schüler hat am Abend noch die Motivation was zu Lernen?

Re: Re: Wenigstens ein Vernünftiger

wenn ich meine Schüler/innen so befrage, dann einige - gerade unter dem Zeitdruck, am folgenden Tag etwas abgeben zu "müssen" oder einen Test zu haben, wird ganz gerne abends und auch nachts gepaukt

Gast: so ein schmarrn
13.04.2012 06:37
2

Der Herr Salcher gibt's vor und alle hüpfen drauf!

Der (selbsternannte) Herr Salcher wendet sich nach "Expertisen" für Sterben und andere Dinge dem Schulwesen zu und hat gleich wieder eine neue (in Wahrheit schon alte) Idee ausgegraben:
Die Schule beginnt um 9 Uhr statt um 8 Uhr.
Welch revolutionäre Weisheit des angeblichen Schulexperten!
Und welch ein Schmarrn!
In Wien ginge es vielleicht, aber auf dem Land ist keine Chance, dass der Zug oder der Bus nur wegen der Ideen des Herrn Salchers eine Stunde später fahren.
D.h. die Kinder säßen eine Stunde (beaufsichtigt oder nicht ??) in den Klassen herum, ohne Unterricht zu haben, "dürfen" dafür dann aber auch eine Stunde später nach Hause fahren - so sie (auf dem Land) dann auch einen Zug oder Bus haben.

Naja, aber so etwas kommt halt heraus, wenn man "Schulexperte" zu sein glaubt, ohne einen Schimmer davon zu haben, wie Schulen eigentlich organisiert sind!

Gast: Gasttt
13.04.2012 00:58
0

Kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten:

War (und bin) immer noch ein ausgeprägter "Morgenmuffel"; in der Früh hundemüde und in der Nacht hellwach. Irgendwelche wichtigen Dinge wie z.B.: Schularbeiten in die erste Stunde zu legen, war mir ein Gräuel: das Ergebnis war konsequent ca. eine Note unter dem, was ich sonst in dem Fach so schrieb. Insbesondere Mathe-Schularbeiten waren ein Horror; die Gedankengänge stimmten zwar, aber da wurde plötzlich aus dem Plus ein Minus und das Hoch 2 war weg...

Re: Kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten:

Früher schlafen gehen und fertig!

Gast: Buffy441
12.04.2012 19:15
4

die verdienen ja ihr geld

mit so einem blödsinn, mein gott das einzige was ich aus meiner schulzeit erfahrung für sinnvoll halte ist kein Turnen in der ersten Stunde, aber alles andere gerne, wir hatten Schularbeiten in der ersten Stunde und jeder Einser beweist das die 5er nur zu faul zum lernen waren oder von den Eltern net rechtzeitig ins bett geschickt werden, mit 6 bis 10 bin ich freiwillig schon um 5 aus dem Bett und hab brav und leise gespielt um die Mama nicht zu wecken, wo kann man da von späterem Schulbeginn reden.

Frei nach Filzmeier; "Die österreichische Seele ist für Veränderung, wenn gefälligst Alles beim Alten bleibt!"


Antworten Gast: ganau
12.04.2012 22:36
0

Re: Frei nach Filzmeier; "Die österreichische Seele ist für Veränderung, wenn gefälligst Alles beim Alten bleibt!"

genau haha - is net immer schlimm

späterer Unterrichtsbeginn

ist mit der Arbeitszeit der Eltern vielfach nicht umsetzbar- aber vielleicht sollte mit einer Enführungsstunde über den Stoff des Tages in der ersten Stunde beginnen

Re: späterer Unterrichtsbeginn

Das würde bedeuten 5 Wochenstunden mehr. Ist also Unsinn.

was unsere bildungsexperten

von sich geben, ist studie genug.

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