Boston (AP/tom). John LeSieur arbeitet im Software-Geschäft – deshalb interessierte es ihn besonders, als er sah, dass Computer für seinen Enkel Zackary (6) anscheinend völlig wertlos waren. Der Bub leidet an Autismus. Die Vielzahl an Optionen auf dem Bildschirm verwirrte ihn so sehr, dass er die Maus frustriert in die Ecke warf.
LeSieur suchte nach Online-Tools, die autistische Kinder durch das World Wide Web führen könnten – vergeblich. So machte er sich selbst an die Arbeit und entwickelte den Zac Browser für autistische Kinder. Er steht frei im Internet zu Verfügung (www.zacbrowser.com). Der Zac Browser läuft auf Windows-Rechnern und bietet eine neue Oberfläche für den Computer – ein Aquarium. Er blendet den größten Teil des Webs aus und nutzt nur einige handverlesene Sites für Spiele, Musik und Videos. Tatsächlich hat der Nutzer des Zac Browsers keine allzu große Wahl, was aber für Kinder wie Zackary, die durch zu viele Möglichkeiten überfordert sind, sinnvoll ist. Der Zac Browser schaltet zum Beispiel auch einige Tasten der Tastatur und die rechte Maustaste ab, die von Kindern meist ohnehin nicht benutzt werden.
Die Kinder wählen beim Zac Browser ihre Aktivitäten über große bunte Buttons aus. Werbung und andere aufblinkende Bilder, die ablenken könnten, gibt es nicht. Alles wirkt betont ruhig und entwickelt sich ganz langsam. Autismus beeinflusst meist die Fähigkeit eines Menschen, mit anderen kommunizieren zu können. Und auch Zackary spricht nicht viel. Aber seine Mutter, Emmanuelle Villeneuve, berichtet, dass der Bub den Browser alleine startet und dass er es liebt, Musik zu hören und Puzzles zu lösen. Während er beim Fernsehen immer noch aggressiv reagiert, passiert das beim Computer nicht mehr.
Autisten pflegen virtuelle Tiere
LeSieur entwickelte den Browser, ohne vorher mit Experten für Autismus und andere Störungen zu sprechen. Seine Firma schaute für den Browser nur auf die Bedürfnisse von Zackary. Nach und nach soll das Programm noch weiterentwickelt werden, wobei die Erfahrungen und Vorschläge anderer Eltern mit einfließen sollen. Das Internet müsse nicht notwendigerweise eine Hürde für autistische Kinder sein, sagt auch der US-Autismus-Experte James Ball. Viele Kinder nutzten zum Beispiel gerne die Website Webkinz, wo sie virtuelle Tiere pflegen können. Andere fänden es leichter, in Chat-Rooms oder über Instant Messaging zu kommunizieren als im direkten Kontakt.
LeSieurs Ansatz, Störungen möglichst auszublenden und den Browser zum Aufbau von Selbstvertrauen einzusetzen, sei „eine sehr gute Idee“, meint Dianne Zager vom Zentrum für Autismus-Forschung an der Universität Pace. Viele autistische Schüler könnten am besten lernen, wenn alle unnötigen Ablenkungen vermieden würden.