"Wir sollten Vertrauen in die einzelnen Regionen haben"

20.05.2012 | 18:27 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Andreas Schnider, Experte in Sachen Pädagogenausbildung, spricht sich gegen klare institutionelle Vorgaben durch die Politik aus.

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Die Presse: Der neuen Lehrerbildung erscheint es wie vielen Bildungsreformen zu ergehen. Sie steht still.

Andreas Schnider: Den Eindruck habe ich absolut nicht. Es ist wie bei allen Themen, die sachliche, aber auch politische Kompetenz erfordern. Die Phase der Zukunftskommissionen, Expertenrunden und Vorbereitungsgruppen wird von allen noch goutiert. Doch jetzt geht es um die Umsetzung – und dafür braucht es einen Ruck.

Der Ruck müsste von der Regierung kommen. Sie müsste sagen, wie die Lehrerbildung künftig aussehen soll.

Auch wenn die Politik bereit wäre, genau zu sagen, wie das Endprodukt aussehen könnte, könnte sie einer Fehleinschätzung unterliegen. Wir wollen nicht nur zwei Lösungen (eine Pädagogische Universität bzw. eine School of Education, Anm.) vorgeben. Wir wollen wirklich schauen, welche Potenziale es in den einzelnen Institutionen gibt.

 

Wer soll dann im Endeffekt darüber entscheiden, zu welchen Kooperationsformen es kommt?

Wir sollten ein bisschen mehr Vertrauen in die einzelnen Regionen haben. Machen wir uns nichts vor, die PH haben sich in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin weiterentwickelt. Zuerst waren es Lehrerbildungsanstalten, dann Akademien, und dann sind sie zu Hochschulen geworden.

 

Gibt es eine Entscheidung, die Sie von der Politik einfordern?

Die Politik ist als Dienstgeber aufgerufen, bestimmte Anforderungen festzuschreiben. Es reicht nicht festzulegen, dass es eines Lehramtsstudiums bedarf. Die Politik müsste klar sagen, wie die Ausbildung in den Grundstrukturen aussehen sollte. Das heißt, welche Qualitätsmerkmale und Kompetenzprofile muss ein Elementarpädagoge, ein Primar- und ein Sekundarpädagoge mitbringen. Wenn man das festschreibt, haben die Institutionen die Chance, in ihrer Selbstständigkeit solche Studienprogramme zu entwickeln. Das ist auch ein wichtiges Symbol in Richtung Professionsorientiertheit.

 

Wann sollten derartige Entscheidungen getroffen werden?

Ich habe immer von fünf Jahren gesprochen. Jetzt sind vielerorts neue Rektoren und Rektorinnen gewählt worden. Da sollte man die Zeitleiste sehr gut nützen. Für die Gesamtumsetzung des Projekts „Lehrerbildung neu“ werden wir zehn Jahr brauchen. Immer auch in der behutsamen Einbindung der Betroffenen.

Am einzelnen Standort sollte in fünf Jahren feststehen, welche Institution die Trägerinstitution wird?

Genau. Ich warne vor Schnellschüssen und glaube, dass wir mehr davon haben, in den Regionen das Bewusstsein zu schaffen, dass diese für die Entwicklung mitverantwortlich sind.

 

Wien wird bei diesen regionalen Konzepten ein besonders spannendes Pflaster. Derzeit gibt es acht Lehrerausbildungsstätten. Auf wie viele sollte die Zahl dezimiert werden?

Wir können dabei sicherlich keine Zahlen nennen. Wenn sie heute zu einer Institution sagen, „du wirst eine Pädagogische Uni“, und zur anderen, „du bist morgen nicht mehr vorhanden“, dann ist das für die einen demotivierend und für die anderen eine Überforderung.

Zur Person

Andreas Schnider (52) ist Mitglied des Entwicklungsrates, der die Umsetzung der Lehrerbildung vorbereitet. Der ehemalige ÖVP-Bundesrat wurde dabei von Unterrichtsministerin Schmied (SPÖ) bestellt. Zuvor leitete er die Vorbereitungsgruppe zur neuen Lehrerbildung. [Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2012)

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