Der Mensch ist der wichtigste Erfolgsfaktor jedes Wirtschaftsunternehmens. Entsprechend bedeutend ist das Management dieser Ressource. Personalmanagement heißt: die Verwaltung des vorhandenen Personals, das Reagieren auf Auftragsspitzen, für die mehr Arbeitskräfte gebraucht werden, oder auf unerwartete Ausfälle. Außerdem müssen die Arbeitskräfte so eingesetzt werden, dass ihre individuellen Fähigkeiten am besten genützt werden können, dass sie sich bei ihrer Arbeit wohl fühlen (und so mehr leisten), dass sie in ein kompatibles Team eingebunden sind und nicht zuletzt, dass Weiterbildungsmöglichkeiten geboten werden.
„Dem systematischen Management von Personal kommt in einem Unternehmen eine für das Überleben strategische Bedeutung zu“, sagt Johannes Springer vom Aachener Institut für Arbeitswissenschaften. Die wenigstens zeitweise Überwindung der jüngsten Krise mit ihrem Auftragseinbruch in vielen Sparten hat Unternehmen veranlasst, statt der Aufstockung des fixen Personals, das später auch in möglichen schlechteren Zeiten durchgezogen werden müsste, eine andere Strategie zu verfolgen: Die Lücken mit Leiharbeitern zu füllen. Die noch instabile Industriekonjunktur hat die Zahl der Leiharbeiter in Österreich derzeit auf über 80.000 ansteigen lassen. Beim Arbeitsmarktservice richtet sich ein Drittel aller angebotenen Stellen an Leiharbeiter. „Die Personaldienstleistungsbranche ist ein Konjunkturbarometer, sie spürt Krise und Aufschwung als erste“, sagt Gerhart Zehetner, Unternehmer und Fachgruppenobmann der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Noch würden, kritisiert er, in Österreich nicht alle Möglichkeiten genützt, die die EU bietet. Arbeitskräfteüberlassung, wie Leiharbeit mit dem Fachausdruck heißt, wird zum Beispiel nur selten von Österreich aus über die Grenzen angeboten.
Gezielte Weiterbildung
Um diesen Möglichkeiten gerecht zu werden, ist vor allem eine gute Ausbildung nötig, ist Michael Fleischhacker überzeugt. Er ist nicht nur Personal- und Kundenbetreuer der BIS Personalservice Österreich, sondern seit vorigem September auch Studierender im Universitätslehrgang „Professional Workforce Management“ an der Donau-Universität Krems, der sich speziell an Führungskräfte von Personaldienstleistungsunternehmen sowie Personalberater und die Führungs- und Beratungsebene des Arbeitsmarktservices richtet. Gerade für ein Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen sei gezielte Weiterbildung unabdingbar, meint er. Nur so könne man sich auf Auslastungsschwankungen, wie wir sie derzeit erleben, rechtzeitig einstellen. Fleischhacker will in dem viersemestrigen Lehrgang an der Donau-Universität Krems vor allem strategisches und unternehmerisches Denken vertiefen und Kompetenz in arbeits- und sozialrechtlichen Belangen erwerben. „Der Lehrgang bietet eine unternehmerische Komplettausbildung in universitärem Rahmen“, erklärt Fleischhacker. Neben den relevanten Themen wie Arbeitsrecht und Vertriebsorganisation gebe es Module der Unternehmensführung, etwa Qualitätsmanagement, Kommunikation oder Mitarbeiterführung.
Auch der Anschluss an die Praxis sei gewährleistet. So würden in den Seminaren des berufsbegleitenden Lehrgangs Probleme aus den eigenen Betrieben der Teilnehmer besprochen. „Meine Studienkollegen sind allesamt als Führungskräfte der mittleren und oberen Ebene tätig“, sagt Fleischhacker. Der Lehrgang erfordere insgesamt rund 30 Tage Anwesenheit in Krems, teilweise auch an den Wochenenden. Sonst aber können die Studierenden auf der Lernplattform „Moodle“ nicht nur arbeiten, sondern auch kommunizieren. „In Summe ist der berufsbegleitende Studiengang nicht zeitraubender als vergleichbare Ausbildungen, manche Module könnten für mich daher durchaus ein oder zwei Tage länger dauern, da viele interessante Themenbereiche sehr komprimiert vorgetragen werden.“ Die Branche ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, und allein daraus werde die Bedeutung der Arbeitskräfteüberlassung deutlich, meint Fleischhacker. Dass aber die Leiharbeitsbranche dem prognostizierten Facharbeitermangel entgegenwirken könne, bezweifelt der Experte. „Man hat mit der Diskriminierung der Branche, etwa in der Ausländerbeschäftigung, zu kämpfen“, sagt Fleischhacker. Wenn die Zuwanderung auf dem Arbeitsmarkt weiterhin über Quoten gesteuert werden solle, dann müssten diese auch der Leiharbeitsbranche zugänglich gemacht werden. Außerdem müssten die Quoten ausreichend hoch sein. Fleischhacker hat noch eine weitere Forderung: Die kollektivvertragliche Eigenständigkeit der Leiharbeitsbranche sei längst überfällig.
Professional Workforce Management
www.donau-uni.ac.at/pwm

