Sri lanka. Von der Schule in der Wiener Arbeitergasse hinaus in die weite Welt: Bernhard Weber und Patrizia Bitter haben den Absprung geschafft. Derzeit sind sie als Bildungsexperten in Sri Lanka unterwegs. Schon vor Jahren haben sie sich vom Dasein als Lehrer an österreichischen Schulen verabschiedet. Das hatte unterschiedliche Ursachen. Patrizia Bitter studierte Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Theologie. Lehrerin wurde sie schließlich nur aus Mangel an Alternativen: Ein Job als Philosophin oder Hochschulprofessorin kam nicht infrage – genauso wenig war (und ist) es möglich, katholische Pfarrerin zu werden.
So entschied sie sich für den Schuldienst in Wien, in dem sie immerhin zehn Jahre tätig war. Das Unterrichten von „unwichtigen Nebenfächern“ erlebte sie bald als „ziemlich aufreibend“. Abgesehen davon hätten kirchliche Vorgesetzte und „verzopfte Eltern“ Anstoß an ihren innovativen Themen und Methoden im katholischen Religionsunterricht genommen.
Besser als die eigenen Lehrer
Bernhard Webers Motiv, Lehrer zu werden, war ein anderes: Er selbst hatte als Schüler „ziemlich gelitten“ und ergriff den Lehrberuf, um zu zeigen, dass er „es besser machen kann, als meine Lehrer und Schule seinerzeit“. Ausschlaggebend für den Jobwechsel war aber auch für ihn die mangelnde Reformbereitschaft im österreichischen Schulsystem. Österreich war zu diesem Zeitpunkt (am BIP gemessen) in der Kategorie der reichsten Länder angelangt. „Das Schulsystem bewegte sich trotz Reformbedarf aber überhaupt nicht. Ich wollte nicht als innovativer Spinner frustriert in Pension gehen“, erzählt Weber. So hätten er und seine Frau – Bitter und Weber sind ein Paar – viel über den Sinn ihrer Arbeit gesprochen und dann gemeinsam beschlossen: „Raus und auf nach Afrika.“
Heute sind die beiden international, zumeist nicht gemeinsam, in Sachen Bildung und Entwicklung unterwegs. Noch in Österreich haben sie sich nebenberuflich in der Erwachsenenbildung aber auch in der Entwicklungszusammenarbeit betätigt. So war klar, dass ein beruflicher Umstieg in diese Richtung führen würde. Berufsbegleitend haben beide eine zweijährige systemische Organisationsberatung absolviert und „das Recht auf Fortbildung während des Schuljahres voll ausgeschöpft“, erzählen die ehemaligen Lehrer. Auch die Ferien wurden teils der Fortbildung „geopfert“. Mit Erfolg: Patrizia Bitter wird heute als Bildungsexpertin von der deutschen Bundesregierung zu mehrjährigen Projekten entsandt – derzeit berät sie das Bildungsministerium und das nationale Bildungsinstitut in Sri Lanka. Bernhard Weber arbeitet ebenfalls als beratender Experte, er ist projektbezogen jeweils mehrere Wochen vor Ort, je nachdem, welches Projekt gerade ansteht. Dabei berät Weber Organisationen und Entwicklungsprojekte, speziell im Bereich des „Veränderungsmanagements“.
Mehr Gestaltungsmöglichkeiten
An ihrem heutigen Beruf schätzen sie vor allem die realen Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, denn „als Regierungsberaterin habe ich mehr Einfluss auf die Verbesserung der Qualität der Schulbildung“, sagt Bitter. Auch die Anerkennung sei gestiegen. „Eine solche professionelle Entwicklung war für mich als Lehrerin in Österreich völlig undenkbar.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)
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