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Ein karenzierter Schuldirektor als ewiger Störenfried

09.09.2012 | 18:17 |  CHRISTOPH SCHWARZ UND THERESA AIGNER (Die Presse)

Der grüne Bildungssprecher Harald Walser liebt das laute Auftreten. Er formuliert gerne scharf, Polemik ist ihm nicht fremd. Die heimische Schulpolitik hat einen wie ihn verdient.

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Sollten die Grünen im Bund je in eine Regierungskoalition eintreten, wäre er wohl einer derjenigen, die am meisten zu leiden hätten: Obwohl Harald Walser (zumindest in grünen Kreisen) als durchaus ministrabel gilt, liegt ihm eine Rolle am meisten. Die des Oppositionspolitikers. Walser, der seit 2008 für die Grünen als Bildungssprecher im Nationalrat sitzt, ist vor allem eines: dagegen.

Wenn Harald Walser ausreitet, um für die „grüne Schule“ zu werben – Motto: „Kein Kind zurücklassen“ –, dann ist ihm der Gegner weitestgehend egal. Besonders oft trifft es die schwarzen Lehrergewerkschafter, mit denen er als Vorarlberger Lehrer und Schuldirektor schon früh Bekanntschaft machte. Der Gewerkschaft wirft er – unter anderem – vor, die Dienstrechtsverhandlungen zu blockieren und Bildungsgerechtigkeit zu verhindern. Doch auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kann sich – trotz ideologischer Nähe – nicht vor Walser sicher fühlen. Selbst wenn die Ministerin von Zeit zu Zeit „linke“ Bildungsideen tatsächlich umsetzt, kommt von Walser zumeist umgehend Kritik. Die Reformen, sagt Walser dann, gingen nicht weit genug oder seien Mogelpackungen. Bei der Neuen Mittelschule würden die Lehrer fehlen, die Zentralmatura sei zu schlecht kommuniziert und das Modulsystem in der AHS-Oberstufe überhaupt falsch konzipiert, heißt es dann in seinen Gastkommentaren und Presseaussendungen.

 

Gegen „Filz“ und Proporz

Das Dagegen-Sein hat Walser überhaupt erst zur Politik gebracht. „Die Grünen sind in Vorarlberg – im Gegensatz zur SPÖ – als einzige gegen Schwarz-Blau aufgetreten“, erklärt er sein Engagement. An den Grünen gefalle ihm zudem, dass „sie die Einzigen sind, die nicht Teil des Filzes sind und nichts mit dem Nachkriegskonzept von Postenvergabe und Proporz zu tun haben“. Die ÖVP bezeichnet er gerne mal als „nervige, konservativ-reaktionäre Bewegung“. Als Lehrer trat er daher 1978 auch der unabhängigen „LehrerInnen Initiative Vorarlberg“ bei. Seit 2003 ist er Direktor am Gymnasium in Feldkirch, seit 2008 ist er karenziert. Heute pendelt der Vater zweier Söhne und passionierte Fußballer zwischen Wien und Altach.

Walser formuliert gerne scharf, Polemik ist ihm nicht fremd. Für Aktionismus ist sich der grau melierte 59-Jährige nicht zu schade. Und das Wort Kompromiss findet sich in seinem Wortschatz nur mit dem Zusatz „faul“. In seinem Element ist Walser, wenn es gegen seinen erklärten Intimfeind Eckehard Quin, den obersten AHS-Gewerkschafter, geht. Via Blog-Einträgen richten einander die beiden allerlei Unverschämtheiten aus. Walser wirft Quin dann schon mal vor, Parteipolitik „auf tiefstem Niveau“ zu betreiben und das Ansehen der AHS-Lehrer zu schädigen. Dieser bezichtigt Walser, die Lehrer zum Rechtsbruch aufzufordern.

Besonders gern hat Walser Skandale. Dann schlägt der Vorarlberger in ihm durch – Walser rechnet, tüftelt und blättert nach, bis er den Fehler im System gefunden hat. Sein jüngster Coup: Er deckte ein „Spitzelsystem“ im niederösterreichischen Landesschulrat auf. Aber auch über zu hohe Zahlungen an Privatschulen und falsch eingesetzte Lehrer kann er sich ereifern. Ein Hang zur Verschwörungstheorie gehört dazu.

 

Der nächste Unterrichtsminister?

Sein lautes Auftreten ist dabei seine Stärke – und seine Schwäche zugleich. Walser nervt. Und zwar so ziemlich jeden. Er ist ein Störenfried. Darunter leiden mitunter die Inhalte seine Botschaften. Wenn jemand ständig schreit, dann will man ihm irgendwann nicht mehr zuhören.

Allerdings: Man sollte ihm zuhören. Walser punktet durch Fachkundigkeit, er ist nicht nur politisch versiert, sondern kennt durch seine Tätigkeit in der Klasse – er ist studierter Historiker – und als Direktor den Betrieb von innen. Er ist der einzige Bildungssprecher einer Oppositionspartei, der einer breiteren Öffentlichkeit überhaupt als solcher bekannt sein dürfte. Er ist gut vernetzt, hat viele Kontakte zu Lehrern. Wenn Walser Zahlen vorlegt, tut er das zwar kaum ohne ideologisches Beiwerk. Falsch sind sie aber selten.

Und: Dass Walser manchmal zu laut wird, liegt wohl auch an der verkrusteten Schulpolitik. Oft bleibe da eben nur „das tagespolitische Hickhack“, kritisiert er selbst. Dieses, so Walser, gehe ihm „oft gegen den Strich“.

Das Bild vom reinen Oppositionspolitiker gefällt ihm selbst übrigens weniger. Der Posten des Unterrichtsministers würde ihm gefallen. „Ich kann nicht jahrelang auf Reformen drängen und dann die Gelegenheit zur Umsetzung nicht wahrnehmen, wenn sie sich bieten würde“, sagt Walser. Und: Einmal eine gestaltende Aufgabe zu haben, wäre schön – das liege ihm ohnehin mehr.

Zur Person

Harald Walser sitzt seit 2008 für die Grünen als Bildungssprecher im Nationalrat. Der 59-jährige Vorarlberger war zuvor als Lehrer und (ab 2003) als Direktor am Gymnasium Feldkirch tätig. Walser beteiligte sich zuletzt auch an der Debatte um die Krypta am Wiener Burgtor. Den Heldenplatz nannte er einen „Spielplatz für Ewiggestrige“ – und forderte ein Denkmal für Deserteure aus der Wehrmacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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22 Kommentare

Rot - Grün mit Walser als Unterrichtsminister


Hätte er wohl gerne.

Viel schlimmer kann es kaum noch kommen ...

Vernünftige Sachpolitik rückt von Tag zu Tag in weitere Ferne.
In der Bildungspolitik punktet, wer Lehrer öffentlich als fortbildungsresistente, überbezahlte Minderleister hinstellt, als Schmarotzer innerhalb eines geschützten Bereiches, den man nur zu zerstören braucht, um für alle angeblichen Probleme eine Lösung zu finden: Denn wir brauchen ja mehr "Akademiker", obwohl es für sie keine Arbeitsplätze gibt, wir brauchen mehr "Gerechtigkeit", obwohl es sie mit den Gesamtschulen sicher nicht geben wird, wir brauchen mehr "Qualität", obwohl es sie ohne entsprechende Rahmenbedingungen nicht geben kann, wir brauchen mehr "Motivation" in der Lehrerschaft, obwohl man sie nicht erreicht, wenn man sie als letzten Dreck behandelt und öffentlich permanent auf Kosten der Steuerzahler via "Heute", "Österreich", "Krone" und ORF denunzieren lässt, wir brauchen mehr hochbezahlte Zwischenrufer, die den Stammtischen via OECD-Studien nach nur wenigen Minuten der Lektüre von Hunderten Seiten erklären, wo es lang geht ...

Rot - Grün mit Walser als Unterrichtsminister


Hätte er wohl gerne.

Viel schlimmer kann es kaum noch kommen ...

Vernünftige Sachpolitik rückt von Tag zu Tag in weitere Ferne.
In der Bildungspolitik punktet, wer Lehrer öffentlich als fortbildungsresistente, überbezahlte Minderleister hinstellt, als Schmarotzer innerhalb eines geschützten Bereiches, den man nur zu zerstören braucht, um für alle angeblichen Probleme eine Lösung zu finden: Denn wir brauchen ja mehr "Akademiker", obwohl es für sie keine Arbeitsplätze gibt, wir brauchen mehr "Gerechtigkeit", obwohl es sie mit den Gesamtschulen sicher nicht geben wird, wir brauchen mehr "Qualität", obwohl es sie ohne entsprechende Rahmenbedingungen nicht geben kann, wir brauchen mehr "Motivation" in der Lehrerschaft, obwohl man sie nicht erreicht, wenn man sie als letzten Dreck behandelt und öffentlich permanent auf Kosten der Steuerzahler via "Heute", "Österreich", "Krone" und ORF denunzieren lässt, wir brauchen mehr hochbezahlte Zwischenrufer, die den Stammtischen via OECD-Studien nach nur wenigen Minuten der Lektüre von Hunderten Seiten erklären, wo es lang geht ...

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stellen wir uns vor was wäre wenn er KEINE karenz hätte und fürs leben richtig arbeiten müsste?! huh?!


Gast: Eulenspiele
10.09.2012 20:59
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Faule K

Kompromisse befriedigen nie beide Seiten. Sind sie deshalb ein Übel oder faul?
Allemal besser als Meinungsdiktatur oder Gesinnungsterror.

"Niemand zurücklassen", ist das ein Kompromiss oder schon eine bedingungslose Forderung?


Gast: Bedenker
10.09.2012 20:46
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Und was ....

...... hat er in den fünf Direktionsjahren geleistet?

Und zuvor unterrichtet? Ma und Ph? Kaum. Diese Vertreter wissen um Schwierigkeiten und Grenzen, um Probleme des geistigen Erwerb.

Seit es Schule gibt, wird reformiert (und verbessert?). Auch die wie immer geartete kommende Veränderung wird wieder mit Zank und Geheul "reformiert" werden.

So bleibt: Die Behauptungen von heute sind die Irrtümer von morgen.


Es gibt nur mehr wenige Kandidaten, die noch schlechter als die derzeitige Ministerin sind, ....


.... aber dieser scheint dafür geeignet zu sein.

Referenzen:
1.) Kein Kind zurücklassen - Nivellierung nach unten auf den Schwächsten zugeschnitten
2.) Karenzierter Direktor seit 2003, damit eine Unmenge an Erfahrung, wie es aktuell inzwischen aussieht
3.) Einfach dagegen zu sein, es könnten ja auch gute Vorschläge sonst zur Realisierung kommen.

Re: Es gibt nur mehr wenige Kandidaten, die noch schlechter als die derzeitige Ministerin sind, ....

Nur weil´s halt doch fünf Jahre sind: Karenziert seit 2008 und Direktor seit 2003. Ja, ja - das sinnerfassende Lesen!

Re: Re: Es gibt nur mehr wenige Kandidaten, die noch schlechter als die derzeitige Ministerin sind, ....

Sofern es sich beim Poster wirklich um Herrn Kollegen Walser handelt, darf ich darauf hinweisen, dass es nicht opportun ist, sich als Betroffenen selbst zu kommentieren.
Mit freundlichen Grüssen: Karl Reiter, Universität Wien

Re: Re: Re: Es gibt nur mehr wenige Kandidaten, die noch schlechter als die derzeitige Ministerin sind, ....

Entschuldigung, aber was ist das für eine Einstellung? Wer, wenn nicht gerade der Angegriffene, darf und soll sich zu Wort melden?


Re: Re: Re: Es gibt nur mehr wenige Kandidaten, die noch schlechter als die derzeitige Ministerin sind, ....

Uiii - Herr Kollege Reiter. Bestimmen Sie, was opportun ist und was nicht? Ich finde es ganz im Gegenteil wichtig, dass Kommunikation stattfindet.
Ihr Lese-Fauxpas muss Ihnen nicht peinlich sein. Kann passieren :).

man merkt,...

der mann kommt wirklich aus der praxis! er weiss um die probleme in der nms, bei der zentralen reifeprüfung oder dem modulsystem bescheid! so wie er denken aus meiner sicht nahezu alle lehrer!

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Für die Presse...

... ein gar nicht so schlechter Artikel. Das trifft den Walser nicht so schlecht, wobei die inhaltliche Abneigung der Lohnschreiber zu sehr greifbar ist. Aber anders geht es offenbar in der katholischen Styria nicht. Mich hätte der Werdegang im dunkelschwarzen Vorarlberg interessiert, wieso und wie wird so einer Direktor? Was sagen ehemalige Kollegen, Eltern und Schüler über ihn? Hat er als Historiker irgendetwas geleistet?

Re: Für die Presse...

Als ehemalige Kollegin kann ich nur sagen, dass er ein sehr engagierter, veränderungsfreudiger Kollege und Direktor war! Aufgrund seines politischen Hintergrundes sind seine Anliegen natürlich nicht immer auf Gegenliebe gestoßen - vor allem bei Gewerkschaftsanhängern. Ich hoffe du wirst neuer Unterrichtsminister Harald - alles Gute aus dem Ländle!

Re: Für die Presse...

Einen - meinen - Teil kann ich beantworten: Um Direktor werden zu können, musste ich beim Verwaltungsgerichtshof vorbeischauen :)

Herr Walser, bitte weiter so! - Danken werden es Ihnen die Schüler, Eltern und engagierten Lehrer!


Gast: Analyst
10.09.2012 07:25
7 1

So einer ist allemal besser ...

... als Betonköpfe nach dem Schlag des Herrn Neugebauer!

Gast: Winter A
10.09.2012 06:59
1 1

Der nächste Unterrichtsminister?

Bitte nein!

Ich möchte den Experten und Schulbuch Schreiber Salcher!

Dann hätten wir in Zukunft nur mehr Nobel Preisträger und Atomphysiker!

Re: Der nächste Unterrichtsminister?

- und einen Haufen Arbeitslose, denn österreichische Absolventen würde dann gewiss niemand mehr anstellen... ;-)

die reform des schulwesens

müssen die bürger selbst vorantreiben, die bürokratie schafft das nicht, sie schafft sich doch nicht selbst ab.

Polemisieren

"Die heimische Schulpolitik hat einen wie ihn verdient" - aber nicht gebraucht - denn inhaltslos polemisieren können die anderen auch.

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Eine Belangssendung der Grüninnen

So zumindest kommt mir dieser Artikel , bei aller vorsichtig angebrachten Kritik, vor. - Ein paar Dinge stoßen mir bei der Lektüre dieses Artikels sofort ungut auf:
Walser ist karenzierter AHS-Direktor, wird aber als solcher in den Statistiken weitergeführt; wie ist das mit dem zitierten "Filz" zu vereinbaren??? Ganz abgesehen davon, welcher Chef macht sich für die Abschaffung einer von ihm geleitete Firma stark (und das tut Walser ganz eindeutig, wenn er sich für die Einführung der Gesamtschule einsetzt und die Abschaffung der Unterstufe der Gymnasien forciert).
Weiters will ich Herrn Walser Fachkundigkeit nicht absprechen, die glaube ich ihm schon - aber Zahlen allein, die sich leicht überprüfen lassen, machen die Richtigkeit von Aussagen allein nicht aus. Ich kann auch so mit bewussten Falschmeldungen, die sich abseits von Zahlenmaterial ergeben, medial punkten.
Ist eigentlich angedacht, nächste Woche einen ähnlich ausführlichen Artikel über Quin erscheinen zu lassen, oder ist das politisch nicht erwünscht (...im Zeichen der objektiven Berichterstattung...)

Re: Eine Belangssendung der Grüninnen

Den Herrn Quin habe ich öfters zu Streitgesprächen aufgefordert - er traut sich leider nicht.

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