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Wenn Schüler dem Fernweh nachgeben

30.12.2007 | 19:51 |  JUDITH LECHER (Die Presse)

Immer mehr Jugendliche entscheiden sich für ein Auslandsjahr. Bei den beliebtesten Zielen hat Australien die USA fast schon überholt.

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Weit weg muss es sein, wenn geht noch ein bisschen ungewöhnlich. Das scheint bei Schülern eines der Hauptkriterien zu sein, wenn sie sich entscheiden, wo sie ihren Auslandsaufenthalt verbringen.
Noch immer sind die USA eines der beliebtesten Ziele. Ein Rundruf bei einigen österreichischen Austausch-Organisationen zeigt allerdings einen neuen Trend: Neuseeland, Kanada und vor allem Australien werden bei den Jugendlichen immer beliebter. Bei manchen Anbietern wie der "Gesellschaft für Studienreisen" hat der rote Kontinent die Vereinigten Staaten mittlerweile schon von Platz eins verdrängt.
"Es gibt seit einigen Jahren einen Trend zu Australien und Neuseeland. Das sind eben spannende, attraktive Reiseziele", sagt Josef Neumüller, Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen im Bildungsministerium, im Gespräch mit der "Presse". Und sehr weit entfernt von Österreich. "Irgendwie wollen die Schüler dann doch weiter weg, eine Reise in Länder wie die USA steht ihnen schließlich nicht so schnell offen."
Großbritannien, Frankreich, Spanien - jene Länder, die bei Sprachferien und Studienaufenthalten besonders beliebt sind - schneiden bei den Schülern hingegen ganz schlecht ab.

Mehr Schüler gehen ins Ausland

Helmut Hampel, Geschäftsführer der "Gesellschaft für Studienreisen", erzählt sogar, dass er die Destination Großbritannien schon vor Jahren aus dem Programm genommen habe - "wegen zu geringer Nachfrage".
Aber nur für diese Destination. Die Zahl jener, die ins Flugzeug steigen, um ein Semester oder gleich ein ganzes Jahr im Ausland zur Schule gehen, nimmt nämlich zu. "Seit zehn Jahren sind es kontinuierlich merklich mehr geworden", berichtet Katharina Clausig, bei EF-Sprachreisen für Schulbesuche im Ausland zuständig.
Im Bildungsministerium bestätigt man diesen Trend -auch wenn man die genaue Zahl nicht kennt. Schließlich laufen die Bewerbungen über die jeweiligen Schulen ab; und organisiert wird der Aufenthalt von kommerziellen oder gemeinnützigen Austausch-Organisationen.
In vorsichtigen Schätzungen ist von aktuell etwa 500 Austauschschülern pro Jahr die Rede. Eine Zahl, die nicht nur das Ergebnis einer Bildungspolitik ist, die Auslandsaufenthalte immer mehr forciert. Stichwort: Internationalisierung als Karriere-Bonus. Und natürlich die Möglichkeit, die Sprache bei Native Speakers zu lernen.
Auch die Bürokratie spielt eine gewichtige Rolle. Seit Mitte der 1990er Jahre reicht nämlich bei einem fünf- bis maximal zwölfmonatigen Auslands-Intermezzo eine Schulbesuchsbestätigung als Leistungsnachweis. Neumüller: "Durch die Anrechnung sind sicher mehr Schüler als davor ins Ausland gegangen."
Der Zenit dürfte mittlerweile erreicht sein. "Durch die Finanzen sind da Grenzen gesetzt. 5000 Euro Minimum für ein Jahr - das können sich nicht wahnsinnig viele Eltern leisten", so Neumüllers Einschätzung. Finanzielle Unterstützung gebe es in der Regel nämlich keine bei Auslandsaufenthalten, die individuell und nicht über die Schule organisiert werden.
Und noch ein weiteres Hindernis kommt laut Hampel von der "Gesellschaft für Studienreisen" dazu: "So einen Aufenthalt können nur die besseren Schüler machen; die, die Probleme haben, werden gar nicht genommen."

Nur für gute Schüler geeignet

Schließlich müssten sie nach ihrer Rückkehr in der Lage sein, den verpassten Stoff selbstständig nachzulernen. Wie gewichtig dieser Punkt ist, zeigt ein weiterer Trend. Hampel: "Früher haben viele ihr Austauschjahr in der siebten Klasse absolviert, heute machen es die meisten mit 15 oder 16, nur wenige mit 17 - wegen der Maturavorbereitung." jule

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