Wien/M.l. Bis heute sind Berufe, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, in Österreich deutlich schlechter bezahlt als typische „Männerberufe“. Gehen Frauen jedoch in eine Männerbranche, können auch sie gut verdienen. Das zeigt die aktuelle Bildungsmonitoring-Studie der Statistik Austria. Das deutlichste Beispiel: Rund 81,5 Prozent der Absolventen einer Lehrerausbildung sind Frauen. Und nur 18,3 Prozent der Lehrerinnen verdienen in ihrem ersten Job mehr als 2400 Euro im Monat brutto (siehe Grafik).
Genau umgekehrt ist die Situation in technischen Berufen: Nur 10,1 Prozent der Uni- oder FH-Absolventen in diesem Bereich sind weiblich, aber fast 40 Prozent der Frauen in technischen Berufen haben einen Monatslohn von mehr als 2400 Euro. Am besten verdienen Informatikerinnen, dort liegt der Anteil der Gutverdienerinnen bei fast 52 Prozent. Auch im Gesundheitswesen, der Wirtschaft und Verwaltung, in der Chemie und im Baugewerbe werden Frauen gut bezahlt. Am schlechtesten verdienen sie in sozialen Berufen, Geisteswissenschaften, im Journalismus und im Bereich Recht. Im Mittelfeld liegen Wirtschaft, Verwaltung, Architektur und Baugewerbe.
Darüber, ob Frauen in „Männerbranchen“ gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, sagt die Studie jedoch nichts aus. Auch ihr Karriereverlauf und wie sich das Gehalt später entwickelt, ist unklar.
Für Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist die Lösung, mehr Frauen in technische Berufe zu bringen. Die meisten Mädchen würden sich immer noch zwischen vier Lehrberufen entscheiden. Aber auch die Aufwertung der „Frauenberufe“ sei wichtig: Sobald Männer in einen Berufsstand kämen, steige dort das Prestige und damit auch das Gehalt, sagt Heinisch-Hosek zur „Presse“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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