Bildungsvolksbegehren: So sollen Gesetze aussehen

16.04.2012 | 12:44 |   (DiePresse.com)

Die Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens haben neun Empfehlungen abgegeben. Für Hannes Androsch entscheidende Voraussetzungen, um "unser Bildungssystem ins 21. Jahrhundert" zu bringen.

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Konkrete Gesetzesinitiativen wünschen sich die Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens als Ergebnis des eigens eingerichteten Sonderausschusses. Wie diese Gesetzesvorschläge aussehen sollten und könnten, haben die Proponenten gleich selbst am Montag zu Beginn der nunmehr zweiten Ausschussitzung im Parlament vorgestellt. Jeweils neun Empfehlungen zu den zwei Themenblöcken auf der Tagesordnung - pädagogischen bzw. organisatorischen Schwerpunkten - wurden formuliert und den Abgeordneten vorgelegt.

In Anlehnung an die Forderungen nach einer gemeinsamen Schule sowie einer Ganztagsschule standen am Montag brisantere Themen als zuletzt die Frühpädagogik am 1. März auf dem Programm. Für den Initiator des Volksbegehrens, Ex-SP-Vizekanzler Hannes Androsch, bieten die zwei Blöcke zu Rahmenbedingungen daher "entscheidende Voraussetzungen", um "unser Bildungssystem wirkungsvoll ins 21. Jahrhundert" zu bringen.

Aus ebendiesen Forderungen haben die Proponenten rund um Androsch und VP-Bildungsexperten Bernd Schilcher jeweils "neun Empfehlungen für Gesetzesinitiativen formuliert, die wir uns vorstellen könnten". Im Zeitraum 2013 bis 2020 soll etwa der Fokus in der Lehrer-Ausbildung auf Begabungserkennung und Förderung gelegt werden, während Unterricht und Erziehung im selben Zug "vollständig modernisiert" werden müssen, so Schilcher. Eine "noch in dieser Legislaturperiode einzuleitende" Initiative betrifft jene 75.000 jungen Menschen ohne Schulausbildung, für die etwa das Nachholen von Berufsschulabschlüssen auch ohne Lehrvertrag und eine Aufstockung von Ausbildungsplätzen in Jugendwerkstätten nötig sei.

Ganztagsschule als Regelschule

Ebenfalls gefordert: Ganztagsschulen als Regelschulen flächendeckend bis 2020, Verringerung des Anteils an "frühen Schulabgängern" von derzeit 8,9 Prozent auf 5,1 Prozent bis 2020 sowie eine Erhöhung der Hochschulfinanzierung auf zwei Prozent des BIP bis 2016. Als "ersten Schritt" zur gemeinsamen Schule behandelt eine Empfehlung die "Verlängerung der gemeinsamen Volksschule bis zum Ende des 12. Lebensjahres", der später "die Verschmelzung mit den Hauptschulen bzw. Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen" folgen soll.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) meint etwa bei früher Talenteförderung und der Schaffung von Ganztagsschulen Forderungen zu erkennen, "die in hohem Ausmaß auch unseren bildungspolitischen Zielen" entsprechen. Für diese Ziele sei "Ideologisches auf die Seite" geräumt und "ein pragmatischer Ansatz" gewählt worden, so ihr Gegenüber, Bildungssprecher Werner Amon vom Koalitionspartner ÖVP. Dieser forderte - wie schon in der Montag-Ausgabe der Tageszeitung "Österreich" - zunächst noch in dieser Legislaturperiode eine "sanfte Reform" der Volksschule hin zu einer "zentralen Sprachschule". Neben den Kulturtechniken Schreiben, Lesen und Rechnen solle das Erlernen von Mutter-, Unterrichts- und Fremdsprache im Mittelpunkt stehen. "Die Sprache ist zentrales Element, um sich in einem Kulturkreis Bildung aneignen zu können", so Amon.

Lehrer-Ausbildung

Am Nachmittag sollen bei der dritten halbtägigen Sitzung u.a. die neue Lehrer-Ausbildung sowie Aspekte der Schulverwaltung diskutiert werden. Vonseiten der Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens werden hierzu Gesetzesinitiativen zur Bundeskompetenz für vorschulische Einrichtungen, Abschaffung der Bezirksschulräte, Fusionierungen von Landesschulräten mit Schulabteilungen der Länder zu "Bildungsdirektionen" sowie volle Schulautonomie vorgelegt. Ein einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht für Pädagogen soll, geht es nach den Wünschen der Initiatoren, bis spätestens Dezember 2014 durchgesetzt werden, eine neue Pädagogen-Ausbildung auf universitärem Niveau bis spätestens Dezember 2013 stehen. Als "Wächter über die Kernaufgabe des gesamten Bildungssystems" wird indes der sofortige Einsatz eines "Bildungsrates" als "unabhängiges Beratergremium" gefordert.

Die künftig bei Sitzungen getroffenen Konsensmaterien sollen nach einem Vorstoß von Grünen-Bildungssprecher Harald Walser fortan im Rahmen von Fraktionsführertreffen unmittelbar nach den Ausschusssitzungen besprochen und festgeschrieben werden. Es habe diesbezüglich zwar, anders als von Walser im Vorfeld angegeben, "keine Vereinbarung, sondern nur Anregungen von mir" gegeben, so der Ausschussvorsitzende Elmar Mayer (S). Aufgrund der "breiten Zustimmung" aller Bildungssprecher stehe dem aber - außer etwaigen Terminproblemen - nichts im Wege.

(APA)

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4 Kommentare
Gast: dirge
17.04.2012 14:13
0

typen aus der kreiskyära

geistern auch noch überall herum.

Gast: Titanic 100
16.04.2012 17:40
0

Chaos

Das wird einChaos geben. Die Schüler werden also bis 12 Jahre in der Volksschule gehalten. Das stelle ich mir sehr lustig vor:

- Viel zu wenig Volksschullehrer. Werden die
Hauptschullehrer dann in der Volksschule
unterrichten? Oder wird der Volksschullehrer
Unterricht in English und Mathematik geben?
- Wird es einen Lehrplan geben, oder werden die
Kinder für den Start der Eintopfschule
"geopfert"?
- Werden die Leistungen besser werden?????

- In der Hauptschule und im Gymnasium wird es
zu wenige Stunden geben. Will man zuerst die
AHS aushungern und die Gymnasiallehrer für die
Eintopfschule gefügig machen????

- Unterricht auf den für Volksschüler konzipierten
Tischen und Stühlen ist unergonomisch und
gesundheitlich bedenklich.
- Turnen in den für Volksschüler konzipierten viel
zu kleinen Turnsälen und Turngeräten erhöht die
Verletzungsgefahr.

(......) Es gäbe noch zig Gründe gegen diese Vorgangsweise.

Wenn das durchgeführt wird, dann schicke ich meine Kinder in die PRIVATSCHULE.


Heureka

Endlich hat einer in der Bildungspolitik erfasst, wo die Wurzel des Übels liegt: in der Primarschule!
Das Herumwurschteln auf der Sekundarstufe hatte ja den Vorteil:
o dass sich Schilcher's ohne Zahl wichtig machen konnten,
o dass genügend Zeit zur Verfügung stand, die Lobpreisung einer Gesamtschule (die Volksschule ist der Urtyp der Gesamtschule) zu singen, ohne zu merken, dass die Volksschule in dieser Form der Führung der Grund für das Versagen in der Sekundarstufe liegt.
Wohlan! Beginnen wir doch sofort mit der Analyse der Fehlleistungen und vor allem der Erfolge der Volksschule! Und bitte nicht vergessen, dass Reformen auch was kosten.
Die leergebrannte Finanzwüste im Unterrichtsministerium macht mich sehr hoffnungsfroh!

Heureka!


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