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„Die Frühpension war für mich keine Alternative“

16.09.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Richter. Aus Liebe zur Musik wurde er einst Lehrer. Heute ist Günther Walchshofer Bezirksgerichtsvorsteher.

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Hartberg. Günther Walchshofer ist Vorsteher des Bezirksgerichts Hartberg in der Steiermark. Dass er einmal hier landen würde, hätte sich der ehemalige Lehrer am Anfang seiner Berufslaufbahn wohl kaum gedacht. Er studierte Musik und auch das tat er ohne ein bestimmtes Berufsziel – Walchshofer war ganz einfach ein begeisterter Musiker und ging mit seinem Studium seinen persönlichen Neigungen nach. Als Musiker Geld zu verdienen, war dann aber doch nicht so leicht, wie gedacht – also entschied er sich für den Lehrberuf. „Das war an sich nicht schlecht, aber ich wusste schnell, dass ich das nicht machen möchte bis ich 65 bin“, sagt Walchshofer über seine Zeit als Musiklehrer an einem Gymnasium in Graz.

Vor allem, weil ihn der Job nervlich mehr als intellektuell gefordert habe. Als Nebenfachlehrer hatte er außerdem das Gefühl, „dass die Leistung, die man erbringt, von der Kundschaft nicht erwünscht ist“. Mit dem Fach Musik sei er immer wieder in Rechtfertigungsbedarf geraten.

Er habe zwar „durchaus auch tolle Sachen“ als Lehrer gemacht, aber der „normale Unterricht war schlichtweg ermüdend“, erzählt Walchshofer. Und auch, dass im gesamten Umfeld die Arbeitszufriedenheit nicht gerade hoch gewesen sei, habe ihm die Entscheidung, dann doch neue Wege zu gehen, erleichtert.

Sein Jusstudium hat er noch während seiner Zeit als Lehrer begonnen. „Ich wusste damals, dass es schnell gehen muss“, sagt Walchshofer. Er war zu diesem Zeitpunkt schon über dreißig Jahre alt. Er beendete sein Studium nach acht Semestern, absolvierte sein Gerichtsjahr, erhielt gute Beurteilungen und wurde im Jahr 1999 als Richter übernommen. Auch im Ausland war er bei EU-Projekten tätig, unter anderem hat er an der Justizreform in Montenegro mitgewirkt.

 

Zweitstudium für Umstieg nötig

Seinen Jobwechsel habe er nie bereut. Die Arbeit als Gerichtsvorsteher gefalle ihm gut. Auch wenn sie, wie er sagt, „mich natürlich nicht jeden Tag in einen Zustand versetzt, der sonst vielleicht nur durch Rauschmittel zu erzeugen wäre“. Er weiß, dass der neue Job ohne zusätzliche Ausbildung nicht möglich gewesen wäre. „Ohne das Jusstudium hätte ich wieder nur Jobs annehmen können, die mich nicht interessiert hätten – zum Beispiel als Pharmareferent.“ Auf die Frühpension zu hoffen, wäre die andere Möglichkeit gewesen – aber keine Option für ihn.

Was er anderen raten würde, die unglücklich im Lehrberuf sind? „Man muss Mut haben. Sempern nützt da nichts“, sagt der Richter. Man müsse eigene Schritte setzen und dürfe nicht darauf warten, dass man von der Gewerkschaft in den Landesschulrat versetzt wird. „Karrieretechnisch wäre es zwar besser gewesen, gleich Jus zu studieren, aber manchmal muss man einfach verschiedene Sachen probieren, um zu wissen, was richtig für einen ist“, sagt Walchshofer heute.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

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