Ist Teilzeitarbeit eine gute Möglichkeit für Eltern, Familie und Job unter einen Hut zu bringen oder eine Fallstrick für Frauen? Die Parteien sind sich in diesem Thema ausgesprochen uneinig. SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek etwa sprach sich kürzlich dafür aus, den elterlichen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit von sieben auf vier Jahre verkürzen. Sie versteht die "Mutter-bleib-beim-Kind-Mentalität" nicht.
Wirtschafts- und Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) dagegen hat sich am Montag gegen ein Schlechtreden der Teilzeitarbeit ausgesprochen. Im Gegenteil würde diese den Wiedereinstieg und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen, erklärte Mitterlehner. Er reagiert damit auf die Kampagnenbilanz der SPÖ-Frauen: "Achtung Teilzeit: Halber Lohn. Weniger Pension". Diese kritisieren, dass Teilzeitarbeit nur eine Notlösung sei und die meisten Frauen sich dazu gezwungen sehen würden.
Gewünscht: "Mehr Teilzeit, nicht weniger"
Dem wiederspricht der Wirtschaftsminister. AMS-Zahlen würden unterstreichen, dass Teilzeit gewünscht wird und auch den Lebensrealitäten entspricht, so Mitterlehner. Demnach haben im Vorjahr 16 Prozent aller Arbeitssuchenden Teilzeitstellen gesucht, während nur 14 Prozent aller dem AMS gemeldeten Stellen Teilzeitjobs waren. "Die Menschen wollen mehr Teilzeit, nicht weniger", stellte Mitterlehner fest. Er sprach sich weiters gegen "Zwangsverpflichtungen" für Unternehmen und für Entscheidungsfreiheit für berufstätige Eltern aus.
FPÖ: Mütter werden von Kindern entfernt
FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber zeigte sich mit der SPÖ-Frauen- und Familienpolitik "mehr als unzufrieden". Heinisch-Hosek gehe "beharrlich einen Weg, der die Mütter immer weiter von ihren Kindern entfernen soll", erklärte Gartelgruber.
Die Grünen forderten ein Ende der Lohndiskriminierung von Teilzeitbeschäftigten. "Nicht 40 Stunden für ihn und 20 Stunden für sie, sondern 30 Wochenstunden für beide, wäre ein gutes Vereinbarkeitsmodell", meinte die Grünen-Abgeordnete Judith Schwentner.
BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk forderte von der Regierung mehr Initiativen in Richtung Flexibilität am Arbeitsplatz. Die Arbeitszeiten sollen sich an die geänderten Gegebenheiten anpassen, so Schenk.
(APA/Red.)
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