Die Mängel der Freizeitpädagogik Ausbildung

06.05.2012 | 19:57 |   (DiePresse.com)

Die ersten Teilnehmer des Lehrgangs „akademischer Freizeitpädagoge" klagen über rechtliche Unsicherheiten und ungewisse Bezahlung. Der Lehrgang startete auch an vier weiteren Institutionen.

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St. Pölten. Der Hörsaal an der Pädagogischen Hochschule (PH) Niederösterreich ist gut gefüllt. Platz genommen haben diesmal aber nicht die „gewöhnlichen" Lehramtsstudenten, sondern ein sehr heterogenes - wenn auch weiblich dominiertes - Publikum. Von der Hausfrau bis zur Magistra der Germanistik und Romanistik; von der 18-Jährigen bis zur 52-Jährigen: Sie alle absolvieren die akademische Freizeitpädagogen-Ausbildung.

Mit ihnen soll der ehrgeizige Plan der Regierung umgesetzt werden - diese plant bis zum Jahr 2014, 55.000 Nachmittagsbetreuungsplätze zu schaffen. Angesichts des Mangels an Lehr- und Betreuungspersonal bedurfte es einer schnellen Lösung, um dieses Vorhaben auch tatsächlich umsetzen zu können. Gefunden wurde diese mit der Schaffung der Ausbildung zum „akademischen Freizeitpädagogen". Die PH Niederösterreich übernahm dabei quasi eine Pionierfunktion: Sie startete zu Jahresbeginn mit dem ersten derartigen Lehrgang. 72 Teilnehmer absolvieren diesen zweisemestrigen Kurs derzeit. Zu Beginn des Sommersemesters startete der Lehrgang auch an vier weiteren Institutionen. Dabei zeigt sich bereits jetzt, dass das dem Lehrgang zugrunde liegende Konzept einige Mängel aufweist.

► Das Personal: Laut Plan sollen sich die Freizeitpädagogen lediglich um die Betreuung der Kinder in der lernfreien Zeit kümmern. Deshalb wollte die Regierung mit der Ausbildung vorwiegend Personen ansprechen, die bereits in Sport-, Kultur- und Musikvereinen tätig sind. Durch den Ausbau der ganztägigen Betreuung würde der Zulauf zu derartigen Institutionen ohnehin geringer werden. In der Realität sieht die Situation aber anders aus. Unter den Teilnehmern des Lehrgangs an der PH Niederösterreich finden sich nur sehr wenige Vereinsvertreter. Die Kritik der Teilnehmer: Allein aus zeitlichen Gründen könnten 90 Prozent der berufstätigen Vereinsmitglieder den Kurs nicht besuchen. Absolviert wird die Ausbildung vielfach von Personen, die ohnehin bereits in der Nachmittagsbetreuung tätig sind. Sie fürchten, ohne entsprechende Qualifikation den Job bald nicht mehr ausüben zu können.

► Die Lernbetreuung: Hilfe bei Hausübungen und Unterstützung beim Lernen für Tests - das ist für Freizeitpädagogen tabu, zumindest offiziell. Der Praxis entspricht das aber nicht. Viele Kursteilnehmer, die bereits in der Nachmittagsbetreuung tätig sind, bestätigen das. Deshalb hat sich auch die PH Niederösterreich dazu entschieden, die Auszubildenden auf die Lernbegleitung vorzubereiten. So gibt es etwa einen Mathematikkurs.

► Die Aufnahmekriterien: Umstritten ist auch, welche Qualifikationen die Kursteilnehmer mitbringen sollen. Matura ist zwar formell keine Voraussetzung, das Level in den Kursen aber durchaus sehr hoch. Als Gradmesser für die berufliche Qualifikation kann das aber keinesfalls herangezogen werden. Die theoretischen Kompetenzen haben wohl nur wenig mit der praktischen Eignung zu tun.

► Der Sport: Verunsichert wurden die Auszubildenden außerdem durch divergierende Rechtsmeinungen. Je nach Interpretation - ist der Fußball ein Spiel- oder Sportgerät - ergeben sich andere Handlungsspielräume für die künftigen Freizeitpädagogen. Bei strenger Rechtsauslegung könnte das heißen, dass die Freizeitpädagogen nicht berechtigt sind, mit den Kindern Fußball zu spielen, so die Befürchtung.

► Die Bezahlung: Durch die Einführung der Ausbildung zum akademischen Freizeitpädagogen ist nicht nur der mit der Pädagogikausbildung verbundene Aufwand, sondern auch die Qualifikation der Absolventen gestiegen. Inwieweit sich das auf die Bezahlung auswirkt, ist bislang fraglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bezahlung nur teilweise dem Bund obliegt und damit nicht einheitlichen Kriterien entsprechen muss. An Landesschulen entscheiden die einzelnen Gemeinden über das Gehalt.

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7 Kommentare
Gast: uhu
09.05.2012 19:22
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Lächerlich

Das ist doch lächerlich. Hier wird ein Kurs angeboten, denn im Grunde jeder absolvieren darf und dafür darf man/frau sich dann akademischer Freizeitpädagoge nennen. Und das beste daran ist, das die Absolventen dann noch glauben werden, dass sie nun "Akademiker" sind (lol). Ein Beispiel dafür, wie absurd dieser Ausbildungszwang geworden ist und wie geil die Menschen auf schnelle Abschlüsse sind. Denn möchte man/frau sich bewusst bilden, würden diese Personen auf eine richtige Unversität gehen und die entsprechenden Fächer belegen. Aber dafür bedarf es Einsatz und das Jammern interessiert die Uni auch nicht. Abgesehen davon, dass man/frau an Unis eine Zugangsberechtigung benötigt (Matura, STBP, Berurfsreifeprüfung).

Antworten Gast: power
10.05.2012 08:22
0

Re: Lächerlich

frag mich nur, wer diese ausbildung und die studierenden so anfeindet? das nicht alles ok ist und es mängel gibt, ja, aber mit solchen argumenten aufzufahren finde ich enttäuschend- vielleicht ist es ja die unwissenheit von vielen, die nur etwas hören, aber nicht wirklich wissen-die wenigsten wissen, was für ein tolles hintergrundwissen und welche ausbildungen die teilnehmer schon mitbringen-ausserdem wird dieses eigentliche vollzeitstudium zusätzlich zur arbeit belegt- viele müssen 2 arbeiten nachgehen, weil die bezahlung in der nachmittagsbetreuung bekanntlich schlecht ist- wär mal an der zeit eine anerkennung auszusprechen und nicht mit anfeindungen und unwissenheit eine verwirrung stiften!!! lg. power

Gast: dirge
08.05.2012 07:50
0

das riecht nach einer

mängelrüge.

Gast: 1. Parteiloser
07.05.2012 14:42
0

Sind die Freizeitprädagogen Kommunisten?

Die Staatlichkeit bietet eine Ausbildung mit fragwürdigen Nutzen für die Gesellschaft an. Diese Ausbildungsmöglichkeit nutzen dann einige Menschen, welche sich davon ein schönes Posterl auf Lebenszeit versprechen. Irgendwann kommen die, noch während der Ausbildungszeit drauf, dass es vielleicht mit dem schönen Posterl auf Lebenszeit doch nicht so einfach wird. Die Verantwortung für die eigene Entscheidung zur Berufswahl wird aber nicht angenommen, man macht sofort den Staat, also die Steuerzahler, für die eigene Entscheidung verantwortlich und versucht sich die Finanzierung von den Mitmenschen zu holen. Der Staat soll ja per zusätzlicher Zwangsabgaben für die Finanzierung sorgen.

Das sind doch kranke Auswirkungen, welche einen schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Mitmenschen bedeuten müssen. Es kann doch nicht sein, dass es Verpflichtung der Österreicher zum Überlassen der Kinder und Jugendlichen an staatliche Freizeitpädagogen gibt. Das wäre ein schweres Vergehen gegen die Menschengrundrechte. Auch der dazu notwendigen Eingriff auf die Verfügungsgewalt des Erwirtschafteten des anderen Individuums wäre ein zusätzliches Vergehen gegen die Menschengrundrechte. Solche Eingriffe sind ja nur zum Aufrechterhalten der Staatlichkeit rechtlich möglich, die Finanzierung von Freizeitpädagogen dient aber sicher nicht der Aufrechterhaltung der Staatlichkeit.

Die Freizeitpädagogen sollen deren Fähigkeiten am freien Markt anbieten, Zwang der Bürger ist falsch.

Gast: Herr Eisenbart
06.05.2012 20:20
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Absicht

Billige Schnellsiederkräfte die mit den Kindern "Tempelhupfen" und "Völkerballspielen".

Verantwortungslos solche auf Kinder aus Spargründen loszulassen.


Antworten Gast: mam
09.05.2012 08:28
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Re: Absicht

verantwortungslos ist doch eher so eine aussage!? ich habe meine kinder in zwei verschiedenen nachmittagsbetreuungseinrichtungen und wir sind mit beiden höchst zufrieden- anscheinend wissen viele noch immer nicht mit wieviel engament die betreuer diesen sehr anspruchsvollen beruf ausüben- die betreuung am nachmittag ist so umfangreich und keineswegs eine aufbewahrungsstätte mit tempelhüpfen, sondern eine liebvoller, sozialer und kreativer ort, wo sich meine kinder entfalten und entwicklen können- sollten sich die unwissend einmal vor ort informieren oder mehr infos darüber einholen, bevor sie solche äusserungen preis geben- liebe grüße- mam

Re: Absicht

Diese Schnellsiederkräfte lernen aber immer noch mehr als ein AHS-Lehrer in seiner Ausbildung.
Und da war doch einmal der Vorschlag, dass Lehrer die Freizeitbetreuung übernehmen sollen.

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