Brandsteidl: NMS für Wien nur ein "Uraltmodell"

Wien hat eine lange Tradition der Schulversuche. Nun wird trotzdem auf die NMS umgestellt. Allerdings nicht, weil diese besser sei, sagt Stadtschulrats-Präsidentin Brandsteidl.

Brandsteidl fuer Wien Uraltmodell
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Brandsteidl fuer Wien Uraltmodell
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Mit dem Schuljahr 2012/13 bekommt Wien neben der AHS-Unterstufe, der Wiener Mittelschule (WMS) und der Kooperativen Mittelschule (KMS) vorübergehend eine vierte Schulform für Zehn- bis 14-Jährige: Die Neue Mittelschule (NMS), in der Kinder mit und ohne AHS-Reife gemeinsam unterrichtet werden und die bundesweit bis 2018/19 die Hauptschule ersetzen soll. Sie ist aus Sicht der Bundes-SPÖ ein Zwischenschritt zur Gesamtschule. Für Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) ist die NMS allerdings "nichts rasend Neues, wenn es daneben noch die AHS gibt". Für Wien mit seiner "langen Tradition der Schulversuche" sei die NMS ein "Uraltmodell der Siebziger".

Mehr Geld für NMS

Wien wird zwar seine KMS - so heißen die ab den 1970ern reformierten Hauptschulen - in den nächsten zwei Jahren zwar ebenfalls umstellen. Immerhin gebe es dafür zusätzliche Ressourcen (sechs Wochenstunden pro Klasse) und keinen Grund, sich dem Bundesmodell mit seiner Individualisierung des Unterrichts justament zu verschließen. "Aber wir weisen immer darauf hin, dass es keine wirkliche gemeinsame Schule ist, weil die wirkliche gemeinsame Schule das Wiener Modell ist."

Und dieses will Brandsteidl auch weiter ausbauen: In jeder neuen AHS wird die Unterstufe als WMS geführt, auch unter bestehenden AHS sieht sie potenzielle Interessenten: Immerhin gebe es derzeit in einigen Bezirken "Gesamtschule ohne Förderung", etwa im 13. oder 19. Bezirk, wo 70 Prozent der Volksschüler ins Gymnasium gehen - "dass da alle so viel gescheiter sind als in Simmering, glaube ich nicht". Auch AHS, die mit Schülermangel kämpfen, sind potenzielle Interessenten. "Man denkt dann über neue pädagogische Konzepte nach, wenn es einen Grund gibt."

"Gemeinsame Sekundarstufe I ohne AHS unglaubwürdig"

Bundesweit könne die NMS als Schritt in Richtung einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen gesehen werden. "Das mag für andere Bundesländer zutreffen, die noch nie eine gemeinsame Form der Sekundarstufe I gehabt haben - und das sind viele." Immerhin gebe es in vielen Gemeinden keine AHS, wenn dort die Hauptschule zur NMS mit ihren zusätzlichen Ressourcen umgestellt werde, "dann ist das für die Region ein pädagogischer Fortschritt. Aber wir haben hundert AHS in Wien. Wenn wir eine gemeinsame Sekundarstufe I auf die Beine stellen wollen, kann das nicht ohne AHS sein, sonst ist das unglaubwürdig", so Brandsteidl.

NMS bringt für Wien nicht viel Neues

Auch pädagogisch bringe die NMS für Wien nicht viel Neues, immerhin gebe es etwa Teamteaching, bei dem zwei Lehrer in den Hauptfächern unterrichten, an den KMS ohnehin schon. In Wien sollen die zusätzlichen Ressourcen deshalb für Sprach- und Leseförderung eingesetzt werden.

In Wien wurde der je nach Bundesland sehr unterschiedlich ausgebildete Schulversuch NMS im Schuljahr 2009/10 unter dem Titel "Wiener Mittelschule" gestartet, bei dem ausreichende Beteiligung von Gymnasien als Losung ausgegeben wurde. 14 KMS und sechs AHS wurden damals auf WMS umgestellt, mangels Interesse von AHS folgten später nur zwei weitere Standorte, darunter eine AHS. Bei den WMS können etwa ganze Volksschulklassen unabhängig von der AHS-Reife der Schüler geschlossen übertreten. Betreut werden sie von sogenannten Nahtstellenlehrern, in der ersten Klassen von einer Volksschullehrerin, in der vierten Klasse von Lehrern an AHS oder berufsbildenden Schulen. Unterrichtet wird in einem Kurssystem.

(APA)

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