Lehrerbildung: Schmied legt Fünf-Punkte-Programm vor

22.02.2012 | 09:19 |  Von Julia Neuhauser (DiePresse.com)

Die Pattstellung in Sachen neuer Lehrerbildung soll nun endlich aufgelöst werden. Am Mittwoch treffen sich Unterrichtsministerin Schmied und WissenschaftsministerTöchterle zu Gesprächen.

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Dass bei der Lehrerausbildung kein Stein auf dem anderen bleibt, steht bereits seit Längerem fest. Wie diese Veränderungen genau aussehen sollen, darüber sind sich Unterrichts- und Wissenschaftsministerium aber noch nicht einig. Nun könnte es aber bald zu einer Annäherung kommen. Morgen, Mittwoch, gibt es ein Treffen zwischen den beiden Ministern.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wird ihrem ÖVP-Gegenüber Karlheinz Töchterle dabei einen Katalog mit den fünf dringlichsten Anliegen vorlegen:

  • Die Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen (PH): Schmied pocht darauf, die PH zu Pädagogischen Unis aufzuwerten. Wichtig dabei: Das Studienangebot dahingehen auszubauen, dass auch öffentlich-rechtliche Masterabschlüsse an den PH möglich werden.
  • Die Einrichtung eines gemeinsamen Entwicklungsrates: Seine Aufgabe ist die Ausarbeitung von Vorschlägen, wo die Lehrerbildung künftig stattfinden soll. Das wird wohl einer der heißdiskutiertesten Punkte zwischen den Ministerien werden. Denn während sich die Unterrichtsministerin eine Aufwertung der PH zur Pädagogischen Uni wünscht, würde der Wissenschaftsminister die Lehrerausbildung lieber zur Gänze an der Uni sehen.
  • Einführung von "Fast-Track"-Ausbidungen: Berufsbegleitenden Lehramtsstudien sollen ausgebaut werden. Damit sollen vermehrt Quereinsteiger für den Lehrberuf gewonnen werden. Das „Fast Track"-Angebot soll den Umstieg auf den Lehrberuf erleichtern.
  • Die Einrichtung von Verbundprofessuren: Um Personen zu gewinnen, die die Masterstudien auch betreuen können, braucht es Professoren. Im Bereich der Fachdidaktiken soll deshalb professionsorientierten Doktoartsstudien gefördert werden.
  • Die Ausbildung qualifizierter Mentoren: Um jungen Lehrern den Berufseinstieg zu erleichtern, sollen eigene Mentoren ausgebildet werden.

 

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15 Kommentare
5 3

Fast Track, without von delay

1.) Die PHs sind ein Sammelsurium aus Unterrichtsflüchtlingen und Parteigünstlingen. Ende des Winterschlafes, Beginn der Frühjahrsmüdigkeit.

2.) Wenn in diesem "Entwicklungsrat" wieder dieselben schmiedschen Bildungsexperten sitzen, dann ist das Ergebnis bereits ideologisch vorprogrammiert.

3.) Fast Track? Anglizismen wie dieser sollen den sich anbahnenden Lehrermangel verschleieren: jeder, der halbwegs gerade stehen kann, wird in Zukunft mit Handkuss genommen.

4.) Das Bachelor/Mastersystem ist im Allgemeinen und bei der Lehrerausbildung im Speziellen für die Würscht. Den ganzen Mist braucht man nur, um sich möglichst billige Lehrkräfte zu halten.

5.) Früher gab's den "Einführenden", dann den "Betreuungslehrer" und jetzt offensichtlich einen "Mentor". Ich vermute, dass man das ändern möchte, weil man dem Mentor nichts zahlen will.

Wenn das die dringlichsten Anliegen sind, dann gute Nacht.

bevor punkt 1. überhaupt in angriff genommen wird

ist zu hoffen, dass bald jemand anderer diese baustelle aufräumt.

Gast: Ichweißnicht..
23.02.2012 06:36
0 0

Ein bisschen verwirrend

die Voschläge der Fr.Schmied.
Sie klingen so, als ob man auf Teufel komm raus Möglichkeiten schaffen möchte, neue LehrerInnen zu lukrieren (Fast-Track, Mentoren...).
So kriegt man die Besten der Besten?

Gast: 1. Parteiloser
22.02.2012 17:15
1 12

Auch 5 Punkte!

1) Die Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen (PH) zu Pädagogischen Unis aufzuwerten bringt nichts, wenn die Lehrpersonen nicht mehr können!

2) Die Einrichtung eines gemeinsamen Entwicklungsrates bringt den Schülern gar nichts, den Lehrpersonen auch nichts, den Räten vielleicht aber schon.

3) Die Einführung von "Fast-Track"-Ausbidungen, also berufsbegleitenden Lehramtsstudien, widersprechen dem Wunsch von Punkt 1 (nur Päd. Unis) diametral. Haben die einen Huscher?

4) Im Bereich der Fachdidaktiken soll deshalb professionsorientierten Doktoratsstudien gefördert werden. Welchen Nutzen werden die Schüler davon haben?

5) Die Ausbildung qualifizierter Mentoren, um jungen Lehrern den Berufseinstieg zu erleichtern! Es scheint, dass die päd. Unis auch keine Persönlichkeiten ausbilden können, welche die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ermöglicht!

Noch ein Punkt!
Die beste Ausbildung, die besten Fähigkeiten, der Lehrpersonen nutzen den Schülern nichts, wenn diese nicht zum Nutzen der Schüler angewandt werden. Das scheint eines der Hauptprobleme der Schulen zu sein. Es braucht ja schon 2,2 Lehrpersonen pro Schulklasse, weil die Lehrpersonen im Kollektiv, und per Gesetz, kaum direkt mit den Schülern arbeiten.

Schaut nach einer OECD Studie so aus:
In der Volksschule standen österreichische Lehrer 2009 mit 779 Stunden in der Klasse.

Hauptschule, AHS-Unterstufe nur noch 607 Stunden.

Oberstufe, BHS) nur noch 589 Stunden.

Ein degenerierter Haufen?

Zum Thema OECD_Studie

Vorausgeschickt sei, dass es sich dabei nicht um die Arbeitszeit einer Lehrperson geht, sondern rein um die "Unterrichtszeit".

Unterricht in vollen Stunden(60 min) pro Lehrer im internationalen Vergleich:
1.Primarstufe (6-10jährige):
Österreich:
Von der Gewerkschaft vorgeschlagen: 795
Von der Eltern durchgesetzt: 774

Finnland: 677
Deutschland: 806

2. Sekundarstufe I:
Österreich:
Von der Gewerkschaft vorgeschlagen: 624
Von der Eltern durchgesetzt: 607

Finnland: 592
Deutschland: 758

3. Sekundarstufe II:
Österreich:
Von der Gewerkschaft vorgeschlagen: 605
Von der Eltern durchgesetzt: 589

Finnland: 550
Deutschland: 714

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
22.02.2012 20:52
1 10

Re: Zum Thema OECD_Studie

Nachgeschickt sei, dass ich ganz genau von der "kaum direkt mit den Schülern arbeiten" formuliert habe. Wenn Sie des sinnerfassenden Lesens wirklich mächtig wären, dann hätten Sie das auch erkannt und kein Vorausschicken gebraucht.

Die Vergleiche mit anderen Ländern sind absolut nicht relevant. Das kommt daher, weil die Schüler mehr direkte Arbeit von den Lehrpersonen brauchen und die Gesellschaft eine Entlastung durch die irren Kosten des gewaltigen Personalübergangs.

Was die Elternvertreter vorgeschlagen haben, das ist auch nicht relevant, weil es nur eine kleine Gruppe ist, welche niemals für alle Eltern sprechen können. Bei genauerer Betrachtung ist es auch egal was die Elternvertreter wollen, es geht allein darum was die Kinder und Jugendlichen an Zuwendung brauchen.

So wie es heute läuft ist das gesamte Bildungssystem ein typischer Parteibonzenmisthaufen. Das ist alles eine kranke staatliche Planwirtschaft, also eine Mangelwirtschaft.

Da werden, so wie in den Comecon Gebieten, einen Haufen an Thesen gedroschen, hin- und hergeschoben, Ideologien aufgestellt, Papiere und Vergleiche produziert (auch wenn diese noch absurd waren) und es war immer der Andere oder die Anderen am eigenen Versagen Schuld. Der Prozess im Osten war schleichend, der Prozess in Österreich ist auch schleichend.

Ganz sicher ist aber, dass sich Ö weder schwache Absolventen leisten kann, noch ein so teueres Bildungssystem!

Antworten Antworten Antworten Gast: Experte44
25.02.2012 20:38
5 0

Die Lösung

Sparen, Sparen, Sparen!

die Lehrer 1000 Stunden arbeiten lassen, aber 60 Minuten Stunden

die Lehrer in der Öffentlichkeit als faul und unfähig beschimpfen, damit sie mehr leisten

die Lehrer dienstrechtlich unter Druck setzen (zum Beispiel jedes Jahr die zwei unbeliebtesten Lehrer einer Schule entlassen - die Schüler und die Eltern wählen)

Österreich nur beim PISA Test mit den anderen Ländern vergleichen, nicht beim Verdienst (in Deutschland ist der Verdienst deutlich höher, daher die höheren Jahresunterrichtsstunden) und ja nicht bei den in einem Jahr zu haltenden Stunden (in Finnland betragen diese in der Sekundarstufe II nur 550 Stunden)

So kann man mit Niveau auf das Bildungssystem und die "faulen" Lehrer hinschlagen (ohne irgendetwas zu kapieren), und seinen eigenen Frust bekämpfen.

Kopieren von fragwürdigen statistischen Daten und diese ohne Hirn vergleichen

Die Folgen:

unmotivierte, unwillige Lehrer
ungebildete, hirnlose Absolventen
das Bildungssystem auf NULL

EINE PARTEILOSE LÖSUNG????
EINE HIRNLOSE LÖSUNG???

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
26.02.2012 12:45
0 6

1999

Schon 1999, also vor dem Pisaresultaten in der Öffentlichkeit, ohne die OECD Studie zu den realen Unterrichtsleistungen der Lehrpersonen Österreichs, da hatte Österreich:

Unmotivierte, unwillige Lehrer
ungebildete und daher auch hirnlose Absolventen,
das Bildungssystem auf NULL!

Das Dumme für diese Gruppe Asozialer ist nämlich, dass deren asoziales Verhalten gegenüber den Kindern und Jugendlichen nun gut dokumentiert ist.

Das Dumme für die Gesellschaft ist aber, dass diese Asozialen weiter, mit aller Gewalt, asozial bleiben wollen.

Die Asozialen sind so Dumm, dass diese gar nicht erkennen können, dass sich ein wesentlicher Bodensatz an Lehrpersonen gebildet hat, vor welchen die Schüler geschützt werden müssen. Die Betroffenen werten das als unzulässigen Druck, weil diese sich niemals dem realen Leben stellen würden.

Die Daten sind ja nicht von den Bürgern gekommen und auch nicht durch die OECD entstanden. Diese Daten haben die Lehrpersonen, samt der GÖD und einem kranken Gesetzgeber selber gemacht, die OECD hat diese nur berichtet.

Ja, Österreich braucht für das Bildungssystem parteilose Lösungen, nicht aber hirnlose Parteilösungen!

Leider sind die Lehrpersonen überhaupt nicht bereit an den notwendigen Verbesserungen mitzuarbeiten und fühlen sich nur gebasht, die kindischen Totalversager.

Ich würde die Lehrpersonen aber nicht nur 1.000 Stunden zu 60 Minuten arbeiten lassen, sondern 1.800 Stunden, davon etwa 1.000 Stunden direkt mit den Schülern!

Da die Elternvertreter gewählt wurden, vertreten sie zumindest mehr als 50% aller Eltern.

Außerdem haben sie die Arbeitszeiten der Lehrer nicht nur vorgeschlagen, sondern auch gegenüber der derzeitigen UM durchgesetzt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
23.02.2012 19:39
1 7

Re: Da die Elternvertreter gewählt wurden, vertreten sie zumindest mehr als 50% aller Eltern.

Haben Sie Daten zur Wahlbeteiligung (aller Eltern von Schülern!) um die demokratische Legitimation der Elternvereine beurteilen zu können?

Die realen Arbeitszeiten, die kennt doch kein Mensch wirklich und die sind auch sehr von der einzelnen Lehrperson abhängig. Die real geleisteten Arbeitszeiten werden wohl zwischen 800 Stunden und 2.300 Stunden pro Jahr liegen.

Die extrem geringen Unterrichtszeiten, die sind sehr wohl dokumentiert, genauso dokumentiert wie die immer schwächeren Leistungen der Absolventen.


10 0

Re: Re: Zum Thema OECD_Studie

@Parteiloser
Sie schreiben, als wären Sie der Gescheiteste. Dabei haben Sie die Argumentation von Schweijk gar nicht erfasst. So viel zum sinnerfassenden Lesen...

Außerdem käme konstruktive Kritik viel besser an. Versuchen Sie es einmal damit.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
23.02.2012 13:02
0 7

Re: Re: Re: Zum Thema OECD_Studie

Ich bin doch auf die Argumente des Dr. Schwejk voll eingegangen.

Das betraf die Relevanz der Forderungen der Eltern(vereine) genauso wie die Relevanz der Daten aus Finnland.

Schlaue Menschen hätten auch erkannt, dass durchaus eine konstruktive Kritik vorhanden war. Es geht doch darum die Staatswirtschaft, welche immer eine Planwirtschaft ist, also auch systembedingt eine Mangelwirtschaft sein muss, zu beenden. Schlaue Menschen hätten erkannt, dass ich der Meinung bin, dass nur eine vollständige Privatisierung der Schulen die Bildungsmisere beenden kann.

Das Kompliment mit dem sinnerfassenden Lesen, das reflektiert doch eher auf Sie.

Gast: 2Cent
22.02.2012 10:18
2 0

Wenn ich mal nicht weiter weiß

dann gründ ich einen Arbeitskreis.

So viel zu noch einem "Experten"gremium.

Gast: Insider1
22.02.2012 09:54
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Viele Widersprüche

"vermehrt Quereinsteiger für den Lehrberuf" - gleichzeitig gestaltet man das Dienstrecht so, dass man bei fachspezifischen - aber nicht in einer öffentlichen Institution geleisteten - Arbeitszeiten keinerlei Anrechnungen bekommt. Man steigt als Junglehrer/in ein - sehr motivierend! Auf der anderen Seite wird jede Tätigkeit beim Bund etc. voll angerechnet - auch wenn sie mit der späteren Verwendung überhaupt nichts zu tun hat.

"Im Bereich der Fachdidaktiken sollen deshalb professionsorientierte Doktoratsstudien gefördert werden." (P.S. Originaltext = ziemlicher Rekord, was Fehler in einem Satz anbelangt) Gleichzeitig bringt man derzeit an den Univ. das berufsbegleitende Doktoratsstudium (in der Fachdidaktik typisch) systematisch um - heraus kommen dann Fachdidaktiker, die eine Schule noch nie von innen gesehen haben - ein toller Fortschritt.

Gast: Lustig sama
21.02.2012 23:56
2 4

Faschingsscherz?

...öffentlich-rechtliche Masterabschlüsse an den PH möglich werden.Master of Fast-Track oder als Abendseminar?

Schlagzeilen Bildung

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