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AK-Studie: Hebelwirkung der Weiterbildung

01.02.2008 | 18:25 |  HEDWIG SCHUSS (Die Presse)

Weiter-bildungs-maßnahmen erhöhen die Produktivität um vier Prozent.

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WIEN. Dass in Weiterbildung von Mitarbeitern investiertes Geld zum Fenster hinaus geworfen ist, glaubt schon lange niemand mehr. Wie groß der Nutzen aber konkret ist, das hat die Arbeiterkammer für Österreich jetzt erstmals von der Universität Linz erheben lassen. „Eine enorme Hebelwirkung von Weiterbildung“ sei das Ergebnis, wie Johanna Ettl, Bildungsexpertin der Arbeiterkammer Wien, betont. Denn bereits nach drei Monaten haben sich die Kosten für Weiterbildung wieder amortisiert.

Bei einer Studie von McKinsey stellte sich heraus, dass jeder Euro, der in die Förderung der frühen Jahre von Kindern investiert wird, volkswirtschaftlich mit zwölf Prozent verzinst wird. Der Nutzen von Weiterbildungsmaßnahmen ist überraschenderweise sogar noch größer. Denn jeder Euro, der für Weiterbildung ausgegeben wird, bringt das Dreizehnfache für das Unternehmen. Die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters erhöht sich um vier Prozent. Im folgenden Jahr hielt die Produktivitätssteigerung immerhin noch mit zusätzlichen zwei Prozent an.

Trotzdem bekommen zwei Drittel der Arbeitnehmer nie in ihrem Arbeitsleben die Möglichkeit, eine Weiterbildungsmaßnahme in Anspruch zu nehmen. Speziell in Klein- und Mittelbetrieben stehen die Chancen schlecht. „Das ist eine Frage der Entbehrlichkeit in der Arbeitszeit“, wie Ettl betont. Arbeitgeber in kleineren Betrieben seien hier einfach nicht so flexibel wie Großunternehmer. Aber angesichts des hohen Nutzens seien der Staat und die Unternehmer gleichermaßen gefragt.

Ein Anspruch auf jährlich 35 Stunden Weiterbildung in der bezahlten Arbeitszeit für alle Arbeitnehmer sei daher eine zentrale Forderung der Arbeiterkammer, wie Ettl bekräftigt. Um Klein- und Mittelbetrieben mehr Weiterbildung für ihre Arbeitnehmer möglich machen zu können, pocht die Arbeiterkammer auf die Einrichtung von Qualifizierungsverbünden. Hierbei schließen sich mindestens drei Betriebe mit dem Ziel zusammen, Qualifizierungsmaßnahmen einvernehmlich für alle Mitarbeiter zu planen und gemeinsam durchzuführen. Dabei auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter (Schichtarbeit oder Kinderbetreuungspflichten) Rücksicht zu nehmen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Dass die Weiterbildungsmaßnahme in der Arbeitszeit stattfinden soll, verteidigt die Bildungsexpertin. Die Unternehmer sollten sich schon bewusst sein, dass das Ganze nicht là pour là sei, sondern sehr wohl auch dem Unternehmen etwas bringe.

Was mehr und was weniger bringt, hat die Uni Linz im Auftrag der Arbeiterkammer auch erhoben und hierbei durchaus überraschende Ergebnisse erzielt. So bringt die Weiterbildung von persönlichen Fähigkeiten (Soft-Skills) wie etwa Schulungen der Teamfähigkeit einen höheren Produktivitätszuwachs als beispielsweise Sprach-, Marketing- oder IT-Kurse.

Auch trugen jene Weiterbildungsmaßnahmen mehr Früchte, die direkt innerhalb des Unternehmens organisiert wurden. Ettl führt das darauf zurück, dass hier ein größerer Bezug zu den Problemen und Fragestellungen des Unternehmens hergestellt werden kann. An zweiter Stelle in dieser Nutzenpyramide stehen die Fortbildungsveranstaltungen der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände. Den vergleichsweise geringsten Effekt zeitigten Kurse von externen privaten Anbietern. Interessant sei jedenfalls, dass umso mehr in die Fortbildung der Mitarbeiter investiert werde, je gebildeter diese bereits seien. Dabei sei gerade für weniger gut ausgebildete Arbeitnehmer eine betriebliche Fortbildungsmaßnahme wertvoll.


Erträge auch für Arbeitnehmer

Ein Anliegen der Arbeiterkammer ist es auch, dass Arbeitnehmer von den höheren Erträgen ihrer Arbeitgeber durch die Weiterbildungsmaßnahmen profitieren. Derzeit gelange von jedem Euro, der zusätzlich erwirtschaftet werde, weil sich die Beschäftigten weiterbilden, nur 15 Cent auf die Konten der Arbeitnehmer. „Da würde man sich schon etwas mehr vorstellen“, so Johanna Ettl.

AUF EINEN BLICK

AK-Studie zur Rentabilität von Weiterbildungsmaßnahmen. Die Uni Linz fand im Auftrag der Arbeiterkammer heraus, dass jeder Euro in Weiterbildungsmaßnahmen investiert, 13 zusätzliche Euro für das Unternehmen bringen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2008)

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2 Kommentare
Gast: test
29.02.2008 13:41
0 0

test

test

Denker
03.02.2008 02:12
0 0

Ah, da schau her kommt die AK auch schon drauf, dass

der finanzielle Gewinn für Weiterbildungsmaßnahmen der ArbeiterInnen dank der Steuerprogression bescheiden ausfällt. Beispiel: Meiner Gattin (Apothekerin) wurde der Vorschlag gemacht statt 40% der Normalarbeitszeit 80% zu arbeiten. Kurzes Nachrechnen ergab, dass sich ihr Nettogehalt um weniger als 55% erhöhen würde und noch dazu ihre Ansprüche auf eine Witwenpension entscheidend geschmälert werden.

Soviel zu den ExpertInnen der Arbeiterkammer was Steuerprogression und Frauenanteil an leitenden Positionen betrifft

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