Wenn Migranten zur Sprechstunde kommen

20.05.2012 | 18:28 |   (Die Presse)

Zusätzlich zur Sprache erschweren auch soziale Unterschiede die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrenden.

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Wien/M.l. Am Elternsprechtag kämen oft Kinder mit, um zu übersetzen, erzählt Beatrix Morak aus ihrer Erfahrung als Volksschullehrerin. Auch Kenan Güngör, Leiter des Büros für Gesellschafts- und Organisationsentwicklung „Difference“, durfte in seiner Schulzeit „den Übersetzer spielen“. Die Frage, wie Lehrkräfte mit Eltern umgehen sollen, deren Sprache sie nicht sprechen, beherrschte die Diskussion über Eltern und Lehrer bei der Tagungsreihe Bildungspolitik des Europäischen Forums Alpbach in Wien. „Da treffen sich Aliens“, fasste Kenan Güngör zusammen.

Nicht nur die Sprache erschwert die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrenden. Viele Eltern würden ihre Rechte und Pflichten nicht kennen, sagt Maria Zoufal, Volksschuldirektorin und ehemalige Elternvertreterin. Güngör bemängelt außerdem, dass viele Lehrer die Lebensumstände der Schüler nicht kennen würden. „Lehrer stammen aus der Mittelschicht, ihre Schüler aus Arbeiterfamilien.“ Auch Lehrer mit Migrationsintergrund gäbe es in Österreich noch zu wenige. Diese könnten aber „Rolemodels“ für Schüler sein.

Denn das Wissen um die Herkunftsländer der Schüler allein reiche nicht aus, um die nötige Vertrauensbasis zu schaffen. „Vieles ist gut gemeint, wird aber falsch gemacht“, sagt Güngör. Wie etwa ein Projekt von Beatrix Morak. In ihrer Volksschule bringen die Schüler einmal im Jahr traditionelle Speisen aus ihren Herkunftsländern mit. „Fragen Sie die Schüler mal, ob sie das tatsächlich zu Hause kochen oder nur zu solchen Anlässen“, fordert Güngör sie auf. Er empfiehlt den Lehrern, sich von den Herkunftsländern der Schüler zu lösen. Die Gefahr sei groß, Klischeebilder zu erzeugen. „Das ist oft die dritte Generation. Die Schüler sind in Österreich aufgewachsen.“

 

„Alle Eltern wollen für ihr Kind das Beste“

Das Problem der zu homogenen Lehrerschaft, in der es kaum Migranten gebe, werde sich hoffentlich bald von selbst lösen, so die Diskussionsteilnehmer: schließlich steige der Migrantenanteil an den Hochschulen laufend. Bis dahin wohl einer der besten Tipps, vorgebracht vom AHS-Lehrer Gottlieb Matejka: Egal wie schwierig die Situation ist, das Wohl des Kindes sei immer eine gute Gesprächsbasis. Auch Volksschullehrerin Beatrix Morak hat diese Erfahrung gemacht: „Ich habe als Lehrerin vor allem eines gelernt: Alle Eltern wollen für ihre Kinder das Beste.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2012)

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3 Kommentare
Gast: Kornberger A
21.05.2012 08:42
4

Die arme, arme, Migranten

Wie wäre es mit ein paar Millionen für "Sprachliche Spätförderungen" damit sich diese armen in der 3. Generation, die schlechter Deutsch können, als in der 1. Generation, verständigen können.

Wann hört dieses Gejammere um ihre selbst verschuldete Situation endlich auf??

Gast: 2Cent
20.05.2012 20:48
2

?

Soll ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich Lehrer geworden bin, obwohl ich weder Migrant noch Arbeiterkind bin? Und wieso verlangt eigentlich keiner Lehrer, die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden, damit die sich in die entsprechenden Schüler hineinfühlen können?

Re: ?

Natürlich nicht.
Der Grundtenor des Artikels ist ohnehin, dass nur Lehrer mit Migrationshintergrund Kinder von Migranten unterrichten können.
Herr Güngör widerspricht sich aber selber.
Wenn es, wie er meint, oft schon die dritte Generation ist, die in Ö geboren wurde, braucht es keine "Rolemodels".
Die zweite Generation hat meist hier die Schullaufbahn absolviert und kennt das Procedere. Es klappt.
Ich bin auch kein Migrant und unterrichte ausschließlich Kinder von Migranten.

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