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Unis: Akademikerkinder bleiben unter sich

14.09.2012 | 20:18 |  Von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Der Anteil von Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten ist gesunken. Das durchschnittliche Alter der Studierenden hingegen steigt. Einen immer größeren Teil des Studiums finanzieren sie durch eigene Jobs.

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[Wien] Studierende aus verschiedenen sozialen Schichten sind an den heimischen Unis alles andere als gleich verteilt: Medizin ist bis heute ein Studium für die sogenannte Oberschicht – 36 Prozent der angehenden Mediziner sind aus bessergestellten Familien, nur acht Prozent sind aus niedrigen Schichten. Das zeigt die jüngste Studierendensozialerhebung des Wissenschaftsministeriums, die am Freitag präsentiert wurde.

Und mehr noch: Die Zahl der Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten – definiert anhand von Bildungsstand und beruflicher Position der Eltern – sinkt generell. Seit 1998 ist ihr Anteil von 26 auf 18 Prozent zurückgegangen – je nach Hochschultyp ist der Anteil unterschiedlich (siehe Grafik). Gestiegen ist der Anteil mittlerer und gehobener Schichten (64 Prozent), jener der Studenten aus höheren Schichten blieb konstant bei 18 Prozent. Ein (Mit-)Grund: Die unteren sozialen Schichten schrumpfen – wegen des kontinuierlichen Bildungszuwachses – generell.
Dennoch ist die soziale Selektion vor allem an den Unis drastisch. Insgesamt ist die Chance, ein Hochschulstudium (also an Uni oder FH) zu beginnen, für Kinder, deren Mutter oder Vater zumindest Matura hat, rund 2,5-mal so hoch wie für Kinder von Eltern ohne höheren Schulabschluss. An den Unis ist die Chance dreimal so groß. Bildungsferne Studenten brechen ihr Studium außerdem – gerade zu Beginn – häufiger ab als andere: Nach drei Semestern an der Uni haben acht Prozent der Akademikerkinder, aber doppelt so viele Kinder bildungsferner Eltern ihr Studium hingeschmissen.

Schichtindex
Für die Erhebung wurde ein vierstufiger "Schichtindex" (niedrig, mittel, gehoben, hoch) erstellt, der sich aus Bildungsstand und beruflicher Position der Eltern zusammensetzt. Zur hohen sozialen Schicht zählen etwa Akademiker, die als Freiberufler, Unternehmer mit Angestellten bzw. Beamter oder Angestellter mit Leitungsfunktionen arbeiten, zur niedrigen Schicht beispielsweise Pflichtschulabsolventen und Eltern mit berufsbildender mittlerer Schulbildung, die in Arbeiter- bzw. Angestelltenpositionen ohne Leitungsfunktion tätig sind.

Etwas gemildert wird die Situation durch die Fachhochschulen: Sie sind für bildungsferne Schichten zugänglicher als die Unis – dass der Hochschulzugang in Summe etwas egalitärer geworden ist, liegt fast ausschließlich am FH-Ausbau in den vergangenen Jahren. Dass der soziale Hintergrund an den FH weniger Bedeutung hat, zeigt sich auch in der Abschlussquote: Jene von Akademikerkindern ist an den Unis deutlich höher als jene von Studenten aus bildungsfernen Familien – an den FH liegen Letztere sogar (minimal) vorn.

Älter und öfter erwerbstätig

Insgesamt sind die Uni-Studierenden Langzeitstudierende: Von jenen, die 2003 ihr Studium aufgenommen hatten, schlossen nach 16 Semestern nur 44 Prozent ihr Studium ab, 29 Prozent brachen es ab, 27 Prozent waren nach wie vor inskribiert. Die lange Verweildauer an den Unis ist mit ein Grund dafür, dass die heimischen Studenten immer älter werden. In allen Sektoren ist das Durchschnittsalter der Studierenden gestiegen. Am ältesten sind Studenten an künstlerischen Unis (27 Jahre) und wissenschaftlichen Unis (26,9 Jahre), am jüngsten an den FH (25,4).
Ein weiterer Grund für das steigende Durchschnittsalter ist, dass immer mehr Ältere ein Studium beginnen, etwa über Zugänge wie die Berufsreifeprüfung oder Lehre mit Matura. Die Hochschulzugangsquote ist trotz schrumpfender Jahrgänge binnen fünf Jahren von 34 auf 47 Prozent gestiegen.
Gestiegen ist die Erwerbsquote der Studenten: je älter, desto höher die Erwerbsquote. Seit 2006 ist der Anteil der erwerbstätigen Studierenden von 58 auf 63 Prozent angewachsen. Statt 19,1 wenden sie aktuell im Schnitt 19,8 Stunden pro Woche für den Job auf. Studenten finanzieren einen immer größeren Teil ihres Lebens selbst. 42 Prozent ihres Budgets stammen aus dem eigenen Job, nur 38 Prozent stellt die Familie. Noch vor wenigen Jahren war die Familie Geldgeber Nummer eins.
Mehr Arbeit bedeutet aber nicht unbedingt mehr Budget: Studenten verfügen im Schnitt über 1000 € pro Monat, ein Drittel kommt mit maximal 700 € aus. Im Vergleich zu 2009 ist das ein reales Minus von zwei Prozent bei Kostensteigerungen von drei Prozent. 29 Prozent der Studenten klagen über Geldprobleme, für ebenso viele ist die Vereinbarkeit von Job und Studium schwierig. Der Bezieherkreis der Studienbeihilfe ist kleiner geworden: von 18 auf 15 Prozent.
Am Institut für Höhere Studien (IHS), das die Studie durchgeführt hat, regt man an, die Altersgrenzen für Förderungen zu überdenken. Minister Karlheinz Töchterle (ÖVP) kündigte an, „das Mögliche“ für einen Ausbau der Studienförderung zu tun – das sei allerdings abhängig vom Budget.
Übrigens: Das Uni-Studium mit den meisten Studenten aus niedrigen Schichten ist die Theologie.

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135 Kommentare
Antworten Gast: Hutbürger
15.09.2012 18:58
1 2

Nährstand, Wehrstand, Lehrstand...

Man kann konservativ sein, ohne dem Kastensystem zu huldigen.

Re: Es studieren zu viele. Das Niveau sinkt!

Intelligenz wird vererbt.

solchen Unsinn muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Re: Re: Es studieren zu viele. Das Niveau sinkt!

Intelligenz kommt auf jeden Fall von den Eltern, nur die 70 - 80 % im genetischen Teil bezweifle ich. Ich glaube eher, dass genetisch bedingt nur sehr kleine Variationen auftreten, die von den Unterschieden im Training in den Schatten gestellt werden. Vergleichen Sie es mit einer Hand: Hände sehen bei jedem Menschen etwas anders aus, was natürlich "vererbt" ist. Aber keiner hat plötzlich sieben Finger oder einen Fuß an den Armen, außer natürlich im Falle einer Behinderung.

Na geh wirklich?

Bildungsferne Studenten brechen ihr Studium außerdem [...] häufiger ab als andere.

Gast: Hacklwerfer
15.09.2012 13:37
0 2

Back to the midage...


Gast: Gast bere7699
15.09.2012 13:37
4 2

Die Fleissigen werden bestraft

Die ihr Studium abschliessen und irrtümlich genannten "Langzeitstudierenden" (per Definition Studiendauer mehr als 2 Semester über der MINDESTstudiendauer) werden bestraft mit der Streichung der Familienbeihilfe und der daraus folgenden Belastung mit Studiengebühren. Das ist österreichische Jugendpolitik.

Antworten Gast: Gast 345
15.09.2012 21:40
1 0

Re: Die Fleissigen werden bestraft

Um noch vor dem Ende des Studiums aus dem Bezug der familienbeihilfe zu fallen, genügt es
1. im 4. Quartale eines jahres geboren zu sein
2. Daher mit fast 7 in die Volksschule zu kommen
3. Die Ausbildung mit fast 15 an einer HTL fortzusetzten
4. Nach der Matura dann mit fast 20 das erste Mal an einer Hochschule zu inskribieren und ein Studium zu wählen, dessen Normalstudienzeit 5 Jahre oder länger ist.
Als man das im Parlament beraten hat, war wohl keinem bewusst, dass naturwissenschaftliche Studien länger dauern als dioe 4 Jahre für Jus, BWL oder Sozialwissenschften?!

Re: Die Fleissigen werden bestraft

Also mal ganz ehrlich, jeder der sein Studium ernst nimmt und sich, wenn's mal drauf ankommt, nicht ansaufen geht, schafft es sogar in der normalen Studienzeit, also in dem, was Sie Mindeststudiendauer nennen. Ich spreche da aus Erfahrung. Und eine Mindeststudiendauer gibt es gar nicht, Sie können Ihr Studium theoretisch in einem Semester abschließen. Der Begriff Mindeststudiendauer ist an sich schon eine Erfindung linker Langzeitstudenten. Das ist die NORMALE Studiendauer. Es gibt dann noch eine durchschnittliche Studiendauer, aber keine Mindeststudiendauer.

Antworten Antworten Gast: Berufstätige Studentin
15.09.2012 15:54
1 1

Re: Re: Die Fleissigen werden bestraft

Und was ist mit denen, die mehrere Studien parallel machen und nebenbei noch 20 Stunden arbeiten gehen?

Steht ja im Artikel, dass immer mehr Studierende berufstätig sind. Logisch, dass sich dann auch die Studiendauer verlängert, weil man nicht alle im Semester vorgesehenen Lehrveranstaltungen machen kann.

Re: Re: Re: Die Fleissigen werden bestraft

Die empfohlene/normale Studiendauer ist natürlich auf Vollzeitstudenten ausgelegt. Die Gesetzeslage sieht es ja auch vor, dass Sie sich ins Zeug legen, ein Studium abschließen und dabei finanziell einigermaßen abgesichert sind. Einzig das neue Höchstalter für die Familienbeihilfe ist etwas unfair, da es in der Kombination BHS + Bundesheer schon vor Beendigung eines Studiums in Normalzeit erreicht wird.

Wenn Sie 20 Stunden Arbeiten gehen müssen, dann kommt das daher, dass Sie über Ihren Verhältnissen als Student leben (Unterhalt bzw. Beihilfe), was vermeidbar ist und somit zu Ihrem Privatvergnügen wird. Gleiches gilt für Mehrfachstudien.

Gast: Gast n78m4b
15.09.2012 12:43
3 3

Statistisch logisch

Sie schreiben selbst: Ein (Mit-)Grund: Die unteren sozialen Schichten schrumpfen – wegen des kontinuierlichen Bildungszuwachses – generell.

Ergebnis :
So gesehen geht mathematisch der Anteil der Studierenden aus niedrigen sozialen Schichten gegen Null!!

Gast: Dittl M
15.09.2012 10:42
16 0

Unis: Akademikerkinder bleiben unter sich

Migrantenkinder auch!

Ist das schlimm?

4 10

Re: Unis: Akademikerkinder bleiben unter sich

......sehr lösungsorientiert........

10 0

Re: Re: Unis: Akademikerkinder bleiben unter sich

Wo es kein Problem gibt, bedarf es keiner Lösung. Oder gibt es jetz schon ein Menschenrecht auf ein Dasein als Akademiker?

Antworten Antworten Antworten Gast: Hacklwerfer
15.09.2012 13:40
1 6

Re: Re: Re: Oder gibt es jetz schon ein Menschenrecht auf ein Dasein als Akademiker?

Auf freie Bildung schon - oder?

Aber DAS ist ja für die Evolutionsresistenten unvorstellbar...

3 0

Re: Re: Re: Re: Oder gibt es jetz schon ein Menschenrecht auf ein Dasein als Akademiker?

Sollte es Ihnen entgangen sein: wir haben freien Zugang zu Bildungseinrichtungen. Daß nicht jeder nur mäßig bis gar nicht geeignete gratis endlos bis zum Doktorat studieren kann, sollte eigentlich einleuchten.

Weiterbildung ist auch im späteren Leben nicht kostenlos.

9 0

ich verstehe nicht...

warum meine täglichen Erfahrungen völlig anders aussehen. Die Studien sind doch so etwas von durchschaubar. ich kenne abgestürzte Söhne und Töchter aus akademischem Hause genauso, wie beruflich und vorher studiumsmäßig erfolgreiche aus vollkommen einfachen Verhältnissen. Anstrengen, ja das wollen sich die Wenigsten, weil ihnen von allen Seiten vermittelt wird, Spass muss es machen. Sonst ist eben der Professor schuld. Das Denken, dass alles so selbstfliesend weitergeht wie in der Pflichtschulzeit, hält sich bis zur Studienzeit. Und plötzlich ist mit Hängematte und der Papa wird's schon richten in vielen Schichten eben Pause.

5 4

Re: ich verstehe nicht...

dann sind Ihre Erfahrungen von Soziologie, Politologie, Zeitungswissenschaften u.ä. geprägt.

An der TU gibt es die von Ihnen beschriebenen Typen nicht - oder nur 1 1/2 Sylvester. Länger stupidieren sie dort nicht. Dann gehen sie an die Unität für blabla.

8 0

Re: Re: ich verstehe nicht...

der Sohn meiner Kollegin hat an der TU sehr erfolgreich sein Studium angeschlossen, der Sohn meines Ex-Chefs mehrere Studienrichtungen im technischen Bereich in Ibk. Und eines weiß ich, wir gehören nicht zur Upper-Class in diesem Land. Wir haben aber Ziele und auch Durchhaltevermögen. Und wissen, dass der Spruch ...hilf dir selbst, dann hilft dir Gott ... nicht so schlecht ist.

Re: Re: Re: ich verstehe nicht...

Sehr schön, aber bitte beachten Sie, dass Sie in bestimmten Kreisen schon alleine wegen des Jobs zur Upper-Class gehören. Traurig, aber wahr.

2 1

TATSACHE

Für Alle die diese Studie aus allen möglichen Gründen anzweifeln: Warum zeigt die gleiche Studie in den skandinavischen Ländern, die eine sozialere Gesellschaftspolitik anwenden, weitaus bessere Ergebnisse ?

Antworten Gast: Berufstätige Studentin
15.09.2012 15:57
1 1

Re: TATSACHE

Nun ja, in Dänemark gibts ja auch ein Grundeinkommen für Studierende. Ganz logisch, dass es dann mehr und auch ärmere Menschen schaffen, ein Studium abzuschließen.

Grundeinkommen + Teilzeitjob + Studium, da ist halt dann schon einiges machbar.

Gast: gerry d. e.
15.09.2012 09:38
5 2

Wie lange hat ER gebraucht?

"Bildungsferne Studenten brechen ihr Studium außerdem – gerade zu Beginn – häufiger ab als andere: Nach drei Semestern an der Uni haben acht Prozent der Akademikerkinder, aber doppelt so viele Kinder bildungsferner Eltern ihr Studium hingeschmissen". So steht's da.

Wie war das eigentlich bei unserem verehrten Herrn Bundeskanzler? Der ja laut offizieller Bio auch ein "Jusstudium" vorzuweisen hat?

Hat er auch so lange gebraucht um zu kapieren oder hat er schon davor "hingeschmissen"?

4 10

Re: Wie lange hat ER gebraucht?

Zumindest weist er in seiner Negativbilanz nicht wie der "Paintballspieler" einen Konkurs aus........

0 0

Re: Wie lange hat ER gebraucht?

Der liebe Bussibär war später noch Univ.-Prof. . Wird also nicht gerade der schlechteste Student gewesen sein. ;)

0 0

WEEER war später Univ.Prof.?

vom Faymann war die Rede!

Re: Re: Wie lange hat ER gebraucht?

Professor Heinz Conrads

Gast: gast 54545
15.09.2012 09:33
5 2

Sollte das stimmen ("Akademikerkinder bleiben unter sich"), ist klar, wer schuld ist: 1. die jeweiligen Eltern, 2. die Nichtstudenten selbst. Noch nie war es so einfach, zu studieren - man muss nur wirklich WOLLEN.


5 0

Re: Sollte das stimmen ("Akademikerkinder bleiben unter sich"), ist klar, wer schuld ist: 1. die jeweiligen Eltern, 2. die Nichtstudenten selbst. Noch nie war es so einfach, zu studieren - man muss nur wirklich WOLLEN.

....ihre Meinung ist das Opium für diejenigen, die nicht über ein Elternhaus mit den entsprechenden Beziehungen, wie das eben in besseren Schichten vorkommt, verfügen. Mit eisernem Willen geht es natürlich auch bei Studenten die über kein entsprechendes Umfeld verfügen, aber eisernen Willen besitzen die Wenigsten, auch nicht Studenten aus besseren Schichten. Aus einfachen Schichten ohne entsprechende Beziehungskreise den Aufstieg zu schaffen, ist verdammt schwer.

Antworten Antworten Gast: gast 54545
15.09.2012 10:27
7 0

Re: Re: Sollte das stimmen ("Akademikerkinder bleiben unter sich"), ist klar, wer schuld ist: 1. die jeweiligen Eltern, 2. die Nichtstudenten selbst. Noch nie war es so einfach, zu studieren - man muss nur wirklich WOLLEN.

"Mit eisernem Willen geht es natürlich auch bei Studenten die über kein entsprechendes Umfeld verfügen, aber eisernen Willen besitzen die Wenigsten, auch nicht Studenten aus besseren Schichten". So die Doktrin.

Einige der besten meines Jahrganges hatten folgende Herkunft: Vater Schlosser, Mutter Putzfrau. Vater Vertreter, Mutter Hausfrau. Vater einfacher Angestellter, Mutter erst arbeitslos, dann Hausfrau. Vater im Krieg vermisst, Mutter einfache Angestellte. Alle haben gut bis sehr gut studiert. Und gratis war es damals auch nicht, wenn man studieren wollte, wohl gemerkt. Rund 500,- ATS pro Semester, bitte.

Aufs WOLLEN kommt es an. Alles andere sind Ausreden.

1 2

Re: Re: Re: Sollte das stimmen ("Akademikerkinder bleiben unter sich"), ist klar, wer schuld ist: 1. die jeweiligen Eltern, 2. die Nichtstudenten selbst. Noch nie war es so einfach, zu studieren - man muss nur wirklich WOLLEN.

In der Zeit von der Sie sprechen, war der gesellschaftliche Zusammenhalt wesentlich grösser als derzeit. Damals haben sich aufgrund der gemeinsamen Aufbauanstrengung die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten nicht so stark voneinander abgegrenzt. Das war auch bei den politischen "staatstragenden" Parteien so.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast 5455
16.09.2012 06:26
2 0

Re: Re: Re: Re: Sollte das stimmen ("Akademikerkinder bleiben unter sich"), ist klar, wer schuld ist: 1. die jeweiligen Eltern, 2. die Nichtstudenten selbst. Noch nie war es so einfach, zu studieren - man muss nur wirklich WOLLEN.

Mag sein, werter RAL. Aber ist es nicht Aufgabe der Jugend, das besser zu machen, als es derzeit ist? Es mag ja durchaus sein, dass es daran krankt (obwohl ich es nicht so sehe). Aber:

Noch nie war es (wirtschaftlich) so leicht, zu studieren! Man muss derzeit nur wirklich wollen, dann kann man! Das Studium ist kostenlos, man bekommt leicht Stipendien, und dass irgendwer einen nicht als seinesgleichen betrachtet (das meinen Sie doch, wenn Sie schreiben, damals sei der Zusammenhalt in der Gesellschaft besser gewesen), das kann einem doch glatt wurscht sein!

Wurscht!

Noch nie war es so einfach, zu studieren, man muss nur WOLLEN.

Q.E.D.

Gast: b745
15.09.2012 09:31
2 8

ein problem ist auch dass leute wie kickl

also ewige studenten anderen den platz weg nehmen

Antworten Gast: gast 23
15.09.2012 14:06
2 0

Re: ein problem ist auch dass leute wie kickl

So ein Blödsinn! Die ewigen Studenten besuchen auch nicht mehr Vorlesungen und Seminare, als die, die in der Mindestzeitstudieren.

Alle sind schlau-sind alle schlau?

Bis Anfang der 70erjahre gab es vor intelligente
Kinder vom Lande und /oder aus der Unterschicht tatsächlich objektive Hemmnisse, zum Beispiel die Notwendigkeit/Erwartung, in der Familie mitzuverdienen und einen Kostenbeitrag zu leisten.

Seit Gratisschulbuch, Schulfreifahrt und nachgeschmissener Matura gibt es diese Hindernisse nicht. Alle Eltern können sich für ihre Kinder die Matura leisten.

Der Trugschluß dieser Diskussion ist die falsche Prämisse, daß alle Kinder aus der Unterschicht verkannte Genies sind und daher die Matura machen müßten. Da dies statistisch nicht der Fall ist, muß wohl etwas faul im Staate "Dänemark" sein.

Re: Alle sind schlau-sind alle schlau?

So günstig ist die Schule auch wieder nicht, dass sie sich jeder leisten kann. Die Dinge des täglichen Gebrauchs summieren sich über die Jahre (Stifte, Collegeblöcke) und auch SKI-Kurs, Sport- und Sprachwoche sind nicht günstig.

Meine Eltern konnten sich das gut leisten, aber daraus würde ich nicht den Trugschluss ziehen, dass jeder dazu in der Lage ist.

Es müssen nicht alle Kinder der "Unterschicht" Genies sein, da gebe ich ihnen Recht, aber mit Willen und Anstrengung kann man viel lernen.

Antworten Antworten Gast: asterix der gallier
15.09.2012 12:11
1 3

Stifte, Collegeblöcke???????

Soll das ein Witz sein?

Für SKI-Kurs, Sport- und Sprachwoche gibt es staatliche Beihilfen. Es ist aber auch niemand verpflichtet bei diesen Veranstaltungen teilzunehmen.

Re: Stifte, Collegeblöcke???????

Stimmt, es muss niemand daran teilnehmen. Aber damit schafft man einen Bruch in der Klassengemeinschaft, wenn manche Kinder nicht teilnehmen können/wollen.

Und hab geschrieben, dass sich die Unkosten für Stifte und Collegeblöcke über die Jahre summieren - manche haben auch mehrere Kinder. Auch Schulbücher sind nicht zu 100% gratis, teilweise muss man sich Klassenlektüren kaufen, es werden Ausflüge gemacht oder Veranstaltungen besucht. Um nur ein paar weitere "Geldräuber" zu nennen.

2 1

Fällt niemandem die Unlogik auf?

"Fachhochschulen: Sie sind für bildungsferne Schichten zugänglicher als die Unis".

Und Fachhochschulen haben Aufnahmsprüfungen und Studiengebühren!

Re: Fällt niemandem die Unlogik auf?

Soweit mir bekannt ist, gibt es an den Fachhochschulen (meist?) einen weitgehend geregelten Schulbetrieb, der dem im üblichen Schulwesen nicht unähnlich ist - mit einem erheblichen Druck, gewisse Leistungen zu gewissen Zeitpunkten zu erbringen.

Es gibt Menschen, die so einen geregelten Betrieb brauchen und mit dem im Wesentlichen sanktionslosen Uni-Betrieb nicht zurecht kommen.

Antworten Gast: gerry d. e.
15.09.2012 10:06
2 0

Re: Fällt niemandem die Unlogik auf?

Nein, das ist nicht unlogisch. Die Studiengebuehren sind kaum der Rede wert, und eine Aufnamspruefung sollte jeder, der sich ernstlich interessiert, doch leicht bestehen.

Am mangelnden WOLLEN liegt es, wenn die Herrschaften (wie etwa unser verehrter Herr Bundeskanzler) nichts zusammenbringen, an nichts anderem.

0 0

Sie haben schon Recht.

Auch nach meiner Meinung ist eine Fachhochschule zwar vielleicht eine gute Berufsausbildung aber nicht wirklich ein Studium.

Ändert aber nichts an der Tatsache, dass es überraschend ist, dass eine Ausbildung mit Studiengebühren und Aufnahmsprüfungen eher von der betroffenen Gruppe angenommen wird als die von Gebühren und zugangsbeschränkungen weitgehend freien Unis.

Was ich meine, die linke Reichshälfte müsste ihre Meinung zu diesen Themen etwas hinterfragen.

6 0

Re: Re: Fällt niemandem die Unlogik auf?

Da meinen wir ja dasselbe.

Am WOLLEN liegt es!
Auch am Nichtwollen der Nichtstudierenden - bzw. an der Tatsache, dass ihnen leider ihre "bildungsfernen" Eltern das Studium nicht nahelegen.

Übrigens: Mir haben meine Eltern 1957 auch nicht nahelgelegt, eine Mittelschule zu besuchen. Das war meine Volksschullehrerin - aber meine Eltern haben nicht dagegengearbeitet und mich auch unterstützt. Bis zum Studienabschluss Dipl.-Ing.

Ja, meine Eltern waren auch nicht bildungsfern. Mein Vater musste das Gymnasium nach der 4. abbrechen, weil er im elterlichen Gärtnerbetrieb gebraucht wurde und meine Mutter war öfter in theater und Oper als viele "Studierte", sie war eine gebildete Frau und hat mich schon mit 5 in der Wiener städtischen Bücherei eingeschrieben...

Nachdem wir ...

... bereits in der 2. Generation der offenen Universitäten und der nachgeschmissenen Matura leben,
genügt der Hausverstand (man braucht nicht einmal die Grundrechnungsarten) um festzustellen, dass es mehr Maturanten und Akademiker in der Gesellschaft gibt.
Daher gehen mehr Akademiker- und Maturantenkinder auf Schulen mit Matura.
Daher gibt es auch weniger nicht-Maturanten, von denen weniger auf Maturaschulen gehen.

Schaut man sich die Prozentzahlen an, müsste die Entwicklung eifentlich stärker sein. Aber da müsste man Wien getrennt auswerten.

Schon wieder eine vorbestellte Studie von Soziologen, mit der Politik gemacht werden soll.

Liest sich das kein Journalist vor der Veröffentlichung durch?

Re: Nachdem wir ...

Natürlich liest der durchschnittsjournalist sich nichts durch - er/sie schreibt ab oder fragt mal oben nach, was er wie schreiben soll oder darf. Leider. Daher ist bis zu 2/3 der Berichterstattung für den Hugo oder verdummte Leute.

Antworten Gast: Grad Zeit
15.09.2012 08:40
1 0

Re: Nachdem wir ...

Erst nach der Veröffentlichung.

Mit korrektem Journalismus verhungern die doch.
Man muss ein Thema finden und auf das Potential politischer Kontroversen prüfen. Wenn man die politisch gewünschte Weise vertritt kann man im Vorfeld Folgeaufträge mit den Alimentierten/Pfeffersäcken verhandeln. Lehnen die ab oder zicken die anderweitig, kann man sie mit dem Gegenteil ärgern, (vorsicht: hinterlässt ggf. 'verbrannte Erde')
Jedenfalls 1. Bericht ist nur die ungeprüfte Verkündigung.
Dann folgen aufbauende (quasi 'konstruktive') Mutmaßungen.
Bis die in weiteren Artikeln schlißlich schließlich peu a peu abgebaut, widerrufen oder nicht weiter thematisiert werden.
Artikel (gerade in Lokalzeitungen) behandeln im Übrigen noch die Einweihung des Ladenlokals vom Kumpel des Bürgermeister (s.o. -> Folgeauftrag), oder dem versehenetlich rasierten Hamster, zwei straßequerender Enten oder irgendeinem vergleichbaren Highlight aus dem "Sozial"-Bereich.
...
Klasse finde ich immer die von Fotos von Personen, die (gewollt&richtigerweise) so erfolgreich unkenntlich gemacht wurden, dass nur ein raumgreifendes Bild einer Nullinformation verbleibt. Ist vielleicht gelungene gesellschaftkritische Kunst, aber eben keine Information.

Re: Nachdem wir ...

*g* "Aber da müsste man Wien getrennt auswerten." Herrlich - Danke.

PS: Könnte man Wien nicht an unsere Nachbarn abgeben?

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ich denke nicht, dass diese entwicklung finanzieller natur ist

ich habe auch studiert und von daheim nichts bekommen. rd 200 euro kinderbeihilfe und einen nebenjob mit rd 3 tagen pro woche in einem callcenter (oftmals auch nachts). und ja, dass war oft knapp aber sorry, es gibt phasen im leben, da kann man halt nicht alles haben.

wuerde es wirklich stimmen, dass nur mehr kinder von finanziell bessergestellten personen studieren, dann frage ich mich, welche studierenden die letzten unibesetzungen vorgenommen haben. die habe auf mich nicht wie reiche studenten gewirkt. da ja in oesterreich alle (medial oftmals erwaehnt)immer aermer werden.....wer sind dann all die studenten, die IE, Publizistik, Philosophy u Co zu stark ueberrannten studuengaengen machen? Doch wohl nicht die reichen , denn die studieren doch alle sogenannte geldstudien und wuerden auch niemals joersaeale besetzen.

ich denke, schuld an mangelndem ausbildungsinteresse (egal ob uni, lehre etc) tragen einzig die eltern, die den kindern die notwenigkeit von bildung nicht vorleben.

Re: ich denke nicht, dass diese entwicklung finanzieller natur ist

Eben nicht Frau Kollegin! Gerade in den von ihnen genannten Studienfächern gibt es einen Überhang an besser situierten Studenten. Ein Student aus niedrigeren Einkommensschichten hat ein starkes Interesse sein Studium rasch zu beenden und hält sich nicht mit Besetzungen und der gleichen auf.

Gerade die, die sich immer am ungerechtesten behandelt fühlen sind die Wohlhabenden. Ein Student aus der unteren Mittelschicht ist froh über die Chance studieren zu dürfen.

Herzlichst

H.U.

2 0

Re: Re: ich denke nicht, dass diese entwicklung finanzieller natur ist

ok, ich verfuege nicht ueber emoirische daten um die von ihnen getaetigten aussagen zu veri/falsifizieren.

trotzdem liegt (falls die artikelaussage ueberhaupt stimmt) die schuld mEn daran, dass in vielen familien ( und das sind leider meist familien mit geringem ausbildungsniveau, welche die da oben fuer ihre missliche situation verantwortlich machen) bildung nicht als erfolgsfaktor gesehen wird.

jedenfalls danke fuer ihre meinung...immer interesiert an anderen meinungen

bg herr lexi

1 0

'unterschicht' ist wohl

der fachlichere ausdruck, nicht 'niedrige' schichten. Jedenfalls aendert gratisstudium anscheined nichts an sozialer mobilitaet. Volle studiengegebuehren, rueckzahlbar im spaeteren berufsleben, fungiert als verteilungsmechanismus fuer studienangebot und nachfrage und ist in mehrfacher hinsicht sozial gerecht denn mehrfachdurchfallen und endlosstudium nicht mehr von hacklern finanziert wird.

Schlagzeilen Bildung