Die Angst vor der Sucht

07.12.2012 | 18:23 |  von Doris Kraus (Die Presse)

Medienbildung für Eltern gibt es hierzulande kaum. Dabei stellen Computer, Games und TV alle Familien vor schwierige Herausforderungen.

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Wie viel Zeit sollen Kinder vor dem Bildschirm verbringen – und zwar egal, ob dieser ein Fernseher, ein Computermonitor oder ein Handy ist? Diese Frage kostet Eltern einiges an Nerven. Einerseits wissen sie, dass heute nichts mehr geht ohne die fundierte Beherrschung digitaler Medien. Wer will da schon die Chancen seines Kindes schmälern, indem man es zum digitalen Analphabeten macht? Andererseits sehen die meisten Eltern in Computern, TV und Co. eine potenzielle Gefahr und Suchtquelle, von der sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

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Diese Verunsicherung zeigt sich etwa in dem Riesenerfolg des Buches „Digitale Demenz“, in dem der deutsche Psychiater Manfred Spitzer warnt, dass digitale Medien der Entwicklung des Gehirns und soziale Netzwerke der Entwicklung der Sozialkompetenz schaden würden. Spitzers Thesen blieben aber nicht unwidersprochen und wurden mit teilweise wütender Kritik belegt: vor allem deshalb, weil er den Computer in Bausch und Bogen verdammt.

Verbote sind sinnlos

Realistisch veranlagte Eltern werden zugeben, dass Dogmen im Fall digitaler Medien reine Zeitverschwendung sind. Erstens kommen Kinder in einem immer jüngeren Alter über die Schule mit Computern in Berührung. Und zweitens finden Kinder, die zu Hause nicht spielen oder fernsehen dürfen, so gut wie immer Freunde, bei denen das sehr wohl erlaubt ist. Mit dem Zusatzmalus, dass Verbotenes besonders attraktiv ist.

Davor warnen auch Fachleute für Medienbildung. Mehr Wissen über diesen Bereich würde Eltern einerseits die Angst vor Angeboten nehmen, die sie nicht kennen, beziehungsweise sie sicherer machen, wenn sie ein Verbot dann tatsächlich aussprechen. Auf jeden Fall empfehlen Experten, Bildschirme nicht mit Babysittern zu verwechseln und Kinder damit nicht allein zu lassen, um problematische Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und die Entstehung einer Parallelwelt zu verhindern.

Alarm! Unruhe beim Abendessen

Die Ratschläge, die in diesem Zusammenhang erteilt werden, sind mitunter allerdings von zweifelhafter Qualität. Da wird zum Beispiel als ein Indiz für beginnende Bildschirmsucht gewertet, wenn das Kind beim Abendessen unruhig hin und her rutscht. Besser wäre es, die Medienbildung für Kinder und Eltern zum Pflichtfach zu machen. Dass digitale Medien in Zukunft weniger genutzt werden, ist so gut wie ausgeschlossen. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, Eltern und Kinder im Umgang damit möglichst gut zu schulen.

Ratschläge

Informieren.
Bei jüngeren Kindern versteht sich's von selbst, aber auch bei den größeren sollten Eltern die Inhalte der Spiele kennen.

Teilnehmen.
Die Kinder nicht allein spielen lassen, sondern entweder gemeinsam mit den Eltern oder mit Freunden. Verhindert das Abtauchen in eine Parallelwelt und fördert Kooperation.

Reglementieren.
Jüngeren Kindern ein Zeitbudget vorgeben, mit den älteren eines ausverhandeln und sie an Selbstregulierung gewöhnen. Computer und Fernseher im Wohnzimmer lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2012)

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9 Kommentare

Vor allem Medien die AL und EU verherlichen!

Deswegen wer seine Kinder liebt, kein Fernsehen und keine Zeitung - dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das Kind nicht versauen zu lassen!

Re: Vor allem Medien die AL und EU verherlichen!

kein tv ok.
keine zeitung ist nicht ok. muss ja nicht die krone sein, oder der andere müll, der mit ö...

Im Bild: X S 1 C H T auf Lan!


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Medienbildung für Eltern

Gibt es irgend ein Argument, dass Menschen, die gerade unmündige Kinder haben aus irgend einem Grund dümmer sind als Menschen die gerade keine Kinder haben?
Wieso sollten Menschen mit unmündigen Kindern grundsätzlich ihre eigene Vorstellung von Richtig und Falsch über Bord werfen und die Vorstellung der Kinderlosen annehmen?
Woher, liebe Frau Kraus nehmen Sie die Information, dass die Frage wieviel Fernsehkonsum richtig ist, die Eltern einiges an Nerven kostet? Vielleicht ist das bei Ihnen so, aber Sie sollten nicht von sich auf andere schließen und Sie sollten nicht die Eltern pauschal über einen Kamm scheren. Eltern sind einfach nur Menschen die gerade kleine Kinder haben und Eltern sind kein bisschen anderes als Menschen nun mal sind: Jeder ist anders und kein Argument kann für alle Menschen gelten.

Sucht

Man sollte sich erstmal um die Sucht nach Alkohol kümmern, die ist in Österreich nämlich bei weitem weiter verbreitet und meiner Meinung nach auch gefährlicher

solange Computerspiele auf "Flow" optimiert werden wird es sucht geben

und das gibt die Industrie sogar offen zu.

googelt mal "Flow"

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Re: solange Computerspiele auf "Flow" optimiert werden wird es sucht geben

Die Optimierung geht eher in Richtung "kleinster gemeinsamer Nenner" bzw. DAU/Casual.
Siehe Farmville und Co.

Wobei ich ja nicht ausschliessen will, dass das das Durchschnittsniveau genau trifft.
Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Idiocracy

Ministerium wie immer säumig

Hohle Marketingmaßnahmen und leere Versprechungen von Seiten des Ministeriums gibt es genug. Es wird Zeit Medienbildung ernst zu nehmen und auch konkrete Schritte zu unternehmen.

Re: Ministerium wie immer säumig

hui, ja wenn sie das sagen, legt man dort morgen gleich los ;-)

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