Kindergarten-Demo gegen "unzumutbare Bedingungen"

04.10.2012 | 11:11 |   (DiePresse.com)

Am Samstag lehnen sich Pädagoginnen und Assistentinnen gegen zu große Krippen, zu kleine Räume und zu wenig Gehalt auf. In Kindergärten und Tagesheimen arbeiten mehr als 50.000 Menschen.

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Die "unzumutbaren Rahmenbedingungen in elementaren Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Krippen und Krabbelstuben" sind der Grund für eine Demonstration am Samstag. Pädagoginnen aus Kindergarten und Hort prangern die Zustände ebenso an wie Kindergartenhelferinnen und Assistentinnen. Zu große Gruppen, zu kleine Gruppenräume und Verdienstmöglichkeiten, Zeitdruck sowie der "Fleckerlteppich" bei den gesetzlichen Bestimmungen: Die Bedingungen wirken sich ebenso auf das Personal der Kindergärten wie auch die Kinder aus. Die knappen Ressourcen würden die Umsetzung des "bundesländerübergreifenden Bildungs-Rahmenplans für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich oft unmöglich machen, heißt es in der Ankündigung.

Details zur Demonstration
Die Demonstration beginnt am 6. Oktober um 13 Uhr vor dem Unterrichtsministerium am Minoritenplatz und führt zum Finanzministerium, wo gegen 15 Uhr auch die Abschlusskundgebung stattfindet.

Gefordert werden unter anderem weniger Kinder pro Gruppe, mehr Platz für Kinder und Personal, höhere Gehälter, eine tertiäre Ausbildung für Kindergartenpädagoginnen sowie eine 300 Stunden umfassende bundesweit einheitliche Ausbildung für das Unterstützungspersonal. In Kindergärten und Kindertagesheimen sind laut Statistik Austria mehr als 50.000 Menschen beschäftigt, rund 98 Prozent davon sind Frauen.

"Fleckerlteppich" Kindergarten

Im Kindergarten-Bereich gibt es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regelungen bei Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel, Gehaltsschema und die Vorbereitungsstunden der Beschäftigten. In Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Salzburg und Kärnten beträgt die Gruppengröße im Kindergarten 25 Kinder, Vorarlberg und Oberösterreich begrenzen auf 23, Tirol auf 20 Kinder. In den Krippen bzw. Krabbelgruppen kommen Wien, Niederösterreich, Burgenland und Kärnten auf 15 Kinder, die Steiermark auf 14, Tirol auf zwölf, Oberösterreich auf zehn, Vorarlberg auf neun und Salzburg auf acht Kinder.

Auch der Personalschlüssel ist nicht einheitlich: In Niederösterreich, der Steiermark, Salzburg, Kärnten und Vorarlberg sind grundsätzlich immer eine Pädagogin und eine unausgebildete Zusatzkraft in der Gruppe, in Wien, dem Burgenland und Tirol eine Pädagogin und eine "halbe" Zusatzkraft. Dies bedeutet, dass diese je nach Bedarf in zwei verschiedenen Gruppen arbeitet oder nur die Hälfte der Zeit anwesend ist. In Oberösterreich ist grundsätzlich nur eine Pädagogin vorgesehen.

Unterschiede gibt es auch in der Vorbereitungszeit der Pädagoginnen - sogar innerhalb eines Bundeslands. Bei der Gemeinde Wien gibt es sechs Vorbereitungsstunden, für private Einrichtung in der Hauptstadt existiert dagegen keine gesetzliche Regelung. In der Steiermark werden bei Vollanstellung zehn Stunden Vorbereitungszeit bezahlt.

60 unterschiedliche Gehaltstabellen

Weit entfernt sind die Angestellten außerdem von einem einheitlichen Gehaltsschema: Insgesamt gibt es mehr als 60 unterschiedliche Gehaltstabellen. Schon für den Gemeindedienst herrschen unterschiedliche Verhältnisse. Für private Kinderbetreuungseinrichtungen betragen die Einstiegsgehälter knapp 2000 Euro, wobei es aber für Betriebskindergärten eigene Gehaltstabellen gibt und große private Träger in Wien wie etwa Kinderfreunde, Kind-In-Wien (KiWi), Diakonie oder die St. Nikolaus Kindertagesheimstiftung der Erzdiözese das Gehalt per Betriebsvereinbarung festlegen.

Nicht einmal eine einheitliche Bezeichnung in den einzelnen Landesgesetzen haben die Zusatzkräfte, die die Pädagoginnen unterstützen. Sie sind "AssistentInnen", "HelferInnen", "BetreuerInnen" oder "Stützkräfte". Da wundert es nicht, dass auch die erforderliche Ausbildung variiert. Und auch beim Platz für die Kinder gibt es natürlich Unterschiede: In Wien sind etwa drei Quadratmeter bespielbare Bodenfläche pro Kind vorgesehen, in Vorarlberg nur die Hälfte.

(APA/Red.)

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13 Kommentare
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wer soll diese Forderungen bezahlen?

kleinere Gruppen, mehr Raum, mehr Personal, höhere Gehälter... und alles natürlich aus öffentlicher Hand bezahlt? Wie soll das denn gehen?

Antworten Gast: Eltern
07.10.2012 11:28
2 2

Re: wer soll diese Forderungen bezahlen?

Es war doch die Idee der Politiker, dass die Kinder möglichst früh in die Hände des Staates gegeben werden!
Die Politiker glauben nämlich immer noch, die Mütter würden "nichts tun", wenn sie sich der Kinderbetreuung widmen.
Die Politiker haben immer noch nicht kapiert, dass Kinderbetreuung sehr großen Aufwand erfordert. Die billigste Variante wäre immer noch, wenn alles Geld das der Staat im Namen der Kinder und Familien ausgibt, direkt an die Eltern ausgezahlt würde als versteuertes und versichertes Einkommen. Die Eltern können dann selbst bestimmen ob und wieviel sie für die Fremdbetreuung ausgeben.

Gast: xxxyyyzzz
04.10.2012 15:29
1 5

Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?


Am besten einfach ignorieren.

Re: Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?

also soviel sind 2000€ brutto wirklich nicht, bei der Verantwortung. Die Pädagoginnen und deren Helferinnen leisten weitaus mehr als die Lehrer.

Antworten Antworten Gast: xxxyyyzzz
07.10.2012 00:27
1 2

Re: Re: Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?

Sorry, wenn sie ein Einstiegsgehalt von 2.000 Euro brutto, wie es hier im Artikel kolportiert wird, als nicht angemessen für einen 19jährigen Maturanten ohne Erfahrung bezeichnen haben Sie den Bezug zur Realität verloren.

Zudem behaupte ich nicht, dass es eine Überbezahlung wäre, sondern ich empöre mich über die Forderung nach höheren Gehältern. Außerdem wird diese Gehaltsforderung - also der Eigennutz - auf schäbige Weise mit der Verbesserung der Rahmenbedingungen (kleinere Gruppen etc.) verknüpft. Eine leicht durchschaubare Taktik.

Bei Kritik an den Gehaltsforderungen schieben die lieben Kindergartentanten und -onkeln die kleinen Kinder vor. Nach dem Motto: Es geht doch um unsere Kinder.

Antworten Gast: 5471
05.10.2012 14:33
3 1

Re: Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?

Die RAHMENBEDINGUNGEN für eine bessere BASISQUALITÄT stehen im Vordergrund. Kleiner Gruppen, mehr Personal.Das mit dem Einstiegsgehalt ist zu hoch angesetzt und trifft nicht einmal auf Vollzeitkräfte zu!

Antworten Antworten Gast: xxxyyyzzz
07.10.2012 00:21
1 2

Re: Re: Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?

Die Forderung nach höheren Gehältern für sich selbst mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die zu betreuenden Kinder zu verknüpfen ist dennoch schäbig.

Dann passiert genau das, was hier zu beobachten ist: Man kritisiert die Gehaltsforderungen und bekommt dann theatrealisches: Es geht doch um unsere Kinder! Wie kannst du uns nur nicht unterstützen.

Kleinere Gruppen und mehr Personal? O.K. Mehr Gehalt? Nein, danke.

Antworten Antworten Gast: päd
05.10.2012 20:18
4 2

Re: Re: Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?

brutto natürlich -macht ca. 1370 netto und jede(r) der meint damit ist eine gutausgebildete und engagierte pädagogin überbezahlt ist herzlich eingeladen eine woche im kindergarten mitzuarbeiten

Antworten Antworten Antworten Gast: xxxyyyzzz
07.10.2012 00:30
0 1

Re: Re: Re: Einstiegsgehälter von knapp 2.000 Euro für einen Maturanten? Und diese Personen empfinden sich als unterbezahlt?

Wer hat behauptet diese Personen seien überbezahlt? Niemand. 2.000 Euro sind jedenfalls keine Unterbezahlung und die Empörung betrifft die Forderung nach Gehaltserhöhungen bzw. die Darstellung, dass diese Personen unterbezahlt oder gar ausgebeutet werden.

Gast: Regenwurm
04.10.2012 12:46
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Der Staat betreut die Kinder und die Eltern sind an allem schuld.

Da wird ständig getönt die Mütter sollen ihre Kinder abliefern und sich gefälligst hinter die Registrierkasse oder hinters Fließband klemmen. Da können sie sich erst so richtig verwirklichen. Heimchen am Herd will keiner mehr.
Der Einfluss der Eltern ist ja sowieso sehr schlecht für die Kinder. In den Sardinenbüchsen welche der Staat für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellt, können sich die Kinder viel besser entfalten.

Antworten Gast: 5471
05.10.2012 14:35
4 1

Re: Der Staat betreut die Kinder und die Eltern sind an allem schuld.

Der "Beitragsfreie" Kindergarten motiviert die Eltern ihre Kinder abzuschieben. Viele Alleinerzieher brauchen Unterstützung. Außerdem wird FAMILIENERGÄNZEND gearbeitet und nicht ersetztend!!!

Re: Re: Der Staat betreut die Kinder und die Eltern sind an allem schuld.

sie vergessen, dass es familien gibt, wo es für die kinder besser ist, wenn sie "abgeschoben" werden, weil sie sonst den ganzen tag vor dem erzieher flimmerkiste verbringen...und dann mit 6 in die schule kommen, weder reden noch sitzen können, oftmals so banale dinge wie stiegensteigen nicht beherrschen, weils niemand je mit ihnen gemacht hat, sozial völlig gestört sind, weil sie im idealfall nur angeschrien werden kennen, und im nicht so idealen fall viel schlimmeres erlebt haben.

für diese kinder ist der kindergarten oft der einzige halbwegs stabile und sichere ort. der einzige ort, an dem sie halbwegs vernünftiges essen bekommen, an dem sie ein bißchen aufmerksamkeit und achtung erfahren...


Antworten Antworten Gast: Regenwurm
07.10.2012 11:41
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Re: Re: Der Staat betreut die Kinder und die Eltern sind an allem schuld.

Mit der Ergänzung ist das so eine Sache. Es wird gern vergessen, dass man während der Zeit in der die Kinder betreut werden, "alles" für die Kinder tun muss. Genau da hapert es. Da gibt es einige - man konnte es vor ein paar Tagen in der Zeitung lesen - die glauben, man könnte die Kinder den ganzen Tag fremdbetreuen, aber die Erziehung, die Bewegung, das Essen usw. müsste in der Verantwortung der Eltern bleiben. Genau das ist nicht möglich. Erziehung lässt sich nicht vom Erleben trennen. Wenn Eltern und Kinder sich morgens trennen und erst abends wieder zusammentreffen, dann ist der Tag gelaufen. Da können die Eltern nicht mehr viel für ihre Kinder tun.

Politiker haben keine Ahnung von Kindererziehung, Entwicklung, Ernährung usw., glauben aber bestimmen zu müssen, wie so etwas zu funktionieren hat. Geld für Kinder hat man sowieso keines. Das sind die Kinder unseren Politikern nicht wert.
Die ÖVP ist eine Partei fürs Kapital.
Die SPÖ ist eine Partei für Arbeitnehmer.
Die FPÖ verhaspelt sich in Heimatliebe.
Die Grünen meckern nur herum.
Stronach wird sicher auch nicht viel für Kinder übrig haben.
Die Kinder sind für alle Politiker nur ein lästiges Übel das zu allem Überfluss auch noch Geld und Zeit kostet.

Die Eltern strampeln sich ab, schlagen sich mit einem schlechten Gewissen herum, wissen nicht wie sie das Dilemma lösen sollen. Manchmal geht es gut, manchmal geht es daneben. Man weiß oft nicht wie. Aber das Leben geht weiter.

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