Strahlende Mütter, die durch die Geburt das größte Glück im Leben erfahren: Das Klischee sieht die Zeit rund um eine Schwangerschaft meist ausgesprochen positiv. Doch bei einem Viertel aller Frauen geht dieser Lebensabschnitt mit psychologischen Problemen einher. Die Fachkonferenz "Baby an Bord. Mutter über Bord?" am kommenden Montag in Wien beschäftigt sich mit der oft tabuisierten Thematik.
Eines der wichtigsten Anliegen für Wiens Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) ist die Ent-Tabuisierung: Zusätzlich zu ihrer schwierigen Situation haben viele Patienten ein schlechtes Gewissen und meinen, "nicht richtig zu funktionieren". Ansprechpartner zu haben und darüber reden zu können, zählt zu den zentralen Strategien. Denn auch, wenn die Gesellschaft oft davon auszugehen scheint, dass Nachwuchs grundsätzlich und ganz selbstverständlich mit Erfüllung gleichzusetzen ist, widerspricht das der Lebensrealität von Tausenden Wienerinnen. "Bei jeder Vierten läuft nicht alles ohne Probleme" schilderte Wehsely den "größten Einschnitt im Leben einer Frau". Ambivalente Gefühle, widersprüchliche Gedanken, Unsicherheit und Ängste sind keineswegs eine Seltenheit - bis zu 20 Prozent erleben psychosoziale Krisen und entwickeln Depressionen.
"Wie soll alles weitergehen?"
Meist steht das Thema Sicherheit bzw. Unsicherheit im Fokus. Ob es sich nun um die finanziellen Rahmenbedingungen handelt oder andere Faktoren wie eine verlässliche Partnerschaft: Oft fehlt schlicht die richtige Perspektive. Dabei handle es sich allerdings keineswegs in erster Linie um ungeplanten Nachwuchs. Die bohrende Frage: "Wie soll alles weitergehen?" kann auch im Fall von Wunschkindern bis hin zu schweren Depressionen führen.
Gleichzeitig stoßen Betroffene nicht selten auf wenig Verständnis im Umfeld, was die Problematik noch verschlimmern kann. Die Stadt setzt im Umgang auf Bewusstseinsbildung: Sobald die "anderen Umständen" bekannt sind und Schwangerschaftsambulanzen aufgesucht werden, stehen Ansprechpersonen bereit. Wehsely zeigte sich stolz auf die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte in der Bundeshauptstadt und deren Vernetzung, von der nicht nur die Eltern, sondern auch der Nachwuchs ein Leben lang profitieren können. Für jene 3000 Wienerinnen, die jährlich unter postpartalen Depressionen leiden, steht im Otto-Wagner-Spital eine bundesweit einzigartige Spezialambulanz zur Verfügung.
(APA)
Praktiker, Politiker, ExpertenSigi Maurer: Vom Audimax ins Parlament
Richtig weiblichDie Top Ten der 'Frauenstudien'
Bildungswege im ÜberblickE-Beilage
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











