Wenn Unternehmen – wie derzeit Banken oder die Automobilindustrie – einen Canossagang absolvieren und um staatliche Unterstützung ansuchen müssen, hat das Risikomanagement definitiv versagt. Doch nur die wenigsten Firmen dürfen erwarten, im Fall des Scheiterns von der öffentlichen Hand aufgefangen zu werden. Die meisten müssen den Schaden allein tragen – mit allen Konsequenzen. In jüngster Zeit sind Unternehmen deshalb auch durch neue gesetzliche Regelungen verstärkt verpflichtet, ihre Risken systematisch zu bearbeiten: Die achte EU-Richtlinie, das Unternehmensrechtsänderungsgesetz URÄG 2008, oder aufsichtsrechtliche Änderungen für bestimmte Branchen zwingen sie dazu.
Risken lauern überall
„Risiko ist die Bugwelle des Erfolges“, meinte der deutsche Schriftsteller Carl Amery. Risken einzugehen gehört zum unternehmerischen Handeln, Risken lauern deshalb aber auch in allen Bereichen der Geschäftstätigkeit: Die Preise für Rohstoffe können steigen, der Markt kann sich verändern, auch Zins- und Währungsschwankungen wirken sich auf die Bilanz aus. Professionelles Risikomanagement analysiert und bearbeitet diese Gefahrenherde mit standardisierten Methoden. Je nach Firmengröße ist entweder der Unternehmer selbst dafür verantwortlich oder ein Mitarbeiter damit beauftragt. Sehr große Firmen richten eigene Stabstellen ein, andere wiederum kaufen die entsprechenden Leistungen von externen Beratern.
Mittlerweile gibt es verschiedene Ausbildungen und Kurse, mit denen man sich zum zertifizierten Risikomanager weiterbilden kann. Das Österreichische Normungsinstitut hat einen fünftägigen Kurs entwickelt, den in Österreich, Deutschland und der Schweiz insgesamt bereits mehrere hundert Personen absolviert haben.
„Die Ausbildung umfasst zwei Bereiche“, sagt Kursleiter Bruno Brühwiler. „Einerseits ist ein Risikomanager in der Lage, nach anerkannten Methoden wie der Szenario- oder der Gefährdungsanalyse eine Risikobeurteilung abzugeben. Andererseits kann er ein Risikomanagementsystem entwickeln und umsetzen.“
Querschnittsmaterie
Auch die Zertifizierungsstelle Quality Austria (QA) bietet einen sechstägigen Lehrgang an. „Der Kurs wendet sich an Topentscheider wie Geschäftsführer oder Prokuristen sowie an Qualitäts-, Umwelt- und Sicherheitsmanager gleichermaßen“, sagt Axel Dick, Leiter Business Development bei QA. „Risikomanagement ist einerseits eine Querschnittsmaterie, andererseits können die Methoden in verschiedenen Unternehmensbereichen eingesetzt werden.“
Darüber hinaus ist Risikomanagement oft Teil des Lehrplans in verschiedenen betriebs- und finanzwirtschaftlichen Studien. An der FH Salzburg etwa ist Risk Management eine mögliche Vertiefung im Studiengang Betriebswirtschaft. Dort hält Martin Goworek, Partner bei Ernst & Young Wien und Spezialist für Business Risk Services, regelmäßig Lehrveranstaltungen ab. „Je früher Risikomanagement in Trainee-Programme integriert wird, umso besser“, sagt er. Um als Berater im Risikomanagement tätig zu sein, braucht es umgekehrt praktische Erfahrungen aus einer operativen Tätigkeit, sagt er.
Trotz aller Veränderungen ist das Bewusstsein, dass man sich für Risikomanagement Unterstützung holen kann, in Österreich noch geringer ausgeprägt als in anderen westeuropäischen Ländern. „Man sieht es als selbstverständliche Kernkompetenz des Chefs und will sich nur ungern benchmarken lassen“, sagt Goworek. „In Österreich muss man oft zuerst einmal erklären, dass man dem Unternehmer etwas zu sagen hat, das er noch nicht weiß.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2008)

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